Zur Person 30. Juni 2026

Jean Ziegler (1934–2026)

Rufer zwischen den Fronten
von Leo Gabriel

Es gibt wohl wenige Autor:innen, die den Mut haben, auf den verschiedensten Ebenen ihre scharfsinnige Kritik an der bestehenden Weltordnung derart voranzutreiben, dass fast jeder Satz zu einem Appell wird, die Dinge zu verändern. Ein solcher Mensch war der Schweizer Sozialwissenschaftler und Menschenrechtsaktivist Jean Ziegler, der am 10.Juni 2026 in seiner Heimatstadt Genf im Alter von 92 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Zur Person 30. April 2026

Jürgen Habermas – eine Würdigung

Die Entzauberung rätselhafter Institutionen
von Helmut Dahmer

Mit Jürgen Habermas ist am 14.März der prominenteste noch lebende Vertreter der Frankfurter Schule gestorben. Er hat ihren kritisch-marxistischen Ansatz weiter entwickelt und sich regelmäßig in die großen politischen Debatten eingemischt – von der Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre über den Historikerstreit bis hin zur Verteidigung einer republikanischen politischen Identität.
Eine Würdigung von Helmut Dahmer.

Zur Person 30. April 2026

Brigitte Kiechle 1951–2026

Nachruf
dokumentiert

›Man muss so handeln als ob es möglich ­wäre, die Welt radikal zu verändern‹ (Angela Davis)

Zeit ihres Lebens hat unsere Freundin und Genossin Brigitte politisch gekämpft. Trotz oder gerade wegen ihres unmissverständlichen Idealismus war sie auch bei politischen Gegner:innen respektiert und angesehen, bei den Klassenfeinden gefürchtet. Egal ob auf der Straße, auf Podien, in Gerichtssälen oder an Küchentischen – Brigitte hat uns alle beeindruckt und geprägt.

Zur Person 1. April 2026

Susan George (1934–2026)

Abschied von einer ­kämpferischen Analytikerin
von Wolfgang Pomrehn

Dezember 1999. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung kämpferisch. Den Neoliberalen wehte der Wind entgegen. Aus aller Welt hatten Gewerkschaften, Umweltorganisationen und Bauernverbände – Gegner von Freihandel, Verschuldung und Austeritätspolitik – nach Seattle mobilisiert. Proteste gegen die Tagung der Welthandelsorganisation WTO waren geplant, Sitzblockaden sollten sie behindern. Für den nächsten Tag war eine große Demonstration angekündigt. Der Saal jubelte, als die ältere Dame auf dem Podium The Battle of Seattle ausrief.

Patriarchat 1. April 2026

Epstein

Fragen einer hilflosen Generation
von Marina Hoffmann

Triggerwarnung: Dieser Text handelt von harten Themen und Emotionen, reproduziert aber keine explizite Gewalt.

Als ich vor einigen Wochen bei der Tagesschau auf Instagram über die brandneuen Enthüllungen der Epstein-Files las und auf dem letzten Slide nur Prinz Andrew sah, schockierte mich das. Die Auszüge der Files, die jemand in seiner Story teilte und die ich mir natürlich durchgelesen habe, haben gereicht. Mein bisheriges Weltbild ist zerbrochen. Ich verstehe die Tragweite.

Zur Person 1. März 2026

Hermann Dworczak (1948–2026)

Kämpfer zwischen den Welten
von Leo Gabriel

Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Energie und Strahlkraft für die sozialen und politischen Bewegungen unverzichtbar sind; Menschen, denen ihre Überzeugung wichtiger sind als kurzfristige Erfolgserlebnisse und die dadurch wertvolle Bindeglieder zwischen den Organisationen innerhalb des weitverzweigten Spektrums der Linken sind; egal ob in Österreich, auf europäischer oder auf internationaler Ebene.

Zur Person 1. März 2026

Elfriede Müller (1957–2026)

Erinnerung an eine unermüdliche Kämpferin
von Friedrich Dorn

»Elfriede Müller war leidenschaftliche politische Denkerin, Aktivistin, Internationalistin und sie war eine streitbare Gefährtin und innige Freundin. Mit ihrem Charme hat sie so viele zusammengebracht. Elfi hat gegen den Krebs und für eine gerechtere Gesellschaft gekämpft bis zum Schluss.«

Zur Person 1. März 2026

Muhammad Ali zum 10.Todestag

Schweben wie ein Schmetterling
von Kai Böhne

Wir schreiben Freitag, den 19.Juli 1996: Im Centennial Olympic Stadium der US-amerikanischen Stadt Atlanta läuft die Eröffnungsfeier für die Olympischen Sommerspiele. Nachdem Janet Evans, Schwimmerin und vierfache Goldmedaillengewinnerin, ihre Stadionrunde beendet hat, übergibt sie die Fackel vor einer langen Rampe an die Boxlegende Muhammad Ali (1942–2016). Dem unter einer Parkinson-Erkrankung leidenden Ausnahmesportler kommt die Ehre zu, das Olympische Feuer zu entzünden.

Aufmacher 4 1. Februar 2026

Furchtlos, widerständig, solidarisch – Ein Nachruf auf Rolf Becker


von Manfred Klingele

Bekannt war er aus Theater, Film, Fernsehen und diversen Sprecherrollen. Doch er war nicht nur Schauspieler, sondern engagierte sich auch für politische Häftlinge, gegen NATO-Kriege und gegen die Erpressung Griechenlands. Nur wenige wissen, dass er bis zum Schluss Mitglied der Gruppe „Arbeiterpolitik“ war. 


Rolf Becker (1935-2025) lernte ich 1974 in Hamburg in der Gruppe Arbeiterpolitik kennen. Er fiel mir auf als derjenige, der während unserer politischen Diskussionen fast durchgehend nebenher Texte las und redigierte. Dass er Schauspieler war, erfuhr ich erst deutlich später.
Zur Person 1. Dezember 2025

Rosa Parks (1913–2005)

Unermüdliche Kämpferin gegen Rassismus
von Dianne Feeley

Zum 70. Jahrestag des Busboykotts in Montgomery (USA)
Am 1.Dezember 1955 geschah tief im Süden der USA, in Montgomery (Alabama), etwas, das dieses eher kleine Städtchen schon bald über die Grenzen des Landes hinaus bekannt machen sollte. Eine kleine, wohlgekleidete farbige Frau mittleren Alters weigerte sich, ihren Sitz für einen Weißen freizugeben. Daraufhin rief der weiße Busfahrer die Polizei, die die Delinquentin, ihr Name war Rosa Parks, festnahm.
Der Vorfall gilt als Start der modernen Bürgerrechtsbewegung, die in den 1960ern und 1970ern den institutionellen Rassismus in den USA zurückdrängen, wenn auch lange nicht aus der Welt schaffen konnte. Wir fragten Dianne Feeley in Detroit, wer diese ungewöhnliche Frau war, die nicht ganz ohne Absicht den Anstoß dazu gegeben hatte.

Kunst 1. Dezember 2025

Listen to the Echo

Eine Ausstellung im Museum Folkwang in Essen
von Rolf Euler

»Hört auf das Echo!« nennt der südafrikanische Künstler William Kentridge eine Ausstellung über Jahrzehnte seines umfangreichen und vielseitigen Schaffens anlässlich seines 70.Geburtstags. Das Museum Folkwang in Essen erinnert an ihn mit Bildern, Grafiken, Tapisserien, vor allem mit Videos aus der Zeit der Apartheid in Südafrika und der Zeit danach.

Zur Person 1. Dezember 2025

Frantz Fanon (1925–1961)

›Es geht darum, eine Geschichte der Menschheit zu beginnen‹
dokumentiert

Arzt, antifaschistischer Partisan, Teilnehmer am algerischen Befreiungskampf und Pan-Afrikanist – Frantz ­Fanon war einer der einflussreichsten antikolonialen Theoretiker seiner Zeit. Sein bekanntestes Werk, Die Verdammten dieser Erde, gilt als das kommunistische Manifest der antikolonialen Revolution. Nachstehend Auszüge aus dem Nachwort.

Zur Person 1. November 2025

Anna Seghers (1900–1983)

Der Traum von einer veränderbaren Welt
von Volker Brauch

Am 19.November jährt sich der 125.Geburtstag von Anna Seghers.

Buch 1. Juli 2025

Freigeist und Naturfreund

Der Metallarbeiter und Anarchosyndikalist Wilhelm Wehner
von Eveline Linke

Dieses Buch ist mehr als nur die individuelle Lebensgeschichte des Metallarbeiters und Anarchosyndikalisten Wilhelm Wehner.

Zur Person 1. Juli 2025

Zum 30sten Todestag von Ernest Mandel

Erinnern an die Zukunft
von Ayse Tekin

Vor fünfzig Jahren saßen drei Männer in einem Kölner Krankenhauszimmer, als ein Vierter die Tür öffnete: eine riesige Überraschung und große Freude.

Im Juli jährt sich der Todestag von Ernest Mandel (1923–1995) zum dreißigsten Mal. Eine lange Zeit, aber seine theoretischen Ansätze, seine optimistische Lebenshaltung und seine Kämpfe für eine bessere Welt sind weiterhin lebendig.

Zur Person 1. Juli 2025

Ein Weltzeuge

Der Fotograf Sebastião Salgado
von Marina Hoffmann

Ein junges Mädchen mit verschmiertem Gesicht schaut mit stiller Skepsis in die Kamera. In ihren großen, ernsten Augen spiegeln sich Licht und Schatten.
Eine Herde Rentiere zieht durch eine karge Eislandschaft – eine Einheit aus Individuen, deren Farben ineinander übergehen, strömt in die gemeinsame Richtung durch die Kälte.
Ein halbnackter Mann greift den Lauf des Gewehres, das ein anderer Mann in Uniform auf ihn richtet. Er redet auf sein Gegenüber ein. Die rechte Hand hält er auf sein Herz. Der Uniformierte erwidert nichts. Um sie herum andere Menschen, die sie beobachten.
Was hier etwas umständlich beschrieben werden muss, hat ein Mann gesehen und fotografiert: Sebastião Salgado.

Industrie 1. März 2025

Merz: Black Germany

Was wird aus Deutschland mit einem BlackRock-Kanzler?
von Werner Rügemer

Deutschland ist der erste Staat, in dem ein Ex-Funktionär des größten Kapitalakteurs der westlichen Welt auch Regierungschef wird. Seine Partei, die Merz-CDU, wurde jetzt zwar zur größten Partei gewählt, aber die 28 Prozent sind eine Marke auf dem schon lange währenden Abstieg. Und die nächstgeeignete Koalitionspartei, die SPD, hat mit nur 16 Prozent ihren historischen Absturz fortgesetzt. Die politisch billigst-willigste BlackRock-Partei, die FDP, ist aus dem Parlament ganz verschwunden: Diese Absteiger sind also der brüchige Rückhalt für die Merz/BlackRock-Politik.

Zur Person 1. März 2025

Draufgänger im Motorsport

Tazio Nuvolari – zwischen Ehrungen, Erfolgen und Knochenbrüchen
von Kai Böhne

1920 fuhr der in Norditalien nahe Mantua geborene Tazio Nuvolari (1892–1953) seine ersten Motorradrennen. Sein Vater Arturo und sein Onkel, ein Motorradhändler, waren erfolgreiche Straßen- und Bahnradrennsportler.

Zur Person 1. Januar 2025

Der Entfesselungskünstler Harry Houdini (1874–1926)

Kopfüber aus der Zwangsjacke
von Kai Böhne

Seine Mutter Cecilia konnte den besten Apfelkuchen der Welt backen, das vollendete Backwerk habe sie dann in einem Schrank verschlossen, erzählte der Magier und Entfesselungskünstler Harry Houdini gern seinen Bewunderern. Um an seine Leibspeise zu gelangen, habe er bereits in frühester Kindheit begonnen zu lernen, wie sich ein Schloss kunstvoll öffnen und wieder verschließen lässt. So erklärte er die Anfänge seiner Karriere, sich aus Handschellen, Fesselungen, Ketten, Zwangsjacken und zugenagelten Holzkisten zu befreien.

Patriarchat 1. Januar 2025

Marija Gimbutas (1921–1994)

Woher das Patriarchat kommt
von Angela Klein

Generationen von Anthropologen, Archäologen, Ethnologinnen und Feministinnen haben versucht herauszufinden, ob es in der Vorgeschichte der Menschheit Beweise für die Existenz nichtpatriarchalischer und egalitärer Gesellschaften gegeben hat. Ein solcher Nachweis ist für die Glaubwürdigkeit der marxistischen Gesellschaftskritik von herausragender Bedeutung. Würde er doch bekräftigen, dass Klassengesellschaft und Patriarchat – beides hängt eng zusammen – etwas geschichtlich Gewordenes und nicht etwas dem Menschen wesenhaft Anheftendes sind; und da sie menschengemacht sind, können sie auch wieder abgeschafft werden.

Zur Person 1. Oktober 2024

Bertha von Suttner (1843–1914)

Die Waffen nieder!
von Gisela Notz

Als Vorkämpferin der Friedensbewegungen hat die Schriftstellerin Bertha von Suttner den bürgerlichen Frauengruppen der Jahrhundertwende entscheidende Impulse gegeben. Obwohl sie aus österreichischem Adel stammte, fand sie die Verbindung zur sozialistischen Frauenbewegung und selbst August Bebel hatte Kontakt zu ihr. Mit dem Antikriegsroman Die Waffen nieder! schrieb sie einen der wichtigsten Romane ihrer Zeit. Ihr Leben ist selbst ein Roman.

Zur Person 1. September 2024

Erich Kästner

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Lieber Erich Kästner,
dies Jahr ist dein 125.Geburtstag und – leider auch – dein 50.Todestag. Wenn ich dir trotzdem schreibe, dann weil du natürlich weitaus lebendiger bist, als diese Daten vermuten ließen. Gratulationen sind daher zwar eher unangebracht, Mitdenken aber hoffentlich in deinem Sinne.

Buch 1. September 2024

Lisa Fittko

Eva Weissweiler: Lisa Fittko. Biographie einer Fluchthelferin. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2023. 380 S., 25 Euro
von Manuel Kellner

Lisa Fittko ist bekannt geworden als Fluchthelferin von Walter Benjamin. 1985 schrieb sie Mein Weg über die Pyrenäen. 1986 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz erster Klasse aus den Händen des deutschen Bundespräsidenten Weizsäcker. Doch sie und ihre Mitstreiter haben auch viele andere Flüchtlinge über die rettende Grenze geführt. Das war eine erste Motivation für die Biografin Eva Weissweiler, ihre Tätigkeit genauer zu beleuchten. Sie zitiert dafür in ihrem Vorwort Walter Benjamin selbst: »Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.«

Zur Person 1. Juli 2024

Maria Mies (1931–2023)

Für globalen Frieden, Ökologie und soziale Gleichheit
von Kai Böhne

«Du brauchst nur aufzuheben, was dir vor die Füße fällt«, erzählte Maria Mies der Taz-Autorin Elisabeth Meyer-Renschhausen, während sie auf einem Spaziergang gesammeltes Fallobst schälte und klein schnitt, um es zu Kompott zu verarbeiten. Meyer-Renschhausen hatte die Soziologin im Oktober 2018 für ein Porträt in einem Kölner Altenheim besucht.

Zur Person 1. Juli 2024

Erich Mühsam, 1878–1934

Literat – Pazifist – Anarchist
von Volker Brauch

Das literarische und politische Schaffen von Erich Mühsam ist geprägt durch die unbedingte Aufrichtigkeit und Kompromisslosigkeit, seinen Traum von einem selbstbestimmten, freien Menschen zu verwirklichen. Er bezahlte ihn mit Anfeindungen, Niederlagen, Gefängnisaufenthalten, Folter und letztlich mit dem Tod. Seine Parteinahme galt immer den Ausgestoßenen, Entrechteten und Ausgebeuteten, denen er sich mit tiefem menschlichem Gefühl verbunden fühlte. Bis heute zeigt sein Lebenswerk eine große Strahlkraft. Der 10. Juli, 90.Jahrestag seines Todes, ist ein Anlass, an ihn zu erinnern.

Zur Person 1. Juni 2024

Immanuel Kant (1724–1804)

›Der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft‹
von Hermann Klenner

Immanuel Kant wurde am 22.April 1724 als viertes von neun Kindern des Handwerkmeisters Johann Georg Kant und dessen Ehefrau Anna Regina Kant geboren. Von 1730 bis 1732 besuchte er eine Hospitalschule, danach bis 1740 das pietistische Kollegium Fridericianum. Seine Mutter wie sein Vater erhielten nach ihrem Ableben 1737 bzw. 1746 ein Armenbegräbnis. 1740 begann er ein Universitätsstudium, verließ aber die Universität ohne Examina.

Zur Person 1. April 2024

Missak Manouchian (1906–1944)

Ein armenischer Résistancekämpfer in Frankreich
von Kai Böhne

Am 21.Februar 1944 wurde Missak Manouchian zusammen mit weiteren 25 Widerstandskämpfern auf dem Mont-Valérien hingerichtet. Unter den Toten waren 22 Mitglieder eines von Manouchian angeführten Partisanennetzwerks sowie drei bretonische Gymnasiasten, die wegen Freischärlertätigkeit verurteilt worden waren.

