Von Norbert Kollenda
18. 04. 2026
Liebe Leserinnen und Leser!
Beachten Sie bitte, dass ich teilweise durch KI die Artikel zusammen fassen lasse, dies ist an den Zwischenüberschriften und * zu erkennen. Wie ist Eure/Ihre Meinung dazu?
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Erscheinungsdatum vom Przegl?d steht für die Printausgabe.
Wettlauf zur politischen Mitte*
Polityka, 14. 04. 2026
Die Bauernpartei (PSL) befindet sich in einer schwierigen Lage bei der Suche nach neuen Verbündeten. Die Zeit drängt, und ein gemeinsamer Start mit der Bürgerkoalition (KO) erscheint als „letzte Chance“, birgt jedoch das Risiko, die Eigenständigkeit zu verlieren. Die einstige Stärke der PSL beruhte auf ihrer Rolle als Interessenvertretung der ländlichen Bevölkerung. Der heutige Zentrismus der Partei wird als erzwungen und ideologisch konturlos wahrgenommen. Ihr Hauptvorteil bleibt lediglich die ausgebaute Parteistruktur vor Ort.
Das Politikmodell der 1990er Jahre, das auf intellektuellen Debatten und der Aufarbeitung des Postkommunismus basierte, ist erloschen. Der damalige Zentrismus entsprang einem Bedürfnis nach Stabilität. Der Wendepunkt kam, als Jaros?aw Kaczy?ski die alten Gräben durch die emotionale Gegenüberstellung eines „solidarischen“ gegenüber einem „liberalen“ Polen ersetzte. Politik wurde massentauglich, marketingorientiert und polarisiert (Volk vs. Eliten), was die „konturlose“ Mitte marginalisierte.
Die Partei von Kaczy?ski kämpft mit Burnout-Erscheinungen und interner Konkurrenz am rechten Rand. Die Radikalisierung des Anti-EU-Kurses deutet auf ein Abgleiten in Richtung Polexit-Narrativ hin – was die PiS zwar dementiert, Beobachter jedoch zunehmend ernst nehmen.
Donald Tusk nutzt die Angst vor dem Polexit, um die Einheit seiner Koalition zu erzwingen (Druck auf PSL und Linke). Das ständige „Warnen vor der PiS“ wirkt jedoch auf viele Wähler mittlerweile rituell und ermüdend.
Initiativen wie Polska 2050 verlieren an Bedeutung. Der Autor suggeriert, dass die Partei von Szymon Ho?ownia praktisch aus dem Spiel ist und ihre Reste von der KO absorbiert werden könnten.
Das Ergebnis des Referendums zur Abberufung des Krakauer Stadtpräsidenten könnte eine Welle ähnlicher Anträge in anderen Städten auslösen – ein Signal für die Enttäuschung des liberalen Bürgertums gegenüber der KO.
Die angespannte Weltlage (z. B. die Treibstoffkrise) offenbart die geringe Gestaltungsmacht lokaler Politiker. Trotz theoretischer Chancen für Neulinge bleibt die politische Bühne vom alten Duopol dominiert; Spekulationen über eine neue Mitte bleiben bisher ergebnislos.
Die Zersplitterung der Rechten: Sechs Fronten im Überblick*
Polityka, 14. 04. 2026
Obwohl die rechten Parteien (PiS, Konfederacja, Korona) zusammen fast 50 % der Stimmen erreichen könnten, ist das Lager tief gespalten.
Die PiS hat die Hoffnung auf eine absolute Mehrheit aufgegeben und schont die Konfederacja, da sie diese als Partner benötigt. Die Wählerschaft ist starr getrennt – die PiS mobilisiert die Älteren, die Konfederacja die Jüngeren. Während Krzysztof Bosak als koalitionsbereit gilt, bleibt S?awomir Mentzen unberechenbar und attackiert Jaros?aw Kaczy?ski scharf als „politischen Gangster“.
Kaczy?ski betrachtet Grzegorz Brauns Partei Korona als gefährlich und pro-russisch. Die PiS setzt Przemys?aw Czarnek ein, um radikale Wähler am rechten Rand zurückzugewinnen und die Korona unter die 5-Prozent-Hürde zu drücken.
