Gerth M. Neugebauer: Erde in Not
Wien: Promedia, 2017. 216 S., 19,90 Euro
von Rolf Euler
Alles achtet auf die Klimaentwicklung und die oft fruchtlosen Verhandlungen zur Begrenzung der Treibhausgase. Inzwischen findet jedoch «heimlich» eine weitere Katastrophe für den Planeten statt: die Vernichtung fruchtbaren Bodens durch die globalisierte und technisierte Produktionsweise.
Krimitipp: Lisa Sandlin: Ein Job für Delpha
Deutsch von Andrea Stumpf. Berlin: Suhrkamp, 2017. 351 S., 9,95 Euro
von Udo Bonn
Wie schön kann die Ruhe eines eigenen Zimmers sein, der Blick aus einem unvergitterten Fenster statt auf einen Gefängnishof. Und um wie viel schöner ist dann noch ein Angelausflug auf einem See und erst Recht die Autofahrt zum Meer mit einem attraktiven jungen Mann. Delpha Ward war 14 Jahre eingesperrt, weil sie in Notwehr einen Vergewaltiger umgebracht hat. So ist mit Frauen Ende der 50er Jahre in Texas umgegangen worden, und 1973 hat sich daran nicht viel geändert.
Regieren auf sozialdemokratisch
Was ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2000 mit den Wahlniederlagen der SPD zu tun hat
von Reiner Tosstorff
Michael Naumann ist gewiss kein Name, den man aus der Politik unbedingt kennen muss. Als Kulturminister Schröders von 1998 bis 2001 und gescheiterter Oberbürgermeisterkandidat der Hamburger SPD 2008 hat er nicht sehr viele Spuren hinterlassen. Eher wurde er als Verleger (Rowohlt) und Journalist (Die Zeit, Cicero) wahrgenommen. Seine kurze Zeit davor in der Politikwissenschaft ergab eine Habilitationsschrift über den irischen Sozialisten James Connolly, von den Briten hingerichteter Mitanführer des Osteraufstands von 1916, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.
Domenico Losurdo: Wenn die Linke fehlt… Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg.
Köln: PapyRossa, 2017. 356 S., 19,90 €
von Anton Holberg
«Das Schild der Humanität ist die beste, sicherste Decke der niederträchtigsten öffentlichen Gaunerei.» Dieser Satz des Schriftstellers Johann Gottfried Seume (1763–1810) könnte zusammen mit «Doppelte Moral – möchte man hinzufügen – war schon immer etwas weniger als gar keine Moral» (Jörg Fauser im Nachwort zu Mickey Spillanes Roman Gangster) als Motto für das im Oktober auf Deutsch erschienene Buch des emeritierten italienischen marxistischen Philosophieprofessors Domenico Losurdo dienen. Losurdo wiederum zitiert in gleichem Sinn Nietzsche: «Und niemand lügt soviel als der Entrüstete.
Rudolf Geist: Die Wiener Julirevolte. Bericht eines Augenzeugen (Hrsg. Dieter Braeg)
Berlin: Die Buchmacherei, 2017
von Angela Klein
Vor 90 Jahren, im Juli 1927, brannte in Wien der Justizpalast – nicht das Werk eines Provokateurs, auch nicht eines einsamen Kämpfers gegen eine heraufziehende Diktatur, sondern das Werk von Hunderten und Tausenden aufs höchste erregter Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich gegen Polizeiwillkür und Klassenjustiz auflehnten.
Krimi: Simone Buchholz: Beton Rouge
Berlin: Suhrkamp, 2017. 227 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn
Als Kandidat lädt man manchmal zum Pressegespräch, wo dann auch nach persönlichen Interessen gefragt wird. Und als Krimileser auch nach einem Tipp.
Ganz unschuldig und ohne Hintergedanken habe ich der sympathischen Vertreterin der dominierenden örtlichen Zeitung unter anderem Beton Rouge von Simone Buchholz empfohlen. Wenn sie den Roman gelesen hat, wird sie mir die Unschuld aber nicht abnehmen.
Bruno Latour: Kampf um Gaia. Acht Vorträge über das neue Klimaregime.
Berlin: Suhrkamp, 2017. 522 S., 32 €
von Gerhard Klas
Eher geht die Welt unter…
Gaia ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die Göttin, die die Erde verkörpert. Ihr Problem: Sie ist von einer Krankheit befallen, die Menschheit heißt. So könnte man eine Grundthese von Bruno Latours Buch Kampf um Gaia skizzieren.
150 Jahre Das Kapital
Ein ungelöster Fall
von Ingo Schmidt
Das Kapital ist einer jener Krimis, bei denen die Leser schon früh wissen, wer der Bösewicht ist. Ob er gefasst wird, bleibt aber bis zum Ende offen. Bisher wurde er nicht gefasst. Deswegen ist seit Marx’ Tod eine Reihe weiterer Folgen geschrieben worden.
Die Geschichte beginnt in einer gespenstischen Welt. Sie wirkt friedlich und frei. Sie wird von Menschen bewohnt, die untereinander Waren tauschen.
Marxistische Stalinismuskritik im 20. Jahrhundert. Eine Anthologie
(Hrsg. Christoph Jünke.) Köln, Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2017. 616 S., 29,80 €
von Manuel Kellner
Zwischen Revolution und Bürokratie
Die Sowjetunion und die Einparteienherrschaft der KPdSU gibt es nicht mehr, die DDR mit der «führenden» Staatspartei SED auch nicht, und die meisten poststalinistischen Kommunistischen Parteien sind kaum noch ein Schatten einstiger Größe. Die bürgerliche Ideologie beherrscht in den besonders kruden Formen des Neoliberalismus Universitäten und öffentliche Meinung. Was liegt da eigentlich an linker, dazu noch marxistischer Stalinismuskritik?
Ulrich Brand, Markus Wissen: Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus.
München: Oekom, 2017. 224 S., 14,95 Euro
von Rolf Euler
Die Autoren greifen ein unter politisch Interessierten hinlänglich bekanntes, aber gesellschaftlich «gern» verdrängtes Thema auf, dessen Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Welt nicht unterschätzt werden kann: die Hegemonie des westlichen Kapitalismus nicht nur als ökonomische Tatsache, sondern auch als gesellschaftliche Belastung, insofern die schädlichen Folgen der Profitwirtschaft das tägliche Leben in immer größerem Umfang durchdringen.
Rainer Balcerowiak: Die Heuchelei von der Reform. Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt.
Berlin: Edition Berolina, 2017. 144 S., 9,99 Euro
von Peter Nowak
Streitschrift wider den Reformmythos
Nach der Präsidentenwahl in Frankreich wurde der wirtschaftsliberale Emmanuel Macron von deutschen Medien und Wirtschaftsverbänden aufgefordert, möglichst schnell mit den Reformen zu beginnen.
«Mit permanenten Grüßen». Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky. Hrsg. Rosdolsky-Kreis
Wien: Mandelbaum-Verlag, 2017. 453 S., 15 Euro
von Hermann Dworczak
Roman Rosdolsky ist auch in linken Kreisen eher nur «Spezialisten» bekannt. Völlig zu Unrecht: Sowohl sein politisches Wirken und erst recht seine theoretische Arbeit sind mehr als bemerkenswert.
Roman wurde 1898 im damals österreichischen Lemberg in einer ukrainischen Familie geboren. Er politisierte sich bereits als Gymnasiast, wurde Sozialist bzw. Kommunist.