Zur Person 1. April 2024

Gaza verliert Kulturschaffende

Mustafa al-Kurd gestorben/Bombenterror tötet Refaat Alareer
von Hermann Dierkes

Am 18.Februar ist der Liedermacher, Poet und Theaterkünstler Mustafa al-Kurd in Gaza nach langer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben. Er gilt als Vater des palästinensichen politischen Liedes. Geboren 1945 in Jerusalem, war er schon als Kind begeistert von den verschiedenen Musikrichtungen, die hier aufeinandertrafen: die Sufi-Gesänge, arabische Oud-Musik, byzantinische Hymnen sowie palästinsische und europäische Folklore.

Geschichte 1. April 2024

Wladimir Iljitsch Uljanow (22.April 1870–21.Januar 1924)

Lenin und die III.Internationale
von Elfie Müller

Die erste antikolonialistische Weltpartei, die Kommunistische Internationale, war die praktische Konsequenz von Lenins Imperialismusanalyse.

Nur Online 15. Februar 2024

Ingrid Strobl (1952–2024)

Eine linke Feministin in Wort und Tat
von Peter Nowak

Ältere Semester können sich vielleicht noch an den großen Westberliner Studierendenstreik in den Jahren 1988/89 erinnern. Neben dem Lateinamerikainstitut war auch das nach Otto Suhr benannte Institut für Politikwissenschaften an der FU (OSI) eines der Zentren des Streiks vor mehr als 35 Jahren. Doch an einem Teil der Institutsgebäude prangte über Nacht ein neues Kürzel: ISI statt OSI.

Gesellschaft 4. Februar 2024

Solidarität mit Lisa Poettinger

Denunziert mit Lügen und Halbwahrheiten
von Matthias Becker

Manchmal ist es ganz einfach, auf der richtigen Seite zu stehen: Mitlaufen genügt!

Nur Online 24. Januar 2024

Die Figur Lenin

von Elfriede Müller
Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, ist am 22.April 1870 geboren und am 21.Januar 1924 gestorben.

El Lissitzky hat in den 20 Jahren ein für Lenin adäquates Denkmal entworfen: die Lenintribüne, eine schräge Stahlkonstruktion mit einer vorgeschobenen flugbereiten Plattform, von der aus Lenin loszuschnellen scheint in Tage und Jahre, die die Welt erschütterten. Zum 50.Geburtstag der Oktoberrevolution wurde vor dem Kreml ein anderes Lenin-Denkmal errichtet: Ein Amtsleiter sitzt mit strenger Miene, Quadratschädel und tadelloser Bügelfalte auf seinem Sockel. Ersteres entspricht Lenins Leben, zweiteres ist Produkt des Leninismus, der aus ihm eine autoritäre Kunstfigur schuf, in deren Namen die Oktoberrevolution verraten wurde.

Staat/Parteien 1. Januar 2024

›Nah bei den Leuten und gemeinsam was anpacken‹

Ines Schwerdtner auf Tour durch die Ostverbände der LINKEN
Interview mit Ines Schwerdtner

Ines Schwerdtner ist Politikwissenschaftlerin und Publizistin. Sie war bis zum Sommer 2023 Chefredakteurin der deutschsprachigen Ausgabe des Magazins Jacobin. Das Interview führte Angela Klein

Buch 1. Januar 2024

Bebel für Anfänger:innen

Gisela Notz (Hrsg.): August Bebel oder: Der ­revolutionäre Sozialdemokrat. Berlin: Dietz, 2023. 190 S., 12 Euro
von hgm

In der Reihe »Biografische Miniaturen« des Berliner Dietz-Verlags ist nun auch ein Band über August Bebel (1840–1913) erschienen.

Zur Person 1. September 2023

Hugo Blanco (1934–2023)

›¡Tierra o Muerte! Land oder Tod!‹
von Gert Eisenbürger und Maria Sundvall

Hugo Blanco, der peruanische Revolutionär, Bauernführer, ehemalige Parlamentsabgeordnete, Kämpfer für die Rechte der indigenen Bevölkerung und für den Umweltschutz, ist am 25.Juni nach kurzer akuter Krankheit in Uppsala, Schweden, gestorben.

Zur Person 1. September 2023

Pablo Neruda (1904–1973)

Dichter, Konsul, Kommunist
von Volker Brauch

Am 23.September dieses Jahres jährt sich zum fünfzigsten Mal der Todestag von Pablo Neruda. Der Schriftsteller und Poet erhob seine Stimme gegen Ausbeutung, Faschismus und Ungerechtigkeit weit über den lateinamerikanischen Kontinent hinaus.

Nur Online 22. Juli 2023

Brav gewühlt, alter Maulwurf!

Das Erinnerungsfest für Winfried Wolf und die Rede von Georg Fülberth

Welch eine Trauerfeier! Gut 200 Menschen (der Saal fasste nicht mehr) versammelten sich Mitte Juli im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart zu einem letzten gemeinsamen Abschiedsgruß an Winfried Wolf, der am 22.Mai gestorben war. Geschätzt die Hälfte davon waren Aktivist:innen der Montagsdemonstrationen gegen Stuttgart 21, die andere Hälfte ein Ausschnitt aus den vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, die sein Leben begleitet haben. Für die musikalische Umrahmung sorgten zwei Ensembles, das Duo Martl Jäckel und natürlich Bernd Köhler, begleitet von Joachim Romeis, der so oft seine Veranstaltungen musikalisch untermauert hat und auf Kundgebungen gemeinsam mit ihm aufgetreten ist. Der Regisseur Volker Lösch und Angelika Linckh von den Montagsdemos führten durch die Veranstaltung.

Patriarchat 1. Juli 2023

Maria Mies (1931–2023)

Von der Eifler Bauerntochter zur Professorin – eine beispiellose Karriere
von Irene Franken, Januar 2021

Maria Mies entwickelte Grundlagendiskurse zur Frauenforschung und beschäftigte sich besonders mit den Arbeitsbedingungen der Frauen des Südens. Sie war eine der bekanntesten und international am besten vernetzten Kritikerinnen der Globalisierung.

Buch 1. Juli 2023

Mumia Abu-Jamal: Texte aus dem ­Todestrakt. Essays eines politischen Gefangenen in den USA

Frankfurt am Main: Westend, 2023. 240 S., 25 Euro
von Peter Nowak

Am 24.April wurde Mumia Abu-Jamal 69 Jahre alt. In vielen Städten gab es aus diesem Anlass Veranstaltungen mit dem neuen Buch, das unter dem Titel Texte aus dem Todestrakt kürzlich im Frankfurter Westend-Verlag erschienen ist. Darin sind größtenteils Texte von Mumia veröffentlicht, die bislang noch nicht auf deutsch erschienen waren.

Zur Person 1. Juli 2023

Für Carlo

Die bleibenden Tage von Genua
von Benjamin Lapp

Wir tanzen hinein in bewegte Zeiten
Während die Morgensonne einer neuen Zeit
sich Bahn bricht,
auf all die farbenfrohen jungen Gesichter
die die Welt zum bessern tragen wollen
strömen unsere vielstimmigen Gesänge
zu den Bollwerken der Angst
hinter denen sich unsere Repräsentanten
verschanzen.

Nur Online 26. Juni 2023

Weder Tränen noch Trinksprüche auf den Tod des Kaimans

von Marco Parodi und Checchino Antonini
Abgesehen von seinen gerichtlichen und familiären Affären war Berlusconi ein klassenloyaler Vertreter des Neoliberalismus, der deshalb mit großem Getöse gefeiert wird. Für uns bleibt er der Anstifter zur Ermordung von Carlo Giuliani und zur schwerwiegendsten Suspendierung der Menschenrechte im Westen seit dem Zweiten Weltkrieg. Er war Komplize und Partner der schlimmsten Diktatoren und der Architekt eines beispiellosen sozialen Gemetzels.

Zur Person 1. Juni 2023

Marijke Colle (1947–2023)

Marijke Colle hat uns verlassen, unerwartet und zu früh. Die starke Raucherin starb am 16.April im Alter von 75 Jahren an Krebs
von Angela Klein

Marijke war Mitglied der belgischen Sektion der IV. Internationale. Insbesondere in den letzten Jahren, angesichts der wachsenden Bedeutung von ökosozialistischen Positionen, führte sie ihr Weg häufiger nach Deutschland, zu unseren ökosozialistischen Konferenzen, und nach Österreich zu einer dortigen Ökosozialistischen Tagung im vergangenen Jahr.

Zur Person 1. Juni 2023

Rolf Geffken (1949–2023)

Nachruf
von Michael Heldt

Rolf Geffken war ein Mensch, dessen Name sich auf eine einzigartige Weise in das deutsche Arbeitsrecht eingeschrieben hat. Ein hartnäckiger Fürsprecher für Arbeiter:innen, ein mutiger Anwalt und ein scharfsinniger, immer parteiischer Denker. Sein Tod hinterlässt eine empfindliche Lücke in einer Welt, die sein außergewöhnliches Engagement und seinen Weitblick braucht – und das zu einem Zeitpunkt, in dem jeder Arbeitsrechtsanwalt mit einer sozialistischen Hoffnung im Herzen gebraucht wird, um einen Gegenpol zu pragmatischem, entpolitisiertem Verhalten vor Gericht und in der Öffentlichkeit zu setzen.

Zur Person 23. Mai 2023

Winfried Wolf (1949–2023)

Ein Leben für die Revolution
von Angela Klein

Brecht, das Lob des Kommunismus

Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.
Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen
Wir aber wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit, sondern
Das Ende der Tollheit
Er ist nicht das Rätsel
Sondern die Lösung.
Er ist das Einfache,
das schwer zu machen ist

In der Nacht zum 23. Mai ist Winnie Wolf gestorben. Eine schwere Lebererkrankung hatte ihn schon einmal dem Tod nahe gebracht; durch eine neuartige Therapie kam er dann für einige Monate wieder auf die Beine, stürzte sich erneut in die Arbeit und war auf Vortragsreisen unterwegs. Noch im April hatte er zugesagt, auf der Ökosozialistischen Konferenz der ISO den Film über Stuttgart 21 seines Freundes Klaus Gietinger vorzustellen. Bis zuletzt blühte er auf, wenn es um Politik ging.

Buch 1. April 2023

Der Spätkapitalismus

Ernest Mandel zum 100.Geburtstag (5.April)
von Ingo Schmidt

Ernest Mandel: Der Spätkapitalismus. Versuch einer marxistischen Erklärung. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1972. 541 S., antiquarisch noch zu haben

In Der Spätkapitalismus (dt., 1972) versucht sich Ernest Mandel an der Entzauberung des »Wirtschaftswunders«, d.h. des langen Aufschwungs, der dem »Zeitalter der Katastrophen« (Eric Hobsbawm) von 1914 bis 1945 folgte.

Geschichte 1. April 2023

Die 48er Revolution und die Bauern

Zum Andenken an Roman Rosdolsky (1898–1967)
von Angela Klein

Vor 175 Jahren erschütterten revolutionäre Erhebungen die europäischen Kernlande, die die Grundfesten der 1815 auf dem Wiener Kongress restaurierten Feudalordnung ins Wanken brachte. Danach setzte auch in Mitteleuropa ein Prozess der Nationalstaatsbildung ein, der erst nach dem Ersten Weltkrieg einen (vorübergehenden) Abschluss fand.

Zur Person 1. März 2023

Frank Gill

Der vergessene Geburtshelfer des britischen Rundfunks
von Kai Böhne

Keine britische Briefmarke erinnerte an den 100. Gründungstag der British Broadcasting Corporation (BBC) am 18.Oktober 2022, aber die Postverwaltungen der Isle of Man und Serbiens. Sie brachten einen Sondermarkenblock und eine zwölfteiligen Markenserie dazu heraus.
Die Post auf der Insel in der Irischen See erinnerte an den in Castletown geborenen Insulaner Sir Frank Gill (1866–1950), der in der Gründungsphase der BBC eine entscheidende Rolle spielte.

Kunst 1. März 2023

Eberhard Fiebig zum 93.Geburtstag

›Es ist die alte Geschichte vom Golem…‹
Gespräch mit Eberhard Fiebig

Laut Marx tritt eine Epoche sozialer Revolution ein, wenn die materiellen Produktivkräfte in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen, sprich: den Eigentumsverhältnissen geraten. Der Bildhauer Eberhard Fiebig ordnet das durch den 3D-Druck mögliche, additive Produktionsverfahren in diesen Zusammenhang ein. Darüber sprach Angela Klein mit ihm.

Nur Online 4. Februar 2023

Ahmed Shawki (1960-2023)

von Florian Wilde

Mehr als sein halbes Leben lang war er die zentrale Figur in der Führung der International Socialist Organization (ISO) gewesen, hatte Pate bei ihrem Aufschwung zur ab den 90ern stärksten Organisation der US-amerikanischen revolutionären Linken gestanden – aber auch bei ihrer 2019 in einer Selbstauflösung mündenden Krise. Nun ist Ahmed „Shawki“ Sehrawy mit nur 62 Jahren gestorben.

Buch 1. Februar 2023

Proll mit Groll

Die Arbeiterbewegung gegen den Strich gebürstet
von Gaspar Bartholic

Slave Cubela: Wortergreifung, Worterstarrung, Wortverlust. Industrielle ­Leidarbeit und die Geschichte der modernen Arbeiterklassen. Münster: Westfälisches Dampfboot, 2023. 424 S., 48 Euro

Zur Person 1. Januar 2023

Göte Kildén (1946–2022)

Ein Vorkämpfer der schwedischen Linken
von Hermann Dierkes

Göte Kildén war viele Jahre lang kämpferischer Sprecher der gewerkschaftlichen Opposition in den Volvo-Lkw-Werken bei Göteborg und ein Kind der weltweiten Zeitenwende der 60er Jahre: mit neuen Emanzipationsbewegungen, dem Mai 1968 in Frankreich, dem vietnamesischen Befreiungskrieg, der portugiesischen Nelkenrevolution und der wachsender Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse. Ab 1969 zählte Göte zu den Mitbegründern der schwedischen Sektion der IV.Internationale. Auch als Rentner und bis an sein Lebensende blieb er ein überzeugter und engagierter revolutionärer Sozialist. Er konnte nicht nur austeilen, sondern auch einstecken, vor allem den Tod seiner Lebensgefährtin Karin im Jahr 2016, mit der er 38 Jahre zusammen war.

Zur Person 1. Januar 2023

›Straub kommt von sträuben‹

Zum Tod von Jean-Marie Straub
von Kurt Hofmann

Vor einigen Jahren war Jean-­Marie Straub ins Österreichische Filmmuseum geladen. Dessen damaliger Direktor Alexander ­Horwath erwähnte in seiner Einleitung, ein Mitarbeiter des Hauses habe ihn darauf hingewiesen, dass der Name Straub wegen dessen (französischer) Herkunft »eigentlich« französisch auszusprechen sei. Darauf ein erboster Straub: »Was – französisch? Straub kommt vom Sträuben!«

Nur Online 15. Dezember 2022

Inprekorr/ISO/SOZ

Göte Kildén, Vorkämpfer der schwedischen Linken, ist nicht mehr unter uns
von Hermann Dierkes

Göte Kildén, viele Jahre kämpferischer Sprecher der gewerkschaftlichen Opposition in den Volvo-LKW-Werken bei Göteborg, ist am 17.11. nach langer Krankeit und kurz vor Vollendung seines 76. Lebensjahrs verstorben. Kind der weltweiten Zeitenwende mit neuen Emanzipationsbewegungen, dem Mai 1968 in Frankreich, dem vietnamesischen Befreiungskrieg, der portugiesischen Nelkenrevolution und wachsender Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse zählte Göte ab 1969 zu den Mitbegruendern der schwedischen Sektion der Vierten Internationale.

Zur Person 1. Dezember 2022

›Lies Marx!‹

Was es heißt, Marxist zu werden und zu bleiben
von Mike Davis*

Seine Bücher öffneten neue Horizonte. Mike Davis schrieb über die Geschichte der Vereinigten Staaten, die koloniale Politik des Hungers, die wachsende Gefahr durch Pandemien, Megastädte im Globalen Süden und, immer wieder, über die politische Ökonomie der Stadt. Als »marxistischer Umweltschützer«, wie er sich selbst bezeichnete, deckte er Zusammenhänge auf, die bis dahin weder in der bürgerlichen Öffentlichkeit noch in der linken Debatte beachtet worden waren.

Streiks sind wichtiger als Symbolik

Emma Dabiri über rassische Zuschreibung und was sie mit Kapitalismus zu tun hat
Nachdruck aus StadtRevue (Köln)

Emma Dabiri wurde in Dublin als Tochter einer irischen Mutter und eines nigerianischen Yoruba-Vaters geboren. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in Atlanta, Georgia (USA); ihre Familie kehrte nach Dublin zurück, als Dabiri fünf Jahre alt war. Ihre Erfahrung, isoliert und als Zielscheibe von häufigem Rassismus aufzuwachsen, hat ihre Perspektive geprägt. Nach der Schule zog sie nach London, um Afrikastudien an der School of Oriental and African Studies zu betreiben. Sie hat für die BBC gearbeitet und schreibt unter anderem für den Guardian und die Irish Times.

Zur Person 1. November 2022

Willi Hajek (1946–2022)

Am 3.Oktober starb Willi Hajek. Er hatte noch viel vor, doch eine tödliche Krankheit ließ ihm keine Chance
von Jochen Gester

Willi war auf vielen politischen Baustellen unterwegs und eroberte sich hier die Sympathie vieler Menschen, die er anregte, Wege zu erkennen, die gesellschaftliche Transformation möglich machen. Er war ein sozialrevolutionärer Bildungsarbeiter.

