Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden
Zur Person 1. März 2025

Tazio Nuvolari – zwischen Ehrungen, Erfolgen und Knochenbrüchen
von Kai Böhne

1920 fuhr der in Norditalien nahe Mantua geborene Tazio Nuvolari (1892–1953) seine ersten Motorradrennen. Sein Vater Arturo und sein Onkel, ein Motorradhändler, waren erfolgreiche Straßen- und Bahnradrennsportler.

Fünf Jahre später, 1925, wurde der »Mantovano volante«, der »Fliegende Mantuaner« wie ihn seine Verehrer nannten, Motorradeuropameister in der 350-Kubikzentimeter-Klasse auf dem geschlungenen Rundkurs von Monza. Die Art und Weise, wie Tazio Nuvolari dieses Rennen mit zwei gebrochenen Beinen gewann, begründete seinen Ruf als risikobereiter Draufgänger und unerschrockener Haudegen und ließ den Mythos Nuvolari entstehen: Der Heißsporn ließ sich beide Beine schienen und am Motorrad festbinden. Beim Start stützten ihn zwei Mechaniker.
Hundert Jahre nach diesem Ereignis kündigte die Postverwaltung von Monaco für den 10.März 2025 eine weitere Neuheit ihrer Briefmarkenserie über legendäre Formel-1-Fahrer an: Auf einem Zusammendruck wird an Tazio Nuvolari erinnert. Die Auflage des Markenpaares beträgt 40000 Exemplare.

Der Wettkampf
1924 und 1926 wurde Nuvolari italienischer Meister in der 500-Kubikzentimeter-Klasse. Parallel hatte er begonnen, neben den Zweirad- auch Autorennen zu fahren. Gemeinsam mit seinem Landsmann und späteren Widersacher Achille Varzi gründete er ein privates Automobilrennteam. Das Team kaufte zwei Bugatti-Rennwagen, und Nuvolari gewann aus dem Stand wichtige Rennen.
Varzi, Kind einer vermögenden Kaufmannsfamilie, ertrug es nicht, auf den zweiten Platz zurückgedrängt zu werden, verließ das Team und kaufte sich das beste Fahrzeug, das seinerzeit zu bekommen war: einen Alfa Romeo P2. Kurzzeitig war er damit erfolgreich, bis das Alfa-Romeo-Rennteam auch Nuvolari an Bord holte. Varzi und Nuvolari wurden zu erbitterten Rivalen. Ihre Duelle mobilisierten die Massen.
Varzi konnte sich gegen Nuvolari nicht durchsetzen. Im Gegensatz zu Nuvolari, dessen Karriere mit Unfällen und Knochenbrüchen übersät war, hatte Varzi, dessen Fahrstil durchdacht, kühl und perfektionistisch war, in seiner Karriere nur zwei Unfälle. Der zweite, beim Training zum Großen Preis der Schweiz, endete am 1.Juli 1948 auf regennasser Piste tödlich.
Bei Automobilwettrennen zwischen 1927 und 1930 in Rom, in Alessandria und beim Langstreckenrennen Mille Miglia war der »Fliegende Mantuaner« der Schnellste. Mit Siegen beim Großen Preis von Monaco, Italien und Frankreich dominierte Nuvolari 1932 die Europameisterschaft. 1933 wechselte er für zwei Jahre von Alfa Romeo zu Maserati und gewann mit dem neuen Wagen den Großen Preis von Belgien. Zurück bei Alfa Romeo holte er sich 1935 – allein durch seine rasante Fahrweise –mit einem den Mercedes-Silberpfeilen technisch unterlegenen Rennwagen den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Nuvolari wieder hinter das Steuer zurück. Mit 58 Jahren absolvierte er sein letztes Wettrennen: das Bergrennen »Salita al Monte Pellegrino« auf Sizilien. Er siegte am 10.April 1950 mit einem Abarth 204A. Für den Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche war der Italiener »der größte Fahrer der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft«.
Nuvolari gewann bei Rundstrecken- sowie bei Straßenrennen nahezu alles, was es zu seiner Zeit zu gewinnen gab. Dabei scheute der Mann im charakteristischen gelben Pullover kein Risiko, verlangte mit seinem spektakulären Fahrstil sich selbst und seinem Material immer alles ab und bot den Zuschauern stets beherzte Unterhaltung.
Seine Tollkühnheit und sein spektakulärer Fahrstil führten zu mehreren Unfällen und zwangen den »Fliegenden Mantuaner« zu häufigen Krankenhausaufenthalten. Als ihn daraufhin ein Pressevertreter fragte, warum er trotzdem immer wieder in Rennwagen steige, erwiderte der Rennfahrer: »Die meisten Menschen sterben im Bett und legen sich doch jeden Abend wieder hinein!«

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.