Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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1. März 2025

Wokeness

Moralisierung der Kultur oder Mittel im Kampf gegen Diskriminierung?
von Marina Hoffmann

Wokeness steht im Englischen für Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Es ist ein Wort, dass wie kaum ein anderes in den letzten Jahren immer wieder Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten war.

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1. März 2025

Alte Wunden

Das Wirken der ukrainischen Nationalisten im Weltkrieg
von Norbert Kollenda

Franziska Bruder: Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben! Die Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948. Berlin: Metropol, 2007. 280 S., 19 Euro

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1. März 2025

Die Zerstörung Palästinas… …ist die Zerstörung der Erde

Andreas Malm: The Destruction of Palestine is the Destruction of the Earth. London: Verso, 2024. 144 S., £ 9.99
von Hermann Dierkes

Das neue Buch des schwedischen Klimaforschers Andreas Malm ist sehr lesenswert und nützlich. Es behandelt die Entwicklung bis Juli letzten Jahres.

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1. März 2025

Ooku: The Inner Chambers

Wenn Geschlechterrollen ins Wanken geraten
von Nele Johannsen

Was wäre, wenn eine mysteriöse Seuche im Japan der Edo-Zeit (1603–1868) fast die komplette männliche Bevölkerung dahingerafft hätte? Diese Alternativwelt zeigt der 2023 auf Netflix erschienene Anime Ooku: The Inner Chambers, der auf dem gleichnamigen Manga von Fumi Yoshinaga basiert.

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1. März 2025

Draufgänger im Motorsport

Tazio Nuvolari – zwischen Ehrungen, Erfolgen und Knochenbrüchen
von Kai Böhne

1920 fuhr der in Norditalien nahe Mantua geborene Tazio Nuvolari (1892–1953) seine ersten Motorradrennen. Sein Vater Arturo und sein Onkel, ein Motorradhändler, waren erfolgreiche Straßen- und Bahnradrennsportler.

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1. März 2025

Soundtrack zum Antikolonialismus

Soundtrack to a Coup d’Etat, Niederlande/Frankreich/Belgien 2024, Regie: Johan Grimonprez
von Peter Nowak

1960 hatte sich der Kongo wie zahlreiche andere afrikanische Staaten die Unabhängigkeit erkämpft. Die Vertreter:innen der jungen Nationalstaaten traten selbstbewusst auf UNO-Versammlungen auf, wo sie nun auf Augenhöhe mit den ehemaligen Kolonialstaaten saßen, die auch nur eine Stimme hatten.

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1. März 2025

500 Jahre Bauernkrieg

Der Pfeifer von Niklashausen
von Angela Klein

Zeitig im Frühjahr 1476 liefen Zehntausende »Handwerksknecht aus den Werkstätten, die Baurenknechte von dem Pflug und die Grasemägde mit ihren Sicheln und Stümpfen, ohne allen Uhrlaub ihrer Meister und Obrigkeit dahin, liessen liegen Werkzeug, Pflüge, Kötzen und anders, und reiseten in den Kleidern, darinnen sie diese Tobesucht begriffe, gen Niclashausen. Der mehrere Teil aus ihnen hatte keine Zehrung, die aber, zu denen sie auf dem Wege einkehrten, versahen sie mit Essen und Trinken. Und war der Gruß unter ihnen nicht anders, denn Bruder und Schwester.«

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1. März 2025

Widerstandsformen in der Kunst

Wenn Widerstand in Kunst eingeht, entstehen kraftgebende Bilder an der Wand oder im Kopf
von Ayse Tekin

Zwei Orte, zwei Ausstellungen dokumentieren in München, wie Widerstand und Kunst sich treffen. Beide in ungewöhnlichen Ausstellungsräumen.

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Nur Online 14. Februar 2025

Frankreich: Neue Volksfront

von Elfriede Müller und Hermann Nehls

Der Freundeskreis der IV. Internationale und die ISO haben in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg- Stiftung am 24. Januar 2025 in Berlin eine Veranstaltung mit Olivier Besancenot (NPA) zur Neuen Volksfront in Frankreich organisiert. Zu den 100 Teilnehmenden gehörten auch Vertreterinnen der LFI, La France insoumise.