Der ehemalige Premier Mateusz Morawiecki distanziert sich zunehmend vom harten Kurs der Partei. Er warnt vor einer „Ziobrolisierung“ (Einfluss radikaler Ziobro-Anhänger) und flirtet mit der Gründung einer eigenen Bewegung (s.u.) Erste Abgeordnete aus dem Morawiecki-Lager verweigern Kaczy?ski die Gefolgschaft, was die Gefahr einer Parteispaltung erhöht.
Die Konfederacja, die Karol Nawrockis Wahl entscheidend unterstützte, fühlt sich verraten. Sie sieht in ihm nur noch einen Erfüllungsgehilfen der PiS. Nawrocki unterschrieb Gesetze (z.B. Verbot der Pelztierhaltung), die den wirtschaftsliberalen Kern der Konfederacja massiv verärgerten.
Die beiden Anführer der Konfederacja treten kaum noch gemeinsam auf. Es gibt Bestrebungen, 2027 mit getrennten Programmen anzutreten. Mentzen fokussiert sich auf Unternehmer und den Abbau von Sozialleistungen, während Bosaks Nationalisten auf Sozial- und Familienpolitik für den ländlichen Raum setzen.
Die Korona hält sich stabil bei 8 %. Das zwingt die Konfederacja dazu, wieder verstärkt auf radikale Straßenaktionen und populistische Themen zu setzen, um gegenüber Braun nicht an Boden zu verlieren.
Das rechte Lager in Polen ist rechnerisch stark, aber intern so zerstritten, dass eine stabile Zusammenarbeit nach den nächsten Wahlen höchst fragwürdig erscheint. Persönliche Animositäten und tiefgreifende ideologische Unterschiede zwischen den Marktradikalen, Nationalisten und der PiS-Basis dominieren das Bild.
Präsidiale Blockadepolitik beim Verfassungsgericht*
Der Text setzt sich kritisch mit den jüngsten Entscheidungen des polnischen Präsidenten auseinander – insbesondere mit dem Veto gegen das SAFE-Gesetz und dem Vorgehen bei der Besetzung des Verfassungsgerichtshofs (TK). Der Autor wertet dies als strategische Absicherung des PiS-Lagers.
Fremdsteuerung durch Jaros?aw Kaczy?ski: Es wird die These aufgestellt, dass der Präsident nicht eigenständig handelt, sondern als willfähriges Werkzeug Kaczy?skis fungiert. Dieser habe aus früheren Differenzen mit Andrzej Duda gelernt und setze nun auf totale Kontrolle.
Der Verfassungsgerichtshof als Schutzschild: Für die PiS ist die Kontrolle über das Gericht essenziell, um sich vor rechtlichen Konsequenzen für Verfassungsbrüche zu schützen. Ein loyaler Gerichtshof wird als Instrument betrachtet, um das eigene politische Überleben zu sichern.
Qualitativer Verfall der Institutionen: Der Autor zieht einen scharfen Vergleich zwischen der aktuellen und der ehemaligen Besetzung des Gerichts:
Personalien: Während frühere Präsidenten wie Andrzej Zoll oder Marek Safjan für juristische Autorität standen, wird der aktuelle Chef Bogdan ?wi?czkowski als belasteter Politiker mit strafrechtlichen Vorwürfen beschrieben.
Kompetenzgefälle: Es wird eine tiefe Kluft zwischen den „politisch ergebenen“ Richtern (wie Paw?owicz oder Piotrowicz) und den neu gewählten, fachlich versierten Richtern konstatiert.
Symbolik des Amtseids: Der Text betont, dass Richter ihren Eid auf die Nation und nicht auf die Person des Präsidenten leisten. Die Herabwürdigung dieses Aktes durch PiS-Politiker wird als Beleidigung des Volkes gewertet.Fazit und Ausblick
Der Text beschreibt die aktuelle Lage als „gnadenlosen Krieg um die Staatsordnung“. Der gegenwärtige Zustand des Verfassungsgerichtshofs wird als düsteres Kapitel der Geschichte und als Mahnung vor politischer Manipulation und Willkür (Lügen und „Zamordyzm“) gewertet, das letztlich jedoch enden wird.