Buch 1. November 2022

Dem Vergessen entrissen: Betty Rosenfeld

Auf den Spuren einer jüdischen Kommunistin aus der Weimarer Zeit
von Peter Nowak

Michael Uhl: Betty Rosenfeld. Zwischen Davidstern und roter Fahne. Biographie. Stuttgart: Schmetterling, 2022. 672 S., 39,80 Euro

Den Anfang machte ein vergilbtes Aktenbündel, das der junge linke Student Michael Uhl 1994 in einem spanischen Bürgerkriegsarchiv auf der Suche nach Dokumenten über die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg fand.

Zur Person 1. Oktober 2022

Flora Tristan (1803–1844)

Das tragische Leben einer frühen Sozialistin
von Gisela Notz

Flora Tristan gehörte zu den weniger bekannten und oft auch verkannten Gestalten des vormarxistischen Sozialismus. Sie vereinte in ihrem Denken verschiedene Einflüsse der utopischen Sozialisten, ging jedoch bei der Darstellung der Wechselbeziehung zwischen dem Kampf der Arbeiter und der Emanzipation der Frauen weiter als die ­Sozialisten ihrer Zeit. Bereits fünf Jahre vor Karl Marx und Friedrich Engels gelangte sie zu der Erkenntnis, dass die Befreiung der ­Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein wird.

Buch 1. Juni 2022

Arbeit und Leben

Rudolf Brunngraber – ein vergessener Schriftsteller
von Dieter Braeg

Rudolf Brunngraber: Karl und das zwanzigste Jahrhundert. Mit einem Dossier
von Kasimir Edschmid. Nördlingen: Franz Greno, 1988

Startseite 1. Mai 2022

50 Jahre Berufsverbote

Das Einreiseverbot für Ernest Mandel…und sein Umgang damit
von John S. Will

Am 28.Januar 1972 beschlossen Bund und Länder, Bewerber:innen für den öffentlichen Dienst künftig auf ihre Verfassungstreue zu überprüfen. Diesem «Radikalenerlass» fiel auch Ernest Mandel zum Opfer, dem fortan die Einreise in die BRD verweigert wurde.

Buch 1. Mai 2022

Comics und correctness

Ralf König, einer, der sich nicht verbiegen lässt
Interview mit Ralf König

Du bist über viele Jahre hinweg mit deinem Schaffen gegen die Diskriminierung der Schwulen und Lesben aufgetreten. Man könnte meinen, es sei bis heute vieles besser geworden. In einem deiner früheren Comics lässt du einen CSU-Mann schimpfen, Homosexualität sei gegen Gott und Natur. Derselbe CSU-Typ würde heute einem Flüchtling seine Schwulenfeindlichkeit vorhalten.

Geschichte 1. März 2022

Alexandra Kollontai und die Neue Frau

Die Vordenkerin der sexuellen Befreiung wurde vor 150 Jahren geboren
von Elfriede Müller

Alexandra Kollontai (1872–1952) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der kommunistischen Weltbewegung. Sie widmete sich zwei Schlüsselfragen: der Sexualität und der Familie.

Klima 1. März 2022

‹Warum ich für Die LINKE kandidiere›

Aktivismus in den Landtag von NRW bringen
dokumentiert

Nicolin Gabrysch ist mit 45 Jahren Mutter zweier Kinder. Sie ist bei «Parents for Future» aktiv und sitzt für die «Klimafreunde» (Teil der bundesweiten «Klimalisten») im Kölner Stadtrat. Nun kandidiert sie auf Listenplatz 5 der Partei Die LINKE zu den Landtagswahlen in NRW.

Geschichte 1. Februar 2022

Ausgegraben

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Am 6.Januar war der 200.Geburtstag von Heinrich Schliemann. Sein bewegtes Leben ist erschlossen, sein «Ruhm» von vor 150 Jahren hat seitdem einige Beulen bekommen. Er gilt als der Entdecker von Troja, als ungelernter Archäologe mit Glück bei der Auffindung vieler antiker Schätze, an denen er sich teilweise persönlich bereicherte.

Zur Person 1. Februar 2022

Anita Garibaldi (1821–1849)

Sonderbriefmarken erinnern an die brasilianische Revolutionärin
von Kai Böhne

Großzügige, breite Fußgängerbereiche, vorzugsweise an Ufer- oder Küstensteifen, in denen Touristen ihre Körper im Strom der anderen Flaneure treiben und ihre Sinne und Gedanken schweifen lassen können, werden gemeinhin als Promenaden bezeichnet.

Amerika 1. Februar 2022

Freiheit für Julian Assange!

Die SoZ schließt sich der großen Zahl von Protesten gegen die Absicht der britischen Regierung an, den Whistleblower Julian Assange an die USA auszuliefern
von Rolf Euler

Nachdem Anfang 2021 ein britisches Gericht die Auslieferung Assanges an die USA abgelehnt hatte, weil sein gesundheitlicher Zustand nach zwei Jahren Isolationshaft eine solche nicht erlauben würde – der UNO-Sonderberichterstatter für Folter sprach allerdings von Folter wegen der Haftbedingungen in England – hat ein Berufungsgericht, das von den USA angerufen wurde, im Dezember hat dieses Urteil geändert.

Manfred Dietenberger (1952–2021)

Ein feiner Kumpel und Genosse
von der Redaktion

Immer gut gelaunt, mit Witz in starkem schwäbischem Dialekt, Gemütlichkeit und voller lebhafter Anekdoten und wachem Geist ist ein Original von uns gegangen. Geprägt von der Lehrlingsbewegung ist er einer der Betriebsaktiven, der seiner Klasse bis zum Schluss treu geblieben ist. Wann immer wir in der Redaktion im Bereich Betrieb und Gewerkschaft auf der Suche waren, fiel sein Name.

Zur Person 23. Dezember 2021

Bodo Zeuner (1942–2021)

Nachruf
von Jochen Gester

Am 30.November ist Bodo ­Zeuner in Berlin gestorben. Mit seinem Tod verlässt uns einer der letzten linken Hochschullehrer des Otto-Suhr-Instituts (OSI) der FU Berlin, die dort über Jahrzehnte wertvolle Beiträge in der Gesellschaftsanalyse des Kapitalismus und für die sozialen Bewegungen leisteten.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2021

Nachruf auf Rolf Verleger (1951–2021)

Kritik an Israels Politik ergibt sich aus dem jüdischen Gebot der Nächstenliebe
von Arn Strohmeyer

Rolf Verleger war Psychologe, Hochschullehrer mit dem Forschungsschwerpunkt Neuropsychologie und Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er hat mehrere Bücher zum Thema Judentum und Israel geschrieben.
Veröffentlichungen u.a.: Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht. Köln: Papyrossa, 2010

Zur Person 1. Dezember 2021

Helmut Qualtinger (1928–1986)

Kein Freund der Wiener Gemütlichkeit
von Dieter Braeg

Vor 35 Jahren, am 29. September 1986, starb in Wien Helmut Qualtinger. Ihn verband mit Wien eine Hassliebe, denn er hielt nichts von der Unterwürfigkeit der Wiener. Das Aufbegehren gegen Autoritäten zog sich durch sein ganzes Leben und immer hatte er einen besonders kritischen Blick auf die Mächtigen. Die Wiener Gemütlichkeit, mit der man versuchte, ihn zu umschmeicheln, war ihm zuwider.

Buch 1. Dezember 2021

Dogan Akhanli (1957–2021)

Die Fremde und eine Reise im Herbst
dokumentiert

Der Schriftsteller Dogan Akhanli wurde in Savsat, einem Dorf in der türkischen Provinz Artvin geboren. Wie so viele linke Studierende musste er nach dem Militärputsch 1980 untertauchen, wurde 1985 festgenommen und zusammen mit seiner Frau in der Gegenwart seines 1,5 Jahre alten Sohnes gefoltert.

Europa 1. November 2021

Ende einer Karriere

‹Altkanzler› Sebastian Kurz und seine Prätorianer
von Dieter Braeg

Der große «Held», der sich damit brüstete die Balkanroute geschlossen zu haben und für viele Politiker in der CDU/CSU Vorbild war und ist, erschien am 14.Oktober 2021 zum erstenmal, völlig ohne Kanzlertitel, im österreichischen Nationalrat: Dort wurde er als Parlamentarier vereidigt und sofort mit 100 Prozent zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Buch 1. November 2021

Elfriede Jelinek

Zum 75.Geburtstag
von Dieter Braeg

«Ich breche euch alle in die knie
«eure schmutzigen mäuler werden
«aus den gesichtern schnattern»
ende. gedichte 1966–1968

Startseite 1. Oktober 2021

Paul Kleiser (1950–2021)

In den frühen Morgenstunden des 16.September ist unser Freund und Genosse Paul Kleiser nach schwerer Krankheit gestorben
von Angela Klein

Er ist zu früh gegangen, das hinterlässt bei der großen Gemeinde derer, die ihn schätzten und sich an ihm orientierten, ein Gefühl der Bitterkeit. Denn Paul war ein treuer und zuverlässiger Familienvater und Genosse, zugleich mit weit überdurchschnittlichen Fähigkeiten ausgestattet, was die Zusammenarbeit mit ihm nicht immer einfach gemacht hat.

Musik 1. Oktober 2021

Abschied von Mikis Theodorakis (1925 – 2021)

Ein Leben für die Musik als gelebter Widerstand
von Arn Strohmeyer

Seine letzten Jahre verbrachte Mikis Theodorakis in seinem Haus in Athen, das auf einem Hügel direkt gegenüber der Akropolis liegt und ihm einen der schönsten Blicke der Welt freigab – eben auf die alte Athener Stadtburg mit der herrlich gebauten Harmonie des Parthenon-Tempels.

Buch 1. September 2021

Rosa Luxemburg – eine Zusammenschau ihrer Biografien

Die Zahl der Publikationen zu Rosa Luxemburg ist Legion, von den Klassikern nimmt sie hinter Karl Marx den zweiten Platz ein
von Paul B. Kleiser

Julia Killet: Fiktion und ­Wirklichkeit. Die Darstellung Rosa Luxemburgs in der biographischen und literarischen Prosa. Hamburg: Kulturmaschinen Verlag, 2020. 348 S., 21 Euro

Geschichte 1. September 2021

Rudolf Virchow (1821–1902)

‹Seuchen bekämpft man mit Bildung, Wohlstand und Freiheit›
von Angela Klein

Die Medizin ragt unter anderen Wissenschaften heraus, insofern sie eine soziale Wissenschaft auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ist. In ihren Anwendungsbereichen ist sie darüber hinaus evidenz- und erfahrungsbasierte Praxis.

Buch 1. Juli 2021

Das Opfer eines Komplotts

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange soll vernichtet werden – zu diesem ­Ergebnis kommt der UNO-Sonderberichterstatter Nils Melzer
von Albrecht Kieser

Nils Melzer: Der Fall Julian Assange. Geschichte einer Verfolgung. München: Piper, 2021. 336 S., 22 Euro

Zur Person 1. Juli 2021

Georg Lukács (1885–1971): Marxismus als Philosophie der Praxis

Vom romantischen Antikapitalisten zum unbequemen Kommunisten: ein linker Intellektueller im 20.Jahrhundert
von John Will

Vor 50 Jahren, am 4.Juli 1971, starb der ­ungarische Philosoph Georg Lukács. In eine assimilierte jüdische Familie des Groß­bürgertums im damaligen österreichisch-ungarischen Budapest geboren, gilt Lukács bis heute als einer, wenn nicht sogar als der wichtigste marxistische Theoretiker des 20.Jahrhunderts.

Nur Online 5. Juni 2021

Zum 50.Todestag von Georg Lukács.

1.Teil: „Die Renaissance des Marxismus“
von Jürgen Meier

Sein Buch „Die Theorie des Romans“ hatte Lukács1 bereits 1916 zu einem berühmten Schriftsteller gemacht. Nachdem er 1918 der KP beigetreten war und 1919 Volkskommissar der ungarischen Räterepublik wurde, entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Marxisten des 20. Jh., dessen Theorien noch immer polarisieren.

Zur Person 1. Juni 2021

Helmut Weiss (1948–2021)

Der geborene Internationalist
von Angela Klein

Von allen Genossinnen und Genossen der ehemaligen KPD/ML, mit denen sich die Mitglieder der GIM im Jahre 1986 zusammenschlossen, war er derjenige, der am wenigsten mit ihnen fremdelte.

Buch 1. Juni 2021

Werner Seppmann (1950–2021)

Die Einsamkeit fundamentaler Kritik
von Christoph Jünke*

An dieser Stelle sollte ein Beitrag von Werner Seppmann stehen, in dem er die Grundzüge seiner Klassenanalyse darlegen wollte, wie sie zuletzt in der Broschüre Gibt es überhaupt noch eine Arbeiterklasse? dargelegt wurde. Dazu kam es nicht mehr, der Tod ging dazwischen. Das hat uns sehr erschüttert, es ist ein herber Verlust.
d.Red.

Zur Person 1. Juni 2021

C. L. R. James

Black Jacobin und kritischer Theoretiker des Panafrikanismus
von Elfriede Müller*

Für den schwarzen Schriftsteller und Aktivisten aus Trinidad waren Sklavinnen und ­Bauern eine revolutionäre Kraft.

Cyril Lionel Robert James (1901–1989) war einer der originellsten linken Denker des 20.Jahrhunderts.

Buch 1. Mai 2021

Bekenntnisse einer Links-Konservativen

Das neue Buch von Sahra Wagenknecht ist eine Streitschrift
gegen die gesamte Linke

von Thies Gleiss

Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm für Gemeinsinn und ­Zusammenhalt. Frankfurt, New York: Campus, 2021. 345 S., 24,95 Euro

Arbeitswelt 1. Mai 2021

Vor 110 Jahren starb Paul Singer

‹Kleinigkeiten sind nur Teil der großen Gesamtheit›
von Manfred Dietenberger

Wie gewinnen Linke die Herzen der arbeitenden Menschen? Das ist ein treibendes Motiv hinter dem Organizing-Ansatz. Paul Singer war einer von denen, die es vormachten.

Buch 1. Mai 2021

Imagining Progressive Futures

Nicholas Powers ermuntert uns, uns eine progressive Zukunft vorzustellen
Interview mit Nicholas Powers*

Nicholas Powers schreibt spekulative Fiktion. Er stellt sich vor, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, die geprägt ist von progressiven politischen Maßnahmen – er bietet also eine Alternative zu konservativen, dystopischen Zukunftsvarianten.

Buch 1. April 2021

Zwischen den Stühlen

Zum 100.Geburtstag von Erich Fried (1921–1988)
von Kurt Hofmann

Es ist schwer, sich Erich Fried als Hundertjährigen vorzustellen. Doch es ist ein Leichtes, die Lücke zu benennen, die Fried seit seinem Tod im Jahr 1988 hinterlassen hat: Da war einer, der zuschärfte, wo andere abschwächten, Zweifel anmeldete, wo andere Gewissheiten vermuteten.

Klima 1. März 2021

Anthropozän

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Selbst wenn Paul Crutzen, der vor kurzem verstorbene niederländische Wissenschaftler, nur wegen der Erforschung des Ozonlochs und der Ursachen durch FCKW bekannt geworden wäre, wäre dieser «Rand» nötig, daran zu erinnern.

Arbeitskämpfe 1. März 2021

Rest in Power

Eine ungewöhnliche Trauerfeier für einen ungewöhnlichen Kämpfer
von Violetta Bock

Am 21.Februar fand die internationale Gedenkveranstaltung zu Ehren von Christian Krähling statt. Christian wurde bekannt als Arbeiterführer, Vertrauensleutesprecher und einer der Streikaktivisten der ersten Stunde bei Amazon in Bad Hersfeld. Für viele stand er noch für einiges mehr. Das wurde auf dieser Veranstaltung deutlich.

Asien/Australien 1. März 2021

Russland

Alexei Nawalny – keine Alternative
von David Mandel

Um Alexei Nawalnys Rolle zu verstehen, muss man den Charakter des politischen Regimes in der Russischen Föderation begreifen.
In Russland herrscht ein «bonapartistisches» Regime, in dem die Staatsverwaltung und die Nähe zu ihr die Hauptquellen der Akkumulation sind.

Buch 1. Februar 2021

Kein Ausweg, naturgemäß

Zum 90.Geburtstag des Schriftstellers Thomas Bernhard
von Kurt Hofmann

Anders als die von ihm so oft beschriebenen renitenten, letztlich sterbensunwilligen Greise ist Thomas Bernhard nur 58 Jahre alt geworden. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der jüngsten Vergangenheit.

Afrika 4. Januar 2021

Krankenpfleger im Exil

Im Porträt: George Poe Williams
Gespräch mit George Poe Williams

Weil er für gute Pflege in Liberia kämpft, kann er nicht zurück nach Hause

Gesundheit 4. Januar 2021

Bill Gates und Corona

Weder Weltenretter noch Verschwörer
von Kathrin Hartmann*

Er mache sich schwere Vorwürfe, weil er nicht «nachdrücklicher vor der Gefahr gewarnt» habe, sagte Bill Gates im Frühjahr kurz nach Beginn der Corona-Pandemie.
Fast alle Medien verbreiteten seine Worte unhinterfragt.

