›Wir wollen vom Verkauf unserer Produkte leben, nicht von Subventionen‹
Wirtschaftliche Perspektiven und Planungssicherheit gefordert
Gespräch mit Berit Thomsen (AbL)

Berit Thomsen ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL).
Die AbL ist eine Interessenvertretung für konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe. Mit Berit Thomsen sprach Gerhard Klas
Bauernproteste
Ein konservativer Aufstand
von Matthias Becker
Was wollen die Landwirte? Schwer zu sagen. Der Versuch der Bundesregierung, ihnen Subventionen und Steuervergünstigungen zu nehmen, hat sie auf die Straße getrieben, offensichtlich wehren sie sich gegen höhere Treibstoffkosten.
Von diesem kleinsten gemeinsamen Nenner abgesehen, bleibt die Stoßrichtung diffus.
Spekulantenland in Bauernhand
Steigende Bodenpreise stehen bäuerlicher Landwirtschaft entgegen
von Matthias Becker
Die Lukas-Stiftung ist eine Art Familienunternehmen. Allerdings handelt es sich bei dieser Familie um eine besondere, nämlich um einen Zweig der Familie Albrecht, den Besitzern des Aldi-Konzerns. Die Brüder Theo und Karl Albrecht brachten in den 1960er Jahren das Konzept Discounter nach Deutschland. Mit billigen Lebensmitteln wurden sie sagenhaft reich.
weiterlesenAckerboden wird wieder zu einem knappen Gut
Die Konkurrenten und die Gegenstrategien
von Matthias Becker
Noch wird etwa die Hälfte Deutschlands für Landwirtschaft genutzt. Laut Angaben des Thünen-Institut ist die landwirtschaftliche Fläche jedoch von 1992 bis 2021 um 7,4 Prozent geschrumpft. Pro Tag beträgt der durchschnittliche Verlust etwas mehr als 50 Hektar. Aus Äckern und Weideflächen werden Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete, aber auch die Waldfläche hat seit den 1990er Jahren zugenommen.
weiterlesenSchwierige Suche nach Alternativen
Einvernehmlich wird es kaum gehen, zu verschieden sind die Interessen
von Matthias Becker
Seit der Föderalismusreform 2006 sind die Bundesländer zuständig für den landwirtschaftlichen Grundstücksverkehr. Neue Agrarstrukturgesetze sind angekündigt, auch in den Koalitionsverträgen sämtlicher ostdeutscher Landesregierungen.
weiterlesenWasserstrategie der Bundesregierung
Wasserkrise, Klima und Landwirtschaft – Tiefgreifende Einschnitte sind erforderlich
von Bäuerin Paula Gioia von der AbL
Paula Gioia ist Imkerin und Bäuerin in einem Hofkollektiv in Brandenburg und Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sowie im Koordinationskomitee der Europäischen Koordination der internationale Bewegung La Via Campesina.
weiterlesenKenia
Klimapolitik gegen die Armen
Ein Gespräch mit David Otieno*
Die 2016 gegründete KPL ist eine Bewegung kenianischer Landwirte und Verbraucher, die sich für eine nachhaltige Agrarökologie und Ernährungssouveränität einsetzt. Sie ist Teil der internationalen Bewegung La Via Campesina. Abdruck des Interviews mit freundlicher Genehmigung aus dem Rundbrief 3/22 von medico international.
weiterlesenWir haben es satt!
Gutes Essen für alle statt Profite für wenige
dokumentiert
Aufruf zur Demonstration am 21.Januar 2023 in Berlin, 12 Uhr am Brandenburger Tor
Zusammenstehen für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft, für Klima-, Tier- und Umweltschutz, für globale Gerechtigkeit und gesundes Essen für alle.
Hunger ist eine Geldfrage
Das globale Ernährungssystem in der Vielfachkrise
von Matthias Becker
Alle Jahre wieder, wenn das Christkind wieder weg ist, findet in Berlin die Grüne Woche statt. Die landwirtschaftliche Leistungsschau wird von der Messe Berlin, dem Deutschen Bauernverband (DBV) und der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) organisiert. Für die Schulklassen der Hauptstadt ein beliebtes Ausflugsziel, für Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelbranche ein Pflichttermin: Die Grüne Woche ist eine der größten Agrarmessen überhaupt, mit der neuesten Technik und den neusten Produkten und Ausstellern aus der ganzen Welt.
weiterlesenDen Ausverkauf öffentlichen Bodens stoppen
Aktionsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert Transparenz bei der Verpachtung
von Dorothee Sterz
»Öffentliches Land nach öffentlichen Interessen verpachten«, so lautet die Grundidee der Gemeinwohlverpachtungskampagne der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Unter diesem Motto haben Bauern und Bäuerinnen am 25.November im ganzen Bundesgebiet vor den Rathäusern ihrer Kommunen für eine Reform in der Vergabe öffentlicher Flächen demonstriert.