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Nur Online 14. Februar 2025

Das „junge Europa“ schaut sehr alt aus


von Przemyslaw Wielgosz

Die internationale Politik von Donald Trump ist klassischer Imperialismus ohne Beschönigung. Das Zeichnen einer Karte von Einflusssphären, ethnische Säuberungen als Mittel zur Problemlösung, offener Annexionismus, Zugang zu Ressourcen im Austausch gegen Sicherheitsgarantien für formal souveräne Staaten (d.h. de facto deren Herabsetzung auf die Position nicht-souveräner Bananenrepubliken) erschrecken die europäische politische Klasse heute.

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10. Februar 2025

POLNISCHE PRESSESCHAU 224 vom 8.2.2025

Mit dem Einmarsch der Roten Armee wurde Auschwitz befreit und die Überlebenden gerettet.

Neben diesem Befreiungsschlag gab es aber auch Tragödien. Es begann eine große Umsiedlungsaktion. Polnische Bürger aus dem Osten Polens wurden in die „wiedergewonnen“ Gebiete umgesiedelt. In seinem Buch „Odrzania“, Oderland, geht R.Rokita aus Gliwice dem Schicksal der Umgesiedelten nach, die sich zumindest in der ersten Generation fremd fühlten in der Region, die sie nun bewohnten. Das ging über Jahre so. In Breslau/Wroclaw kam erst mit der Oderflut 1997 ein Wir-Gefühl auf. Die Zeche für den verbrecherischen Krieg zahlten vor allen Dingen die deutschen Bewohner dieser Gebiete, die vertrieben oder polonisiert wurden.

Piotr Pytlakowski hat über die unangenehme Geschichte im Polen der Nachkriegszeit ein Buch geschrieben. „Ihre Mütter, unsere Väter“ erzählt von 5-8jährigen Kindern, deren Müttern von den Vätern ihrer polnischen Kameraden Leid angetan wurde.

Zu Zeiten der PZPR und der PiS waren solche Themen nicht opportun.

Vor 80 Jahren ereignete sich die oberschlesische Tragödie

von Jan Dziadul in Polityka, 28.1.2025

Die Rote Armee verschonte niemanden – weder Polen, noch Schlesier noch Deutsche

Im Januar jährte sich zum 80.Mal der Einmarsch der Roten Armee in Schlesien. Der Senat und der Sejm der Republik Polen verabschiedeten Resolutionen zum Gedenken an die damit verbundene oberschlesische Tragödie.

Die oberschlesische Tragödie – dieser Name tauchte vor etwa 30 Jahren dank der deutschen Minderheit und der schlesischen Verbände im öffentlichen und historischen Raum auf. Der Begriff ist umfassend: Er beschreibt alles, was in Oberschlesien im Januar 1945 nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee geschah. Prof. Adam Dziurok von der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität in Warschau gab im Sunday Visitor folgende Einschätzung der Ereignisse:

„Die oberschlesische Tragödie wird definiert als die Repression gegen die unschuldige Zivilbevölkerung Oberschlesiens nach dem Ende der Frontkämpfe, die hauptsächlich aus Gründen der Nationalität durchgeführt wurden. Dazu gehörten nicht nur die Deportationen in den Osten, sondern auch Verbrechen, die hier von Soldaten der Roten Armee begangen wurden, wie Raubüberfälle und Massenvergewaltigungen. Dazu gehörte auch die unrechtmäßige Unterbringung von Zivilisten in Lagern durch die polnischen kommunistischen Behörden.« Und auch die Plünderung von Industriebetrieben. Als klar war, dass ganz Schlesien an Polen fallen würde und die Deutschen in den Westen vertrieben werden, kam es vor allem zu Deportationen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion.

Etwa 50.000 Männer im Alter von 17 bis 50 Jahren wurden interniert und deportiert, darunter 25.000 Bergleute, die in Bergwerken, vor allem im Donbass und in Kasachstan, arbeiten sollten: Metallurgen, Eisenbahner, Mechaniker aus Rüstungsbetrieben – hochrangige Spezialisten. Fast 30 Prozent der Deportierten kehrten nicht in ihr Heimatland zurück.

