Konversion der Autoindustrie
Kein technisches Problem, sondern eine Machtfrage
Interview mit Lars Henriksson, Volvo/Schweden
Die Welt braucht weder Porsche noch Mercedes, stellte Uwe Mainhardt, 2.Bevollmächtigter der IG Metall in Stuttgart auf der Konferenz «Auto.Mobil.Krise» fest. Tatsächlich gibt es wenig Zweifel daran, dass die Autogesellschaft zu einem beträchtlichen Teil mitverantwortlich ist für den Klimawandel, der die Zukunft des gesamten Planeten bedroht. Lars Henriksson befasste sich auf der Konferenz mit den Möglichkeiten der Konversion. Mit ihm sprach Franz Mayer.
Ein Arbeiterzentrum für Leverkusen
Freiraum und Solidarität
Das Projekt «Wechselwirkung LEV»
Gespräch mit (ex-)Betriebsräten von Bayer Leverkusen
Ein Strukturmerkmal des gegenwärtigen Kapitalismus besteht darin, die Welt der Lohnabhängigen so auseinanderzureissen, dass getrennte Lebenswelten entstehen, unter denen die Kommunikation immer schwieriger wird. Auch der Einzelne ist viel stärker als früher Marktanforderungen ausgesetzt. In dem Maße, wie das gemeinsame Lohnarbeiterschicksal aus dem Blick gerät, wird auch die gemeinsame Organisierung erschwert.
Streik um Tarifvertrag bei Atlas, Bremen
«Lieber lass ich mich erschießen»
IG Metall ist nicht mehr Tarifpartei
von Jochen Gester
Die Bevölkerung im Großraum Bremen wurde in diesem Herbst Zeugin einer nicht alltäglichen sozialen Auseinandersetzung, bei der sich das Management des Kräne und Bagger produzierenden ehemaligen Traditionsunternehmens Atlas mit den Belegschaften seiner drei Niederlassungen in Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta angelegt hat.
Anté Ciliga: Im Land der verwirrenden Lüge
Die Buchmacherei, 304 S., 12 Euro
von Jochen Gester
Die Oktoberrevolution markierte einen historischen Einschnitt in der Geschichte der Arbeiterbewegung des 20. Jahrhunderts. Ihr Gelingen wurde in fast allen Strömungen der revolutionären Arbeiterbewegung mit Sympahie und großen Hoffnungen verfolgt. Und obwohl sich das stalinistische System zu einem Alptraum entwickelte, gaben viele Sozialisten die Hoffnung nicht auf, dass der Realsoz noch die Kraft zur Selbstkorrektur finden könnte.
Der reale geschichtliche Verlauf hat diese Hoffnungen eindrücklich widerlegt. Dies sollte auch Anlass sein, erneut über die Theorie des «bürokratisierten Arbeiterstaates» nachzudenken, die ja immer auf die Herausbildung einer revolutionären Fraktion in der Partei orientiert war. Einer der ersten Zeitzeugen der frühen Sowjetunion, der diese Strategie kritisierte und den konterrevolutionären Charakter des neuen Regimes erkannte, war der kroatische Kommunist Anté Ciliga, der die gesellschaftlichen Verhältnisse der Sowjetunion in der Zeit von 1926–35 kennen lernte und das Buch Im Land der verwirrenden Lüge schrieb.
Mehr als die Hälfe der Zeit verbrachte Ciliga in der Verbannung und in Lagern. Seine Erfahrungsberichte, die auch viele Gespräche sowohl mit den Größen der Partei als auch mit politischen Gefangenen oder einfachen Sowjetbürgern widergeben, beschreiben sein Interesse, das emanzipative Erbe des Marxismus gegen seine Entstellung zu verteidigen. Das 1939 zuerst in Französisch und 1953 in Deutsch erschienene Buch wurde jetzt neu herausgegeben.
Daniela Matijevic: Mit der Hölle hätte ich leben können
München: Wilhelm Heyne Verlag, 2010, 240 S., 18,80 Euro
von Paul B.Kleiser
Hinter dem Verlegenheitstitel verbirgt sich ein ebenso ungewöhnlicher wie unter die Haut gehender Erfahrungsbericht einer jungen Frau namens Daniela Matijevic über ihren dreimonatigen Kosovo-Einsatz als Sanitätssoldatin der Bundeswehr. Die Brutalität des Krieges hat sie so stark traumatisiert, dass sie bis heute – wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen, die im Auslandseinsatz waren – an einer «Posttraumatischen Belastungsstörung» (PTBS) leidet und berufsunfähig ist.