Buch 4. Januar 2021

Marie-Janine Calic: Tito. Der ewige Partisan


München: C.H.Beck, 2020. 442 S., 29,95 Euro
von Paul Michel*

Die Tito-Biographie von Marie-Janine Calic ist weit mehr als eine Schilderung des Lebens einer Person.
Calic beschreibt die Zeitumstände, mit denen sich Tito herumschlagen musste und die er im Lauf seines Lebens nachhaltig beeinflusste.

Film 4. Januar 2021

Ein Weltgeist mit den Mitteln des Kinos

Jean-Luc Godard wurde 90
von Paul B. Kleiser

Am 3.Dezember wurde Jean-Luc Godard 90 Jahre alt. Es gibt keinen Filmemacher, der in der Nachkriegszeit ein so vielfältiges Werk geschaffen und das Kino, vor allem natürlich das Avantgardekino, stärker beeinflusst hätte.

Nur Online 13. Dezember 2020

Zum 80. Todesjahr von Walter Benjamin

Zehn Thesen zu seinem Beitrag zur Kritischen Theorie
von Michael Löwy

Walter Benjamins Hauptthemen der Reflexion und vor allem seine Thesen Über den Begriff der Geschichte sind von einer frappierenden Universalität. Sie geben uns Werkzeuge an die Hand, mit deren Hilfe wir kulturelle Wirklichkeiten, historische Phänomene und soziale Bewegungen in anderem Kontext, zu anderen Zeiten und auf anderen Kontinenten verstehen können.

Geschichte 1. Dezember 2020

Die Kunst des Aufstands

200 Jahre Friedrich Engels – Wie kann die Arbeiterklasse die Macht erobern?
von Hans-Günter Mull

«Neben seiner Jugendfrische und Güte ist nichts so bemerkenswert an ihm wie seine Vielseitigkeit. Nichts bleibt ihm fremd. Naturgeschichte, Chemie, Botanik, Physik, Philologie …, politsche Ökonomie und last not least militärische Taktik.»

Buch 1. Dezember 2020

200 Jahre Engels

Engels neu entdecken
von Angela Klein / Hans Günter Mull

Elmar Altvater: Engels neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die «Dialektik der Natur» und die Kritik von Akkumulation und Wachstum. Hamburg: VSA, 2015. 190 S., 12 Euro

Geschichte 1. Dezember 2020

War Engels der größte Fehler von Marx?

Eine Kritik an Engels’ Kritikern
von Paul Blackledge*

200 Jahre nach seiner Geburt ist der Ruf Friedrich Engels’ als origineller Denker, zumindest unter anglophonen Akademikern, auf einem Tiefpunkt angelangt. Der Hauptgrund für diesen unglücklichen Zustand ist zweifellos ein politischer.

Film 1. November 2020

Juliette Gréco (1927–2020)

Abschied von der „grande dame de la chanson“
von Paul B. Kleiser

Am 23.September starb in Paris mit Juliette Gréco die letzte der großen Chansonsängerinnen, die für die Nachkriegszeit prägend waren. Sie ist in einem Atemzug mit Edith Piaf und Barbara, aber auch den Chansonniers George Brassens, Jacques Brel und Leo Ferré zu nennen; die beiden letzteren schrieben zudem eine Reihe von Liedern für sie.

Geschichte 1. November 2020

Rossana Rossanda (1924–2020)

Eine Tochter des 20.Jahrhunderts
von Salvatore Cannavò

Rossana Rossandas Leben ist vollständig verwoben mit dem Jahrhundert, das sie durchlebt hat.

Europa 1. Oktober 2020

Ausländer raus…

Erinnerung an Christoph Schlingensief
von Dieter Braeg

«Wien ist anders» – das war einmal. In einer Juniwoche im Jahr 2000 zeigte Wien sein wahres Gesicht. Die Deutschen blickten neidisch auf die österreichische Hauptstadt. Anders als heute durften sie damals keine Ausländer abschieben.

Asien/Australien 1. Oktober 2020

Royale Küstenstraße

Australische Künstlerplakate auf Briefmarken
von Kai Böhne

Edward VIII., der 1936 nach dem Tod seines Vaters, George V., zehn Monate den britischen Thron bekleidete, gilt wegen seiner Nähe und seine Sympathien für die Nazis als schwarzes Schaf der Königsfamilie.

Buch 1. Oktober 2020

Fundgrube bis heute

Friedrich Engels (28.11.1820–5.8.1895)
von Manuel Kellner

Friedrich Engels wurde bekannt als Mitstreiter von Karl Marx. Mit ihm zusammen entwickelte er eine bis auf den heutigen Tag gültige Kritik der kapitalistischen Klassengesellschaft und die kommunistische Perspektive der Selbstbefreiung des Proletariats als Hebel für eine umfassende menschliche Emanzipation.

Startseite 1. September 2020

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831)

Ein Philosoph der Freiheit
von Paul B. Kleiser

Am leichtesten fällt in der Regel die Polemik mit einem Unbekannten: In der maßgeblich von Stalin beeinflussten Großen So­wjetenzyklopädie von 1953 heißt es: «Am schärfsten kommt der Kampf gegen den Materialismus zum Ausdruck in den Werken von Kant, Fichte, Schelling und Hegel, deren Philosophie die Reaktion der Aristokratie auf die französische bürgerliche Revolution und den französischen bürgerlichen Materialismus des 18.Jahrhunderts verkörpert.»

Musik 27. August 2020

Der erste Rocker

Ludwig van Beethoven (17.12.1770–26.3.1827)
von Angela Klein

Warum Beethoven? Der Eventkult um den ersten modernen Komponisten ist, Corona sei dank, ziemlich ins Wasser gefallen. Ohnehin hätte er mehr vernebelt, als Beethoven einem breiteren Publikum nähergebracht. Aber was ein wirklich Großer ist, der findet auch so zu Menschen von heute, und nicht nur zu einem kleinen Kreis von Spezialisten. Was ihn für uns heute „modern“ macht, dem will ich hier etwas nachgehen.

Nur Online 2. Juli 2020

Uri Siegel ist verstorben

Neffe des Präsidenten Kurt Landauer vom FC Bayern
von Dietrich Schulze-Marmeling

Gestern verstarb im Alter von 97 Jahren Uri Siegel, der Neffe des legendären und von den Nazis vertriebenen Bayern-Präsidenten Kurt Landauer.

Film 1. Juli 2020

Rainer Werner Fassbinder (1945–1982)

«Schlafen kann ich, wenn ich tot bin»
von Paul B. Kleiser

Am 31.Mai vor 75 Jahren wurde Rainer Werner Fassbinder in Bad Wörishofen geboren. Ab den späten 60er Jahren wurde er zu einem der produktivsten Autoren und Filmemacher der alten BRD.

Musik 1. Juli 2020

Wurzeln im Baskenland

50.Todestag des Tenors und Schauspielers Luis Mariano
von Kai Böhne

Der Belcanto-Sänger Luis Mariano (1914–1970) verzauberte seine Zeitgenossen in den 40er und 50er Jahren mit beliebten Operettenmelodien. Als er einmal gefragt wurde, ob er sich mehr als Spanier oder als Franzose sehe, erwiderte er, er fühle sich als Baske.

Nur Online 28. Mai 2020

„weiloisirgendwiazamhängd“

Antonio Andrioli erhielt den Naturschutzpreis vom BUND Bayern

Antonio Andrioli, brasilianischer Agrarwissenschaftler und SoZ-Autor, wurde im Januar dieses Jahres für seine verdienstvolle, kritische Forschung in Sachen Gensoja und sein grenzüberschreitendes Umweltengagement vom BUND Bayern mit Naturschutzpreis geehrt. Mit ihm hat der BUND einen würdigen Preisträger ausgewählt.

Nur Online 11. Mai 2020

150 Jahre Lenin

100 Jahre „Der linke Radikalismus“
von François Sabado

Der vorliegende Beitrag ist das Vorwort zu einer 2011 erschienenen französischen Neuedition¹ von Lenins Buch „Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus“.

Buch 1. Mai 2020

Edward Snowden: Permanent Record: Meine Geschichte

Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2019. 432 S., 22 Euro
von Rolf Euler

Eigentlich müsste man für das Buch von Edward Snowden nicht mehr groß werben, es stand im letzten Jahr wochenlang auf der Sachbuchbestenliste. Aber die Geschichte dieses einzigartigen Falls von Whistleblowing, seine eigene Geschichte von ihm selber aufgeschrieben, gehört jenseits der Aktualität zu den Grundlagen demokratischer Aufklärung.

Europa 26. März 2020

Sieg beim 50.Boston-Marathon

Wie Stelios Kyriakides zum Volksheld in Griechenland wurde
von Kai Böhne

Der Läufer Stelios Kyriakides startete, um Hilfsgüter und Spenden für seine Landsleute im zerstörten Griechenland zu sammeln.
Im Jahr 1946 gewann der Grieche Stelios Kyriakides als erster Nichtamerikaner den Boston-Marathon. Mit 2 Stunden 29 Minuten und 27 Sekunden gelang ihm ein neuer Europarekord.

Geschichte 1. März 2020

Georg Leber (1920–2012)

Ein waschechter Kommunistenfresser
von Manfred Dietenberger

Georg Leber wurde 1966 von der rechtsgerichteten britischen Ta­geszeitung Daily Mail als bedeu­tendster Gewerkschaftsführer Europas bezeichnet. Das war er sicher nicht.

Europa 1. März 2020

Ein untypischer Genosse

Zum Tode von Michel Lequenne (1921–1920)
von Wilfried Dubois

Im Mai wäre er 99 Jahre alt ge­worden, nun ist er am 13.Februar gestorben. Michel Lequenne hat nach einer Jugend in Le Havre fast sein gesamtes Leben in Paris gelebt. Er war durch und durch Franzose, ein Intellektueller, der nie eine Universität besucht hat, und ein sehr kritischer, ein querdenkender «Trotzkist».

Film 1. März 2020

Kirk Douglas (1916–2020)

Zum Leben und Wirken des Filmstars
von Paul Kleiser

Am 5.Februar starb in Beverly Hills der große Schauspieler Kirk Douglas im biblischen Alter von 103 Jahren.

Buch 1. Februar 2020

Das Duell

Marcel Reich-Ranicki gegen Günter Grass
von Paul Kleiser

Volker Weidermann: Das Duell. Die Geschichte von ­Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. 309 S., 22 Euro

Buch 1. Februar 2020

Engels neu erleben

Ein Roman über den Freund und Mitstreiter von Karl Marx
von Tim Kühnel

Tilman Röhrig: Und morgen eine neue Welt. München: Pendo, 2019. 512 S., 20 Euro

Film 1. Februar 2020

Anna Karina (1940–2019)

Zum Tod der Godard Muse und Schauspielerin
von Paul Kleiser

Am 14.Dezember 2019 starb in Paris die Schauspielerin Anna Karina im Alter von 79 Jahren.

Buch 1. Februar 2020

Claude Cahun (1894–1954)

Zum Leben und Werk der französischen Fotografin und Schriftstellerin
von Kai Böhne

Zu Beginn der 1920er Jahre führte die französische Künstlerin Claude Cahun gemeinsam mit ihrer Stiefschwester und Lebensgefährtin Suzanne Malherbe ein exzentrisches Bohèmeleben in Paris.

Geschichte 1. Februar 2020

Zum 90. Todestag von Paul Levi (1883–1920)

«Republik, das ist nicht viel, Sozialismus ist das Ziel»
von Manfred Dietenberger

Rosa Luxemburg kennt jede und jeder. Aber wer war dieser Dr. jur. Paul Levi, dessen Todestag sich am 8.Februar 2020 zum 90. Mal jährt?

Nur Online 21. Januar 2020

Uli Leicht ist gestorben

Die Redaktion LabourNet Germany und labournet. e.V. trauern um ihr langjähriges Vorstandsmitglied Ulrich Leicht
dokumentiert

Am 27. Dezember 2019 starb Ulrich Leicht (geb: 3.5.1947), lange Jahre (seit 2005) Vorstandsmitglied in Verein labournet. e.V. und auch Autor einiger Veröffentlichungen im Labournet.

Geschichte 1. Januar 2020

Gregor Gog …

… und der Internationale Vagabundenkongress 1929
von Manfred Dietenberger

Gregor Gog kam am 7.November 1891 in Schwerin als Sohn einer Magd und eines Zimmermanns auf die Welt. Die Mutter sagt zu ihrem Sohn, der eigentlich Pfarrer oder zumindest Beamter werden sollte, später einmal: «Es wäre besser gewesen, ich hätte dich in der Badewanne ertränkt.»

Buch 1. Januar 2020

Ivan Blatný 1919–1990

Zum 100.Geburtstag
von Kai Böhne

Am 21.Dezember jährte sich der 100.Geburtstag des lange Zeit vergessenen tschechischen Dichters Ivan Blatný.
In den letzten Jahren stieg das Interesse an seiner Person. 2015 wurde Martin Reiners Roman über das Leben Blatnýs mit dem «Magnesia Litera», dem wichtigsten tschechischen Literaturpreis, als Buch des Jahres ausgezeichnet.

Kunst 1. Januar 2020

Plastiken vom 3D-Drucker

Zu Besuch beim Schöpfer des doppelten Rotulus
von Manuel Kellner

Wir sind gegen Ende November zu Besuch bei Eberhard Fiebig* in seinem Atelier in Kassel. Angela Klein ist schon lange Zeit mit ihm befreundet. Wir sehen Plastiken, darunter viele aus Kunststoff, Bilder und einen 3D-Drucker. Fiebig bewirtet uns mit Tee und Gebäck und spricht über seine Arbeit. Wir stellen ihm die eine oder andere Frage.

Geschichte 1. Dezember 2019

Max Hoelz…

und die individuelle Expropriation der Expropriateure
von Manfred Dietenberger

Das bilderbuchschöne, kleine Dorf Todtmoos-Rütte im Südschwarzwald dient schon seit langem vielen, Erholung an Leib und Seele suchenden Städtern als romantisches Refugium. Todtmoos-Rütte war über viele Wochen auch der Ort, an dem sich nach fast siebeneinhalb Jahren Gefängnis der zwar nicht gebrochene, aber durch die lange Isolierung und Einzelhaft doch angegriffene Revolutionär Max Hoelz (1889–1933) daran machte, wieder zu Kräften zu kommen und sich wiederzufinden. Viel zulange war er unschuldig von der Klassenjustiz der Freiheit beraubt gewesen.

Geschichte 1. November 2019

Mit Poulantzas kämpfen

Klassen und Staat im Kapitalismus, Teil 1von Thomas Goes

Am 3.Oktober 1979 nahm sich der marxistische Politikwissenschaftler Nicos Poulantzas das Leben, gerade 43 Jahre alt.

Poulantzas gehörte zu einer Generation marxistischer Intellektueller, die unter historisch außergewöhnlichen Bedingungen wirkte: innerhalb und im Umfeld der großen «eurokommunistischen» Parteien Italiens und Frankreichs, die nach einem demokratischen Weg zum Sozialismus suchten; im Schatten der Jugendradikalisierung Ende der 1960er Jahre und einer lebendigen, wenngleich sich dogmatisierenden radikalen Linken; im Rahmen eines Marxismusrevivals an den Universitäten, die zu Hochburgen der gesellschaftlichen Linken wurden.

Marxismus als strategische und eingreifende Wissenschaft Poulantzas verfolgte vor diesem Hintergrund eine Art «strategische und eingreifende Wissenschaft», die sich direkt auf die Kämpfe der Arbeiterbewegung und der Linken bezog. Deren Probleme wurden aufgegriffen, um durch Analyse und Theoriebildung zu ihrer Lösung beizutragen.

Zur Person 1. November 2019

Klaus Schilp (1931–2019)

Nachruf
von der SoZ-Redaktion

Unser langjähriger Genosse und Mitstreiter Klaus Schilp ist am 7.Oktober im Alter von 88 Jahren gestorben.
Klaus wurde am 13.April 1931 geboren. Er war lange Zeit mit Marianne verheiratet, die 2017 starb, und hinterlässt zwei Kinder.

Nur Online 18. Oktober 2019

Peter Handke

Literaturnobelpreisträger und Buhmann
von Dieter Braeg

Peter Handke, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2019 längst ein Großmeister des bedachten Schweigens, machte zu Beginn seiner Laufbahn mit zwei spektakulären Auftritten auf sich aufmerksam.

Geschichte 1. Oktober 2019

Rekorde und Engagement

Luftfahrtpionier André Japy pendelte zwischen Tahiti und den Atollen
von Kai Böhne

In den frühen Morgenstunden des 29.Dezember 1935 starteten der ­Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry und sein Mechaniker André Prévot mit einer Caudron-Renault-Simoun-Propellermaschine vom Pariser Flughafen Le Bourget, um einen Streckenrekord zu unterbieten. Wenige Tage zuvor war der Flugpionier André Japy in drei Tagen und 15 Stunden von Paris nach Saigon geflogen.

Sonstiges 1. Juli 2019

Über 28 Minuten Vorsprung bei der Tour de France

Sonderbriefmarke für Radsportlegende Fausto Coppi
von Kai Böhne

Am Abend des 29.Juni 1951 durchlebte der Radsportler Fausto Coppi die schmerzlichsten Stunden seines Lebens. Tagsüber hatte er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Serse an der Piemont-Rundfahrt teilgenommen. Beim Abschlussspurt in Turin blieb Serse mit dem Vorderrad in einer Straßenbahnschiene hängen und stürzte auf den Kopf. Dabei erlitt er einen doppelten Schädelbruch. Die Ärzte im Krankenhaus konnten sein Leben nicht mehr retten, Serse starb an einer Hirnblutung.

