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Kickt den Hass aus den Stadien

Fußball-EM in Polen –1

von Norbert Kollenda

Wir kennen es, dass es in Fußballstadien immer wieder zu Gewaltakten kommt, die oft einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben: seien es nun Neonazis oder andere Nationalisten oder gar örtliche «Patrioten», die was gegen Menschen haben, die anders sind oder anders aussehen. Diese Probleme gibt es leider überall auf der Welt und auch in Polen.

Dort gibt es seit 1996 den Verein «Nie wieder», der aus einer informellen Jugendgruppe hervorging. Die Jugendlichen haben es sich zur Aufgabe gemacht, gegen den offen anwachsenden Nationalismus und, damit verbunden, auftretende Neonazis vorzugehen. Sie haben die Szene beobachtet und festgestellt, dass es unter den Neonazis grenzübergreifend Bündnisse gibt. So gibt es eine ganz starke militante Neonazi-Gruppe in der Ukraine, die sich mit deutschen und polnischen Neonazis zusammentut.

Der Verein «Nie wieder» übt auch Druck auf die Regierung aus, die zwar das Internationale Protokoll im Kampf gegen den Rassismus 2003 unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert hat. Er beobachtet in Polen einen wachsenden Rassismus, worüber er im Internet berichtet. Auch hier ist die Regierung im Zugzwang.

Bald schon wurde der Verein «Nie wieder» ins Visier genommen, wenn es gewalttätige Ausschreitungen in und um Fußballstadien gab.

So ist es nicht verwunderlich, dass er sich rechtzeitig auf die EM 2012 in Polen vorbereitet hat. Gleichzeitig nahm der Verein Kontakt zur Ukraine auf, um dort Bündnispartner in Fußballvereinen und in der Zivilgesellschaft zu finden. Zusammen mit ihnen hat er Konzepte ausgearbeitet, um für einen friedlichen Verlauf der Meisterschaft zu werben.

In Polen und in der Ukraine hat «Nie wieder» ein Bildungsprogramm angeboten und durchgeführt, das sich gegen Rassismus richtet. In dieses Bildungsprogramm, das zusammen mit der Universität von Warschau erstellt wurde, wurden alle einbezogen, die etwas mit der Organisation und Durchführung der Europameisterschaften zu tun hatten, seien es Ordner, Fremdenführer oder auch die vielen Freiwilligen, die die Besucher betreuen.

In den Städten wurden «Bereiche der Vielfalt» eingerichtet, die auf die gesellschaftliche Verantwortung für «Respect Diversity» im Rahmen der Europameisterschaft aufmerksam macht. Ziel ist, die positiven Aspekte der Vielfalt von Kulturen und Nationen aufzuzeigen.

Es wurden auch 100 Fan-City-Touren organisiert, die durch die Lande gefahren sind und den Bewohnern die Vielfalt der Menschen nahebringen sollten. Dazu wurden Städte und Kreise eingebunden. Alle Plätze und Einrichtungen, die an der Aktion teilnahmen, erhielten kostenloses Material – Plakate und Aufkleber – und Informationen über sportliche und kulturelle Veranstaltungen.

Die Initiatoren hat in der EM eine große Chance gesehen, über den Sport Menschen aus den verschiedenen Ländern kennenzulernen und «Andersartigkeit als Chance und nicht als eine Bedrohung wahrzunehmen», wie Cezare Kucharski, ein ehemaliger Fußballer, Vertreter Polens in der UEFA und Sejm-Abgeordneter, ausdrückte.


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