Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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1. Juni 2019

Versailles – der überforderte Frieden

Eine Last, an der wir heute noch tragen
von Paul B. Kleiser

Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C.H.Beck, 2018. 1531 S., 38 Euro

Die Konferenz von Paris und Versailles, die am 28.Juni 1919 mit einem umfangreichen Vertragswerk zu Ende ging, hat im 20.Jahrhundert weitreichende Auswirkungen gehabt. weiterlesen

1. Mai 2019

Rolf Geffken: Umgang mit dem Arbeitsrecht. Handbuch für Beschäftigte

Neuauflage und Altauflage in einem. 400 S., 26,80 Euro
von Michael Sankari

40 Jahre Erfahrung mit dem Arbeitsrecht – Um es gleich vorweg zu nehmen: wir können nur hoffen, dass das Buch von Rolf Geffken zum Standard in jedem Betriebsratsbüro und in jedem Buchregal betriebspolitisch interessierter und Organizer und Aktivisten wird. Wo wir es ganz sicher nicht finden werden, ist in den Stuben professioneller Konfliktabwickler, in den Büros der Versicherungen und den Schreibtischen des DGB-Rechtsschutz im Gewerkschaftshaus (sofern die nicht schon zum Call-Center umstrukturiert wurde) – nötig wäre es dort umso mehr. weiterlesen

1. Mai 2019

Winfried Wolf: Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt

Wien: Promedia, 2019. 216 S., 17,90 Euro
von Rolf Euler

Über den Titel des Buches stolpert man erstmal: Ist nicht gerade die Vermeidung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen und damit des CO2-Ausstoßes ein dringendes Ziel und müsste das nicht im Verkehr durch den Einsatz von elektrischen Antrieben geschehen? Wieso dann Sackgasse?
Der Autor Winfried Wolf ist seit Jahrzehnten als Kritiker der Autokonzerne und als Verteidiger des öffentlichen Verkehrs bekannt. Seine Untersuchung zu den technischen, gesellschaftlichen und Umweltfolgen des Elektroautos sind überzeugend dargelegt: Tatsächlich handelt es sich um den Versuch der Autokonzerne, aus allen Krisen des motorisierten Individualverkehrs heraus eine neue Stufe der profitorientierten Autoproduktion zu erreichen. weiterlesen

1. Mai 2019

Eine lesenswerte Studie zur deutschen Revolution

Axel Weipert: Die Zweite Revolution. Rätebewegung in Berlin 1919/1920
von mke

Berlin, Brandenburg: be.bra, 2015. 476 S., 32 Euro

Im Gegensatz zu dem, was der Titel ausdrückt, beschränkt sich die Studie nicht auf Berlin. Berlin war zwar der politische Mittelpunkt des deutschen Reichs und das Epizentrum der Arbeiter- und Soldatenrätebewegung, der Autor geht aber immer wieder auf Ereignisse in anderen Teilen Deutschlands ein. weiterlesen

1. April 2019

Die Arbeit des Körpers im Kapitalismus

Warum technischer Fortschritt schwere körperliche Arbeit nicht abschafft
von Johann-Friedrich Anders

Wolfgang Hien: Die Arbeit des Körpers. Eine ­kritische Arbeitsgeschichte von der Hochindustrialisierung in ­Deutschland und Österreich bis zur neoliberalen Gegenwart. Wien: Mandelbaum, 2018. 344 S., 25 Euro

Was passiert mit den Körpern und der Psyche der Arbeiterinnen und Arbeiter bei der Arbeit in der kapitalistisch verfassten Industrie und im Dienstleistungsgewerbe? Wie erleben sie den Arbeitsprozess? weiterlesen

1. April 2019

Die Zukunft ist Geschichte

Masha Gessen: Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und verlor. Berlin: Suhrkamp, 2019. 640 S., 26 Euro
von Paul B. Kleiser

Die besten Bücher über die untergegangene Sowjetunion und die postsowjetischen Erfahrungen stammen von Frauen. Das bekannteste Beispiel ist die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch und ihr Buch Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus. Oder aber die Bücher der erst 1967 geborenen Masha Gessen, deren neuestes Werk Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und verlor, gerade auf deutsch erschienen ist. weiterlesen

1. April 2019

Wider die Mainstream-Politik

Arn Strohmeyer: Wider den Mainstream. Plädoyers gegen Israels Palästina-Politik und den Antisemitismus-Vorwurf als politische Waffe. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2019. 261 S., 16,90 Euro
von Hermann Dierkes

