Revolutionärer Optimismus
von Peter Nowak
Johanna Schellhagen: Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten erkämpfen. Ein Handbuch für Unerschrockene. Marburg: Büchner, 2026. 172 S., 18 Euro
Vor vier Jahren sorgte Johanna Schellhagens Film Der laute Frühling für viel Aufmerksamkeit. Sie plädierte dort für ein Bündnis von Arbeiter:innen- und Klimabewegung. Höhepunkt war eine Zukunftsvision. Ausgerechnet in der Autostadt Wolfsburg kämpften VW-Arbeiter:innen und Klimaktivist:innen gemeinsam für einen Ausstieg aus Kapitalismus und Automobilismus.
Der Film sorgte für viel Resonanz in der Klimabewegung, die 2022 an die Grenzen ihres Aktivismus stieß. Wenige Monate später gründete sich die Initiative VW heißt Verkehrswende. Sie engagierte sich in Wolfsburg dafür, dass hier künftig statt Autos Busse und Bahne produziert werden sollten, und fand bei einigen VW-Arbeiter:innen Gehör.
Jetzt hat Johanna Schnellhagen das Buch zu ihrem Film herausgegeben. Tatsächlich sind die Parallelen zu Der laute Frühling groß. In den ersten beiden Kapiteln begründet die Autorin, warum die Klimabewegung sich mit den Lohnabhängigen verbinden müsse, wenn sie tatsächlich das Ende des fossilen Kapitalismus erreichen will. Weder Straßenblockaden, noch Klimacamps können den Druck ausüben, den Arbeiter:innen vermögen, wenn sie streiken.
Im Anschluss nennt sie einige Beispiele von kämpfenden Belegschaften. Im folgenden Kapitel wird eine positive Utopie aufgebaut, in der Arbeiter:innen gemeinsam mit Klimaaktivist:innen den Ausstieg aus dem Kapitalismus erkämpfen und eine ökosozialistische Gesellschaft aufbauen. Über die Details kann man streiten, doch den revolutionären Optimismus kann eine Linke gebrauchen, die immer nur über Niederlagen klagt.
Ein Kritikpunkt muss benannt werden: Johanna Schnellhagen hätte mehr der Projekte benennen können, die heute schon an dieser Utopie arbeiten, die in Görlitz, Osnabrück und anderen Städten für eine Verkehrswende und gegen die Rüstungsindustrie kämpfen und dazu eine Aktionszeitung herausgeben.
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