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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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A Most Wanted Man

Großbritannien 2013. Regie: Anton Corbijn

von Angela Huemer

Ich wollte, dass dieser Film im Herbst spielt, der Farben wegen», sagt Regisseur Anton Corbijn, der seine Karriere als Photograph begann, gegenüber dem Guardian in einem Interview. «A Most Wanted Man» ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von John Le Carré, das Drehbuch schrieb Andrew Bovell. «Der Grund ist, dass diese Geschichte etwas Melancholisches hat und Veränderung in der Luft liegt … hin zu etwas noch schlechterem.»

«A Most Wanted Man» ist eine englische Produktion, mit einem holländischen Regisseur, in englischer Sprache. Er spielt in Hamburg und behandelt ein deutsches Thema. Die Blätter sind ebenso andeutungsweise verfärbt, wie wir sie zur Zeit vor unseren Fenstern sehen können. Am Hamburger Hafen kommt ein junger, ausgemergelt aussehender Mann mit langem Bart an. Er schafft es in die Stadt und findet sogar Unterkunft bei einer türkischen Witwe und ihrem Sohn. Es ist Issa Karpow aus Tschetschenien, ein Muslim, offenbar mehrfach gefoltert und von vornherein höchst verdächtig. Die junge Anwältin Annabel Richter, die Flüchtlingen hilft, nimmt sich seiner an.

Die Dinge kommen ins Rollen. All das, die Ankunft Issas, die Hilfe der Anwältin, wo er unterkommt, wird überwacht von einer deutschen Antiterroreinheit. Am Anfang des Films erscheint ein Text, der daran erinnert, dass in Hamburg das Attentat vom 11.September vorbereitet wurde. Wenn man den Film im Original ansieht, muss man sich einen Moment lang orientieren, bis man merkt, dass die Hauptfigur, der Deutsche Günther Bachmann, von einem Amerikaner, nämlich Philip Seymour Hoffman gespielt wird. Neben ihm treten auch hervorragende deutsche Schauspieler auf wie Daniel Brühl und Nina Hoss.

Bachmann ist ein erfahrener, stark rauchender und Klavier spielender, weitgehend desillusionierter Agent, der, wie man nach und nach erfährt, eine ganze Zeitlang in Beirut verbrachte, wo er unangenehme Erfahrung mit den Amerikanern machte.

Eine wesentliche Rolle im Film spielt der Privatbankier Thomas Brue, meisterhaft verkörpert von William Dafoe. Sein und Issa Karpows Vater kannten sich nicht nur, sie hatten auch geschäftsmäßig miteinander zu tun in den fernen 80er Jahren – genaues erfahren wir nicht, nur so viel, dass es sich bei dem Vermögen von Karpows Vater, ein Ende der 80er Jahre verstorbener russischer Soldat, das Issa nun einfordert und das in einem der Bankschließfächer liegt, um eine beträchtliche Summe unbestimmter, vermutlich nicht astreiner Herkunft handelt.

Der Film dauert lang, 121 Minuten, doch nie verspürt man beim Zusehen nur eine Minute Langeweile. Wir tauchen in das herbstliche Hamburg ein, wobei wir nur teilweise archetypische Hamburg-Bilder wie den Hafen und die Speicherstadt zu sehen kriegen, oder eine echt abgeranzte Kneipe. Das monströse Hochhausgebäude, wo Bachmanns Einheit untergebracht ist, könnte auch anderswo stehen. Drehbuchautor Andrew Bovell hat sich auf die genaue Zeichnung der Charaktere konzentriert, es gibt keine überflüssige Liebesgeschichte oder elaborierte Verfolgungsjagden zur Anbiederung an die Zuseher. Manches wird angedeutet, es entstehen komplexe, tiefgreifende Beziehungen im Laufe des Films, wie zwischen Anwältin Richter und Issa Karpow. Philip Seymour Hoffman trägt den Film, Peter Bradshaw vom Guardian schreibt treffend, er sähe darin aus wie ein verkateter Panda.

Er leitet eine Einheit, die es, so sagt er selbst irgendwann im Film, offiziell gar nicht gibt, weil das deutsche Gesetz sie nicht vorsieht – eine bestimmte Art Antiterroreinheit. Im komplexen Geflecht der verschiedenen Polizei- und Staatssicherheitseinheiten versuchen sie, anders als alle anderen Einheiten, mit Bedacht und Augenmaß vorzugehen und die anderen zu mäßigen. Die anderen Einheiten unterstehen teils dem Innenministerium, dabei spielen aber auch ausländische Kräfte eine Rolle wie die von Robin Wright hervorragend verkörperte Vertreterin der amerikanischen Botschaft.

Corbijn gibt einen klugen, nie reißerischen Einblick in dieses fein Geflecht der verschiedenen Spionage- und Staatssicherheitseinheiten. In einer kleinen Rolle überrascht Herbert Grönemeyer, der auch die Filmmusik geschrieben hat, die genauso ist, wie sie für diesen Film sein soll.

So wie der Herbst sich im September langsam heranschleicht, so tut es auch der Film – Corbijn führt uns langsam ins Geschehen hinein, die Spannung steigt in der zweiten Hälfte und ist nie nur Spannung um der Spannung willen. Obwohl wir ihm näher kommen, wahren wir sogar zum Protagonisten Günther Bachmann die nötige Distanz, so dass wir die Thematiken und politischen Hintergründe, die dem Film zugrunde liegen, nie ganz aus dem Auge verlieren.


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