Filmtipp: Tomorrow
Frankreich 2015
von Angela Huemer
Der Einstieg in den Film bringt – auf zwar leicht gewöhnungsbedürftige Art und Weise, was auch an der deutschen Fassung liegen mag – sehr gut auf den Punkt, worum es geht: «Vor drei Jahren», sagt Mélanie Laurent, eine in Frankreich relativ bekannte Schauspielerin und Regisseurin des Films, den Zuschauern, «als ich gerade schwanger war, erzählte mir Cyril von einer Studie. Die Studie kam zu dem Schluss, dass mein Sohn in einer Welt aufwachsen würde, in der Nahrung, Wasser und Öl knapp sind.»
Filmtipp: Im märkischen Sand. Eine Webdoku, Deutschland 2016
Regie: Katalin Ambrus, Nina Mair und Matthias Neumann mit Bewegtbildern von Cosimo Miorelli.
Jederzeit verfügbar auf: www.imidoc.net
von Angela Huemer
«Am 23.April 1945 werden 127 italienische Zwangsarbeiter in einer Sandgrube erschossen. Das Massaker wird vergessen. Doch dann kehrt die Erinnerung zurück. Ein filmische Ausgrabung in Treuenbrietzen, Brandenburg.» Diese filmische Ausgrabung in insgesamt 24 kurzen Filmen nennt sich Webdoku, den Anstoss dazu gab Matthias Neumann, seines Zeichens Kameramann.
Filmtipp: Parchim International
Deutschland 2015, Regie: Stefan Eberlein und Manuel Fenn
von Angela Huemer
Flughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern: «Eins, drei, zwei» – der Chinese Jonathan Pang durchschneidet ein rotes Band und weist dann darauf hin, dass hier auch eine chinesische Fahne hängt. Jonathan Pang ist der Unternehmer und Investor, der dem Flughafen Schwerin-Parchim eine große Zukunft verleihen will.
Filmtipp: Zur Diagonale 2016
Festival des östrreichischen Films, Graz
von Kurt Hofmann
Österreich, das war in der gängigen Sprachregelung «das erste Opfer Hitlers» – bis zu Waldheim, dem geschichtsvergessenen Präsidenten. 1986, mit dem Beginn der Waldheim-Debatte, war es aus mit dem Opfermythos. Zwanzig Jahre danach: ein übersehenes «Jubiläum», befand zumindest die neue Intendanz der Diagonale.
Filmtipp: Heart of a Dog
USA 2015. Regie: Laurie Anderson
von Angela Huemer
Wenige Filme haben auf mich so einen Eindruck gemacht wie Home of the Brave, ein Film der Musikerin und Komponistin, Pionierin der elektronischen Musik, Dichterin, Bildhauerin und Fotografin Laurie Anderson von 1986. Damals war sie für mich vor allem die Musikerin, einige Jahre zuvor war ihr Lied «Oh Superman» in die Charts geraten und eine Weile war sie so etwas wie berühmt.
Filmtipp: Die Kommune
Dänemark 2015, Regie: Thomas Vinterberg
von Angela Huemer
Der Architekt Erik besichtigt mit seiner Familie, seiner Frau Anna und seiner vierzehnjährigen Tochter Freja das Haus, in dem er aufgewachsen ist. Er hat es soeben geerbt und klingt zufrieden, als er vom Makler vernimmt, dass er 1 Million Kronen dafür bekommen könnte, denn er arbeitet als Dozent, und Geld ist eher knapp. Um selber drin zu wohnen, wäre es doch viel zu groß, meint Erik. Und zu teuer. Doch seine Frau Anna und die Tochter Freja haben andere Pläne, sie überlisten Erik geradezu und beschließen dann, das große Haus mit anderen zu teilen, also eine Art Hausgemeinschaft, eine Kommune zu starten.
