Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Klima 30. April 2026

Zahlensalat
von wop

Es ist nicht gerade so, dass der Klimawandel gerade Pause machen würde, nur weil Kriegstreiber und andere Freunde der immer noch sehr gewinnträchtigen Steinzeittechnologien gerade viel Rückenwind haben. Im Gegenteil: Die Weltmeteorologie Organisation in Genf lässt in ihrer Jahresbilanz wissen, dass das planetare Klimasystem mehr und mehr aus den Fugen gerät. Mit 1,43 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau war das vergangene Jahr das zweit- oder drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnung. Nur 2024 war wärmer und 2023 in etwa mit dem vergangenen Jahr gleichauf. Die Erwärmung hat sich in den letzten zehn Jahren sichtlich beschleunigt.

Schuld sind die Treibhausgase. Seit dem Beginn der Industrialisierung ist die atmosphärische Konzentration von Kohlendioxid (CO2), des mit Abstand wichtigsten Treibhausgases, von rund 280 auf 423,9 Millionstel Volumenanteilen (ppm) im Jahresdurchschnitt 2024 gestiegen. Für 2025 müssen die Daten der verschiedenen Messstationen noch aufbereitet werden. Der Anstieg 2024 war mit 3,5 ppm zugleich der stärkste seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1957. Aus Luftbläschen im ewigen Eis Grönlands und der Antarktis wissen wir, dass es seit mindestens zwei Millionen Jahre nicht mehr so viel CO2 in der Atmosphäre gegeben hat.

Das ist um so schlimmer, als auch die beiden nächst wichtigsten Treibhausgase Methan und Lachgas (Distickstoffoxid) weiter zulegen und ihre Konzentrationen sich auf einem Rekordniveau bewegen, wie es seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Während die Methankonzentration in der Atmosphäre innerhalb weniger Jahrzehnte wieder deutlich abnehmen würde, sobald die Emissionen gestoppt wären, kann man das von Lachgas und CO2 nicht sagen. Vom Lachgas ist nach 120 Jahren noch die Hälfte in der Atmosphäre, beim CO2 dauert es mehrere Jahrtausende bevor seine atmosphärische Konzentration durch natürliche Prozesse wie Gesteinsverwitterung wieder merklich zurückgeht.

Trotzdem wird durch industrielle Prozesse, Verkehr und Entwaldung immer mehr Treibhausgas in die Luft geblasen, sodass die Energiebilanz des Planeten inzwischen reichlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Unter ungestörten Verhältnissen ist sie nämlich – abgesehen von geringfügigen Schwankungen – ausgeglichen. Das heißt, es geht genau so viel Energie im Form von Infrarotstrahlung raus, wie von der Sonne hereinkommt. Da aber die Konzentration der Treibhausgase immer weiter ansteigt und diese die Abstrahlung der Oberfläche in wichtigen Frequenzbereichen abschirmen, sammelt sich mehr und mehr Energie im Klimasystem an. In den letzten 20 Jahren hat sich der Energiezuwachs sogar noch beschleunigt.
Das meiste davon – 91 Prozent – landet in den Ozeanen. Das Wasser wird wärmer und dehnt sich dadurch aus, was die Meere ansteigen lässt. Fünf Prozent der zusätzlichen Energie wird von der Oberfläche der Kontinente aufgenommen und weitere drei Prozent lassen das Eis in den Gebirgen und an den Polen schmelzen. Nur ein Prozent der zusätzlichen Energie geht in die Erwärmung der Atmosphäre, was wir als den Anstieg der globalen Mitteltemperatur wahrnehmen.

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