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Kleine Tiere, große Folgen

Das Insektensterben hat dramatische Auswirkungen
von Manuel Kellner

Eine neue Studie des Wissenschaftsmagazins PLOS One* stellt fest, dass in den letzten 27 Jahren die Gesamtmasse der Insekten in Deutschland um über 75 Prozent abgenommen hat. Hierfür wurden seit 1989 Daten ausgewertet, die von ehrenamtlichen Insektenkundlern unter Anleitung des Entomologischen Vereins Krefeld gesammelt wurden.

Im Hochsommer, wenn der Insektenbestand am höchsten ist, liegt der Schwund sogar bei fast 82 Prozent. Betroffen sind vor allem Haut- und Zweiflügler mit vielen Arten und Individuen, wie Pflanzenwespen und Wildbienen (von letzteren gibt es 580 Arten in Deutschland). Es ist davon auszugehen, dass das massive Insektensterben ganz Europa betrifft. Dass es immer weniger Insekten gibt, Bestand und Artenvielfalt bedroht sind, ist schon längere Zeit bekannt. Mit der neuen Studie ist erwiesen, dass das Massensterben viel dramatischer ausfällt, als die meisten vermutet hatten.

Was die Ursachen betrifft, so spielen Klimaerwärmung und Raumplanung sicherlich eine Rolle. Der wichtigste Faktor aber ist die intensive Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Düngern und der drastischen Schrumpfung des Lebensraums der Insekten, die damit einhergeht.

Till-David Schade vom Naturschutzbund NABU sagt gravierende Folgen des Insektensterbens voraus: «Über 80 Prozent aller Wildkräuter und Pflanzenarten werden von Insekten bestäubt oder sind von Insekten abhängig.» Sollten die Bienenarten aussterben, gibt es zwei Drittel weniger Äpfel, Birnen und Kirschen. Sterben alle Insekten aus, liegen überall Tierkadaver herum – denn Insekten sind es, die sie zersetzen. Sauberes Trinkwasser gibt es dann auch nicht mehr, denn Insekten verhindern durch das Speichern von Nährstoffen im Boden die Verschmutzung des Grundwassers.

Wenn infolge des Insektensterbens viele Kulturpflanzen aussterben, die die Vitamine A, C und E sowie Calcium und Eisen liefern, dann drohen viele Mangelkrankheiten bis hin zum Verlust der Sehfähigkeit und der Schädigung des Nervensystems.

Wie der NABU hervorhebt, hat das Insektensterben bereits fatale Auswirkungen auf den Bestand der Vögel, denen Insekten als Nahrung dienen: laut dem NABU-Vogelschutzexperten Lars Lachmann ein Verlust von 12,7 Millionen Brutpaaren in den letzten zwölf Jahren. Das immer massivere Vogelsterben betrifft vor allem verbreitete Arten, die einst für unausrottbar galten: Star, Haussperling und Buchfink.

Um der katastrophalen Entwicklung Einhalt zu gebieten, wenn das überhaupt noch möglich ist, müssen flächendeckend naturbelassene Ackerrandstreifen und viele Hektar Brachland geschaffen werden. Erforderlich ist die Abschaffung aller Subventionen, die die intensive Landwirtschaft und die Massentierhaltung begünstigen, zugunsten der massiven Förderung nachhaltiger, ökologisch verantwortlicher Landwirtschaft.

Dem stehen mächtige Interessen entgegen – die des Agrobusiness. Dessen Macht muss ebenso gebrochen werden wie die des Großkapitals. Es ist höchste Zeit für eine Rebellion gegen dieses kapitalistische Zerstörungswerk, für eine lebenswerte Welt.

 

* http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809


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