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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 06/2017 |

„Wir wollen eine soziale und politische Front aufbauen“

Bericht über die Veranstaltung mit Olivier Besancenot, Michael Löwy und Violetta Bock am 3.6.2017 in Köln

Wie stoppen wir die Rechten in Europa?

Für Olivier Besancenot war es erst das zweite Mal, dass er in Deutschland war, sein erster Weg führte ihn vor drei Jahren nach Berlin – da stand die Veranstaltung noch unter dem Motto „Die kommenden Aufstände in Südeuropa – was tun?“

Als der zweimalige Präsidentschaftskandidat der inzwischen in der NPA (Neue Antikapitalistische Partei) aufgegangenen LCR aus Frankreich – mittlerweile einer von vier Sprecher*innen der NPA – am Pfingstsamstag nach Köln kommt, um dort auf der ersten größeren Veranstaltung der neu gegründeten ISO zu sprechen, heißt das Motto „Wie stoppen wir die Rechte in Europa?“ Die Stimmung ist gedämpfter, das Publikum kleiner und weniger erwartungsvoll. Etwa 100 Menschen drängen sich in die bunt dekorierte Ausstellungshallte der Alten Feuerwache, und bei der Hitze, die draußen herrscht, ist man froh, in dem begrünten Hof mit den vielen Sitzgelegenheiten etwas AUslauf zu haben.

Besancenot spricht über die Situation in Frankreich nach den Präsidentschaftswahlen und die verheerende Lage einer Linke, die in tausend Teile gespalten ist. Sein oberstes Ziel, das er ansteuert, ist eine soziale und politische Front aufzubauen, um die Angriffe des neuen Präsidenten Macron auf das Arbeitsrecht und die sozialen Sicherungssysteme zurückzuschlagen. Über die Kämpfe zusammenrücken – in der Bewegung und in der politischen Organisierung, das ist in etwa seine Vorstellung.

Violetta Bock, Stadtverordnete der LINKEN in Kassel, hat im Kampf gegen rechts ein anderes Problem, das nämlich, dass die antikapitalistische Linke überhaupt mal wieder Fuß fassen muss in der Gesellschaft, präsent sein muss und ein Ansprechpartner für die Nöte der Bevölkerung. Sie nennt das Linkspopulismus, was eine lebhafte Debatte mit dem Publikum auslöst.

Michael Löwy erinnert daran, dass wir nicht nur gegen etwas kämpfen, sondern auch für etwas. Er mahnt die Dringlichkeit einer ökologischen Wende an, die nur auf sozialistischer Grundlage möglich ist, weil der Kapitalismus über den Horizont der Jagd nach Profit nicht hinauskommt.

Am Nachmittag hatte er vor etwa der Hälfte des Abendpublikums das Buch vorgestellt, das er zusammen mit Besancenot geschrieben hat und das im letzten Jahr in der Buchmacherei herausgekommen ist „Unsere roten und schwarzen Sterne“. Den Autoren ging es darum, die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Marxisten und Anarchisten hervorzuheben und damit gegen die Tendenz zu bürsten, die vorzugsweise das Trennende hervorhebt. Die Veranstaltung wurde in Berlin wiederholt und war ebenfalls gut besucht – im Gegensatz zu Köln wurde sie dort von Anarchisten mitgestaltet und es gab einen sehr lebhaften und freundschaftlichen Austausch mit ihnen.

Köln, 9.6.2017

Die Redebeiträge auf der Buchvorstellung finden sich hier:
https://www.r-mediabase.eu/index.php?view=category&catid=992&option=com_joomgallery&Itemid=519

Fotos von Uwe Bitzel findet ihr hier:
https://www.flickr.com/gp/134533547@N06/2dM5D2

Fotos von Hans-Dieter Hey finden sich hier:
https://r-mediabase.eu/index.php?view=category&catid=992&option=com_joomgallery&Itemid=519


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