Krieg in der Zentralafrikanischen Republik und die EU-Militärintervention
Ethnisierung schafft Zerfall
von Bernard Schmid
Das Land drohte im Chaos zu versinken, aber das Machtkarussell war nicht defekt. Es drehte sich im Januar dieses Jahres gleich zweimal hintereinander: Am 10.Januar 2014 gab der seit knapp zehn Monaten amtierende «Übergangspräsident» der krisengeschüttelten Zentralafrikanischen Republik, Michel Djotodia, auf und warf das Handtuch.
Verfassungsreferendum in Tunesien
Verzicht auf die Scharia
von Bernard Schmid
Wenn alle feiern, darf man erwarten, dass Wichtiges unter den Tisch gekehrt wurde. So verhält es sich auch mit den Festlichkeiten zur Verabschiedung der neuen Verfassung und dem Antritt einer neuen (Übergangs-)Regierung in Tunesien. Die so gestiftete scheinbare Friede-Freude-Einstimmigkeit-Seligkeit droht, den revolutionären Impuls unter den Teppich zu kehren.
Verfassungsreferendum in Ägypten
Absage an die Muslimbrüder
von Bernard Schmid
Kommt nach der Kaiserin Sissi nun der Imperator Al-Sissi? Solche ironischen Wortspiele richtet die internationale Presse nun des öfteren an die ägyptische Politik. Ihr neuer starker Mann ist der frühere General – und seit dem 27.Januar zum Marschall beförderte – 59jährige Berufsmilitär Abdelfattah Al-Sissi. Er gilt als Kandidat für die Präsidentschaftswahl, die voraussichtlich im April dieses Jahres stattfinden soll.
Das Geschäft mit dem Boden
«Einer muss dabei verlieren»
von Gerhard Klas
Zum Thema Landgrabbing sind in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Bücher erschienen.
Vor knapp vier Jahren nahm die Finanzkrise in den USA mit dem Platzen der Immobilienblase ihren Anfang, und bis heute bestimmt sie die Politik der G20-Staaten. In Vergessenheit geraten ist hingegen die damalige Nahrungsmittelkrise, die zu weltweiten Hungerprotesten führte.
Dabei verursachen die neuen Trends in der Finanzwelt – die Milliardeninvestitionen in landwirtschaftliche Anbauflächen – weiter steigende Preise für Grundnahrungsmittel. «Landgrabbing», Landraub, wird dieses Phänomen von Kritikern genannt.
Der neue Kolonialismus
Was unterscheidet Landgrabbing von früheren Landnahmen?
von Angela Klein
Sie geben sich gern als die Retter der Welt. Sie bekämpfen den Hunger, schaffen Arbeitsplätze und wehren dem Klimawandel: die großen Agrarunternehmen und ihre Finanziers, Kapitalsammelstellen wie Investmentfonds, Agrarfonds, Pensionsfonds, Großbanken und -versicherungen mit den Spekulanten im Schlepptau.
Auf ihren Webseiten machen sie sich Sorgen um das Wachstum der Bevölkerung (laut UNO auf 9,2 Milliarden bis 2020) bei gleichzeitiger Abnahme der Verfügbarkeit von Ackerland (laut Deutsche Stiftung Weltbevölkerung von 0,45 Hektar pro Kopf 1960 auf 0,21 Hektar 2020). Freilich gehen sie dabei davon aus, dass die zunehmende Knappheit billigen Öls (Peak Oil) durch Agrosprit ersetzt werden muss (das nennen sie «Bio-Energie»), und dass die vor allem in Asien und Afrika anwachsende Bevölkerung dem westlichen Konsum-, und vor allem Fleischkonsummodell nacheifern wird und soll.
