Von Wolfgang Pomrehn
Die Hitze hat Mittel- und Westeuropa fest im Griff. Der Deutsche Wetterdienst meldet, dass es eine derartige Hitzewelle noch nie so früh im Jahr gegeben habe. Für gewöhnlich sei mit solchen Ereignissen erst im Hochsommer, das heißt, Ende Juli Anfang August, zu rechnen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Grundwasserstände zu Sommeranfang besonders niedrige waren. Der Dürremonitor zeigt entsprechend fast im ganzen Land leichten bis extremen Trockenstress für die Pflanzen.
Wie gefährlich die Hitze besonders für Kinder, Alte und Menschen, die im freien Leben oder arbeiten (müssen), sein kann, zeigt eine Meldung der BBC aus London. Die dortige Ambulanzzentrale meldete für den vergangenen Mittwoch (24.6.) einen der ereignisreichen Tage seiner Geschichte. Noch nie habe es so viele Einsätze an einem Tag gegeben, bei denen es um Leben und Tod ging.
In Frankreich sind die Temperaturen noch höher. Dort ging zuletzt in einigen Landesteilen die Temperatur auch in der Nacht nicht einmal unter 30 Grad Celsius zurück. Tropische Nächte, in denen sie Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, gab es flächendeckend. In Deutschland wurde das in den letzten Tagen nur in einigen Städten erreicht.
Unter der Hitze ächzen auch die zahlreichen Atomkraftwerke des Nachbarn. Viele stehen an Flüssen, deren Wasser jetzt zu warm wird, als dass mit ihm noch ausreichend gekühlt werden kann. Zwei Meiler mussten ganz abgestellt werden, andere liefern nur mit Teillast. Entsprechend gehen die Strompreise in die Höhe, wie die Financial Times schreibt. In Deutschland kann davon noch nicht die Rede sein, wie diese Grafik der Börsenstrompreise zeigt. Hierzulande sorgt der reichliche Solarstrom besonders in einigen Stunden um die Mittagszeit für Niedrigpreise.
An der Hitze-Ursache gibt es kaum wissenschaftlichen Zweifel. Der World Weather Attribution service, eine Gruppe von Wissenschaftlern aus diversen Ländern, die Extremereignisse mit simulierten Wetterbedingungen ohne die in den letzten rund 150 Jahren angereicherten Treibhausgase vergleicht, kommt zu dem Schluss, dass eine Hitzewelle wie die derzeitige in dieser Intensität ohne die zusätzlichen Treibhausgase kaum denkbar wäre. Noch 2003 wäre bei der seinerzeit noch geringeren Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre eine vergleichbare Hitzewelle um zwei Grad Celsius kühler ausgefallen, 1976 wären es sogar 3,5 Grad Celsius weniger gewesen. Die Rolle des Klimawandels beim Entstehen von Hitzewellen hatten wir kürzlich hier erläutert.
Derweil hat die Bundesregierung ihre ganz eigene Vorstellung, auf die langsam Fahrt aufnehmende Klimakrise zu reagieren. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurde sie am Donnerstag (25.6.) einmal mehr in Brüssel vorstellig, um das sogenannte Verbrenner-Aus zu kippen. Die EU-Kommission hat bereits einen ähnlichen Vorschlag gemacht, Opposition gibt es aus Schweden und Frankreich. Bisher gilt in der EU die Verabredung, dass ab 2035 keine Neuwagen mit Benzin oder Dieselmotoren mehr verkauft werden dürfen.
Italien stützt den Vorstoß Berlins. Offensichtlich will auch die dortige Automobilindustrie nicht vom Verbrenner lassen. Bei VW wurden in den letzten Jahren sogar Pläne, verstärkt in die E-Autoproduktion einzusteigen, zurückgefahren. Stattdessen macht man sich dafür stark, mehr Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einsetzen zu dürfen. Deren Produktion auszuweiten würde allerdings Druck auf die Lebensmittelproduktion ausüben und diese damit weiter verteuern.
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