Die „Prokuratoren“ von Jaros?aw Kaczy?ski
Przegl?d, 20. 04. 2026
Der Text beschreibt eine Strategie der polnischen Opposition (PiS), den Staat über zwei zentrale Institutionen zu blockieren:
1. Die Kanzlei des Präsidenten (Karol Nawrocki)
Zbigniew Bogucki: Der ehemalige Prokurator leitet die Kanzlei. Er wird als „Statthalter“ Kaczy?skis beschrieben, der durch Vetos und Obstruktion die Regierungsarbeit von Donald Tusk lähmt.
- Kritik: Ihm wird eine rein destruktive Rolle und mangelnde juristische Tiefe vorgeworfen.
2. Das Verfassungsgericht (Trybuna? Konstytucyjny)
- Bogdan ?wi?czkowski: Als Präsident des Verfassungsgerichts verweigert er die Anerkennung neuer Richter.
- Rechtlicher Konflikt: ?wi?czkowski blockiert die Arbeit der neu gewählten Richter mit der Begründung, es fehle ein offizielles Bestätigungsschreiben des Präsidenten – eine Forderung, für die es laut Experten keine Rechtsgrundlage gibt.
- Immunität: Gegen ?wi?czkowski laufen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Einsatz der Spionagesoftware Pegasus. Das Gericht verweigerte bisher die Aufhebung seiner Immunität.
Gründung des Vereins „Rozwój Plus“
OKO.press 16. 04. 2026
Mateusz Morawiecki, der ehemalige polnische Premierminister, hat am 15. April 2026 den Verein „Rozwój Plus“ gegründet. Damit formalisiert er seine eigene Fraktion innerhalb der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS).
Zusammensetzung: Dem Verein gehören 38 Mitglieder an, darunter 34 Abgeordnete des Sejm und 3 EU-Abgeordnete.
Schlüsselpersonen: Neben Morawiecki (Vorsitzender) sind prominente Politiker wie Marcin Hora?a (Vize), Micha? Dworczyk (Sekretär) und überraschenderweise auch der PiS-Veteran Ryszard Terlecki vertreten.
Strategisches Ziel: Der Verein dient vorerst als innerparteiliche Machtbasis („horizontale Struktur“), um eine Marginalisierung durch den harten Parteiflügel zu verhindern.
Die „politische Kernwaffe“: Arithmetik im Sejm
Die Bedeutung der neuen Gruppierung liegt in der Anzahl ihrer Mandate. Mit 34 Abgeordneten verfügt Morawiecki über eine entscheidende Sperrminorität bzw. Gestaltungsmacht:
Veto-Sperre: Zusammen mit der Regierungskoalition und der Partei „Razem“ könnte Morawieckis Gruppe die für die Ablehnung eines Präsidentenvetos erforderliche 3/5-Mehrheit (276 Stimmen) erreichen.
Tribunalsfähigkeit: Die Stimmenanzahl reicht theoretisch aus, um politische Gegner (oder ehemalige Weggefährten wie Zbigniew Ziobro) vor den Staatsgerichtshof zu stellen.
Neutralisierung Nawrockis: Morawiecki hält damit ein Werkzeug in der Hand, um die Politik des amtierenden Präsidenten Karol Nawrocki (PiS) zu blockieren.
Reaktionen und parteiinterne Konflikte
Die Parteispitze der PiS reagierte mit deutlicher Ablehnung auf die Vereinsgründung:
Przemys?aw Czarnek & Rafa? Bochenek: Verurteilten den Schritt als „Egoismus“ und Gefahr für die Einheit der Partei; Czarnek bezeichnete interne Spaltungen indirekt als „Verrat“.
Erfolgloses Krisentreffen: Ein direktes Gespräch mit Jaros?aw Kaczy?ski am 14. April konnte Morawiecki nicht von seinem Vorhaben abbringen.
Status Quo: Trotz der Spannungen planen weder Morawiecki noch die PiS-Führung einen sofortigen Bruch. Ein Rauswurf oder Austritt wäre für beide Seiten kurz vor der Wahl 2027 strategisch zu riskant.
