Kurz & Klima 17. Juli 2026

Von Redaktion

Nur knapp zehn Kilometer südlich der Grenze stehen beim Schweizer Städtchen Döttingen die beiden Reaktoren Beznau 1 und Beznau 2, die einen höchst unrühmlichen Rekord halten. Mit 57 und 55 Jahren Laufzeit stellen sie den weltweit ältesten beziehungsweise den drittältesten noch im Betrieb Atommeiler dar.

Ausgestattet wurden sie mit einer auf 40 Jahre Betriebszeit ausgelegten Technik, und dürften inzwischen recht unzuverlässige Druckbehälter haben. Deren Stahl versprödet nämlich mit der Zeit durch den Neutronenbeschuss im Innern der Behälter, das heißt, er wird Bruchanfälliger. Ähnliches gilt für die Rohre des Primärkühlkreises, durch die hochgradig radioaktiv belastetes Wasser fließt.

Deutsche und Schweizer AKW-Gegner warnen daher bereits seit langem vor den Gefahren, die von diesen Uralt-Reaktoren ausgehen. In einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie von Armin Simon (.ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie) und Angelika Claussen (Internationale Ärztinnen für die Verhütung des Atomkriegs – Ärztinnen in sozialer Verantwortung (IPPNW)) heißt es:

Nach einem Atomunfall in einem Schweizer AKW müssten bei entsprechender Wetterlage weite Teile Baden-Württembergs und gegebenenfalls sogar Bayerns großräumig evakuiert werden. Betroffen wären unter Umständen Regionen bis in mehreren Hundert Kilometern Entfernung. Die Evakuierungszone könnte nicht nur die Großstadt Freiburg i. Br., sondern auch Städte wie Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Reutlingen, Heilbronn, Ulm, Nürnberg, Augsburg und München umfassen. Auch die gleichzeitige Evakuierung mehrerer Großstädte oder etwa des gesamten Oberrheingrabens könnte erforderlich sein. Darauf ist der Katastrophenschutz nicht ausgelegt.

Nach folgend veröffentlichen wir eine am 17. Juli 2026 veröffentlichte Presseerklärung von .ausgestrahlt und des Trinationalen Atomschutzverband (TRAS) zum Thema.

Neue Katastrophenschutzpläne für Unfälle in grenznahen Schweizer AKW veröffentlicht


.ausgestrahlt und TRAS fordern betroffene Gemeinden zum Handeln auf und bekräftigen die Notwendigkeit der Abschaltung der Schweizer Atomkraftwerke

Das Regierungspräsidium Freiburg hat Ende Juni aktualisierte Planungen zum Notfallschutz bei Unfällen in grenznahen Schweizer Atomkraftwerken veröffentlicht. Diese folgen der Empfehlung der Strahlenschutzkommission von 2014, die Evakuierungs- und Schutzplanungen auf einen deutlich größeren Radius auszudehnen. Die neuen Planungsgebiete gliedern sich in eine Zentralzone (bis 5 Kilometer um die AKW), eine Mittelzone (5 bis 20 Kilometer) und eine Außenzone (20 bis 100 Kilometer). Je nach Zone sind unterschiedliche Maßnahmen vorgesehen, darunter Evakuierungen, der Aufenthalt in Gebäuden sowie die Verteilung und Einnahme von Jodtabletten.

„Mit der Ausweitung der Planungsgebiete rücken zahlreiche Städte und Gemeinden erstmals in den Fokus des Katastrophenschutzes. Als trinationaler Atomschutzverband informieren wir die betroffenen Kommunen aktiv und unterstützen sie dabei, ihre Bevölkerung über Schutzmaßnahmen und die Folgen eines schweren Atomunfalls aufzuklären.“, sagt Stefan Auchter, Vizepräsident TRAS Deutschland.

Die TRAS-Studie „Grenzenloses Risiko“ hat die weitreichenden Folgen eines schweren Atomunfalls untersucht. Demnach könnte es zu einer massiven radioaktiven Belastung der Bevölkerung kommen. Selbst bei durchschnittlichen Wetterverhältnissen wären allein in Deutschland Zehntausende Todesfälle und eine deutlich darüberhinausgehende Anzahl von schweren, lebenslangen Erkrankungen nicht auszuschließen – bei ungünstigen Wetterverhältnissen deutlich mehr. Darüber hinaus wären genetische Schäden zu erwarten, die auch kommende Generationen betreffen könnten. Neben den gesundheitlichen Folgen wären auch die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft enorm. Große Gebiete könnten, wie die Region um Tschernobyl, über Jahrzehnte unbewohnbar und landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar werden.

Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt erklärt: „Vielen Menschen in Baden-Württemberg ist nicht bewusst, wie stark sie und ihre Heimat bei einem Unfall in einem Schweizer AKW gefährdet wären. Je länger die uralten Schweizer Reaktoren noch laufen, desto größer wird das Risiko. Es ist gut, wenn die Diskussion darüber nun in Gang kommt.“

„Größere Schutzzonen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Katastrophenschutz die Folgen eines Atomunfalls zwar versucht zu lindern, das Risiko selbst damit aber nicht beseitigt wird. Dauerhafte Sicherheit kann es nur geben, wenn die Schweizer Atomkraftwerke geordnet abgeschaltet werden.“, sagt Stefan Auchter. „Eine wachsende Zahl von Städten und Gemeinden hat deshalb bereits unsere Resolution zur Abschaltung des ältesten noch betriebenen Atomkraftwerksparks der Welt verabschiedet.“

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