Der 2022 verstorbene Historiker der Schlesischen Universität, Professor Zygmunt Wozniczka, Autor des Buches Represje na Gornym Slasku po 1945 [Repressionen in Oberschlesien nach 1945], behauptete, die Zahl der Deportierten habe bis April 1945 bis zu 93.000 betragen, was durch sowjetische Quellen bestätigt würde. Seiner Meinung nach wurde jeder mitgenommen: Deutsche, Schlesier und Polen. Unter den Deportierten war ironischerweise auch der Grafiker Pawel Steller, der das Ende Februar 1945 in Kattowitz enthüllte Denkmal für die Dankbarkeit der Polen gegenüber der Roten Armee entworfen hatte. Das Denkmal stand auf den Ruinen eines Obelisken, der zum Gedenken an Wehrmachtsoldaten errichtet worden war, und sein Autor kehrte erst Ende 1946 aus Sibirien zurück.

Andere Historiker bestreiten die Zahl von mehr als 90.000 Deportierten kaum, beziehen sie aber nicht nur auf die Oberschlesier, sondern auf alle aus dem polnischen Staatsgebiet Deportierten.

Die oberschlesische Tragödie ist auch die Form der Zwangsarbeitslager, die auf der Infrastruktur des ehemaligen nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und seines Netzes von Nebenlagern, von denen es in Oberschlesien mehr als 40 gab, errichtet wurden. Es gab sie in der Nähe von Bergwerken, Stahlwerken und Rüstungsbetrieben. Unter der Leitung des NKWD und des Ministeriums für öffentliche Sicherheit dienten sie auch als Umschlagplätze für Deutsche auf dem Weg in den Westen und als Sammelstellen vor den Deportationen in den Osten. Die neu gestalteten Konzentrationslager, die dieses Mal von Russen und Polen verwaltet wurden, forderten Tausende von Opfern.

Im Lager „Zgoda“ in Swietochlowice – dem schlimmsten Lager, in dem Salomon Morel (polnischer Jude und Kriegsverbrecher, floh 1992 nach Israel) der Herr über Leben und Tod war – starben zwischen Februar und der Liquidierung im Oktober 1945 1855 Häftlinge an Typhus, Erschöpfung, Folter durch die Geheimpolizei. Verzweiflung. Keine Hoffnung. Selbstmorde an stromführenden Drähten.

Auschwitz nach Auschwitz? – „Man darf solche Vergleiche nicht anstellen“, protestiert Dr. Piotr Setkiewicz, Leiter des Forschungszentrums des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oswiecim. „Nach dem Krieg wurden grausame Taten begangen, man kann gemeinsame Elemente im Funktionieren beider Lager finden, aber niemand hat die Liquidierung ganzer Völker geplant! Die Wachen raubten den Häftlingen Medikamente und Lebensmittel, verkauften sie, tauschten sie gegen Wodka, aber die mörderischen Tendenzen lagen in den Menschen, nicht in der staatlichen Politik.

In diesen Januartagen des Jahres 1945 konnte es wohl nicht anders sein… Es war das siebte Kriegsjahr für die Polen, das fünfte für die Russen. Die zerstörerische Gier nach Rache. Darin lagen die Wurzeln der oberschlesischen Tragödie. Die Erinnerung an die Besatzung war noch lebendig. Die Erinnerung kennt keinen Schlaf…