Ausblick: Morawiecki positioniert sich für die Erstellung der Wahllisten für 2027. Sein Verein fungiert als Druckmittel, um Einfluss auf die zukünftige Ausrichtung der polnischen Rechten zu nehmen und sich gegebenenfalls als gemäßigtere, zentrumsnahe Alternative zu etablieren.
Die NATO – Trump, Krisen und Kompromisse*
Polityka, 14. 04. 2026
Die NATO entstand Ende der 1940er Jahre nicht aus Einigkeit, sondern als „Plan B“, da die Großmächte (USA, Großbritannien, Frankreich) völlig unterschiedliche Sicherheitskonzepte verfolgten. Dass heute kleine Staaten wie die Slowakei durch ihr Veto Strukturen lähmen können, liegt daran, dass das System maßgeblich vom belgischen Premier Paul-Henri Spaak mitgestaltet wurde. Das Bündnis wurde bewusst so konzipiert, dass kein Mitglied die anderen in einen Angriffskrieg hineinziehen kann (Beispiel: Die USA verweigerten 1956 die Unterstützung beim Angriff auf Ägypten) Die „Ära Trump“ und einem möglichen US-Austritt hätte rechtliche Hürden: Ein Austritt der USA unter Donald Trump wäre rechtlich kompliziert, da der Vertrag eine einjährige Kündigungsfrist vorsieht und der US-Kongress Widerstand leisten könnte.
Für den Fall eines russischen Angriffs (insbesondere auf das Baltikum) verweist der Autor auf die Joint Expeditionary Force (JEF) unter britischer Führung. Diese Eingreiftruppe kann schneller reagieren als die NATO-Bürokratie. Orli?ski argumentiert, dass die nordischen und baltischen Staaten zusammen mit Großbritannien und Polen im Ernstfall in der Lage wären, den Ostseeraum militärisch zu sichern – auch ohne die USA.
Ob der Austritt Frankreichs 1966, der Falklandkrieg oder Streitigkeiten bei der Osterweiterung 1997 – die NATO hat bisher aus jeder Krise einen (oft „brüsselerisch“ bürokratischen) Ausweg gefunden.Krisen führten oft zur Entstehung neuer Formate (wie der G7). Trumps Agieren könnte somit langfristig dazu führen, dass Europa militärisch eigenständiger und handlungsfähiger wird.
Schluss mit der Smolensk–Religion*
Przegl?d, 07. 04. 2026
Nach dem Flugzeugabsturz von 2010 nutzte Jaros?aw Kaczy?ski die nationale Trauer, um ein hochemotionales politisches Narrativ zu erschaffen. Der Autor bezeichnet dies als „geniales Konzept“, um die Macht zu ergreifen. Die Opfer wurden als Märtyrer dargestellt, die „im Morgengrauen verraten“ wurden. Dies diente dazu, die politische Basis (die „Benachteiligten“) zu mobilisieren und Kaczy?ski als deren rechtmäßigen Anführer zu etablieren.Lech Kaczy?ski wurde zum heiligen Opfer, Jaros?aw zum „Hohepriester“ und Antoni Macierewicz zum Verbreiter von Verschwörungstheorien.
Die Macierewicz-Kommission verbreitete absurde Theorien über Bomben und Attentate, ohne jemals Beweise zu liefern. Ziel war es laut Text nicht, die Wahrheit zu finden, sondern die Menschen zu verwirren und im Glauben zu halten. Monatliche Gedenkfeiern („Miesi?cznice“), Denkmäler und Filme (wie „Smole?sk“) machten das Narrativ zu einer quasi-staatlichen Ideologie.
Organisationen wie „Obywatele RP“(Bürger der Republik) und die „Lotna Brygada Opozycji“(Fliegende Brigade der Opposition) begannen, die Ernsthaftigkeit der Zeremonien durch Proteste und Satire zu untergraben. Der Artikel beschreibt den Niedergang als vollzogen. Symbole dafür sind der fast leere Pi?sudski-Platz bei Gedenkfeiern und ein Jaros?aw Kaczy?ski, der sich hilflos mit „unliebsamen“ Kränzen von Demonstranten streitet.
