Hexen, Zauberer und andere Verfolgte
Immer geht es um die Erhaltung der Macht
von Hanna Behrend
Aus Anlass ihres Todes am 30.11.2010 bringen wir Auszüge aus einem Text, den Hanna Behrend 2003 geschrieben hat.*
Massenverfolgungen und -ausrottungen Unschuldiger im Auftrag von Amtsträgern sind in der Geschichte der Menschheit nichts Ungewöhnliches. Die Verfolgung und Hinrichtung wegen Hexerei von Frauen, aber auch Männern vor allem in Europa zwischen dem 15. und 18.Jahrhundert war zwar keineswegs die früheste Massentötung unschuldiger Menschen, sie war aber eine der spektakulärsten und folgenreichsten in der Geschichte.
Während Thomas von Aquin [noch] jegliche Verhütungspraxis für sündhaft und bußbedürftig, nicht aber für Mord hielt, übertraf die im 13.Jahrhundert von dem Dominikaner Raimund von Penaforte im Auftrag Papst Gregor IX. herausgegebene Sammlung päpstlicher Dekretalen, si aliquis, die bis dahin übliche restriktive und sinnenfeindliche Haltung der Kirche zu Ehe und Nachwuchs erheblich. Jegliche Verhütung galt fortan als Mord, was im Widerspruch zum vorherigen Kirchenrecht stand, dem zufolge erst «die Abtreibung eines beseelten Fetus als Mord unter Strafe» gestellt wurde, d.h. eines Fetus von ca. 80 Tagen.
Quo vadis Tunesien?
Nach dem Sturz des Diktators folgen Umwälzungen im ganzen Land
von Bernhard Schmid
Der größte Unsicherheitsfaktor in Tunesien ist derzeit die Frage, ob sich die Übergangsregierung, die nach der Flucht von Staatspräsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar gebildet wurde, halten kann.
Der Druck auf die provisorische Regierung unter Premierminister Mohammed Ghannouchi ist gewachsen. Unterschiedliche Strömungen der politischen und sozialen Opposition fordern ihren Rücktritt, da sie mehrheitlich aus «Kaziken» des alten Regimes besteht. Auch wenn ihre führenden Mitglieder sowie Parlamentspräsident Foued Mebazaa, der die Übergangsperiode nach den geltenden Verfassungsbestimmungen leitet, formell ihre Mitgliedschaft in der bisherigen Staatspartei RCD (Konstitutionell-Demokratische Sammlungsbewegung) niederlegten, so bleiben sie doch Männer des alten Regimes.
Oury-Jalloh-Prozess wieder aufgenommen
Auf Geheiß des Bundesgerichtshofs wird der Fall gegen die diensthabenden Polizisten neu aufgerollt
von Angela Huemer
Fast genau sechs Jahre ist es her, dass Oury Jalloh, ein Asylwerber aus Sierra Leone, in einer Zelle im Dessauer Polizeirevier starb. Er war dort gelandet, weil er frühmorgens zwei Putzfrauen angesprochen hatte, er wollte telefonieren. Die beiden fühlten sich von ihm belästigt und holten Hilfe von der Polizei.
Unistudie widerlegt Sarrazins «Thesen»
Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand.
Ein empirischer Gegenentwurf zu Thilo Sarrazins Thesen zu Muslimen in Deutschland. Eine Studie der Humboldt-Universität Berlin
www.heymat.hu-berlin.de
von Benedict Ugarte Chacón
Die Auseinandersetzung um Thilo Sarrazin und seine «Thesen» hält nun schon Monate an. Das liegt nicht nur an seinem Buch, sondern auch an der schon im Vorfeld der Veröffentlichung geschickt und medientauglich vorgenommenen Selbstinszenierung Sarrazins als angeblicher Tabubrecher, der endlich einmal das sagt, was man doch schließlich noch wird sagen dürfen:
Leiharbeit: Gewaltig auf dem Vormarsch
Tarifverträge konnten Zeitarbeit bisher nicht eindämmen
von Jochen Gester
Leiharbeiter waren der große Joker im jüngsten Kriseneinbruch: Sie wurden im Herbst 2008 als erste gefeuert – ohne öffentlichen Protest; und im darauffolgenden Aufschwung sind sie es, die vorzugsweise eingestellt werden – auf Kosten regulärer Beschäftigung. Die daraus folgenden Verwerfungen versuchen Union und SPD jetzt mit einem Mindestlohn für Leiharbeiter in den Griff zu bekommen; angebrachter wäre die Rückkehr zu einer alten Gewerkschaftsforderung: Verbot der Leiharbeit.
