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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Jura Soyfer: Lieder von der Erde und von den Menschen

Gesungen und gestaltet von Maren Rahmen & Rudi Görnet
von Dieter Braeg

Die Zeit bräuchte heute, Tag für Tag, politische Lyrik und genau der begegnet man nicht mehr in dieser Medienwelt, die nur noch Inhalte verbreitet, die die politische Bewusstlosigkeit der Bevölkerung bewahren oder sogar noch vertiefen. Neben den bekannten «Verdächtigen» ist da Bernd Köhler zu erwähnen, der mit seinen Liedern dem kritischen Bewusstsein auf die Sprünge hilft.

Es ist der vielseitigen und großartigen Maren Rahmann, Schauspielerin, Performerin, Sängerin/Musikerin zu verdanken, dass Sie zusammen mit Rudi Görnet zwölf Gedichte eines der wohl markantesten politischen Autoren im deutschsprachigen Raum, Jura Soyfer, geboren 1912 in Charkow, gestorben im Konzentrationslager Buchenwald am 16.Februar 1939, wunderbar musikalisch bearbeitet, in dieser von Judith Holy künstlerisch gestalteten CD hörbar gemacht hat. Viele von Jura Soyfers Gedichten sind von Brechtscher Qualität und sein Sprachbewusstsein weist ihn als einen Geistesverwandten Odön von Horvaths aus. Es ist mit dieser CD gelungen, mit nur zwei Stimmen, einem Akkordeon und Kontrabass, Soyfers Texte, die so klar und deutlich sind, noch zu verstärken. Maren Rahmanns Akkordeonspiel, sie beherrscht dieses Instrument virtuos, hat dort wo es nötig ist, die Kraft und Stärke, die Soyfers Texte brauchen. Aber auch bei den Passagen, die Stille benötigen, entsteht jene Wirkung, die politische Gedichte haben müssen, um Hörerin und Hörer daran zu erinnern, welche politischen Folgerungen nötig wären.

Hier die Titel der zwölf Texte: Lied vom einfachen Menschen; Ballade der drei; Vagabundenlied; Länder werden Karten; Utopielied; A bisserl bitter; Lied der Erde; Auf uns kommt’s an!; Wie’s zugeht auf der Welt; Sturmzeit; Von der Käuflichkeit der Menschen; Wenn der Himmel grau wird.

Das ist nicht nur Ohrenschmaus, sondern auch was zur Vergrößerung des Gehirnschmalzes. Mit großem musikalischem Verständnis werden mit unterschiedlichen Stilrichtungen und gekonntem Transfer, Jazz, Blues, Klassik und moderne Musik mit den Texten verbunden. Maren Rahmanns Stimme, ihre Virtuosität am Akkordeon und dazu Rudi Görnet beweisen, wie wichtig es wäre, auch weitere politische Texte, ob von Erich Fried, Erich Mühsam und vielen anderen Autorinnen und Autoren, die bewusst in dieser Gesellschaft der Vergessenheit überantwortet wurden, zu vertonen. Ein kleines Defizit ist, dass dieser CD ein Text-Heft fehlt.


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