Makhdoumin oder die Dienstbotengesellschaft
Makhdoumin (A Maid for Each), Libanon/Frankreich/Norwegen 2016, Regie: Maher Abi Samra
von Peter Nowak
Eine Familie des gehobenen Mittelstands sitzt in einem Büro und blättert in Katalogen. Mal nimmt die Frau einen Zettel aus einer Klarsichtfolie und liest ihn genauer. Mal tuschelt die Frau mit ihrer Tochter und lacht. Man könnte denken, die Familie plant ihren Urlaub und sucht das passende Hotel. Doch auf dem Foto sind junge Frauen abgebildet und die Familie unterhält sich über ihre Gesichtszüge und stellt Mutmaßungen an, welche Frau freundlich und welche streng ist. Es ist eine Agentur für Arbeit in Beirut und die Familie sucht sich gerade ein neues Dienstmädchen aus.
Filmtipp: Hail, Caesar!
USA 2015, Regie: Joel und Ethan Coen
von Angela Huemer
Ein enger Beichtstuhl. Ein Mann beichtet, dass er es trotz bester Vorsätze doch ziemlich schwer findet, mit dem Rauchen aufzuhören. Kurz darauf sitzt derselbe Mann im Dunkeln in einem Auto. Für manche fängt der Tag früh an, sagt eine Stimme aus dem Off. Der Mann ist Eddie Mannix, Leiter des fiktiven Filmstudios Capitol. Es sind die frühen 50er Jahre.
Filmtipp: Anomalisa
USA 2015, Regie: Charlie Kaufman, Duke Johnson
von Angela Huemer
Dichte Wolken, die Sonne dringt leicht durch. All das von einem Flugzeugfenster aus gesehen. Dann sehen wir, wie ein Mann eben dies vom Flugzeugfenster aus betrachtet und werden daran erinnert, dass dies ein Animationsfilm ist. Trotzdem «fühlt» sich der Film von Anfang an eigenartig real an.
Filmtipp: Carol
USA/Großbritannien 2015. Mit Cate Blanchett, Rooney Mara. Regie: Todd Haynes
von Angela Huemer
Winter in New York. Noch besser, Vorweihnachtszeit. Und dazu noch im schönen Ambiente der 50er Jahre. Wir sind in einem der großen Kaufhäuser New Yorks. Mit dem Wunsch für schöne Feiertage werden dort rote Weihnachtsmannmützen an die Verkäuferinnen verteilt. Die junge Therese Belivet arbeitet hier in der Spielwarenabteilung.
Filmtipp: Mia madre, Italien 2015
mit Margherita Buy, John Turturro, Nanni Moretti, Regie: Nanni Moretti
von Angela Huemer
Arbeiter demonstrieren vor einer Fabrik: «Lavoro per tutti» fordern sie, «Arbeit für alle». Es ist keine reale Szene, ein Film wird gedreht. Die Regisseurin des Films ist Margherita, dargestellt von Margherita Buy. Man spürt sofort, dass sie unter Anspannung ist, nicht nur die Anspannung, die ihr die Regiearbeit abverlangt. Der Grund: Ihre Mutter liegt im Krankenhaus, jeden Tag ist sie bei ihr. Dazu kommt die Trennung von ihrem Partner, der zu allem Übel einer der Schauspieler ihres Films ist.
Filmtipp: Das Golddorf
Deutschland 2015, Regie: Carolin Genreith
von Angela Huemer
Drei Musiker stehen auf einer Bergspitze und spielen zünftig auf. Wir sehen Ansichten des Chiemgaus, eine der schönsten Gegenden Deutschlands und auch in Bayern ein Juwel, sozusagen Bilderbuchbayern, gepflegt, grün, geordnet und voller zufriedener Kühe.
Auch hier sind Flüchtlinge untergebracht. In einem ehemaligen Landgasthof. An der Rezeption werden sie registriert, nach ihrer Religion gefragt. Sie haben es gut getroffen, der Alltag ist beschaulich, die Menschen freundlich.