Von Wolfgang Pomrehn
Es wird zwar kaum noch über die Klimakrise gesprochen und geschrieben, doch das hat eher Gründe in der politischen Konjunktur, als in der naturwissenschaftlichen Realität. Die Konzentration der wichtigsten Treibhausgase in der Erdatmosphäre nimmt jedenfalls unvermindert weiter zu.
Das dokumentiert einmal mehr das jährliche Treibhausgas-Bulletin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Demnach stieg der atmosphärische CO??Gehalt 2025 auf durchschnittlich 426,8 Millionstel Volumenanteile (ppm). 1750, vor Beginn der industriellen Revolution und der Verbrennung von Kohle und Öl im großen Stil, waren es 279 ppm gewesen und 2004 377,5 ppm.
Es wird also nicht nur immer mehr Treibhausgas in der Atmosphäre angereichert, sondern die Zunahme beschleunigt sich auch noch. Seit den 1960ern hat sich die durchschnittliche CO??Zunahmerate von 0,8 auf 2,4 ppm pro Jahr verdreifacht. Von 2024 auf 2025 betrug die Zunahme laut WMO sogar 2,8 ppm.
Entsprechend nehmen auch die Auswirkungen auf das globale Klima rasch zu. Nach Berechnungen der US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre NOAA hat sich der erwärmende Effekt der von Menschen erzeugten langlebigen Treibhausgase in den 35 Jahren von 1990 bis 2025, also seit etwa Beginn der ersten internationalen Klimaverhandlungen, um 56 Prozent verstärkt.
CO? hatte an dieser Zunahme einen Anteil von 81 Prozent. Das zweitwichtigste dieser langlebigen Klimagase ist Methan, das unter anderem im großen Umfang bei der Förderung und dem Transport von Erdgas freigesetzt wird. Insbesondere der Flüssiggas- oder LNG-Transport und die Förderung mittels des sogenannten Frackings in den USA sind bekannt für Methanemissionen. Die EU hatte sich eigentlich darauf verpflichtet, dass die entsprechenden Energiekonzerne, ihre Emissionen genauer messen, mitteilen und zügig vermindern sollen.
Inzwischen haben sich im EU-Parlament allerdings Konservative und Rechtsextreme verbündet, um die entsprechenden Fristen deutlich hinauszuschieben. Zum Glück bisher erfolglos. Auch die christdemokratische deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihr Bundeskanzler hatten in den letzten Wochen mächtig Druck gemacht, um die sogenannte Methan-Verordnung der EU zum Wohle der US-Energiekonzerne aufzuweichen. Im Ministerrat könnten sie damit noch Erfolg haben.
Methan ist, wenn man Molekül zu Molekül vergleicht, ein wesentlich stärkeres Treibhausgas als CO?, aber zum Glück nicht so häufig. Seine atmosphärische Konzentration hatte bis in die 1990er Jahre zugenommen und war dann für circa zehn Jahre konstant. Mit Beginn des Frackingbooms in den USA nahm sie wieder zu und erreichte 2025 ebenfalls ein neues Rekordniveau.
„Ein weiteres Jahr, ein weiterer neuer Rekord. Treibhausgase halten eine noch nie dagewesene Menge an Wärme in der Atmosphäre zurück und liefern damit die Energie für extremere Wetterereignisse und die damit verbundenen Risiken für unsere Volkswirtschaften und Gesellschaften. Die letzten elf Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, und dieser Trend wird sich fortsetzen. CO? hat eine sehr lange Lebensdauer und wird daher das globale Klima nicht nur über Jahre, sondern über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte hinweg beeinflussen.“
Ko Barrett, stellvertretende WMO-Generalsekretärin, bei der Vorstellung des Berichts gegenüber der Presse in Genf.
Derweil wird in vielen Industrieländern und nicht zuletzt in Deutschland weiter viel zu wenig getan, um die weitere Zuspitzung der Klimakrise aufzuhalten. Vor einigen Tagen hatte eine Bilanz des UN-Umweltprogramms UNEP festgehalten, dass beim gegenwärtigen Stand der Klimapolitik in den diversen Ländern die Erde auf eine Erwärmung von 2,8 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zusteuert. Hier findet sich ein etwas ausführlicherer Bericht darüber.
Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen
Spenden
Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF
Schnupperausgabe
Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.
Kommentare als RSS Feed abonnieren