Buch 1. Juli 2019

200 Jahre Theodor Fontane

«Ich habe mich heut der Reaction verkauft»
von Paul B. Kleiser

Im Unterschied zu den anderen Autoren des «poetischen Realismus», die im deutschsprachigen Raum die wichtigsten Novellen und Romane des 19.Jahrhunderts verfasst haben – etwa Theodor Storm, Wilhelm Raabe oder die beiden Schweizer Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer –, hatte Theodor Fontane immer ein großes Lesepublikum. Nach dem Ende der DDR hat der Einfluss dieses urpreußischen Autors wohl noch zugenommen. Besonders seine «Frauenromane», die eigentlich Gesellschaftsromane sind, Cécile, Stine, Frau Jenny Treibel und natürlich Effie Briest, erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Nur Online 8. Mai 2019

Von Opportunismus und Panik geprägt

Angriffe gegen Kevin Kühnert erbärmlich
von Dieter Schulze-Marmeling

„Seine größte Stärke ist die Schwäche der anderen“, schrieb vor einigen Monaten Catarina Lobenstein über Kevin Kühnert in der „Zeit“. Die letzten Tage haben diese Einschätzung bestätigt. Deutschlands politische Elite hinterlässt in der Auseinandersetzung mit dem 29-Jährigen einen erbärmlichen Eindruck. Dies gilt auch für Teile von Kühnerts eigener Partei. Und das ist nicht gut für die politische Streitkultur.

Film 1. Mai 2019

Agnès Varda (1928–2019)

Zum letzten Film und ihren Werken
Paul B. Kleiser

Am 29.März ist die belgisch-französische Fotografin und Filmemacherin Agnès Varda in betagtem Alter gestorben. Bis zuletzt war sie als Regisseurin, aber auch als bildende Künstlerin aktiv; ihr letzter Film Varda par Agnès wurde auf der Berlinale uraufgeführt und soll bald in die Kinos kommen.

Geschichte 1. April 2019

Kein Denkmal für Le Corbusier

Trotz Ruhm – Faschist bleibt Faschist
von Manuel Kellner

Charles-Eduard Jeanneret-Gris, geboren als Schweizer, später französischer Staatsbürger und bekannt unter seinem Künstlernamen Le Corbusier, war Architekt, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner. Siebzehn seiner Bauten gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die von ihm vertretene Stilrichtung des «Purismus» (vom französischen «pur» für «rein») befürwortet rationale Kompositionen aus elementaren geometrischen Figuren ohne gewollt dekorative Effekte.

Geschichte 1. März 2019

Richard Zach (1919–1943)

Ein verkannter österreichischer Dichter und Antifaschist
von Angela Klein

«Werde ein guter Bürger, mein Sohn.
Glaube an Volk und Tradition.
Und eines lass Dir ewiglich raten:
Du, wage es nie, mit dem Staate zu raufen.

Film 1. Januar 2019

Der letzte große Italiener

Bernardo Bertolucci (1941–2018)
von Paul B. Kleiser

Am 26.November 2018 starb in Rom der italienische Filmemacher Bernardo Bertolucci im Alter von 77 Jahren. Mit ihm endet (vorläufig?) die große Zeit der italienischen Filmemacher von Weltrang.

Nur Online 12. Dezember 2018

Alexander Solschenizyn (1918-2008)

von Paul B. Kleiser

Am 11.Dezember 2018 wäre Solschenizyn hundert Jahre alt geworden. Zweifellos zählt er zu den bedeutendsten russischen/sowjetischen Autor*innen des 20.Jahrhunderts, auch wenn er nach den großen Erfolgen seiner Bücher, vor allem von Archipel Gulag (1974), und der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an ihn 1970, heute etwas in Vergessenheit geraten ist.

Geschichte 1. Dezember 2018

200 Jahre Karl Marx – Ein Rückblick auf die Debatte anlässlich des Jubiläums

Ausblick auf die Bedeutung marxistischer Theorie und Praxis
von Winfried Wolf

Grundlage des folgenden Textes ist die Rede, die Winfried Wolf am 5. Mai 2018 in Köln auf der Veranstaltung der SoZ zum 200. Geburtstag von Karl Marx hielt. Die Rede erschien zum erstenmal in Lunapark21 (Heft 42, Sommer 2018) und wurde für die dortige Veröffentlichung bearbeitet und deutlich erweitert. Der Abdruck in der SoZ geschieht mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Alle Welt schrieb im letzten Jahr über «150 Jahre ‹Das Kapital›». Alle Welt schreibt in diesem Jahr über «200 Jahre Karl Marx» – und auch über «170 Jahre Kommunistisches Manifest». Deutlich weniger, aber immer noch viel, wird 2020 die Rede sein von «200 Jahre Friedrich Engels».

Buch 1. Dezember 2018

Gauland und Konsorten

Literatur und Info zum Thema AfD
von Paul B. Kleiser

Olaf Sundermeyer: Gauland. Die Rache des alten ­Mannes. München: C.H.Beck, 2018. 176 S., € 14,95

Melanie Amann: Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert. München: Droemer, 2018. 318 S., € 16,99

Alexander Gauland, der 40 Jahre Mitglied der CDU war und unter Ministerpräsident Wallmann, dem Nachfolger von Dregger aus der «Stahlhelmfraktion», in der hessischen Staatskanzlei gearbeitet hat, klammert die verschiedenen Strömungen (einschließlich der Rechtsextremen) in der AfD zusammen.

Geschichte 1. Dezember 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 9

Technologie ist nicht neutral
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfes für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Geschichte 1. November 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 8

Zerstörerische «Reinigungskrisen» und Zusammenbruch
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Arbeitswelt 1. Oktober 2018

«Wenn wir den Klassenkampf nicht verstehen, verstehen wir gar nichts»

Über die Bedeutung von Klassenbewusstsein
Gespräch mit Ken Loach

Der britische Filmregisseur Ken Loach ist einer der angesehensten Filmemacher unserer Zeit. Er ist ein sehr engagierter Künstler und einer der wenigen Regisseure, die zweimal die prestigeträchtige Goldene Palme von Cannes erhalten haben. In seinem Werk greift er oft soziale oder politische Themen auf.

Sonstiges 1. Oktober 2018

Herzlichen Glückwunsch!

Die SoZ gratuliert
von der Redaktion

In dieser Ausgabe haben wir die Freude, gleich zwei unserer langjährigen Mitstreiter zu ihrem 80.Geburtstag gratulieren zu dürfen.

Geschichte 1. Oktober 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 7

Mehrwertproduktion als verschleierte Ausbeutung
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Buch 1. September 2018

Roman Deiningen, Uwe Ritzer: Markus Söder. Politik und ­Provokation. Die Biographie

München: Droemer, 2018. 384 S., € 19,99
von Paul B. Kleiser

Der rabiate Politikverkäufer

Seit Mitte März 2018 ist Markus Söder als Nachfolger von Horst Seehofer, der das Amt zehn Jahre lang bekleidet hat, bayerischer Ministerpräsident. Alle Versuche seines Vorgängers und von dessen Entourage, den «Intriganten aus Nürnberg» am Aufstieg zu hindern, sind somit gescheitert. «Söder hat sich seiner Partei und dem Land regelrecht aufgezwungen», schreiben die Journalisten der Süddeutschen, Roman Deininger und Uwe Ritzer.

Musik 1. September 2018

Ihre Majestät Aretha

Die Queen of Soul – von religiöser zu weltlicher Musik
von Kim D. Hunter*

Man kann die Aufnahmen der Lieder, die Aretha Franklin als Teenager in der Kirche gesungen hat, online finden. Sie war ein Star, wenn nicht gar die Hauptattraktion in der Kirche ihres Vaters in Detroit, wo es viele großartige Sänger gab, einschließlich ihres Vaters. Sie hat ihre Stimme so sehr weiter entwickelt, dass sie zur Musikikone wurde.  Weniger bekannt ist, ist wie sie ihre Gospel-Wurzeln in ihrer unglaublichen musikalischen Karriere verwendet hat.

Buch 1. September 2018

Samir Amin (1931–2018)

Ein Nachruf
von Hannes Hofbauer*

Einer der einflussreichsten Intellektuellen des «globalen Südens» ist tot. Samir Armin verstarb am 12.August 2018 fast 87-jährig in Paris. Er war u.a. Autor des Promedia-Verlags, dessen auf französisch verfasster Text «Souveränität im Dienste der Völker» gerade ins Deutsche übersetzt wird und im Frühjahr 2019 erscheinen soll.

Feuilleton 1. Juli 2018

Serie 200 Jahre Karl Marx, Teil 6

Die «endlich entdeckte politische Form»
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Geschichte 1. Juni 2018

Was uns Che noch zu sagen hat

Zum 90. Geburtstag von Ernesto Guevara
von Antonio Moscato*

Nachdem die Welle der Veröffentlichungen, die nach Jahren des Vergessens eine Lücke gefüllt hatte, wieder abgeebbt ist, ist es möglich und notwendig, Ernesto Guevara (1928–1967) außerhalb vom Mythos und der Rhetorik vom «heroischen Guerrillero» zu stellen. Nachdem sich der Nebel von Veröffentlichungen aus dritter Hand gelichtet hat, bleiben einige große Biografien, die Ergebnis wirklicher Arbeit sind und aus denen wegen ihrer Vollständigkeit diejenige von Paco Ignacio Taibo II herausragt, der die vielen Beziehungen zu engen Mitarbeitern des Che ausnutzen konnte, welche er in seinen früheren Arbeiten über Santa Clara und den Kongo geknüpft hatte.

Geschichte 1. Juni 2018

Erfolgreiche SoZ-Feier

 Zum 200.Geburtstag von Karl Marx
die Redaktion

An die 80 Interessierte fanden ins Naturfreundehaus Köln-Kalk, um an der SoZ-Feier zum 200.Geburtstag von Karl Marx teilzunehmen. Die meisten waren aus Köln, manche angereist aus anderen Städten, vorwiegend aus unserem politischen Umfeld. Es waren aber auch eine Reihe von Leuten da, die wir vorher nicht kannten.

Geschichte 1. Juni 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 5

Materialistische Geschichtsauffassung
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Buch 1. Mai 2018

Rudi Dutschke und die Achtundsechziger

«Der sozialistischen Bewegung das ­Unterscheidungsvermögen wiedergewinnen»
von Paul B. Kleiser

Es gibt wenige Namen und Gesichter, die mit der Bewegung von 1968 in Theorie und Praxis so eng verbunden sind wie die von Rudi Dutschke.

Aufgrund der Hetze der Springerpresse und anderer rechter Medien, die im Klima des Kalten Krieges besonders in Westberlin auf fruchtbaren Boden fiel, wurde er am Gründonnerstag 1968 Opfer eines Mordanschlags. Der Täter Josef Bachmann schoss Dutschke mit drei Kugeln nieder.

Buch 1. Mai 2018

Eva Weissweiler: Lady Liberty. Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor

Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. 416 S., 26 €
von Manuel Kellner

Am 1.Mai des Jahres 1890 kommen 300000 Arbeiterinnen und Arbeiter in London zur Kundgebung. Eleanor Marx, mit familiärem Spitznamen Tussy, führt sie vom Themse-Ufer in den Hyde Park und spricht zu ihnen:

Buch 1. Mai 2018

Blaue Blume der Romantik und Utopie

Michael Löwy zum 80.Geburtstag
von Manuel Kellner

Bücher, Aufsätze und Artikel von Michael Löwy, der am 6.Mai 1938 in São Paulo in Brasilien geboren wurde, gibt es in einer Reihe von Sprachen. Der deutschsprachigen Leserschaft liegen einige seiner Schriften vor1, er hat auch immer wieder für die SoZ2 und die Presse der IV.?Internationale (so für Inprecor und International Viewpoint) geschrieben, deren führendes Mitglied er seit langem ist.

Geschichte 1. Mai 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 4

Ein Demokrat wird Kommunist
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Geschichte 1. Mai 2018

Der Internationalismus von Karl Marx…

…heute noch aktuell
von Manuel Kellner

Im «Kommunistischen Manifest» von 1848 geht Karl Marx weit über eine Haltung hinaus, die internationale Solidarität als eine Aufgabe neben anderen versteht: «Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, dass sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen» (MEW 4:474).

Geschichte 19. April 2018

SoZ-Feier

Zum 200.Geburtstag von Karl Marx

5. Mai um 14:00 – 22:00 in Köln-Kalk

Von den Bürgerlichen totgesagt, ist Marx seit der Krise 2008 wieder in aller Munde. Für viele der Jüngeren ist er aber kein Kompass mehr bei ihrem Kampf für eine lebenswerte Welt, zu schwer wiegen Niedergang und Krise der traditionellen Arbeiterbewegung.

Geschichte 1. April 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 3

Ein radikaler Demokrat
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Geschichte 1. März 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 2

Die Grundlage: Sein Menschenbild
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Buch 1. Februar 2018

200 Jahre Karl Marx, Teil 1

Eine neue Biografie
von Manuel Kellner

Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.

Geschichte 16. Dezember 2017

«Deine Depression ist mir nicht fremd…»

Zum 50.Todestag von Roman Rosdolsky
von Yurii Colombo

Als Roman Rosdolsky am 20.Oktober 1967 in Detroit starb, hatte er gerade die Fahnen seines Buches Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen «Kapital» fertig korrigiert. An diesem Werk, das im folgenden Jahr postum erschien, hatte er fast zwanzig Jahre gearbeitet. Es war die erste und bedeutendste Monografie zu Marx’ Grundrissen. In zahlreiche Sprachen übersetzt, förderte sie deren Verbreitung und hatte bedeutenden Einfluss auf deren spätere Interpretation.

Amerika 16. Dezember 2017

Daniel Viglietti (1939–2017)

Stimme der lateinamerikanischen Revolution
von hgm

Am 30.Oktober starb der uruguayische Sänger und Songschreiber Daniel Viglietti im Alter von 78 Jahren in Montevideo. Er war einer der bekanntesten Vertreter des uruguayischen und lateinamerikanischen populären und politischen Liedes. Sein Freund Eduardo Galeano nannte ihn die «wohlklingende Stimme, die die Wände erzittern lässt». Drei Tage vor seinem plötzlichen Tod war Viglietti noch bei einem Konzert zu Ehren Che Guevaras aufgetreten.

Buch 1. Dezember 2017

Regieren auf sozialdemokratisch

Was ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2000 mit den Wahlniederlagen der SPD zu tun hat
von Reiner Tosstorff

Michael Naumann ist gewiss kein Name, den man aus der Politik unbedingt kennen muss. Als Kulturminister Schröders von 1998 bis 2001 und gescheiterter Oberbürgermeisterkandidat der Hamburger SPD 2008 hat er nicht sehr viele Spuren hinterlassen. Eher wurde er als Verleger (Rowohlt) und Journalist (Die Zeit, Cicero) wahrgenommen. Seine kurze Zeit davor in der Politikwissenschaft ergab eine Habilitationsschrift über den irischen Sozialisten James Connolly, von den Briten hingerichteter Mitanführer des Osteraufstands von 1916, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Zur Person 1. November 2017

Nachruf: Jürgen Wilk (1946–2017)

Das Leben eines klassenbewussten Arbeiters
von Wolfgang Günther (Freidenkerverband Schweinfurt)

Am 20.September ist Jürgen Wilk gestorben. Ehemalige Mitglieder der Vereinigten Sozialistischen Partei, des Runden Tischs der Erwerbslosen, der Euromärsche sowie vieler anderer Organisationen und Initiativen haben einen treuen Freund und Genossen verloren.

Staat/Parteien 2. Juli 2017

Zum Tode von Helmut Kohl

Der Bimbes-Patriarch
von Paul B. Kleiser

Es war zu erwarten, dass Helmut Kohl, der im neuen Jahrhundert bei seinen seltenen Auftritten wie ein Fossil aus vergangenen Zeiten wirkte, nach seinem Ableben als «Kanzler der Einheit» und als einer der «Väter der europäischen Einigung» gewürdigt würde. In Straßburg wird sogar ein «europäischer Staatsakt» für ihn inszeniert.

Europa 2. Juli 2017

Wer ist Jean-Luc Mélenchon?

Porträt eines linken Populisten
von Pierre Rousset

Vielen, ob hierzulande oder in Frankreich, gilt er als Linker, zwar ein Reformist und auch nicht unbedingt von der appetitlichen Sorte, aber doch ein Strohhalm. Die Entwicklung, die er in der letzten Zeit durchgemacht hat, legt eher nahe, dass man an seinem Beispiel studieren kann, was linker Populismus ist.

Buch 2. Juli 2017

«Mit permanenten Grüßen». Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky. Hrsg. Rosdolsky-Kreis

Wien: Mandelbaum-Verlag, 2017. 453 S., 15 Euro
von Hermann Dworczak

Roman Rosdolsky ist auch in linken Kreisen eher nur «Spezialisten» bekannt. Völlig zu Unrecht: Sowohl sein politisches Wirken und erst recht seine theoretische Arbeit sind mehr als bemerkenswert.

