Forderung der Berliner Grünen
von Wolfgang Pomrehn
Die Berliner Grünen sind der Meinung, dass die sowjetischen Ehrenmale der Stadt »kontextualisiert« werden müssen. Mehrere zehntausend Rotarmisten hatten einst sterben müssen, weil die Naziführung einen längst verlorenen Krieg bis zum bitteren Ende weiterführen wollte, hatten sterben müssen, weil die Bevölkerung des einst roten Berlins keinen Aufstand zuwege brachte. Die Ehrenmale erinnern an sie und sind zugleich für einen Teil von ihnen Begräbnisstätten.
Doch derlei haben die missratenen Erben Petra Kellys natürlich nicht im Sinn. Auch stoßen sie sich keineswegs an den entwürdigenden Polizeispalieren, durch die heutigentags Besucher von Gedenkveranstaltungen gehen müssen, wenn sie an den Ehrenmalen am 8.Mai an den Tag der Befreiung erinnern wollen. Und schon gar nicht scheint es für sie ein Problem, dass an diesen Gedenktagen die Fahne der sowjetischen Befreier nicht mehr gezeigt werden darf und selbst ein roter Stern auf einem T-Shirt schon Anlass sein kann, dass Passanten nicht durchgelassen werden.
Was der einstigen Friedenspartei vorschwebt, ist vielmehr, dass die Ehrenmale mit Tafeln politisch kommentiert werden, wobei sicher nicht gemeint ist, dass an die hiesigen Profiteure von Krieg und Völkermord wie die IG Farben (heute BASF, Hoechst und BASF), Deutsche Bank, BMW, Degussa und so weiter erinnert werden soll. Vielmehr wird dabei eine Relativierung der deutschen Verbrechen herauskommen.
Des weiteren fordern die Grünen vom CDU-SPD-Senat, also unter anderem von einer Union, die wenig Hehl aus ihrer Ablehnung der Ehrenmale macht, dass diese »vor politischer Instrumentalisierung« geschützt werden. Damit scheinen vor allem russische Akteure gemeint, denn an den ukrainischen Nationalisten, die regelmäßig am 8.Mai auftauchen, um gegen Sowjetunion und Rote Armee zu hetzen und mitunter auch die Gedenkkundgebungen ein wenig zu stören, haben die Grünen bisher keinen Anstoß genommen.
Aber vielleicht bekommen sie davon auch nichts mit, denn bei den Gedenkkundgebungen der VVN-BdA hat man sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Es passt halt nicht zur neuen Russophobie sich daran zu erinnern, welch unglaubliches Leid deutsche Faschisten über die Völker der Sowjetunion gebracht haben.
Und genau hier ist die Motivation für den grünen Antrag zu suchen. Zur allgemeinen Aufrüstung und zu den Kriegsvorbereitungen gehört eben auch eine Geschichtspolitik, die die Bevölkerung auf den vermeintlichen Feind einschwört. Erinnerungen an die sowjetischen Befreier stören da einfach.
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