Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Buch 30. April 2026

Stolpersteine
von Angela Klein

Dieter Braeg: Randglossen zum ­Zeitgeschehen. Berlin: Die Buchmacherei, 2025. 135 S., 18 Euro

Die Randglossen zum Zeitgeschehen sind eine Reihe von Beiträgen, die Dieter Braeg im Zeitraum 2019–2025 in der Zeitschrift Ossietzky veröffentlicht hat. Warum in die Auswahl nicht auch Beiträge aufgenommen wurden, die er für die SoZ geschrieben hat, ist unverständlich – immerhin finden sich auf deren Webseite www.sozonline.de allein für die Jahre 2010–2024 87 Beiträge von ihm.

Der Mangel hat allerdings auch sein Gutes: Der SoZ-Leserschaft werden in dem Büchlein Artikel und Rezensionen zu Österreich schwarz-blau, zum alltäglichen Wahnsinn während der Coronazeit, zum Umgang mit Migranten und der Klimakrise und manches mehr präsentiert, das sie bisher nicht kannten.
Wer Lust an der Sprache hat, kommt bei Dieter auf seine Kosten: Er sieht sich in der Tradition der großen österreichischen Schriftsteller Johann Nestroy und Karl Kraus, aber auch deutscher Autoren wie Georg Lichtenberg oder dem zeitgenössischen Uwe Dick – Sprachkünstler, die mittels Wortstellungen, -schöpfungen und -verdrehungen eine Aussage und zugleich ihr Gegenteil zum Ausdruck bringen, womit sie auf wunderbare Weise die inneren Widersprüche einer Situation oder einer Rede aufs Korn nehmen und das Absurde der Verhältnisse auf den Punkt bringen. Dabei gibt Dieter Situationen so detailreich wieder, dass sie fast körperlich spürbar werden.
Das ist die eine Seite von Dieters Schreiben. Die andere Seite ist sein Blick auf die Verhältnisse: Immer geht es um die Arbeitswelt, die einfachen Leute als Akteure, Ihre Demütigungen, ihre Belastungen, ihr Widerstand, ihre Glanzzeiten – die Streiks bei den Zementwerken in Erwitte, den Tabakarbeiterinnen in Hallein, den ausländischen Frauen beim Autozulieferer Pierburg in Neuss… Beim letzteren war Dieter selbst mit dabei, hat als Betriebsrat den Kampf organisiert und immer wieder darüber geschrieben, vor allem die Rolle der Frauen hervorhebend…
Am Anfang des Büchleins gewährt Dieter einen Einblick in seine Kindheit und die Mühsal, als volksdeutscher Flüchtling aus Rumänien in der österreichischen Gesellschaft anzukommen. Ein Interview mit ihm dazu wäre eine Bereicherung gewesen.

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