Die „Smole?sk-Religion“ist eine auf Lügen aufgebaute politische Welle, die Kaczy?ski jahrelang getragen hat, nun ist aber endgültig am Ufer zerschellt.
+
Hintergründe zum Tod von Barbara Blida April 2007
Przegl?d, 20.04. 2026
Politischer Hintergrund und der Mechanismus der Provokation
- Konstruierte Vorwürfe: Laut Text planten Bogdan ?wi?czkowski und Zbigniew Ziobro unter Mitwirkung des Geheimdienstes ABW eine Intrige, um die ehemalige SLD-Abgeordnete Barbara Blida fälschlich mit der sogenannten „Kohle-Mafia“ in Verbindung zu bringen.
- Unglaubwürdige Zeugen: Die Anklage stützte sich auf widersprüchliche Aussagen einer Geschäftsfrau, der im Austausch für Belastungsmaterial Hafterleichterungen versprochen wurden. Die Beweise gelten als extrem schwach und unlogisch.
- Steuerung der Justiz: Staatsanwälte, die sich weigerten, politischen Weisungen zu folgen, wurden durch unerfahrene oder loyale Nachfolger ersetzt.
Absprachen auf höchster Machtebene
- Politischer „Hit“: Der Fall Blida wurde in informellen Treffen mit Jaros?aw Kaczy?ski als strategisches Werkzeug besprochen, um die gesamte Führungsspitze der Linken (SLD) zu diskreditieren.
- Einflussnahme auf Gerichte: Es besteht der Verdacht, dass Schlüsselpositionen in der Justiz gezielt besetzt wurden, um eine sichere Zustimmung zur geplanten Untersuchungshaft für Blida zu gewährleisten.
- Mediale Inszenierung: Die Verhaftung sollte als medialer „Lynchmord“ inszeniert werden, inklusive Kamerateams des Geheimdienstes und einer geplanten Pressekonferenz der Regierungsspitze.
Der tragische Tod und Ermittlungslücken
- Tödlicher Zwischenfall: Barbara Blida starb 2007 durch eine Schussverletzung während eines Einsatzes des ABW in ihrem Haus.
- Zweifel an der Suizid-These: Eine parlamentarische Untersuchungskommission stellte die offizielle Version des Selbstmords infrage. Indizien wie verwischte Fingerabdrücke auf der Waffe, das Fehlen von Schmauchspuren an Blidas Händen und eine mögliche Manipulation der Kleidung einer beteiligten Agentin deuten auf einen Kampf hin.
- Spurenverwischung: Der Text weist darauf hin, dass Beweismittel am Tatort unzureichend gesichert oder möglicherweise manipuliert wurden.
Mangelnde rechtliche Aufarbeitung
- Schutzschirm der Politik: Trotz späterer Untersuchungen (u. a. eines Berichts aus dem Jahr 2024) wurde niemand strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Frühere Ermittlungen wurden oft eingestellt oder nur oberflächlich geführt.
- Verjährung als Hindernis: Ein aktueller Expertenbericht stellt zwar fest, dass die Ermittlungen unzureichend waren, eine weitere Strafverfolgung der Verantwortlichen scheitert jedoch nun primär an den bereits abgelaufenen Verjährungsfristen.
- Staatsversagen: Das Fazit des Textes ist, dass der polnische Staat daran gescheitert ist, die Verantwortlichen für die Provokation und den anschließenden Tod der Politikerin vor Gericht zu bringen.
Tusk trotz EuGH Hürden für gleichgeschlechtliche Paare OKO.press 14.04.2026
Gerichtsurteile: Sowohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) als auch das Oberste Verwaltungsgericht Polens (NSA) haben entschieden, dass ausländische Heiratsurkunden gleichgeschlechtlicher Paare in Polen anerkannt werden müssen, um die Freizügigkeit innerhalb der EU zu gewährleisten.
Strategie der Beschränkung: Das Innenministerium (MSWiA) und die Kanzlei des Ministerpräsidenten versuchen, das NSA-Urteil als „Einzelfallentscheidung“ zu behandeln, die nur für ein spezifisches Paar (Jakub und Mateusz) gilt, statt eine systemische Änderung für alle betroffenen Paare herbeizuführen.
