von Wolfgang Pomrehn
Etwas mehr als 5100 Tote hat die Juni-Hitzewelle in Deutschland gekostet, hat das Robert-Koch-Institut aus den Sterbedaten des Bundesamtes für Statistik ermittelt. Die allermeisten von ihnen waren über 64. Besonders gefährdet sind offenbar die Hochbetagten ab einem Alter von 85. Fast 3000 Todesfälle waren in dieser Personengruppe zu verzeichnen.
Inzwischen finden auch hierzulande Klimaanlagen einen reißenden Absatz, und die AfD wettert schon dummdreist daher, dass die Energiesparpolitik Schuld an deren mangelhafter Verbreitung ist. In der Röhre gucken dabei wiedermal die Ärmeren: Weil sie zur Miete wohnen und ihre Sorgen den auf Profitmaximierung orientierten Immobilienhaien egal ist; weil sie sich die Sanierung des ererbten Hauses nicht leisten können, oder weil sie im Krankenhaus oder Pflegeheim liegen, für die Bundesregierung die Mittel noch weiter zusammenstreichen will.
Auch öffentliche Gebäude sind bisher weitestgehend ohne Klimaanlagen, auch jene, bei denen es bei den sich intensivierenden sommerlichen Hitzewellen inzwischen geboten wäre: Pflegeheime, Krankenhäuser, Gefängnisse, also Orte, an denen Bewohner, Patienten und Insassen kaum selbsttätig der Hitze entkommen können. Oder Schulen und Universitäten, in denen bei den unerträglichen Temperaturen nicht mehr gelernt werden kann.
Und nein, diese Hitzewelle war keine gewöhnliche Sommerhitze. Nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen hatte es ein derartiges Ereignis so früh im Sommer gegeben und nie zuvor war es so heiß geworden. Der Deutsche Wetterdienst hat inzwischen den neuen Temperaturrekord von 41,8 Grad Celsius eingehend überprüft, bestätigt und sogar etwas nach oben korrigiert, wie der ZDF-Meteorologe Özdem Terli berichtet.
Der bisherige Rekord war am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad Celsius aufgestellt worden. Bei der Hitzewelle Ende Juni wurde dieser Wert gleich an neun Orten übertroffen. Zugleich wurden vielerorts auch die höchsten je registrierten Nachttemperaturen beobachtet. In Weinbiet in Rheinland-Pfalz sank am 27. Juni das Thermometer nicht unter 28,2 Grad Celsius, was den bisherigen bundesweiten Rekord aus dem Jahr 2023 gleich um mehr als zwei Grad Celsius übertraf.
Letzte Woche hatten wir bereits berichtet, dass ein internationales Forscherteam die Hitzewelle mit statistischen Methoden eindeutig den Klimawandel zuordnen konnte. Ohne die zusätzlichen, durch menschliche Aktivitäten in der Atmosphäre angereicherten Treibhausgase wäre eine derartige Hitzewelle praktisch unmöglich gewesen.
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