Roman wurde 1898 im damals österreichischen Lemberg in einer ukrainischen Familie geboren. Er politisierte sich bereits als Gymnasiast, wurde Sozialist bzw. Kommunist.

Geschichte 1. Mai 2017

AUFSTAND!

Käthe Kollwitz neu gesehen
von Rolf Euler

Käthe Kollwitz, die bei vielen Menschen bekannte Künstlerin des Antikriegsbilds «Nie wieder…!», kann im Käthe-Kollwitz-Museum in Köln mit vielen ihrer Werke immer wieder neu betrachtet werden, diesmal mit Sonderausstellungen zu ihrem 150.Geburtstag.

Martin Schulz – einer von uns?

Von der Polit-Elite in den Wahlkampf
von Manfred Dietenberger

Die SPD macht wieder Politik und lässt Merkel nicht einfach weiter vor sich hin sozialdemokrateln, schrieb Anfang März der Vorwärts der SPD. Und in der Tat, Schulz und Superman wurden noch nie im selben Raum gesehen. Ist also Schulz tatsächlich Superman?

Was wir über Martin Schulz wirklich wissen ist: Er kommt aus einfachen Verhältnissen, war Bürgermeister einer Kleinstadt und schaffte es nach Europa. Dort gehörte er viele Jahre der hochbezahlten europäischen politischen «Elite» an.

Patriarchat 1. April 2017

Gisela Notz zum 75. Geburtstag

Keine feministische Theorie ohne feministische Praxis
Im Gespräch mit ihrem Autonomen feministischen Colloquium

Gisela Notz ist Historikerin und Sozialwissenschaftlerin. Sie war u.a. Redakteurin der SoZ (2003–2005), der Zeitschrift beiträge zur feministischen theorie und praxis (1985–1997), seit 2008 und bis heute ist sie in der Redaktion von lunapark21. zeitschrift zur kritik der globalen ökonomie. Außerdem ist sie u.a. im «Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung» als politische Aktivistin engagiert. Zuletzt erschien von ihr Kritik des Familismus (Schmetterling-Verlag, 2015) und der seit 15 Jahren erscheinende Kalender Wegbereiterinnen (AG SPAK) zu Frauenbiografien. Mehr unter www.gisela-notz.de.

Staat/Parteien 1. März 2017

Ein Schaumschläger mit Rechtsdrall

oder die hohe Kunst der (Selbst-)Inszenierung
von Paul Michel

Martin Schulz Superstar. Martin Schulz Hoffnungsträger. Innerhalb weniger Wochen ist der SPD dank ihm die Trendwende gelungen. Zum erstenmal seit vielen Jahren liegt die längst abgeschriebene SPD in Meinungsumfragen wieder vor der CDU, im direkten Vergleich mit Merkel lässt der neue Star der SPD die Kanzlerin um Meilen hinter sich. Offenbar kommt er gut an. Er präsentiert sich als ein Mann aus «einfachen Verhältnissen», der von sich behauptet, «für die hart arbeitenden Menschen» in diesem Land zu kämpfen.

Die Verirrungen von Sahra Wagenknecht

Undemokratische Inthronisierung
von Thies Gleiss

Das Jahr 2017 wird in Deutschland durch eine Reihe von Parlamentswahlen und die Bundespräsidentenwahl geprägt. Bei Umfragewerten von unter 40% für eine «Rot-Rot-Grüne»-Regierungsoption und nur noch 20% für die SPD ist ein schillernd als «R2G» bezeichneter Regierungswechsel seit geraumer Zeit außer Sichtweite.

Bildung 1. Februar 2017

Randalierer oder Stasi-Agent?

Die Argumente, Andrej Holm loszuwerden, sind austauschbar
von Peter Nowak

Es ist schon einige Jahre her, dass Studierende in Berlin Universitätsräume besetzt haben, um Verbesserungen ihrer Studienbedingungen erkämpfen. Seit dem 17.Januar sind nun wieder Hochschulräume besetzt, nämlich die des Instituts für Sozialwissenschaft. Die Studierenden protestieren gegen die Entlassung des Stadtsoziologen Andrej Holm, der Mitte Januar nach wenigen Wochen als Staatssekretär zurücktreten musste.

Bewegung 1. Februar 2017

«Dem neoliberalen Politikverständnis den Kampf ansagen»

Murat Çakir über seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters in Kassel
Gespräch mit Violetta Bock

2017 – Jahr der Wahlen: in Nordrhein-Westfalen, in Frankreich, in Deutschland. In Kassel wird am 5.März der Oberbürgermeister gewählt. Die Kasseler Linke sitzt dort seit Jahren im Stadtparlament und nominierte Murat Çakir als ihren Kandidaten. Er ist bekannt als Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen und für seine Analysen zur Situation in der Türkei. Nun kandidiert er in so bewegten Zeiten auf kommunaler Ebene.

Amerika 1. Januar 2017

Das Lebenswerk von Fidel Castro

Unbeugsam im Widerstand gegen den US-Imperialismus
von Dave Kellaway

Bilder von Fidel füllten über Jahrzehnte die Wochenschauen: abgerissen und besiegt nach der blutigen Attacke auf die Moncadakaserne; im feinen Anzug als freier Mann beim Gang aus dem Gefängnis ins Exil; bei einem Interview mit einem US-Journalisten 1958 in einem Versteck in den Bergen; beim triumphalen Einmarsch mit Che, Cienfuegos und den anderen jungen bärtigen Kriegern in Havanna;

Sonstiges 13. Dezember 2016

An den Rand notiert

Josef Capek neu entdeckt
von Rolf Euler

Ich staune, wie angesichts der europaweiten Rechtsentwicklung plötzlich eine Ausstellung in der «Provinz» in die Zeit tritt: Karikaturen von Josef Capek, dem tschechischen Autor, Zeichner und Verfolgten. Das Recklinghäuser Museum für Stadtgeschichte zeigt zu den Jahrestagen der Pogromnacht und zum Ende des Ersten Weltkriegs eine Ausstellung, die dem Leben und den Karikaturen eines in der Tschechoslowakei gut bekannten Künstlers gewidmet ist.

Zur Person 1. November 2016

Flaschenpost aus Marburg

Zum 75. Geburtstag von Frank Deppe
von Thomas Goes*

Ich habe nie bei Frank Deppe studiert. Als ich ihn das erste Mal erlebte, lag ich gerade in den letzten Zügen mit meiner Dissertation. Einen Bezug hatte ich dennoch zu ihm, und das schon seit Jahren.

Nur Online 24. Oktober 2016

Klassenorientierung – Erfolgsgarantie nicht inbegriffen

Zum 75. Geburtstag von Frank Deppe

von Thomas Goes

Ich habe nie bei Frank Deppe studiert. Als ich ihn das erste Mal erlebte, lag ich gerade in den letzten Zügen meiner Dissertation. Einen Bezug hatte ich dennoch zu ihm, und das schon seit Jahren. Als ich mein Studium an der Universität Oldenburg begann und anfing Hochschulpolitik zu machen, begegnete mir die sog. „Marburger Schule“ in Gestalt „unseres Lehrers Abendroths“. Es waren ältere GenossInnen in der PDS, die so zu sprechen pflegten. Das waren Erinnerungsreste, die mich erreichten.

Zur Person 1. Oktober 2016

Ein Werk radikaler Mo(nu)mente

Zum 100. Geburtstag von Peter Weiss
von Patrick Ramponi

«Wir haben die Gestalt des Hölderlin so angelegt / dass er sich drin befindet und bewegt / als spiegle er nicht nur vergangne Tage / sondern als ob die gleichen Aufgaben er vor sich habe / denen auch manche von den Heutgen gegenüber stehn / … nicht trennen will er aus dem Wirklichen den Thraum / es müssen Fantaisie und Handlung seyn im gleichen Raum / nur so wird das Poetische universal

Zur Person 1. September 2016

Erinnerungen an Robert Steigerwald

Allzeit lernbereit
von Manuel Kellner

Am 30.Juni 2016 ist Robert Steigerwald gestorben. Er war ein prominentes Mitglied der DKP, das erheblichen Einfluss auf die Programmatik dieser Partei hatte.

Nur Online 1. August 2016

Erinnerungen an Robert Steigerwald

Ein Genosse, den wir nie vergessen werden

von Manuel Kellner

Am Donnerstag, den 30. Juni 2016 ist Robert Steigerwald gestorben. Er war ein prominentes Mitglied der DKP, das erheblichen Einfluss auf die Programmatik dieser Partei hatte. Er war auch bis ins hohe Alter ein Kämpfer für die sozialistische Revolution, ein Lehrer und Philosoph, bereit zu lernen bis in den Tod, und bereit zur Zusammenarbeit und zur solidarischen Diskussion mit anderen Linken, sogar mit den ehemals verfemten oppositionellen kommunistischen Richtungen.

Nur Online 1. August 2016

Robert Steigerwald gestorben

Presseinformation des DKP-Parteivorstandes, 1. Juli 2016

dokumentiert

Robert Steigerwald (24. März 1925 – 30. Juni 2016) wurde in Frankfurt am Main

geboren und wuchs in einer kommunistischen Arbeiterfamilie auf. Nach dem Abitur wurde

er zur faschistischen Wehrmacht eingezogen und zum Piloten ausgebildet. Nach kurzem

Kriegseinsatz ging er freiwillig in US-amerikanische Gefangenschaft, aus der im Mai 1945

floh und nach Frankfurt zurückkehrte.

Buch 1. Mai 2016

Miguel de Cervantes und seine Zeit

Vor 400 Jahren starb der Schöpfer des Don Quijote
von Alan Woods*

Miguel de Cervantes (1547–1616) ist der berühmteste Autor der spanischen Literatur. Als Romanschriftsteller, Dramatiker und Lyriker produzierte er ein umfangreiches Werk, doch heute ist er in erster Linie als Schöpfer des Don Quijote bekannt.

Amerika 1. April 2016

Labor for Bernie

Die Kampagne für Bernie Sanders ist noch nicht gelaufen
von Dianne Feeley*

Die Unterstützung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders bleibt aufrecht, obwohl nach derzeitiger Zählung der Wahlmänner eine Nominierung von Hillary Clinton immer wahrscheinlicher erscheint.

Buch 1. April 2016

Ein Brief von Umberto Eco an seinen Enkel

«Lieber Enkel, lerne auswendig»
von espresso.repubblica.it*

Der Semiotiker und Schriftsteller schreibt seinem Enkel. Mit Überlegungen zur Technologie und einem Rat für die Zukunft: nämlich die «Vispa Teresa» [ein Gedicht von Luigi Sailer]**, die Aufstellung der Fußballmannschaft vom AS Rom oder die Namen der Domestiken der drei Musketiere auswendig zu lernen. Denn das Internet kann weder das Wissen noch unser Gehirn ersetzen.

Europa 2. März 2016

Gianis Varoufakis will die EU retten

DIEM25: Democracy in Europe Movement 2025
von Thies Gleiss

Am 9.Februar 2016 lud der frühere griechische Finanzminister und mittlerweile Popstar der gefälligen EU-Kritik, Gianis Varoufakis, zur Abendversammlung in die Berliner Volksbühne, um sein Projekt «Democracy in Europe Movement 2025» aus der Taufe zu heben.

Buch 2. März 2016

Genosse der Bosse – Gerhard Schröder im Porträt

Gregor Schöllgen: Gerhard Schröder. Die Biographie. München: DVA, 2015. 1038 S., 34,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Vor ein paar Monaten konnte Merkel den zehnten Jahrestag ihres Einzugs ins Kanzleramt feiern. Sie schien auf dem Weg zur «ewigen Kanzlerin», als sie die Grenzen für Flüchtlinge öffnen ließ; seither machen plötzlich Schlagzeilen über ihren baldigen Sturz die Runde. Verglichen mit den brutalen Pressekampagnen, die ihr Vorgänger Schröder und seine häufig wackelige rot-grüne Mehrheit zu überstehen hatten, handelt es sich bei den jetzigen Rücktrittsforderungen aber eher um einen Sturm im Wasserglas.

Startseite 2. März 2016

Zum Tod des Sinologen Ingo Nentwig

Analyse statt Projektion
von Manuel Kellner

Der Sinologe Ingo Nentwig ist tot. Er starb am 30.Januar im Alter von 55 Jahren. Er war ein extrem belesener undogmatischer Kommunist. Über seinem Haus in Rödinghausen in Ostwestfalen wehte die rote Fahne, es gleicht einer öffentlichen Bibliothek.

Zur Person 4. Februar 2016

Zum Tod des Sinologen Ingo Nentwig

Analyse statt Projektion

von Manuel Kellner *

Der Sinologe Ingo Nentwig ist tot. Er starb am 30. Januar im Alter von 55 Jahren. Er war ein extrem belesener undogmatischer Kommunist. Über seinem Haus in Rödinghausen in Ostwestfalen wehte die rote Fahne, es gleicht einer öffentlichen Bibliothek.

Geschichte 1. Februar 2016

Ellen Meiksins Wood (1942–2016)

Die Verteidigung der Klassenanalyse
von Vivek Chibber*

Nach langem Kampf gegen den Krebs ist die marxistische Historikerin Ellen Meiksins Wood am 14.Januar gestorben.

Wood war eine Denkerin von außerordentlichem Format, die mit großer Kompetenz über das antike Griechenland, das politische Denken der frühen Moderne, die zeitgenössische politische Theorie, den Marxismus und die Struktur und Entwicklung des modernen Kapitalismus schrieb.

Nur Online 1. Februar 2016

Ingo Nentwig ist gestorben

Kurze Mitteilung, Nachruf folgt

von MANUEL KELLNER*

Heute morgen um 9.21 Uhr ist unser Freund und Genosse Ingo Nentwig (geboren am 8. April 1960) nach schwerer Krankheit viel zu früh gestorben.

Zur Person 1. Januar 2016

Kurt Holl (1938–2015)

Nachruf
vom Vorstand des Rom e.V.

Am 10.Dezember verstarb der Motor, Mentor und Menschenrechtler Kurt Holl im Alter von 77 Jahren.

Zur Person 1. Januar 2016

Peter Langos (1942–2015)

Nachruf
von Renate Angstmann-Koch*

Er hatte immer eine Tasche dabei, in den letzten Jahren einen Rucksack – voll mit Zeitungen, Aufsätzen, Flyern und Flugblättern. Der Alt-68er und überzeugte Linke kam so auch oft in die Redaktion des Tübinger Tagblatts, stets auf der Suche nach Neuigkeiten und Gesprächspartnern. Peter Langos erlag am 14.12. einem Herzinfarkt.

Musik 1. Dezember 2015

‘Don’t mourn… Organize!’

Vor 100 Jahren wurde der Gewerkschaftsaktivist Joe Hill in den USA hingerichtet
von Rod Owens*

Joe Hill war ein Organizer, Liedermacher und Karikaturist der Industrial Workers of the World (IWW), die als „Wobblies“ bezeichnet wurden. Des 100.Jahrestags seines Todes wurde im November weltweit gedacht.

Zur Person 1. Oktober 2015

Selbstorganisation der Arbeiterklasse

Trotzki vor 75 Jahren ermordet – was bleibt?
von Manuel Kellner

Am 20.August 1940 wurde Leo Trotzki von dem Agenten des sowjetischen Geheimdiensts, Ramón Mercader, im Auftrag Stalins in Mexiko erschlagen. Er war eine herausragende Persönlichkeit der Oktoberrevolution von 1917 in Russland und der Kommunistischen Internationale in ihren ersten Jahren, und später der prominenteste kommunistische Oppositionelle und Mitbegründer der 1938 gegründeten IV.Internationale.

Musik 1. Oktober 2015

Born to Sing

Van Morrison
von Paul B. Kleiser

Am 31.August feierte der aus dem nordirischen Belfast stammende Liedermacher, Sänger und Musiker George Ivan Morrison, seinen 70. Geburtstag – er war im vergangnen Juni in den Adelsstand erhoben worden. Die meisten deutschen Gazetten haben das Datum geflissentlich übersehen, und wenn sich die Feuilletonisten zu einem Artikel bequemten, dann war die Qualität meistens bescheiden.

Sonstiges 1. September 2015

Peter Janich und der kulturalistische Ansatz

Handwerk und Mundwerk – Womit befasst sich Naturwissenschaft?
von Manuel Kellner

Seit vielen Jahren kenne und schätze ich die Kleine Philosophie der Naturwissenschaften1 von Peter Janich. Vor einigen Monaten habe ich sein Spätwerk Handwerk und Mundwerk2 gelesen, das seine Auffassungen zusammenfasst. Wo viele Naturwissenschaft und Natur verwechseln, sieht Janich «lebensweltliche Zusammenhänge», aus denen naturwissenschaftliche Praxis hervorgeht.

Nur Online 20. Juli 2015

Ernest Mandel 1923-1995

Sozialistische Strategie

von der Redaktion

Heute vor 20 Jahren verstarb der belgische marxistische Theoretiker und sozialistische Revolutionär Ernest Mandel. Er war das bekannteste führende Mitglied der Vierten Internationale. Unter Bundeskanzler Willy Brandt („mehr Demokratie wagen“) von der SPD und dem liberalen Innenminister Hans-Dietrich Genscher erhielt er 1972 (bis 1979) ein Einreiseverbot, nachdem ihn der Berliner Senat daran gehindert hatte, seine Stelle als Professor für Ökonomie an der FU Berlin anzzutreten.