Politischer Widerstand: Während das Digitalisierungsministerium (Lewica) eine geschlechtsneutrale Anpassung der Personenstandsregister anstrebte, blockieren konservative Teile der Koalition (u. a. Innenminister Kierwi?ski) diesen Weg und fordern eine gesetzliche Regelung, die am Veto von Präsident Nawrocki scheitern könnte.
Ausschlussklausel: Brisant ist, dass Paare, die bereits im Ausland geheiratet haben, von diesem neuen Gesetz explizit ausgeschlossen werden sollen. Damit will die Regierung vermeiden, ausländische Ehen „durch die Hintertür“ rechtlich anzuerkennen
Wachsende Frustration: Aktivisten und betroffene Paare werfen der Regierung unter Donald Tusk vor, trotz Versprechen zur Rechtsstaatlichkeit eine Art „Regenbogen-Polexit“ zu betreiben und die Rechte der LGBTQ+-Gemeinschaft zu opfern.
Druck auf Behörden: Trotz der Blockadehaltung der Regierung stellen immer mehr Paare Anträge auf Transkription, und Institutionen wie die Sozialversicherungsanstalt (ZUS) beginnen bereits, gleichgeschlechtliche Ehepartner in Bezug auf Leistungen teilweise gleichzustellen.
Fazit: Die polnische Regierung befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen europäischen Gerichtsurteilen und koalitionsinternen sowie präsidialen Widerständen. Das Ergebnis ist eine Strategie der Verzögerung und der juristischen Isolation von Urteilen.
Löchriges Kontrollsystem bedroht Lebensmittelmarkt*
Przegl?d, 20.04. 2026
Der polnische Lebensmittelmarkt leidet unter einem fragmentierten Kontrollsystem aus vier untereinander unkoordinierten Behörden, was die Aufdeckung von Betrug erschwert. Dies führt zu massiven Missständen wie der Umdeklarierung ausländischer Billigware zu „polnischen Produkten“, der Verwendung technischer Rohstoffe in Lebensmitteln und dem systematischen Panschen von Milch. Geringe Strafen und der Preisdruck durch Großmärkte fördern zudem die organisierte Lebensmittelkriminalität. Durch neue Freihandelsabkommen wie Mercosur droht eine weitere Flut an billigen Importen mit niedrigeren Standards, die heimische Erzeuger gefährden. Experten fordern daher dringend eine zentrale Kontrollbehörde, härtere Strafen und strikte Identitätsprüfungen an den Grenzen, um das Verbrauchervertrauen wiederherzustellen.
Werden Ukrainer in Not im Stich gelassen?
OKO.press, 08. 04. 2026
Die Kürzungen in Polen (wirksam seit dem 5. März 2026) markieren einen harten Übergang von „Nothilfe“ zu einem System, das fast ausschließlich auf Erwerbstätigkeit setzt.
Hier sind die wesentlichen Punkte der Kürzungen zusammengefasst:
1. Koppelung von Leistungen an Arbeit und Schule
Der Staat verfolgt das Prinzip: Unterstützung gibt es nur noch für diejenigen, die dem polnischen System aktiv etwas zurückgeben oder sich integrieren.
800+ Kindergeld: Diese monatliche Zahlung wird nur noch gewährt, wenn die Eltern offiziell in Polen arbeiten und die Kinder eine polnische Schule besuchen.
Keine Vorzugsbehandlung: Wer nicht arbeitet (und nicht zu einer vulnerablen Gruppe gehört), verliert den Anspruch auf viele Pauschalleistungen.
2. Drastische Einschränkung bei der Unterkunft (OZZ)
Die kostenlosen Plätze in Sammelunterkünften werden strenger kontrolliert:
Eigenbeteiligung: Wer über Einkommen verfügt, muss oft bis zu 40 % bis 75 % der Kosten selbst tragen.
Rauswurf bei Rente: Wie im Text erwähnt, führt schon eine minimale Rente (selbst wenn sie nur 12 € beträgt) zum Verlust des Anspruchs auf eine staatlich finanzierte Unterkunft.