Bundeswehr und Schule: Ran an die Jugend
Versuche, das Militär in der Mitte der Gesellschaft zu verankern
von Horst Bethge
Die Bundeswehr steht im größten Umbauprozess ihrer Geschichte: Sie soll zu einer «Armee im Einsatz», einer Interventionsarmee ohne Wehrpflicht, umgebaut werden. Verteidigungsarmee ist nicht mehr. Guttenberg hat das am vergangenen 18.Oktober auf einer Konferenz der Zeit in Hamburg gerade wieder bekräftigt. Die Wehrmotivation in der Gesellschaft aber schwindet mit jedem weiteren aus Afghanistan heimkehrenden Zinksarg. Es geht nicht nur um die Beendigung des Afghanistankriegs – die Aufgabe der Bundeswehr insgesamt steht in Frage.
Brotaufstand in Algerien
Etwas ist diesmal anders an den Unruhen in Nordafrika
von Karim Metref
In der zweiten Januarwoche löste eine 30%ige Preissteigerung bei Grundnahrungsmitteln und die anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit Massenproteste in Algerien aus, die auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei führten, bei denen fünf Menschen ums Leben kamen. Trotz Demonstrationsverbot rief die «Laizistische Sammlungsbewegung für Kultur und Demokratie» (RCD) für den 22.Januar zu einem Marsch für mehr Demokratie auf.
Quo vadis Tunesien?
Nach dem Sturz des Diktators folgen Umwälzungen im ganzen Land
von Bernhard Schmid
Der größte Unsicherheitsfaktor in Tunesien ist derzeit die Frage, ob sich die Übergangsregierung, die nach der Flucht von Staatspräsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar gebildet wurde, halten kann.
Stellungnahme von Attac Tunesien
Die Herausforderung der Revolution
Ein Volksaufstand in Tunesien zwang den Diktator Ben Ali zur Flucht. Die große demokratische Revolution hat die alte Regierung jedoch noch nicht besiegt.
Keine Rücksicht auf deutsche Befindlichkeiten
Zur Stuttgarter Palästina-Konferenz und Stuttgarter Erklärung
von Ilan Pappé
Vor kurzem wurden die Organisatoren der Stuttgarter Konferenz und besonders jene, die die Stuttgarter Erklärung [siehe unten] unterschrieben haben, von mehreren deutschen Autoren und Politikern heftig kritisiert, auch in dem für Deutsche aus der linken Mitte so typischen, aggressiven Ton.
«Noch nie war es so schlimm»
G.M. Tamás über die neuen ungarischen Verhältnisse und den Rechtsruck auch andernorts
Gáspár Miklós Tamás, gebürtig 1948 aus Siebenbürgen, ist Philosoph. Er hatte in den 80er Jahren Berufsverbot aus politischen Gründen, war von 1989 bis 1994 Abgeordneter im ungarischen Parlament und ist Vorsitzender der Grünen Linken Ungarns. Nach dem Wahlsieg der FIDESZ hat er seine Stelle am Philosophischen Institut in Budapest verloren. Mit ihm sprach Karlen Vesper (Neues Deutschland).
Europa ist stark beunruhigt über das neue Mediengesetz in Ungarn. Wie schlimm ist es?
Russland: Die Wiederkehr des Faschismus
von Boris Kagarlitzki
Die Erschiessung eines Moskauer Fussballfans am 4.Dezember mutmasslich durch einen muslimischen Mann hat eine Kette von Kundgebungen und Gewalttaten ultranationalistischer Gruppen ausgelöst.