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Walka: Kämpferisch für Polen

Neue Gewerkschaft gegründet
dokumentiert

Die neue Gewerkschaft Walka (www.walka.org.pl) setzt sich für die 30-Stunden-Woche ein.

Da fragen sich diejenigen, die die Situation in Polen etwas kennen: Noch eine Gewerkschaft? Gibt es deren nicht mehr als genug? Dieser Auffassung sind die Gründer der neuen Gewerkschaft nicht. Die drei großen Gewerkschaften – Solidarno??, OPZZ und Forum – sind in ihren demokratischen Strukturen verkrustet und befinden sich oft in Abhängigkeit von Regierung und Unternehmern. Viele Beschäftigte werden gar nicht erreicht, weil die Zahl der Beschäftigten zu klein ist – es braucht zehn Mitglieder zur Gründung einer Gewerkschaft – oder sie sind in einer prekären Beschäftigung, mit sog. Müllverträgen, in Sonderwirtschaftszonen, oder Ausländer (zumeist Ukrainer); es soll eine Million Tagelöhner in Polen geben.

Die Mitglieder der neuen Gewerkschaft Walka (Freier Gewerkschaftsverband Kampf) kommen aus der linken Gewerkschaftsszene. Sie kritisieren nicht nur die Politik der großen Gewerkschaftsverbände wegen ihrer Einbindung in die Regierungspolitik, sie sind auch mit dem Engagement ihrer bisherigen Gewerkschaften (August 80, Arbeiterinitiative u.a.) zunehmend unzufrieden.

Es wird sich zeigen, inwieweit es dieser Gewerkschaft gelingt, weiße Flecke in der Arbeiterbewegung zu besetzen und weiteren enttäuschten Gewerkschaftern eine Perspektive zu geben. Im folgenden stellt sich die Gewerkschaft vor:

 

«Wer wir sind und worum wir kämpfen

Wir sind ein Verband von arbeitenden Menschen, die meisten von uns arbeiten über 40 Stunden in der Woche, oft ohne Versicherungsschutz und Rentenanspruch. Wir arbeiten und erzielen kaum einen Gewinn, wir arbeiten schwer und die Chefs treten uns mit Füßen!

So wie die Arbeiter 1886 in Chicago, müssen wir wieder um die Einhaltung des 8-Stunden-Arbeitstags kämpfen. So wie die Mitglieder der Arbeiterbewegung vor dem Zweiten Weltkrieg müssen wir für ein freies, demokratisches und gerechtes Polen kämpfen. So wie unsere Eltern 1980 müssen wir für die Errichtung von freien und von den Arbeitgebern unabhängigen Gewerkschaften kämpfen.

Der Kampf um höhere Löhne, das Recht auf eine Gesundheitsversorgung und Renten findet auf der ganzen Welt statt, wir schließen uns dem an. Wir haben ein Recht auf Arbeit ohne Gefährdung unserer Gesundheit und unseres Lebens, auf eine Arbeit, bei der technische Hilfsmittel unsere Kräfte schonen, auf eine Arbeit, die klug und menschlich organisiert ist.

Wir brauchen stabile Verhältnisse für uns und unsere Familien. Die Pflicht des Staates ist es, die Wirtschaft so zu organisieren, dass für jeden Arbeitswilligen ein Arbeitsplatz vorhanden ist. Wir lehnen die Errichtung von Gebieten der Ausbeutung ab, die die Regierung «Sonderwirtschaftszonen» nennt. Wir werden für die Arbeiterselbstverwaltung kämpfen. Wir wollen wissen, was mit dem Geld geschieht, das wir erarbeiten. Wir haben das Recht auf Teilhabe an den erarbeiteten Gewinnen in unseren Firmen.

 

Wir stehen vor neuen Herausforderungen:

Wir wollen eine Verkürzung der Arbeitszeit und die Verteilung der Arbeit auch im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt.

Wir fordern reale Lohnerhöhungen und eine würdige und zeitlich unbegrenzte Unterstützung der arbeitslosen Menschen.

Wir verlangen eine Angleichung der Mindestlöhne in der gesamten Europäischen Union und den Abschluss eines europäischen Tarifvertrags. Dies erreichen wir nur in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften der anderen Länder Europas und der Welt.

Wir schaffen diese Klassengewerkschaft nach dem Vorbild einer Gesellschaft, in der wir leben wollen – wir sind alle gleich und begegnen uns mit Respekt, wir dulden nicht, dass Frauen, Ausländer oder Schwächere schlechter behandelt werden.

Der Freie Gewerkschaftsverband Walka vertritt die Interessen derer, die vom 1. zum 1. arbeiten, unabhängig von ihrer Branche, Nationalität oder der Vertragsform ihrer Arbeit. Uns gibt es zu Millionen in jedem Land. Wir lehnen den Wettlauf um Profitmaximierung ab. Nur in der Zusammenarbeit können wir eine wirtschaftliche Entwicklung zum Wohl aller Menschen erreichen.

Die Zeit ist reif für einen authentischen Kampf (Walka) für Arbeiterrechte!»


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