Europa 1. Juli 2015

Der neue Bürgermeister von Cádiz

José María González Santos*: «Wir wollen für und mit den Bürgern regieren»
im Gespräch mit SoZ

In mehreren Städten Spaniens haben bei den jüngsten Kommunalwahlen linke Bürgerlisten mit Unterstützung der Partei Podemos, die aus der Bewegung 15M hervorgegangen ist, aus dem Stand Bürgermeisterposten erobert, so auch in Cádiz (Andalusien). Die Liste «Por Cádiz sí se puede – Candidatura de Unidad Popular» wurde zweitstärkste Partei. Ihr Spitzenkandidat war José María González.

Ernest Mandel (1923–1995)

Politische Ökonomie im 20.Jahrhundert und das neue sozialistische Projekt
von Ingo Schmidt

Marxistische Analysen der kapitalistischen Warenproduktion, ihrer Widersprüche und Krisentendenzen sind gewiss keine Mangelware. Was fehlt, ist eine Gesamtschau, die Zusammenfassung von Analysen verschiedener Ausschnitte kapitalistischer Wirklichkeit in einer Art und Weise, die es der Arbeiterbewegung und anderen sozialen Bewegungen erlauben würde, Ansatzpunkte für politisches Eingreifen zu bestimmen.

Musik 1. Juli 2015

«Der Widerspruch wird plakatiert»

Walter Mossmann, 1941–2015
von Angela Klein

Überraschend vielen sagt der Name nichts. Das mag daran liegen, dass er seit den 90er Jahren nicht mehr singen konnte, ein Kehlkopfkrebs hatte ihm die Stimme weggefressen. Oder auch daran, dass die bürgerlichen Medien ihn zeit seines Lebens geschnitten haben und er sich ihren Regeln nicht unterordnen wollte. Seine Lieder gehörten der Bewegung und von ihr wurden sie weitergetragen. Aber Walter Mossmann gehörte zu den ganz großen politischen Liedermachern in Deutschland; aus meiner Sicht war er der kreativste.

Nur Online 13. Juni 2015

Nachruf auf Arno Klönne

Wir trauern
dokumentiert

Arno Klönne verstarb am 4. Juni im Alter von 84 Jahren.
Erstes großes Forschungsthema des Politik- und Sozialwissenschaftlers war die Jugend im Nazi-Reich. Sein Hauptinteresse galt denjenigen Jugendlichen, die trotz allen Zwangs und aller Lügenpropaganda nicht zu Mitläufern und Mittätern wurden, sondern sich dem Unrecht verweigerten und Verfolgten halfen.

Arbeitswelt 1. Mai 2015

Nachruf auf „Emmely“

Barbara Emme – Kassiererin bei Kaiser’s

Dokumentiert

Der «Fall Emmely» hat in Deutschland Geschichte gemacht. Diese mutige Kassiererin, die sich gegen ihre willkürliche Entlassung gewehrt hat, hat nicht nur einen beispielhaften Arbeitskampf geführt, sie hat damit eine gesellschaftliche Diskussion über Bagatellkündigungen angestoßen und die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts beeinflusst.*

Zur Person 1. Mai 2015

Eduardo Galeano 1940–2015

Originell und tiefgründig
von Atilio Borón

Die Nachricht von Eduardo Galeanos Tod hat mich tief getroffen. Und das einzige, worauf ich Lust hatte, war – ehrlich gesagt –, seine Bücher in meiner Bibliothek zu suchen, um mich wieder in seiner Begleitung an ihrer Lektüre zu erfreuen.

Zur Person 1. Mai 2015

Werner «Mecki» Hülsberg

8.Mai 1950 – 24.März 2015
von Manuel Kellner

Als ich im Oktober 1973 von Belgien zurück nach Deutschland kam und Mitglied der Gruppe Internationale Marxisten (GIM) wurde, war Mecki schon Hauptamtlicher dieser «deutschen Sektion der IV.Internationale» und eine große Autorität für mich. Er blieb in unserem Politischen Büro bis Oktober 1986, als die GIM sich mit der ehemals maoistischen KPD/ML zur Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) zusammentat.

Europa 1. März 2015

Eine Arbeiterjugend in der Ukraine

Pawlo Lysjanskyj

Die Ukraine ist ein sehr junger Staat. In welchem politischen Klima man dort nach seiner Gründung 1991 aufwuchs, erzählte uns Pawlo Lysjanskyj nach der Kölner Veranstaltung am 29.1. Das Gespräch ist in der Ich-Form wiedergegeben.

Zur Person 1. Februar 2015

Wir trauern um Hermann Weber (1928–2014)

von Wolfgang Feikert und Wilfried Dubois

Am 29.Dezember 2014 ist Hermann Weber im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war einer der führenden Historiker zur Geschichte des deutschen Kommunismus und zur Geschichte der DDR.

Zur Person 1. Dezember 2014

Die Tagebücher von Erich Mühsam

Schöpfen aus dem Brunnen eines Rebellen

von Manuel Kellner

Chris Hirte, Mitherausgeber der Tagebücher von Erich Mühsam1, liest im Buchladen Akzente in Hamm Anfang Oktober. Der Rosa Luxemburg Club Hellweg Soester Börde und SALZ e.V. hatten eingeladen. Viele sind gekommen, alle hören zu wie gebannt.

Zur Person 1. November 2014

Georg Trakl, 1887–1914

Eine Dichterexistenz am Vorabend des Ersten Weltkriegs

von Dieter Braeg

«Inzwischen habe ich viel gelesen: ergriffen, staunend, ahnend und ratlos; denn man begreift bald, dass die Bedingungen dieses Auftönens und Hinklingens unwiederbringlich einzig waren, wie die Umstände, aus denen eben ein Traum kommen mag.
Denn Trakls Erleben geht wie in Spiegelbildern und füllt seinen ganzen Raum, der unbetretbar ist, wie der Raum im Spiegel.
Wer mag er gewesen sein?»

Rilke über Trakl

Geschichte 1. Oktober 2014

Wolfgang Leonhard 1921-2014

Die Revolution entlässt ihre Kinder

von Manuel Kellner

Am 17.August 2014 ist Wolfgang Leonhard im Alter von 93 Jahren gestorben. Berühmt wurde er wegen seines zuerst 1955 erschienenen autobiografischen Buchs Die Revolution entlässt ihre Kinder.

Nur Online 17. April 2014

Kirchenkritiker Karlheinz Deschner

 

Gestorben am 8. April 2014

von Manuel Kellner

Es war ihm nicht vergönnt, seine monumentale Kriminalgeschichte des Christentums zu Ende zu bringen. In hohem Alter, bevor er jetzt mit 89 Jahren gestorben ist, vollendete er den zehnten Band zum „18. Jahrhundert mit Ausblick auf die Folgezeit“. Die im Juni erscheinende Printausgabe der SoZ wird eine Würdigung seines Lebenswerks bringen.

Zur Person 1. April 2014

Tony Benn

1925–2014

Am 14.März, drei Wochen vor seinem 89.Geburtstag, starb Tony Benn, der seit vier Jahrzehnten die Galionsfigur der antikapitalistischen Linken in der britischen Labour Party war.

Zur Person 1. März 2014

Gerlef Gleiss (1954–2014)

Nachruf

vonTheresia Degener

Als am 5.Februar 2014 Gerlef Gleiss starb, verlor die deutsche Behindertenbewegung und die deutsche Linke einen der wichtigsten Querdenker in Sachen Behindertenpolitik und einen wunderbar warmherzigen, aufrichtigen und humorvollen Genossen.

Zur Person 1. Januar 2014

Dieter Hildebrandt (1927–2013) – Nachruf

Er war der Vater des Nachkriegskabaretts

von Paul B. Kleiser

Es gibt wenige Künstler in deutschen Landen, die das politische und kulturelle Leben über einen sehr langen Zeitraum so nachhaltig geprägt haben wie Dieter Hildebrandt. Mit seinen  Fernsehsendungen Notizen aus der Provinz und Der Scheibenwischer erreichte er ein Millionenpublikum, für das diese Sendungen Kultstatus erlangten. Für die deutsche Rechte, vor allem die CSU mit Franz Josef Strauß und Konsorten oder die hessische «Stahlhelmfraktion» unter Dregger, und natürlich für die Regierung des dünnhäutigen Helmut Kohl, wurde er zum Hassobjekt.

Geschichte 1. Dezember 2013

«Das Lagerthema ist die Kernfrage unserer Epoche»

Eine Ausstellung über den russischen Autor und Lagerchronisten Warlam Tichonowitsch Schalamow
von Jochen Gester

Noch bis zum 8.Dezember zeigt das Literaturhaus Berlin eine Ausstellung über den russischen Schriftsteller Warlam Schalamow, einen literarischen Chronisten des stalinistischen Lagersystems. Die Ausstellung schafft einen emotional bewegenden Zugang zur Biografie Schalamows, der dreimal verhaftet wurde und insgesamt 17 Jahre Lagerhaft durchstand. Parallel dazu werden zahlreiche Veranstaltungen mit Filmen und Lesungen zu Schalamow und Schriftstellerkollegen wie Alexander Solshenizyn, Jewgenija Ginzburg, Ossip Mandelstam, Boris Pasternak, Iwan Tschistjakow, Andrej Sacharow, Lew Kopelew und Heinrich Böll angeboten.

Zur Person 1. November 2013

Võ Nguyên Giáp 1911–2013

von Pierre Rousset

Am 4.Oktober starb in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi im Alter von 102 Jahren General Võ Nguyên Giáp. Seit den 30er Jahren antikolonialer und kommunistischer Aktivist, wurde er als militärisch-politischer Führer berühmt durch seine Rolle in der Schlacht von Diên Biên Phu, die das Ende des französischen Kolonialreichs einläutete. Neben Hô Chí Minh war Giáp der einzige international renommierte Führer der KP Vietnams.

Zur Person 1. November 2013

Der Funke zur Eigenmächtigkeit

Zum plötzlichen Tod von Lorenz Brandlmeier (1960–2013)
von Christiane Niesel und Angelika Prömm

Am 2.Oktober 2013 starb völlig unerwartet mit 53 Jahren Lorenz Brandlmeier. Er zog 1990 aus Oberbayern nach Köln, ins Zentrum der Kunst und Musik und der damals für ihn viel versprechenden Vereinigten Sozialistischen Partei, VSP.

Zur Person 1. Oktober 2013

„Unser Leben ist der Mord durch Arbeit“

Zu Georg Büchners 200. Geburtstag
von Paul B. Kleiser

Im 19.Jahrhundert gibt es nach 1815 in der deutschen Literatur niemanden, der Büchner sowohl in der Radikalität seiner Ansichten und Poetik wie der Tiefe seiner Philosophie gleichkäme. Daher hat es unzählige Versuche gegeben, dem revolutionären Büchner’schen Werk den Zahn zu ziehen und es als „poetischen Realismus“, als „existentialistisch“ oder geschichtsfatalistisch zu deuten.

Musik 1. September 2013

War Richard Wagner ein Antisemit?

oder: Wenn der Sack geschlagen und der Esel gemeint wird
von Paul B. Kleiser

Richard Wagner, dessen 200.Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, war bekanntlich der Lieblingskomponist von Hitler. Bis 1939 pilgerte dieser jedes Jahr auf den Grünen Hügel nach Bayreuth, um dort von den Wagnerianern, allen voran Winifred Wagner, empfangen zu werden. Noch in ihren späten Jahren, so in einem Film von H.-J.Syberberg, bekannte sich Winifred ziemlich offen zu ihrer Nazi-«Vergangenheit». Doch macht die Verbindung von Drittem Reich und Wagner sein Werk für alle Zeit ungenießbar, wie immer wieder behauptet wird.

Zur Person 5. Juli 2013

Die Unseren

Werner Wachner (17.Juli 1961–15.Mai 2013)
von Peter Berens

Unser Freund und Genosse Werner ist am 15.Mai im Alter von nur 51 Jahren verstorben. Er war seit mehreren Jahren schwer erkrankt, zuletzt an Lungenkrebs. Geboren in Dinslaken, wurde Werner 1977 zunächst als Juso aktiv. Als Azubi zum Stahlbauschlosser bei der MAN-Gute Hoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade trat er 1979 der Gruppe Internationale Marxisten (GIM) bei. In den 80er Jahren prägten ihn die Anti-Atom- und die Friedensbewegung, die Streiks der Stahl- und Metallarbeiter für die 35-Stunden-Woche und Ende 1987/Anfang 1988 der Kampf gegen die Schließung von Krupp in Rheinhausen.

Zur Person 2. März 2013

Das denkende Herz

Vor 25 Jahren starb Rose Ausländer
von Peter Fisch

Die Vielvölkerstadt Czernowitz, Hauptstadt der Bukowina, am östlichsten Rand der versunkenen Habsburgermonarchie gelegen und heute zur Ukraine gehörend, wurde 1901 der Geburtsort der Rosalie Beatrice Ruth Scherzer. Fast das ganze 20.Jahrhundert umschließt das Leben der deutsch-jüdischen Dichterin: zwei Weltkriege, Flucht und Vertreibung, Shoah und Exil. Sie wurde zur Nomadin, die, nach dem Verlust der Heimat, zwischen Europa und Amerika unentwegt pendelte.

Zur Person 8. Januar 2013

Kommt eine Münzenberg-Renaissance?

Eindrücke einer Arbeitstagung in Berlin
von Raimund Waligora

Nach der Arbeitstagung, die am 12./13.Oktober 2012 im Willi-Münzenberg-Saal des ehemaligen ND-Gebäudes in Berlin stattfand, kann man dies durchaus vermuten.*
Münzenberg, 1889 in Erfurt in ärmlichste Verhältnisse hineingeboren, wurde bald zu dem journalistisch-propagandistischen Organisationsgenie der deutschen kommunistischen und auch internationalen Arbeiterbewegung.

Umwelt 11. Dezember 2012

Barry Commoner (1917–2012)

Pionier des Ökosozialismus
von Daniel Tanuro

Am 30.September starb im Alter von 95 Jahren Barry Commoner. Von Beruf Biologe, Professor für Pflanzenphysiologie, war er vor allem an der globalen Funktionsweise von Ökosystemen interessiert.
An der Washingtoner Universität, an der Commoner lehrte, gründete er 1966 das «Zentrum für die Biologie natürlicher Systeme». Zuvor war er Ende der 50er Jahre wegen seiner Ablehnung der Atomkraft, insbesondere der oberirdischen Atomwaffenversuche, bekannt geworden.

Kolumne Ingo Schmidt 3. November 2012

Peer Steinbrück im Kostüm Hilferdings

von Ingo Schmidt
Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten. Ein Mann aus gutem Hause. Der Vater Architekt, Urgroßonkel Adalbert Delbrück Mitbegründer der Deutschen Bank, Onkel Ernst Präsident des Statistischen Reichsamts. Peer setzt die elitäre Familientradition im Staatsapparat fort.

Sozialismus 3. November 2012

Eric Hobsbawm 1917–2012

Wegbereiter des Eurokommunismus
von Harley Filben
Die bürgerliche Presse fand viele warme Worte für ihn, ihr galt er bis zu seinem Tode als ein reueloser Marxist. Seine Bindung an die Sache des Kommunismus war komplizierter, aber sicher hing er subjektiv zäh an der Bewegung, die zwei Jahrzehnte vor ihm gestorben ist. Das lag an den Umständen, die ihn zur Bewegung führten.
Musik 3. November 2012

Zum 50.Todestag von Hanns Eisler

„…der Karl Marx des Kommunismus auf musikalischem Gebiet…“

von Peter Fisch

„Viele versuchten umsonst, das Freudigste freudig zu sagen,/

Hier spricht endlich es mir, hier in der Trauer sich aus.“

Am 26.März 1948 endete das fast achtjährige Exil Hanns Eislers in den USA, keineswegs freiwillig, sondern erzwungen. Er wurde politisch verfolgt und des Landes verwiesen: ein Opfer der antikommunistischen Hysterie in den USA im beginnenden Kalten Krieg.

Zur Person 1. Oktober 2012

Christa Eckes 1950–2012

von Freundinnen und Freunden aus der Zeit in der RAF

Am 23.Mai 2012 ist Christa Eckes in ihrem Wohnort Karlsruhe gestorben, 62 Jahre alt. Die Leukämie-Erkrankung konnte trotz vieler Mühen und Hoffnung nicht mehr behandelt werden.

Zur Person 1. Oktober 2012

Neville Alexander 1936–2012

Neville Alexander, der südafrikanische Revolutionär, Erzieher und Linguist, starb am 27.August nach langem Kampf gegen den Krebs in Kapstadt.

Zur Person 1. Oktober 2012

Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

Den Fortschritt bremsen!
von Paul Kleiser

Im Unterschied zu den meisten bedeutenden Denkern der Aufklärung, die von der Annahme ausgingen, die Ausweitung von Handel und Gewerbe (und damit der Aufstieg der Bourgeoisie) würde für die Menschheit zu wirtschaftlichem und politischem Fortschritt führen (eine Weltsicht, die unsere Neoliberalen bis heute verfechten), vertrat Rousseau ein weit pessimistischeres Geschichtsbild.

Zur Person 3. September 2012

Heinz Lohmar 1900–1976

Sein politisches und künstlerisches Wirken

von Peter Fisch

«Aber ich möchte mir erlauben, Ihnen
für all das, was Sie für mich getan
haben zu danken.»

