Wie man die Bahn verbessern kann
aus einer Rede von Heiner Monheim
In seiner Rede auf der 800.Montagsdemonstration skizzierte Heiner Monheim von »Bürgerbahn – Denkfabrik für eine starke Schiene« in einer fiktiven Ansprache an die Bahnchefin, wie eine bessere Bahn aussehen sollte.
»Wir kritisieren, dass viel zu viel Geld in tiefe Löcher und lange Röhren gesteckt wird, das dann für einen schnellen Netzausbau in den vielen schienenfernen Regionen fehlt. Wir kritisieren die Fixierung der DB und der EU auf die Hochgeschwindigkeit mit ihren sündhaft teuren und extrem lange dauernden Neu- und Ausbaustrecken. Und wir kritisieren die Immobilien-Spekulationsprojekte an den Metropolenbahnhöfen, allen voran Stuttgart 21. Sie werden ohne Rücksicht auf die Netzerfordernisse einer Flächenbahn geplant und gebaut.
– Der ICE der Hochgeschwindigkeit ist eben nicht das Maß aller Dinge. Er ist viel zu lang, viel zu schwer und seine schmalen Türen sind vielfach schuld an der Aufsummierung von Verspätungen. Stattdessen fordern wir die Wiedereinführung der Zuggattung Interregio, der mal der beliebteste Zugtyp der DB war und fast alle Mittelzentren und kleinen Großstädte angebunden hat.
– Noch wichtiger ist, dass der Nahverkehr, in dem 90 Prozent aller Bahnfahrgäste unterwegs sind, endlich wieder angemessen ausgebaut wird. Dazu gehören dann viele mittlere und kleine S-Bahn-Systeme. Nutzen Sie die positiven Erfahrungen des sehr erfolgreichen Karlsruher Modells mit seinen Nachfolgeprojekten in Karlsruhe, Saarbrücken, Kassel und Chemnitz und lassen Sie endlich im ganzen Land solche Projekte in Serie gehen.
– Bringen Sie die Bahnentwicklung als wichtigen Hebel der Transformation unserer Wirtschaft in die politischen Debatten ein. Dafür nur ein kleines Beispiel: Wir brauchen endlich wieder ein Nachfolgeprodukt für den einstigen roten Schienenbus im Netz. Damit die bislang nur aufs Auto fixierten deutschen Fahrzeughersteller endlich wieder ins Geschäft mit Bussen und Bahnen einsteigen. Und man nicht drei bis fünf Jahre warten muss, ehe man ein neues Schienenfahrzeug geliefert kriegt zu einem horrenden Preis, weil es im Bahnfahrzeugbau keine Serienfertigung gibt.
– Stoppen Sie die gerade diskutierten Sparkonzepte für die Güterbahn. Es wäre klimapolitisches Harakiri, Tausende von Güterbahnern zu entlassen und sich aus dem kleinteiligen und regionalen Güterverkehr zurückzuziehen. Stattdessen brauchen wir dezentrale Güterbahnangebote, die endlich antreten, um auch im kleinteiligen Stückgutverkehr Angebote zu machen – mit einem dezentralen System von Güterverkehrszentren und einer Ergänzung der extrem langen und schweren Güterzüge durch kurze und mittlere Gütertraktionen mit Cargo Sprintern.
– Lassen Sie bei den bevorstehenden Bahnhofs- und Streckenprojekten in Hamburg, Frankfurt und Hannover die kleineren, tunnelfreien, viel preiswerteren Alternativen prüfen, die Bürgerbahn und ABBD vorgeschlagen haben. Bahnpolitik darf sich nicht an den Wünschen der Tunnelbauer und Tunnelbohrmaschinenbauer ausrichten, sondern an der klimapolitischen Herausforderung, so schnell wie möglich das Netz zu erweitern.
– Noch ein Wort zur Generalsanierung mit den ersten beiden Projekten, der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim und der Achse Hamburg–Berlin. Sie hatte jeweils monatelange Totalsperrungen zweier wichtiger Bahnkorridore zur Folge. Sie erwies sich für den Personen- und Güterverkehr als extrem kundenfeindliche Strategie. Wir brauchen hier eine Generaldebatte mit dem Ziel, die Sanierung einfacher, minimalinvasiv und ohne Totalsperrung hinzukriegen.«
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