Der Bremer Journalist Arn Strohmeyer analysiert und kommentiert seit vielen Jahren die politische Entwicklung im Nahen Osten und die völker- und menschenrechtswidrige Unterdrückung der Palästinenser. Dabei bildet das Verhältnis der deutschen Mainstream-Politik zu diesem Komplex den besonderen Schwerpunkt. weiterlesen

1. März 2019

Die «geistig-moralische Wende»…

… und die herrschende Leere im Konservatismus
von Paul B. Kleiser

Thomas Biebricher: Geistig-moralische Wende. Die Erschöpfung des deutschen Konservatismus. Berlin: Matthes & Seitz, 2018. 320 S., 28 Euro

Der Politologe Thomas Biebricher hat ein kluges Buch geschrieben, in dem nicht nur die Entwicklung der CDU seit Helmut Kohl analysiert wird, sondern auch die politischen Diskurse behandelt werden, die im Gefolge von 1968 von konservativer Seite verbreitet wurden. Er zeigt den inzwischen eingetretenen, weitgehenden Substanzverlust dieser politischen Richtung auf. Im Grunde sei nur noch die «schwarze Null» übrig geblieben. weiterlesen

1. Februar 2019

Krimitipp: Andrew Brown: Teuflische Saat

Berlin: btb, 2018. 415 S., 10 Euro
von Udo Bonn

«Mach schon, Lahmarsch», mit dieser spöttischen Aufforderung wird Gabriel Cockburn von seiner Frau zum Weiterlaufen angetrieben. Nicht unbedingt nett, aber noch weniger nett ist ihre Ankündigung, ihn wegen eines anderen Manns verlassen zu wollen. weiterlesen

1. Januar 2019

Anti-Geschichtsbuch: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Novemberrevolution

Klaus Dallmer: Die Meuterei auf der «Deutschland» 1918/19 – Anpassung, Aufbäumen und Untergang der ersten deutschen Arbeiterbewegung. Berlin: Die Buchmacherei, 2018. 320 S., 12 Euro
von Peter Nowak

«Lasst euch nicht verdrießen. Denn wir wissen absolut! Noske, der wird schießen.»
Dieses Spottlied auf einen berüchtigten SPD-Politiker, der für die Massaker an rebellischen Arbeitern nach der Novemberrevolution verantwortlich war, stammt bereits von 1907. Damals schon stand Gustav Noske auf dem rechten Flügel der SPD und war als Reichstagsabgeordneter Experte für Kolonialpolitik und Militärfragen. In dieser Funktion forderte er im Reichstag, Arbeitsplätze auf deutschen Schiffen sollten nur Deutschen vorbehalten sein, und erklärte, im Falle eines Angriffs würde die SPD Deutschland verteidigen. Zur gleichen Zeit, 1907, war Karl Liebknecht unter Anklage des Hochverrats wegen Verfassens antimilitaristischen Schriften zu einer eineinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden. weiterlesen

1. Januar 2019

Antisemitismus und Israelsolidarität

Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemitismus oder Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit. Frankfurt a.M.: Westend, 2018. 255 S., € 20
von Larissa Peiffer-Rüssmann

In Deutschland wird jede Kritik an der israelischen Politik umgehend mit dem Vorwurf des Antisemitismus geahndet. Trotzdem können wir angesichts des Unrechts, das den Palästinensern tagtäglich angetan wird, nicht schweigen und müssen uns gleichzeitig der deutsch-jüdischen Vergangenheit stellen. Moshe Zuckermann greift in seinem Buch die Widersprüche in diesem Konflikt auf und analysiert den Realitätsverlust gegenüber Israel. Er zeigt auf, wie das Gedenken an die Judenverfolgungen im Nationalsozialismus begrifflich instrumentalisiert und eine Auseinandersetzung mit der realen israelischen Politik verhindert wird. weiterlesen

1. Januar 2019

Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands

16.–20.Dezember 1918 ­Berlin – Stenografische Berichte. (Hrsg. Dieter Braeg, Ralf Hoffrogge.) Berlin: Die Buchmacherei, 2018. 618 S., 20 Euro
von Reiner Tosstorff

Protokoll des deutschen Rätekongresses

Mitte Dezember 1918, nur sechs Wochen nach dem Sturz des Kaiserreichs und der Proklamation der Republik, trat in Berlin im Abgeordnetenhaus, dem ehemaligen Scheinparlament der preußischen Monarchie, der Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte zusammen. Sein Ergebnis ist bekannt: Aufgrund der SPD-Mehrheit wurden Wahlen zur Nationalversammlung binnen vier Wochen zur Ablösung der Räteherrschaft beschlossen. Doch wäre es falsch, daraus einfach zu folgern, die Delegierten hätten nichts anderes als das direkte und unmittelbare Begräbnis der Revolution im Sinne gehabt. weiterlesen