Fristen: Für Neuankömmlinge wurde die kostenlose Zeit oft auf 60 Tage begrenzt.
3. Wegfall der kostenlosen Gesundheitsversorgung
Das ist einer der kritischsten Punkte für Kranke und Senioren:
Versicherungspflicht: Die pauschale kostenlose Behandlung für alle Ukrainer mit „UKR-Status“ wurde beendet. Wer keine offizielle Arbeit hat (und somit nicht über den Arbeitgeber versichert ist), muss sich nun selbst privat oder freiwillig versichern.
Eingeschränkter Leistungskatalog: Bestimmte Behandlungen (z. B. Rehabilitation oder Zahnbehandlungen) wurden für Nicht-Versicherte komplett gestrichen.
Ambulant vs. Stationär: Nur wer direkt im Krankenhaus liegt, hat oft noch einen Restanspruch. Wer „nur“ zur Dialyse oder Chemo kommt (ambulant), fällt oft durch das Raster.
4. Ende der Sonderregelungen für Arbeitslose
Ukrainische Männer und Frauen im Rentenalter können sich oft nicht mehr als „arbeitslos“ registrieren lassen, um darüber versichert zu sein, wenn sie bereits eine (ukrainische) Rente beziehen – egal wie niedrig diese ist.
5. Wegfall von Einmalzahlungen und Reisevorteilen
Die zu Beginn des Krieges eingeführte Einmalhilfe (300 PLN) für Neuankömmlinge wurde weitgehend abgeschafft.
Auch kostenlose Tickets für den öffentlichen Nahverkehr oder die Bahn sind fast überall weggefallen.
Kernproblem der Reform
Die Reform bestraft vor allem die „Schwächsten der Schwachen“:
Beispiel: Eine 75-jährige Frau mit einer ukrainischen Rente von 80 € gilt offiziell als „versorgt“. Sie verliert den Platz im Wohnheim, hat aber nicht genug Geld für eine eigene Wohnung und ist nicht mehr automatisch krankenversichert.
Wichtig: Diese Maßnahmen sollen die Menschen zur Arbeit motivieren („Aktywizacja“), lassen aber keinen Spielraum für jene, die aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung schlicht nicht arbeiten können.
Kurznachrichten:
Umfrageergebnisse aus Polityka, 07.04. 2026
KO 35% +1 PiS 26% -2
Nowa Lewica 7% Konferderacja 14%
Polska 2050 2% Korona 9% +1
RAZEM 4% PSL 4% +1
Auch in Polen gibt es die 5% Klausel, also sieht es etwas ernüchternd aus für das Regierungslager
Wie sehen die Polen die USA Przegl?d, 13. 04. 2026
Bei einer Umfrage, ob polnische Soldaten am Krieg der USA im Nahen Osten teilnehmen sollten, sprachen sich 84,7 % dagegen aus, nur 11% waren dafür.
Auf die Frage Ende März ob die USA ein stabiler Partner für die Sicherheit Polens wären, antworteten 40,6% mit JA und 54,5% mit NEIN. Dabei stimmten 87% der Wähler der PiS mit JA und 77% der Wähler der Regierungskoalition mit NEIN. Auch 58% der Wähler von Konferderacja und Krone sehen in den USA keinen stabilen Partner.
Das beste Beispiel für das Verhältnis PiS – Konferderacja ist ihr Vorsitzender S?awomir Mentzen, der ein Video ins Netz stellte, das eine Grafik mit steigenden Ölpreisen vor dem Hintergrund des denkwürdigen Ausbruchs der Begeisterung der PiS-Abgeordneten am 6. November 2024 zeigt, als sie im Sejm freudig „Donald Trump! Donald Trump!“ skandierten und den Wahlsieg ihres Idols feierten.
Krebspatienten müssen in einigen Regionen des Landes über 90 Tage auf eine Computertomographie und 120 Tage auf eine Magnetresonanztomographie warten. Die Regierung will die Diagnostik einschränken, und Radiologen streiten sich mit Kardiologen um Geld.
Osterwarenkorb Laut einem Bericht des Zentrums für sozioökonomische Analysen war der „Osterwarenkorb“ um 12,8 % teurer als im Vorjahr.
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