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Basta! statt Pasta

Wochenlange Streiks bei Teigwaren Riesa waren erfolgreich
von vb

Seit die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) es sich zum Ziel gesetzt hat, die Lohnmauer zwischen Ost und West einzureißen, wird der Aufbruch Ost in den Betrieben erlebbar.

Der zähe und erfolgreiche Kampf beim Nudelhersteller Teigwaren Riesa 2019 hatte damals einen entscheidenden Anschub und Hoffnung gegeben. Hier ist das Bild «Wir sind Gewerkschaft» entstanden, das die Tarifauseinandersetzungen der letzten Monate in der Ernährungswirtschaft prägte. Unter dem Titel «Man darf sich nicht ergeben» hat die NGG die Erfahrungen zum gewerkschaftlichen Aufbau dokumentiert und veröffentlicht.
Im Sommer dieses Jahres lief der Tarifvertrag bei Teigwaren Riesa aus, wieder musste zäh gerungen werden. Die 150 Kolleg:innen legten über drei Woche lang die Arbeit nieder. Ihr Ziel ist, die Lohndifferenz von bis zu 788 Euro zu den Partnerunternehmen in Westdeutschland zu verringern. Im September ist es schließlich gelungen, die Lohnlücke ein kleines Stück weiter zu schließen.
Teigwaren Riesa, ein Tochterunternehmen von Alb-Gold in Baden-Württemberg, ist im Osten Markenführer und nutzt den Osten als billige Produktionsstätte. Etwa 80 Prozent der Beschäftigten erhalten einen Stundenlohn von 13 Euro oder weniger, in der untersten Lohngruppe sind es gerade mal 9,94 Euro. Schon in der ersten Woche brachten sie die Produktion durch neue Streiktaktiken zum Erliegen. Beschäftigte der Verpackung und der Produktion legten abwechselnd und zeitversetzt die Arbeit nieder. Die Nudeln wurden bereits knapp. Verschiedene Gewerkschaftsgruppen schickten Solidaritätsschreiben und die NGG rief zu Solidaritätsfotos auf.
Am 7.September, fuhr eine Delegation nach Trochtelfingen, dem Sitz des Mutterkonzerns Alb-Gold in Baden-Württemberg. An diesem Tag gelang schließlich der Durchbruch, es wurde eine Einigung zwischen Arbeitgeber und der Gewerkschaft NGG erzielt: Bei einer Laufzeit bis zum 31.8.2022 steigen die Stundenlöhne innerhalb der kommenden sieben Monate um einen Euro in der Stunde. Für eine Vollzeitkraft erhöht sich der Monatslohn damit um 173 Euro.
Das reicht bei weitem noch nicht, um die Lohnlücke zu schließen. Es reicht auch noch nicht, um die Nie­drig­löhne in der gesamten Branche in Ost und West zu beenden. Aber es ist ein weiterer Schritt, die Kampfkraft zu stärken, nicht zu jammern, sondern Klassenbewusstsein, Erfolge und Erfahrungen zu sammeln und an die nächsten Betriebe weiterzugeben, wo die Beschäftigten angesichts der oft harten Bandagen der Unternehmensseite noch zögern sich zu organisieren.

Das Buch zum gewerkschaftlichen Aufbau ist online verfügbar:
www.yumpu.com/de/document/read/63273716/man-darf-sich-nicht-ergeben.


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