Filmfestival Locarno 2018
Drei Filme im Fokus
von Kurt Hofmann
Carlo Chatrian, der 2020 die Leitung der Berlinale übernimmt, hat 2018 ein letztes Mal als Direktor das Festival von Locarno programmiert und dabei einmal mehr gezeigt, wie Qualität ermöglicht wird: durch Verzicht auf faule Kompromisse.
Crossing Europe 2018
Abseits der Klischees
von Kurt Hofmann
Das Festival «Crossing Europe» in Linz an der Donau präsentierte in diesem Jahr abermals Filme außerhalb des «Eurofilm»-Einheitsbreis, ästhetisch anspruchsvoll und nachfragend in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten. Auf der Leinwand zu sehen war: ein Europa abseits der Klischees.
Zur Diagonale 2018
Am Puls der Zeit
von Kurt Hofmann
Die Diagonale, das Festival des Österreichischen Films, zeigte sich im dritten Jahr der Intendanz Höglinger/Schernhuber politisch wach und blieb in der Auswahl der Filme am Puls der Zeit.
Das wichtigste Werk der documenta 14
“The most important piece at documenta 14 in Kassel is not an artwork. It’s evidence.”*
von Serdar Kazak
Es ist nicht von der Hand zu weisen: Bei dem auf der documenta präsentierten Stück des Forschungsinstituts Forensic Architecture der Londoner Goldsmith University handelt es sich nicht um ein Kunstwerk, sondern um einen forensischen Beweis. Wenigstens hatten die Macher am Anfang nicht vor, ein Kunstwerk zu schaffen. Sie hatten den Auftrag, die existierenden Beweise zum neunten NSU-Mord in Kassel zu analysieren und Klarheit über die staatliche Unterstützung und Verwicklung in den Mord herzustellen.
Filmtipp: Comrade where are you today?
Deutschland/Finnland 2016, Regie: Kirsi Liimatainen; Ilanga Films, auf DVD
von Rolf Euler
Über junge Linke und Revolutionäre, ihre großen Träume von Gerechtigkeit und Solidarität und was aus ihnen geworden ist – diesen Dokumentarfilm von einer jungen Finnin, die dabei war, empfehle ich gern.
Kirsi Liimatainen verbringt als aufrührerische Arbeiterjugendliche mit vielen anderen zusammen Ende der 80er Jahre ein Studienjahr in der DDR auf der FDJ-Schule am Bogensee nahe Berlin.
„Der junge Karl Marx“
Gesehen und genehmigt
von Manuel Kellner
Ein Spielfilm über Karl Marx in den Jahren 1843–1848, im Exil in Paris, Brüssel und London, das ist schon etwas Besonderes. Manche Kritiken waren nicht eben überschwänglich, aber ich finde diesen Film des Regisseurs Raoul Peck gelungen. Als ich ihn mir zum ersten Mal angesehen hatte, waren Schulklassen im Saal – und gerade das ist gut so. In den meisten Kinos wurde „Der junge Karl Marx“ nur ein paar Tage gezeigt, und sehr bald ist er wohl ganz abgesetzt. Hoffentlich gibt es ihn dann bald als Konserve, und er sollte möglichst vielen jüngeren Leuten gezeigt werden, die dadurch angeregt werden könnten, mehr über Marx und von Marx zu lesen.
Krimitipp: Jerome Charyn: Winterwarnung
Deutsch von Sabine Schulz. Zürich: Diaphanes, 2017. 328 S., 24 Euro
von Udo Bonn
Erst Polizist, dann Polizeichef und dann Bürgermeister von New York: Isaac «Citizen» Sidel ist aufgestiegen, hat die Bronx vom Zugriff der Baumafia befreit und das Bildungsprogramm Merlin für arme Jugendliche durchgesetzt.
Und jetzt? Jetzt sitzt er im «weißen Gefängnis» fest, er ist POTUS, President of the United States,
Rebellisches Schlesien. Geschichten über soziale Kämpfe in Oberschlesien.
DVD von Dariusz Zalega. Polnisch mit Untertiteln
von Peter Nowak
Der Film stellt eine Region als Ort von Kämpfen und Streiks vor, die oft mit deutschnationalen Ansprüchen konnotiert ist.
Der Titel mag manche Linke irritieren. Denn wenn es um Schlesien geht, sind oft die Vertriebenenverbände nicht weit und deren Rebellion gegen die Anerkennung von historischen Tatsachen nach der Niederlage der Nazis ist manchen noch in schlechter Erinnerung. Doch darum geht in dem Film nicht.
Film: Moving Pictures, Großbritannien 2016
BBC Radio 4, www.bbc.co.uk/programmes/b07wpgjm, Regie: Leah Karibian
von Angela Huemer
Mitunter ist es notwendig, keinen Kinofilm oder Fernsehserie zu empfehlen, sondern etwas ganz anderes, weil man einfach so sehr begeistert davon ist. Dieses andere heißt Moving Pictures und ist eine Reihe von BBC Radio 4, dem wohl besten Radiosender der Welt.
Peter Brückner und die deutschen Verhältnisse
Aus dem Abseits, Deutschland 2015, Regie: Simon Brückner. (Der Film wurde am 29.8.2016 in 3sat ausgestrahlt.)
von Peter Nowak
Der Film Aus dem Abseits bringt uns einen linken Intellektuellen wieder näher, der zur Zielscheibe des Modell Deutschlands von Helmut Schmidt wurde.
Filmtipp: Hieronymus Bosch – Schöpfer der Teufel
Niederlande 2016, Regie: Pieter van Hujistee
von Angela Huemer
In den letzten Jahren gab es im Dokumentarfilmbereich fast so etwas wie einen Trend: Filme über Kunst, oder besser: Kunst und die Art ihrer Präsentation und Bewahrung. In Das große Museum blickte Johannes Holzhausen hinter die Kulissen des Kunsthistorischen Museums Wien, und der Doyen des «direct cinema» (ein puristisches Dokumentarfilmgenre), Frederick Wiseman, nahm sich die Londoner National Gallery im gleichnamigen Film vor.
Filmtipp: Tschick
Deutschland 2016, Regie: Fatih Akin
von Jan Schiffer
Tschick ist eine Verfilmung des gleichnamigen populären Jugendromans von Wolfgang Herrndorf, erschienen 2010 und mittlerweile Standardlektüre an Schulen und vielfach erfolgreich für das Theater adaptiert.