Großer Raubzug in Afrika
Erst holten sich die Weißen die Sklaven, dann Genussmittel und Rohstoffe, jetzt das Land
von Angela Klein
Afrika ist der begehrteste Kontinent für Landräuber. Seine großen Flächen angeblich ungenutzten Landes, seine Aufspaltung in 54 oft schwache Staaten (zum Vergleich: Südamerika ist mit etwas mehr als halb soviel Fläche in elf größere Staaten aufgeteilt), von denen etliche von autoritären und korrupten Diktatoren geführt werden, machen es wieder einmal zur leichten Beute. Dabei kommt die Gefahr nicht nur von außen, das unselige Erbe des Kolonialismus setzt sich auch von innen in neuem Gewand fort.
Seit dem Ende der weißen Herrschaft über Südafrika brechen burische Farmer wieder nach Norden auf. Die meisten führte es bislang in Nachbarländer wie Mosambik, Botswana oder Zambia – als Verwalter von Plantagen, Leiter von Bergwerken oder touristischen Einrichtungen.
Südafrika: Metallarbeitergewerkschaft NUMSA fordert Abkehr vom ANC
„Den ANC stürzen, wie die Apartheid gestürzt worden ist“
von Jochen Gester
Im Dezember 2013 fand eine Sonderkonferenz der südafrikanischen Metallarbeitergewerkschaft (NUMSA) statt, die einen Wendepunkt für die Arbeiterbewegung des Landes bedeuten kann.
Eritrea – ein Land im Abseits
Warum aus diesem Land so viele Flüchtlinge kommen
von Angela Huemer
Die Mehrzahl der Flüchtlinge, die Anfang Oktober 2013 vor Lampedusa starben, waren Eritreer. Das erst seit 1993 unabhängige Eritrea entgeht systematisch der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Die ehemaligen Kolonialmächte Italien und England schweigen geflissentlich über ihre Verbrechen dort, und Präsident Isaias Afwerki sorgt für eine rigorose Abschottung des Landes und die massive Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.
Tunesien: Generalstreik und Regierungsumbildung
Nach dem Mord an einem Oppositionspolitiker stellen sich die Muslimbrüder neu auf
von Bernard Schmid
Zum ersten Mal seit dem 26.Januar 1978 riefen die tunesischen Gewerkschaften am 8.Februar dieses Jahres zum Generalstreik auf. Dies hatte der Vorstand des Gewerkschaftsdachverbands UGTT kurzfristig zwei Tage zuvor beschlossen. Der Streikaufruf wurde äußerst massiv befolgt.
Frankreich führt Krieg in Mali
Die offizielle Begründung für die Militärintervention ist nicht sehr plausibel
von Bernard Schmid
Monate hindurch hatte die offizielle französische Politik erklärt, man müsse etwas in Mali tun, nachdem Dschihadisten die Nordhälfte des Landes besetzt hatten – Frankreich selbst werde aber auf keinen Fall die intervenierende Macht sein, die das Heft in der Hand hält. Mitte Juli hielt Laurent Fabius laut Figaro die Anwendung militärischer Gewalt in Mali für wahrscheinlich, man könne dabei jedoch nicht in der ersten Reihe stehen, weil man als frühere Kolonialmacht dazu ungeeignet sei und ein Eingreifen Frankreichs scharfe Gegenreaktionen hervorrufen könne.
Grobe Fahrlässigkeit auf allen Seiten
Bobby Marie zum Marikana-Massaker in Südafrika
Rolf Euler, selbst ehemaliger Bergmann, sprach in Frankfurt am Main mit Bobby Marie von der südafrikanischen Benchmarks-Stiftung über das Massaker bei der Mine Lonmin (siehe auch SoZ 9/2012).
IndustriALL zum Massaker an südafrikanischen Minenarbeitern
von Jochen Gester
«IndustriALL verurteilt wilde Morde bei der Lonmin-Mine in Südafrika», so kommentierte der neu gegründete internationale Dachverband der Industriegewerkschaften den blutigen Arbeitskonflikt in der Platinmine in Marikana. In der als Solidaritätserklärung ausgegebenen Stellungnahme werden die Morde an den streikenden Arbeitern bedauert, gleichzeitig aber auch ziemlich abstruse Behauptungen über die Gründe des Ausstands aufgestellt.