Das Buch ist auch ein Versuch, sich die täglichen Qualen von der Seele zu schreiben. Nach dem Abitur verpflichtete sich Frau Matijevic für vier Jahre (Z4) bei der Bundeswehr, weil sie hoffte, nach der Sanitätsausbildung ein Medizinstudium absolvieren zu können. Aufgrund ihrer serbokroatischen Sprachkenntnisse schickte man sie 1999, noch in der Ausbildung, in den Kosovo. Sie beschreibt die Bedingungen im Lager in Prizren: Die Bundeswehr war (im Gegensatz zu Niederländern und US-Amerikanern) offenbar noch nicht einmal in der Lage, ihre Soldaten ordentlich zu verpflegen, sodass sogar Straßenköter («laufende Döner») mit Genuss verspeist wurden.
Präzise beschreibt Matijevic das Grauen des Krieges: Zwei vor ihr laufende Mädchen treten auf eine Mine, es fliegen ihr die Körperteile um die Ohren. Oder: Mit viel Geduld kann sie einen Jungen überzeugen, gegen seinen Vergewaltiger auszusagen, wonach dieser den Jungen in ihrem Beisein mit einer Pistole erschießt. Die Empathie für das Leid der Kinder ist eine der Stärken des Buches. Es schildert auch den langen Weg durch die Ämter, die sie als Schwächling behandeln und ihre schwere Erkrankung bagatellisieren.
Arbeitskampf beim WDR
Maus mit Faust
Satirezeitung macht auf Missstände aufmerksam
Die freien Mitarbeiter des WDR – zumindest einige – mucken endlich auf: gegen Billiglohn, Programmverflachung und den neoliberalen Zeitgeist. Ausdruck verliehen haben sie ihrem Unmut mit einer gefälschten WDR-Zeitung, mit viel Witz, Ironie und Bissigkeit.
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Flüchtlinge boykottieren Essenspakete
Demonstration in Augsburg gegen unwürdige Lebensbedingungen
Am 11.November haben in Augsburg etwa 200 Asylbewerber, Flüchtlinge und deren Unterstützer für bessere Lebensbedingungen der Migranten demonstriert.
Vorsicht, Bürgerarbeit!
Gefährliches Hantieren in der Grauzone zwischen Arbeitsgelegenheit und prekärer Beschäftigung
von Harald Gatermann
Die 1-Euro-Jobs haben nichts gebracht, heißt es jetzt auffällig oft von offiziellen Stellen. Das Bundesarbeitsministerium bereitet deshalb längst die nächste Umdrehung vor: die «Bürgerarbeit».
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Berliner Wasser: Der Senat trickst weiter
Volksentscheid über geheime Wasserverträge am 13.Februar 2011
von Thomas Rudek
Mit über 320.000 Unterschriften konnte das Volksbegehren zur Offenlegung der Geheimverträge bei den teilprivatisierten Berliner Wasserbetrieben durchgesetzt werden.
Drei Bücher übers Wasser
* Petra Dobner, Wasserpolitik, Berlin: Suhrkamp, 2010
* Eric Orsenna, Die Zukunft des Wassers, München: C.H.Beck, 2010
* Ulrich Grober, Vom Wandern, Frankfurt/M.: Zweitausendeins, 2006
von Rolf Euler
Wer sich mit dem Wasser, seiner Verteilung, Nutzen und Schaden beschäftigen will, hatte diesen Sommer genug Anschauungsmaterial: Pakistan, zum großen Teil überschwemmt, doch in der riesigen Wassermasse fehlt vor allem: Wasser – Trinkwasser!
Zur Halbzeit unentschieden
Eine Zwischenbilanz der Programmdebatte der LINKEN
von Thies Gleiss
Seit neun Monaten widmet sich DIE LINKE ihrer Debatte um ein Grundsatzprogramm für die Partei, in zehn Monaten soll sie zum Abschluss kommen.
Kambodscha: Streiks in der Textilindustrie
Arbeiterinnen fordern existenzsichernde Mindestlöhne
von Lutz Getzschmann
In der asiatischen Textilindustrie scheinen sich die seit einiger Zeit immer wieder aufflammenden Streiks zu einem kontinentalen Kampfzyklus der Textilarbeiterinnen zu verdichten, Sie bestätigen damit die vor einigen Jahren von Beverly Silver in ihrer Studie Forces of Labor aufgestellte Devise: «Where capital goes, conflict goes».