Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Klima 1. April 2026

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Die Bundesregierung ist auf dem besten Wege, die Verbraucherinnen und Verbraucher in eine regelrechte Kostenfalle zu locken. Mit dem zur Änderung anstehenden Gebäudemodernisierungsgesetz – ehemals Gebäudeenergiegesetz und als Heizungsgesetz bekannt – soll der Einbau neuer Gasheizungen wieder erlaubt sein. Wie bereits berichtet, kommen auf die Kunden jedoch langfristig steigende Abgaben für das Gasnetz zu, da dessen Kosten auf immer weniger Schultern verteilt werden.

Denn trotz aller rechten Kampagnen gegen Wärmepumpen und Fernwärmnetze verbreiten sich diese mehr und mehr, womit die Zahl der Gaskunden abnimmt. Von 2019 bis 2023 stieg der Absatz der Wärmepumpen von jährlich 86.000 auf 356.000 rasant an. 2024 gab es dann aufgrund der massiven Desinformationskampagne rechter Medien und Parteien einen Einbruch auf nur noch 193.000, der mindestens einen Hersteller in den Konkurs trieb. Im vergangenen Jahr hat sich der Absatz mit 299.000 Anlagen jedoch schon fast wieder erholt. Selbst im besonders schlechten Jahr 2024 lag der Anteil der Wärmepumpen an den verkauften Heizungsanlagen noch bei immerhin 27,1 Prozent. Der Trend zeigt also steil nach oben, und dürfte sich demnächst zu einem regelrechten Run aus dem Gas entwickeln. Rund 60 Prozent der Gasheizungen sind nämlich bereits 25 Jahre und älter, das heißt, sie müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden.

Höhere Kosten drohen den Privathaushalten auch durch steigende Gaspreise. Direkt, wenn sie weiter mit Gas heizen, was in fast 20 Millionen Wohnungen der Fall ist, und indirekt über den Strompreis, wenn die Bundesregierung ihre Pläne umsetzt, einige Dutzend subventionierter neuer Gaskraftwerke zu bauen. Nach dem großen Preisanstieg, der auf den russischen Angriff auf die Ukraine folgte, ist der Preis zwar wieder gesunken, lag aber im Januar 2026 noch immer rund 90 Prozent über dem Niveau von 2020. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran sind die Großhandelspreise wieder kräftig gestiegen.
Inzwischen sollte also auch dem letzten klar geworden sein, dass die Zeiten stabil günstiger Gaspreise passé sind. Mitte März lagen sie in Europa rund 60 Prozent über dem Niveau von Anfang Januar 2026. Am härtesten von den Preissteigerungen bei Öl und Gas sind übrigens die asiatischen Länder betroffen, die den größten Teil ihres Bedarfs in der Golfregion decken. Die US-Energiekonzerne profitieren als Exporteure hingegen von den hohen Preisen.
Das Ökoinstitut rechnet damit, dass für hiesige Verbraucherinnen und Verbraucher der Gaspreis von derzeit elf Cent pro Kilowattstunde bis 2029 auf 15 Cent und bis 2040 auf 25 Cent steigen könnte. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 12.600 Kilowattstunden im Jahr wären das für einen Haushalt immerhin jährliche Mehrkosten von 504 beziehungsweise 1764 Euro.
Aber Faschisten, Konservative und rechte Revolverblätter werden sicherlich einen Weg finden, dafür die Ökos und die Energiewende verantwortlich zu machen.

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