Zur Person 3. September 2012

Zum Tode von Robert Kurz (1943–2012)

von Ingo Schmidt

Robert Kurz ist mit Kaltem Krieg, Wirtschaftswunder und Adenauer-Staat groß geworden. Wie vielen anderen seiner Generation waren ihm die Widersprüche zwischen demokratischem Anspruch und verdrängter Nazivergangenheit, zwischen Freiheitsideologie und technokratischer Wirtschaftsförderung Grund genug, nach Alternativen zu suchen.

Zur Person 1. Juli 2012

Vor zwanzig Jahren starb Marlene Dietrich

von Peter Fisch

Vor 20 Jahren, am 6.Mai 1992, starb Marlene Dietrich, dereinst die betörende Hollywood-Diva, die mit dem Film „Der blaue Engel“ ihre Karriere begonnen hatte und nach dem Krieg, bis zu ihrem Tod, in Paris lebte.

Amerika 1. Juli 2012

Ein sympathischer Radikaler

Der peruanische Revolutionär Hugo Blanco

von Gert Eisenbürger

Der Mann ist eine lebende Legende. Diese bei einem Menschen mit einem beeindruckenden Lebenswerk gern genutzte Floskel geht jedoch am Kern dessen vorbei, was Hugo Blanco, geboren 1934, auszeichnet.

Amerika 1. Juli 2012

Tomás Borge (1930–2012)

Comandante der Revolution (FSLN)

von Matthias Schindler

Am 30.April 2012 starb Tomás Borge. Im Alter von 81 Jahren erlag der nicht unumstrittene Revolutionär und spätere Innenminister im Militärhospital der nicaraguanischen Hauptstadt Managua einem Lungenleiden.

Zur Person 1. Juli 2012

Alan Turing, 1912–1954

«Der Einser, der eine Null wurde…»
von Rolf Euler

Dies Jahr ist Alan-Turing-Jahr. Dem berühmten Denker und Praktiker der Computerentwicklung, der am 23 Juni 1912 geboren wurde, ist aus verschiedenen Gründen ein ganzes Jahr gewidmet.

Geschichte 1. Juli 2012

Kriwoschein und Guderian

Gedanken zu einem Bild
von Werner Abel

Der in SoZ 6/2012 abgedruckte, höchst notwendige und informative Artikel von Kamil Majchrzak, den die junge Welt als Leserbrief nicht veröffentlichen konnte oder wollte, ist mit zwei Bildern illustriert, die eine der abstoßendsten Facetten des Stalinismus zeigen, nämlich sein zeitweiliges Zusammenspiel mit dem Nationalsozialismus, das nicht nur eine verheerende Auswirkung auf die internationale kommunistische Bewegung hatte, sondern auch zur Liquidierung des polnischen Staates führte.

Zur Person 1. Juli 2012

Carlos Fuentes (1928–2012)

Die Vision des mexikanischen Schriftstellers
von Alejandro Martínez Pacheco

«Ich sah, was (politische) Macht ist: ein Tigerblick, der dich einschüchtert und dir Angst und Schamgefühle macht.»

Am 15.Mai 2012 starb der mexikanische Autor Carlos Fuentes im Alter von 83 Jahren in Mexiko-Stadt.

Zur Person 1. Juni 2012

Ernesto Kroch, 1917–2012

Arbeiter und Widerstandskämpfer gegen mehrere Diktaturen

von Gert Eisenbürger

Ich traf Ernesto zum ersten Mal 1990 in Montevideo. Im Gepäck hatte ich seine Autobiographie «Exil in der Heimat – Heim ins Exil». Durch sie hatte ich Einiges über seine Geschichte erfahren:

Geschichte 1. Juni 2012

Essen 1952: «Feuer frei!»

Philipp Müller – erstes Todesopfer der BRD-Repression

von Arno Klönne

Die damals in Hamburg erscheinende Tageszeitung Die Welt meldete am 12.Mai 1952 in großer Aufmachung:»Getarnte FDJ schießt auf Polizei in Essen. Demonstration gegen Generalvertrag. Ein Toter und zahlreiche Verletzte.»

Zur Person 1. Juni 2012

Leben und Tod des Jakob van Hoddis

von Peter Fisch

Es scheint eine Widersinnigkeit zu sein. Jakob van Hoddis (eigentlich Hans Davidsohn) gehört zu den großen, aber weitgehend unbekannten Berühmtheiten der deutschen Literatur jüdischer Herkunft.

Zur Person 2. April 2012

Jakob Moneta 11.11.1914–3.3.2012

von Angela Klein

Jakob wollte 100 Jahre alt werden. Das hat er nicht ganz geschafft, er ist „nur“ 97 geworden, doch bis zum Schluss bei klarem Bewusstsein. Noch auf der Geburtstagsfeier zu seinem 85.Lebensjahr in der Bildungsstätte der NGG in Oberreifenberg zeigte er sich überzeugt, er werde den Sozialismus noch erleben. Da schüttelten wir schon den Kopf…

Nur Online 2. April 2012

Jakob Moneta. Nachrufe.

Der sozialistische Journalist und Gewerkschafter Jakob Moneta ist tot.
Wir dokumentieren die Nachrufe.

Nur Online 17. Januar 2012

Mach es gut, Freund und Genosse!

Seiten zum Tode Klemens Alff

Nachruf von Jürgen Noffz, Redaktion von „scharf-links“

Nachruf auf sozialismus.info

Nachruf Die Linke Bremen

Nachruf von Jürgen Roth Arbeitermacht

Nachruf der AKL Antikapitalistische Linke

Artikel der AKL Bremen

Nachruf von Siggi Seidel in Der Funke Nr. 85:

Mach es gut, Freund und Genosse!

Am 30. November 2011 ist Klemens Alff, ein Freund und Genosse, nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Zur Person 1. Januar 2012

Klemens Alff, 1955–2011

Am 30.November ist unser Freund und Genosse Klemens Alff in Bremen gestorben. Wir verlieren einen freundlichen, heiteren Menschen, der in der Lage war, auf andere zuzugehen und unterschiedliche Milieus miteinander zu verbinden. Sein Tod ist ein großer Verlust für uns.

Die Redaktion

Nachstehend Auszüge aus der Trauerrede von Klemens’ Schwester, Susanne Alff-Petersen.

Zur Person 1. Januar 2012

«Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht…»

Zum Tode von Christa Wolf

von Peter Fisch

Christa Wolfs Leben kann exemplarisch als die Biografie einer deutschen Intellektuellen in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts gelesen werden, mit all ihren Hoffnungen, Widersprüchen, Brüchen und Verwerfungen. 1929 in Landsberg an der Warthe (im heutigen Polen) geboren, erlebte sie ihre Kindheit im Nationalsozialismus.

Zur Person 30. Dezember 2011

Uwe-Jens Heuer (1927–2011)

Nachruf

von Manuel Kellner

Am 22.Oktober ist Uwe-Jens Heuer mit 84 Jahren gestorben. Mitglied der Partei DIE LINKE und des Marxistischen Forums, war er ein streitbarer Genosse, der gegen linke Anpassungstendenzen anging und den Dialog unter sozialistischen und kommunistischen Linken verschiedener Denktraditionen förderte. Er war auch sehr herzlich. Der Soziologe Volker Gransow schrieb ihm 2003 treffend den «Charme eines noch immer jungenhaften sozialistischen Ideologen» zu.

Musik 8. November 2011

«Le Temps des Cerises» oder: Mein Opa war Weber und Tenor

Die Chansonsängerin Blandine Bonjour

Blandine Bonjour und Bernd Köhler veredelten am 8.Oktober 2011 die 25-Jahr-Feier der SoZ mit Liedern von der Pariser Kommune und anlässlich des 140.Jahrestags der blutigen Niederschlagung der Kommune. Besonders Blandine berührte das Publikum, wenn sie über den Hintergrund und die Geschichte der einzelnen Lieder sprach. Inspiriert von den «Chansons sans cigare» die sie uns präsentierten, wollten wir Blandine die Gelegenheit geben, uns mehr von ihr zu erzählen.

Zur Person 3. Oktober 2011

Einer, der Geschichte schrieb

Hans-Werner Krauß (1944–2011)

Am 9.September 2011 haben wir unseren Freund und Weggefährten Hans-Werner Krauss verloren.

Hans-Werner hat für uns Geschichte geschrieben. Um diese Aussage zu verstehen, muss man sich in die Jahre der Auseinandersetzungen in der chemischen Industrie zurückversetzen. In den 60er/70er-Jahren war die Industriegewerkschaft Chemie Papier Keramik (heute IG BCE) auf dem linken Flügel innerhalb des DGB angesiedelt. Es gab – sicher auch beeinflusst durch die 68er-Proteste – haupt- und ehrenamtliche Funktionäre, die in den Betrieben etwas bewegen wollten, vom Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ausgingen und auch gesellschaftspolitisch und international für eine bessere Welt eintraten.

Zur Person 1. September 2011

Das richtige Bewusstsein und die sozialistische Demokratie

Vor vierzig Jahren starb Georg Lukács (1885–1971)

von Jürgen Meier

Als der Schriftsteller Tibor Déry vor vierzig Jahren am Grab seines Freundes Georg Lukács stand, wandte er sich mit der folgenden Frage an die große Schar der Trauergäste: «Was war es, was uns für seine Arbeit und seine Persönlichkeit gleichermaßen einnahm? In einem Wort zusammengefasst möchte ich sagen: seine Liebe zum Menschen.»

Bedenkt man, dass Lukács, wie Déry in seiner Trauerrede sagte, zwar «bescheiden im Umgang mit Menschen» war, aber «unbarmherzig im Verkehr mit Ideen», so zeigt sich diese Liebe zum Menschen bei Lukács in einer Art Differenzierung zwischen dem einzelnen Alltagsmenschen und dessen Bewusstsein und dem gesellschaftlichen Sein.

Musik 2. April 2011

El Cimarrón

Zum 85.Geburtstag von Hans Werner Henze

Zu Ehren des 85-jährigen Hans Werner Henze veranstaltete die Werkstatt des Berliner Schillertheaters zu Beginn dieses Jahres einen Zyklus von Aufführungen seiner Komposition «El Cimarrón». Das Stück gilt als eindrucksvolles Beispiel für eine zeitgenössische Weiterentwicklung politisch engagierter Musik und wird seit Jahrzehnten immer wieder neu arrangiert.

Zur Person 2. Februar 2011

Hanna Behrend (1922–2010)

von Gisela Notz

„Ich stelle mir vor, dass sich meine Oma am 30.November 2010 plötzlich an einem warmen Frühsommertag wiederfindet. Schmerzfrei und gut zu Fuß begibt sie sich einen kleinen Weg entlang und hinter einer Kurve steht mein Opa, wie er immer da stand, das Kinn leicht nach oben, als wolle er in den Himmel schauen und wartet. Er bemerkt sie, macht eine kleine Handbewegung und alle die Haustiere, die schon bei ihm sind, kommen herbei. Meine Oma lächelt ihn an. Er sagt: «Da bist du ja.» Und sie sagt: «Ich habe alles geregelt, sie trauern, aber es geht ihnen bald wieder gut. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen mich in guter Erinnerung behalten; an dich haben sie sich auch immer erinnert.» Dann machen sie mit den Hunden und Katzen einen Spaziergang.“
Katharina Gruhle, Berlin, 1.12.2010

Zur Person 2. Februar 2011

Peter O. Chotjewitz, 1934–2010

Jedem Trend zum Trotz
von Jörg Sundermeier

Am 15.Dezember ist Peter O. Chotjewitz gestorben. Einer der letzten Großen der Nachkriegsliteratur ist damit tot, und einer ihrer vielseitigsten Autoren, vielleicht der vielseitigste von ihnen allen.

Zur Person 3. November 2010

Walter Benjamin (1892–1940)

«Über den Begriff der Geschichte»
Band 19 der Kritischen Gesamtausgabe* erschienen
von Helmut Dahmer

Zum 70.Todestag von Walter Benjamin hat der Suhrkamp Verlag eine kritische Edition der Thesen Über den Begriff der Geschichte herausgegeben. Sie umfasst die sechs verschiedenen Versionen der Thesen samt Faksimiles, Entwürfen und Briefen sowie einen 200 Seiten starken Kommentar.

Zur Person 3. Oktober 2010

Moshe Lewin (1921–2010)

Historiker des «sowjetischen Jahrhunderts»
von Alain Gresh

Am 14.August 2010 starb in Paris der Historiker und Kritiker der Sowjetunion Moshe Lewin. Geboren 1921 in Vilnius, das damals unter polnischer Kontrolle stand, wuchs er in einer jüdischen Familie auf und war sehr jung der antisemitischen Verfolgung ausgesetzt.

Er schloss sich einer linkszionistischen Jugendorganisation an, musste aber bei der Ankunft der Nazi-Armee im Juni 1941 fliehen und wurde von Soldaten der Roten Armee gerettet, die sich vor dem deutschen Vormarsch zurückzogen.

Zur Person 1. September 2010

In Teufels Namen

Fritz Teufel 1943–2010
von Markus Mohr

Er war der personifizierte Widerspruch zur herrschenden Ordnung und die deutsche Justiz hat sich dafür bitter an ihm gerächt.

Zur Person 1. Juli 2010

Good bye Archie

Joachim «Archie» Kuhnke,
14.7.1947 – 8.6.2010

von Willi Hajek

Die Diagnose der Ärzte im Dezember war eindeutig. Der Kampf gegen den Krebs ist nicht mehr zu gewinnen. Archi hat dieses «Urteil» akzeptiert und ist sich auch seinem letzten Lebensabschnitt als rheinische Frohnatur treu geblieben. Angehörige, FreundInnen und politische Weggefährten haben ihn bis zuletzt begleitet. Am 8.Juni starb er im Hospiz des Krankenhauses Havelhöhe in Berlin.

Zur Person 1. Juli 2010

Adeus, Saramago

Variationen über eine moderne Apokalypse
von Francesca Borrelli

«Es gibt solche, die schreiben, um den Tod fernzuhalten», meinte einmal der portugiesische Dichter José Saramago, «ich tue es, um den Anderen kennenzulernen».
Saramago war 87 Jahre alt und an Leukämie erkrankt. Der Tod ereilte ihn auf Lanzarote, wohin er nach dem Streit um die Veröffentlichung seines Buches Das Evangelium nach Jesus Christus gezogen war.

Zur Person 23. Mai 2010

Wir trauern um Anna Walentynowicz

80 Jahre alt und welch ein Leben!
von Willi Hajek

Anna Walentynowicz gehörte zu den Menschen, die bei dem Flugzeugabsturz in der Nähe von Katyn am 10.April 2010 ihr Leben verloren.

Zur Person 6. Februar 2010

Daniel Bensaïd (1946–2010)

von Tariq Ali

Daniel Bensaïd, der am 12.1.2010 mit 63 Jahren gestorben ist, war einer der talentiertesten marxistischen Intellektuellen seiner Generation.

Zur Person 6. Februar 2010

Jörg Huffschmid (1940–2009)

Nachruf
von Ingo Schmidt

Im Kampf für soziale Gerechtigkeit war Jörg Huffschmid unermüdlich. Seinen Kampf mit dem Krebs hat er verloren. Am 5.Dezember ist er an den Folgen der Krankheit gestorben.

Zur Person 6. Februar 2010

Willie Mitchell (1928–2010)

Tod einer Soullegende
von Lothar A. Heinrich

Am 5.Januar erlag Willie Mitchell in Memphis einem Herzstillstand. Er war 81 Jahre alt und ist zu einer Legende der Soulmusik geworden.

Zur Person 6. Februar 2010

Alfred Hrdlicka (1928–2009)

Die Kunst bleibt politisch
von Trautl Brandstaller
Alfred Hrdlicka, gestorben am 5.12.2009, war einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er war daneben auch Zeichner, Maler, Grafiker und Schriftsteller. «Ein erratischer Block, der ihn an die Figuren der Ersten Republik, an die große Zeit des Roten Wien erinnert», so hat Elias Canetti einmal Alfred Hrdlicka beschrieben.

Zur Person 26. Dezember 2009

Wir trauern um Willi Scherer

13.Dezember 1921–2.November 2009
Wir trauern mit der Familie und vielen Menschen in der Arbeiterbewegung, in sozialistischen Organisationen und in der Gewerkschaft um einen Weggefährten in langen Jahren sozialistischer Arbeit, unermüdlicher Aufklärung und tätiger Veränderung der Verhältnisse. Wir verdanken Willi Scherer eine stetige Diskussion um alle wichtigen Probleme der Arbeiterbewegung, die Mitarbeit bis ins hohe Alter an unserer Zeitung und an vielen Projekten über seine Heimatstadt Gelsenkirchen hinaus.

Zur Person 26. Dezember 2009

John Brown (1800–1859)

Eine Geißel der weißen Vorherrschaft
von Terry Bisson

Vor 150 Jahren, am 16.Oktober 1859, führte der weiße Abolitionist John Brown als Anführer einer aus 19 Schwarzen und Weißen bestehenden Guerillagruppe einen Angriff auf ein Waffenarsenal der US-Armee in Harpers Ferry (Virginia) durch. Der Anschlag scheiterte; Brown wurde gefangengenommen, hingerichtet und — zusammen mit zehn seiner Männer, die bei der Aktion getötet worden waren, darunter einer seiner Söhne — auf seiner Farm in North Elba, New York, beigesetzt. Militärisch war Browns Aktion ein Fehlschlag.