Tim Engartner: Staat im Ausverkauf, Privatisierung in Deutschland
Frankfurt a.M.: Campus, 2016. 268 S., € 22,95
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Seit mehr als drei Jahrzehnten entledigt sich der Staat seiner Aufgaben durch eine immer schneller voranschreitende Privatisierung einst öffentlicher Dienstleistungen. Dazu gehören neben Post und Bahn, dem Energiesektor und der Flugsicherung auch eine wachsende Zahl von Bildungseinrichtungen.
Buchtipp: Raul Zelik: Spanien. Eine politische Geschichte der Gegenwart
Berlin: Bertz+Fischer, 2018. 240 S., € 14
von Peter Nowak
Es ist schon einige Jahre her, als Spanien an der Spitze einer EU-weiten Protestbewegung gegen die wesentlich von Deutschland ausgehende Austeritätspolitik stand. Massendemonstrationen und Platzbesetzungen in vielen spanischen Städten wurden zum Vorbild für Proteste in anderen europäischen Ländern.
Roman Deiningen, Uwe Ritzer: Markus Söder. Politik und Provokation. Die Biographie
München: Droemer, 2018. 384 S., € 19,99
von Paul B. Kleiser
Der rabiate Politikverkäufer
Seit Mitte März 2018 ist Markus Söder als Nachfolger von Horst Seehofer, der das Amt zehn Jahre lang bekleidet hat, bayerischer Ministerpräsident. Alle Versuche seines Vorgängers und von dessen Entourage, den «Intriganten aus Nürnberg» am Aufstieg zu hindern, sind somit gescheitert. «Söder hat sich seiner Partei und dem Land regelrecht aufgezwungen», schreiben die Journalisten der Süddeutschen, Roman Deininger und Uwe Ritzer.
Deutsch statt doitsch
Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat
von Paul B. Kleiser
Thea Dorn: Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. München: Knaus, 2018. 334 S., € 24
Der Begriff Heimat eignet sich nicht für polemische Vereinfachungen jedweder Art.
Samir Amin (1931–2018)
Ein Nachruf
von Hannes Hofbauer*
Einer der einflussreichsten Intellektuellen des «globalen Südens» ist tot. Samir Armin verstarb am 12.August 2018 fast 87-jährig in Paris. Er war u.a. Autor des Promedia-Verlags, dessen auf französisch verfasster Text «Souveränität im Dienste der Völker» gerade ins Deutsche übersetzt wird und im Frühjahr 2019 erscheinen soll.
Volker Matthies: Im Schatten der Entdecker
Berlin: Ch. Links Verlag, 2018. 248 S., € 28
von Rolf Euler
Was für ein Titelbild! Im strömenden Regen steigt ein Mann einen Berg hinauf, auf dem Rücken ein Sesseltraggestell mit einem anderen Mann darauf sitzend. Was für ein Buchthema! «Indigene Begleiter europäischer Forschungsreisender» ist der Untertitel einer spannenden, bewegenden Sammlung von Geschichten und Erkenntnissen über die Menschen, die den europäischen Welteroberern die «neue» Welt, in die sie aus Forschungs- und Eroberungsdrang kamen, überhaupt erst zugänglich machten. Sie standen bisher «im Schatten der Entdecker», aus dem sie der Autor Volker Matthies herausholt.
Krimitipp: Dominique Manotti: Kesseltreiben
Berlin: Ariadne, 2018. 397 S., € 20
von Udo Bonn
Die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric in den Jahren 2013–2015 ist der Hintergrund für Dominique Manottis neuesten Roman Kesseltreiben, der ein Lesevergnügen ersten Ranges darstellt.
«Die Klassengesellschaft ist sinnlich wahrnehmbar»
Vom Neoliberalismus zum «mittelmeerischen Denken. Ein Buch von Andrea Ypsilanti
von Paul B. Kleiser
Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Sozialdemokratin, dazu noch eine Landtagsabgeordnete aus Hessen, ein lesenswertes und kritisches Buch vorlegt. Andrea Ypsilanti war von 2003 bis 2009 Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD und wäre nach den Landtagswahlen 2008 in einer rot-grünen, von der LINKEN tolerierten Koalition als Nachfolgerin des CDU-Rechtsauslegers Roland Koch beinahe Ministerpräsidentin geworden, wenn nicht vier SPD-Abgeordnete wenige Stunden vor der Wahl ihr «Gewissen» entdeckt und erklärt hätten, nicht für sie stimmen zu wollen.
Marc Elsberg: Zero. Sie wissen, was du tust
von Angela Klein
Science fiction hat für meinen Geschmack oft den Nachteil, dass sie negative technische und gesellschaftliche Entwicklungen in eine Zukunft projeziert, von der man weiß, dass es sie so nicht geben wird. Damit rücken uns solche Beschreibungen aber auch nicht so nah auf den Pelz, denn in der Mehrzahl der Fälle können wir sagen: «In solchen Verhältnissen leben wir nicht und sie sind auch nicht absehbar.»
Revolution als Realpolitik
Eine Biografie des KPD-Führers Ernst Meyer
von Thies Gleiss
Wenn man, wie der Rezensent, ein ausgesprochenes Faible für die Geschichte der Arbeiterbewegung, dargestellt an Biografien einzelner Akteure, hat, und wenn der Titel der Biografie zusätzlich auf eine persönliche Empfehlung an den Autor zurückgeht, dann besteht die Gefahr, befangen zu sein. Mit dieser Vorbemerkung soll hier eine dicke Empfehlung für die gerade erschienene Biografie des Mitbegründers des Spartakusbundes und der KPD, engen Weggefährten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und eines der Führer der KPD in deren wichtigster und lebendigster Phase, Ernst Meyer, ausgesprochen werden.
Arn Strohmeyer: Die israelisch-jüdische Tragödie. Von Auschwitz zum Besatzungs- und Apartheidstaat Israel. Das Ende der Verklärung
Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2017. 277 S., € 19,80
von Hermann Dierkes
Unheilvolle «Vergangenheitsbewältigung»
Arn Strohmeyer publiziert seit Jahren sehr lesenswerte Artikel und Bücher zum deutsch-israelischen Verhältnis, zum Holocaust, zum Aufstieg des Zionismus und seiner Dominanz gegenüber völlig anderen, humanen Denktraditionen im Judentum, zum Antisemitismus und über die Unterdrückung der Palästinenser.
Von der Nutzung der «Teufelsmaschine»
Werner Seppmanns «Kritik des Computers»
von Anja Lorenz
Werner Seppmann: Kritik des Computers. Der Kapitalismus und die Digitalisierung des Sozialen. Kassel: Mangroven Verlag, 2017. 300 S., € 16,80