Von Redaktion
Die Lage vieler Studierender ist prekär, staatliche Unterstützung viel zu gering, und noch immer studieren an hiesigen Hochschulen deutlich unterdurchschnittlich Arbeiterkinder. „Ein niedriger ökonomischer Status der Eltern ist an Universitäten und Fachhochschulen ein erheblicher Nachteil; ebenso schwer wirkt sich nur noch eine körperliche Behinderung aus“, schreibt die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung. Und:
Haben Vater oder Mutter ebenfalls eine Hochschule besucht, dann gehen die Kinder mit einer „beträchtlich besseren Grundlage“ ins Studium, (…). Zwei Drittel aus dieser Gruppe können sich ganz auf das Geld der Eltern verlassen. Unter den Kindern ungelernter Arbeiter sind gerade mal 15 Prozent in dieser Situation, vom Nachwuchs der Handwerksmeister 20 Prozent. Hinzu kommt: Die Hilfe der Eltern lässt oft im Laufe des Studiums nach, darum tauchen Geldprobleme verstärkt in der Spätphase der Ausbildung auf.
Neueste Pläne der Bundesregierung und ein gebrochenes BAföG-Versprechen könnten diese Situation noch weiter verschärfen, beschreibt die Bundesstudierendenvertretung, der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V., in einer im folgenden dokumentierten Presseerklärung die Lage.
Pressemitteilung: Kaum BAföG, kein Wohnraum, keine Minijobs? – Bundesstudierendenvertretung fzs fordert sofortige Maßnahmen der Bundesregierung
Berlin, 17.07.2026
Der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V., die Bundesstudierendenvertretung, warnt vor den Folgen der von der Rentenkommission vorgeschlagenen Abschaffung des steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs für Studierende. Ohne umfassende gesetzliche Schutzmaßnahmen drohen erhebliche finanzielle Mehrbelastungen, zusätzliche Bürokratie sowie eine Ausweitung der studentischen Armut.
Derzeit gehen rund zwei Drittel aller Studierenden einer Erwerbstätigkeit nach, viele davon auf Minijob-Basis. Wird diese Erwerbstätigkeit künftig erschwert, ohne die Probleme von BAföG und Wohnungsmarkt anzugehen, verschärft sich die soziale Lage vieler Studierender weiter.
„Einerseits erklärt Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, es sei ‚kein Drama‘, wenn Studierende neben dem Studium arbeiten, nicht für Luxus, sondern zur Sicherung der Existenz. Gleichzeitig werden nun Vorschläge diskutiert, die Erwerbstätigkeit finanziell unattraktiver machen. Wir halten das nicht für ein Versehen, sondern für den Ausdruck einer klassistischen Bildungspolitik: Offenbar besteht kein Interesse daran, Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft den Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen“, erklärt Maximilian Wimmer, fzs-Referent für gute Lehre und Arbeitsbedingungen an Hochschulen.
„Zwei Drittel der Studierenden mit eigener Haushaltsführung sind bereits heute durch ihre Wohnkosten überlastet. Studierende geben im Durchschnitt 54 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten aus, das ist mehr als doppelt so viel wie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, so die zuletzt erschienenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Gleichzeitig stehen bundesweit nur für rund zehn Prozent der Studierenden Wohnheimplätze zur Verfügung. Wer unter diesen Bedingungen die Rahmenbedingungen studentischer Erwerbstätigkeit verschlechtert, verschärft die soziale Krise von Studierenden weiter. Wer Minijobs reformieren will, muss gleichzeitig BAföG, studentische Krankenversicherung und bezahlbares Wohnen mitdenken“, fordert Katharina Rummenhöller, Vorstandsmitglied des fzs.
Rahel Schüssler, Referentin für BAföG und studentisches Wohnen, ergänzt: „Nebenjobs stellen für die überwiegende Mehrheit das fundamentale Existenzminimum her, um Miete und Lebensmittel zu bezahlen. Die Eindämmung prekärer Beschäftigung und des Niedriglohnsektors ist grundsätzlich zu begrüßen. Fällt dieses flexible Beschäftigungsmodell jedoch ersatzlos weg, drohen geringere Nettoeinkommen und höhere Sozialabgaben, was faktisch noch weniger Geld für diejenigen bedeutet, die bereits jetzt in Armut leben. Wir fordern wirkliche soziale Absicherungen und eine tragfähige Perspektive aus prekären Arbeitsverhältnissen, statt ein weiteres Treiben in die Verschuldung und schlussendlich den Studienabbruch.“
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