Traktoren rollten in die Städte und Gemeinden, aber auch Enten, Mistgabeln und Schubkarren voll Gemüse zeigten Ziele und Ursprung der Forderungen.
Landwirte unter wachsendem Kostendruck – auch in Europa
Die Grüne Woche in Berlin hat eine lange Tradition, der Protest gegen sie mittlerweile auch
dokumentiert
Seit 2011 protestieren Landwirte, Tier- und Umweltschützer gegen die Dominanz der Lebensmittelkonzerne und Düngemittelhersteller und für eine »sozial-ökologische Transformation«. Die Trecker im Demonstrationszug zeigen, dass viele Bäuerinnen und Bauern ökologisch durchaus nachhaltig wirtschaften wollen. Der Bauernverband (DBV), der die Grüne Woche veranstaltet, setzt dagegen auf steigende Agrarexporte, übt den Schulterschluss mit der verarbeitenden Industrie und sperrt sich nach Kräften gegen ökologische Reformen.
weiterlesenTrockene Böden
An den Rand notiert
von Rolf Euler
»Jeden Morgen … geht die Sonne auf in der Wälder wundersamen Runde« – ein bekanntes Lied aus Die Mundorgel, der Text ist von Matthias Claudius, die Melodie von Karl Marx (dem Komponisten aus München). Vor vielen Jahren erinnerte mich auf dem Weg zur Frühschicht der Sonnenaufgang im Sommer über dem fernen Wald an dies Lied, und in diesen heißen Tagen geht mir erneut die Melodie nicht aus dem Kopf. Jetzt im Spätsommer mit dem Fahrrad durch die Felder erschrickt man über die Wirkung dieses sonnigen Sommers auf die Landschaft. Ob Ola Cällenius – um nur ein Beispiel zu nennen – das auch so sieht?
Der Mais ist geerntet, die Äcker bestehen aus reinem Sand, trocken und ohne die Spur von Feuchtigkeit. Auf den Weiden, die zum Teil mit Pferden oder Kühen belegt sind, sieht man braunes Gras, an dem die Tiere kauen. Wenn ein Trecker über die Felder fährt, zieht er eine riesige Staubwolke hinter sich her. Ab und zu werden Gemüsefelder beregnet. Ab und zu müht sich eine Buschreihe, ab und zu eine Baumgruppe durch die Hitze.
Vor der Stadt wurden von vorausschauend denkenden Stadtplanern vor über hundert Jahren wunderbare Baumalleen angelegt. Unter den Linden liegt so viel trockenes Laub, als ob Oktober wäre. Der Wassermangel erreicht nun auch die westdeutsche Landwirtschaft, die ostdeutschen Landwirte haben damit schon länger zu tun.
In den schon aus vergangenen Jahren durch Trockenheit geschädigten Wäldern, etwa des Sauerlands, sieht man die abgestorbenen Fichten. Dort, wo sie schon geschlagen und aus dem Wald geschafft wurden, sind braune Hänge mit kaum Aufwuchs. Die Sonne geht über der Wälder stark geschädigter Runde auf – aber von wundersam kann nicht die Rede sein, denn der Klimawandel hat uns nachhaltig erreicht.
Was hat das mit Ola Cällenius zu tun? Der ist als Nachfolger von Dieter Zetsche Vorstandsvorsitzender der Daimler AG. Als solcher vertritt er die Linie des Konzerns mit aller Schärfe: Einsparung von 1,4 Milliarden Euro Personalkosten bis Ende dieses Jahres. Wegfall der kleineren Wagenklassen bei Mercedes. Mehr große SUV- und E-Mobilität. »Auf die Luxusklasse konzentrieren« heißt: Autos für Millionäre. Das Manager Magazin schreibt: »Die Zahl der Dollar-Millionäre wird nach Schätzungen … bis 2025 auf 84 Millionen Menschen steigen … deshalb das Angebot im obersten ihrer drei Segmente mit Autos, die ab 100000 Euro aufwärts kosten.«
Ola Cällenius signalisiert: Die Wälder, die Trockenheit, die Probleme der Rohstoffgewinnung, die sozialen Kosten der Autogesellschaft gehen uns nichts an. Wir wollen mehr verdienen, wir (die Luxuskonsumenten) wollen weiter die Welt verbrauchen ohne Ende, ob mit Diesel- oder E-Fuel- oder E-Antrieb – da malt man sich »grün« und bedient die Reichen.
Ja, die Sonne geht jeden Morgen auch für diese Klasse auf. Der Wälder wundersame Runde leidet. Das Lied kommt uns nicht mehr so positiv wie vor 50 Jahren über die Lippen.