Zu Beginn des Jahres 1941 hatte die Oberschlesier das Schicksal der Deutschen Volksliste erreicht – eine obligatorische Erklärung zur Staatsangehörigkeit. Die vor dem Krieg aktiven Deutschen wurden in die Kategorie I eingeordnet (120.000), die politisch passiven (250.000) in die Kategorie II. Diese beiden Gruppen erhielten die volle deutsche Staatsbürgerschaft. Mehr als eine Million schlesische Autochthone, die mit der deutschen Kultur verbunden waren, aber eine slawische Sprache sprachen, wurden der Kategorie III zugeordnet – sie erhielten je nach ihrer „rassischen Einstufung“ eine begrenzte Staatsbürgerschaft. Die Kategorie IV umfasste 60.000 polonisierte Personen deutscher Herkunft. Mehr als 90 Prozent der Vorkriegsbewohner Polnisch-Schlesiens standen auf der Volksliste. Im vom Dritten Reich annektierten polnischen Schlesien kursierte ein Spruch: „Wenn du dich nicht einträgst, bist du selbst schuld, / denn sie werden dich bald nach Auschwitz schicken, / und wenn du dich einträgst, du alter Esel, / schickt Hitler dich an die Ostfront.«

Das war die Entscheidung, die Schlesiern übrigblieb. Aber die Rote Armee, die in Oberschlesien einmarschierte, anerkannte diese Einteilungen nicht. Jenseits der Grenze waren alle deutsch. Die brutalen Aktionen wurden durch die sowjetische Propaganda gefördert. Prof. Zygmunt Wozniczka wies darauf hin, dass Marschall Georgi Schukow vor der Januaroffensive einen Befehl mit dem Titel „Tod den Deutschen“ herausgab, in dem er die Soldaten aufforderte, sich „an Hitlers Kannibalen“ zu rächen. Endlich konnten sie ihrem Hass freien Lauf lassen. Und ihren unterdrückten Begierden. Nur wenige, vielleicht nur die Befehlshaber, wussten, dass Teile Oberschlesiens auch von Polen bewohnt waren.

Das Ausmaß der oberschlesischen Tragödie war auch das Ergebnis eines NKWD-Befehls vor der Offensive im Januar 1945 „…über die Säuberung des rückwärtigen Teils der vorrückenden Front von feindlichen Elementen“, erlassen von Lavrenty Beria. Er ordnete die Verhaftung aller waffenfähigen Deutschen an. Diejenigen, die in der Wehrmacht und in paramilitärischen Organisationen dienten, wurden in Separationslager oder sofort per Zug in die Sowjetunion geschickt. Andere kamen in Arbeitslager. Der NKWD unterhielt unter anderem ein solches Lager in Toszek bei Gliwice. Dort wurden Deutsche, Volksdeutsche und unsichere Personen, die den Russen feindlich gesinnt waren, festgehalten. Zwischen Mai und November 1945 starben hier etwa 3300 Häftlinge. Zu dieser Zeit galt in Toszek die Moskauer Zeit, und es führten breite Wege zum Lager…

Nach dem Übergang der Front gehörte die gesamte Autorität im polnischen Vorkriegsschlesien und an den Grenzen des Dritten Reiches den sowjetischen Kriegskommandanten. Mit ihnen hatte die Verwaltung der Provisorischen Regierung der Polnischen Republik wenig zu schaffen. Im ehemaligen deutschen Oberschlesien, in Gleiwitz, Zabrze, Beuthen, Oppelner Schlesien und weiter westlich, regierten die Russen mit Hilfe des kommunistischen Komitees Freies Deutschland und der überlebenden deutschen Verwaltungsstruktur. Der Status von Schlesien war trotz der versprochenen Angliederung an Polen ungewiss. Sogenannte deutsche Antifaschisten, die von Moskau entsandt wurden, leiteten die Demontage von Industriebetrieben und schickten alles, auch die Arbeiter, in die UdSSR. In Beuthen (Bytom) wurde das Stahlwerk Bobrek demontiert, in Miechowice (Miechowitz) das modernste Kraftwerk des Dritten Reiches, in Gleiwitz (Gliwice) wurden Rüstungs- und Maschinenbaubetriebe geplündert, in Kedzierzyn die Blachownia (Blechfabrik) und in Oswiecim Produktionsanlagen für synthetisches Benzin demontiert. Die polnischen Verwaltung musste dann feststellen, dass die Produktion in einigen Industriezweigen im Vergleich zum Kriegsende um 50-70 Prozent zurückgegangen war.

Russisch und Deutsch waren die offiziellen Sprachen. In Gleiwitz verfügten die deutschen Kommunisten über eine eigene Polizei, gaben Zeitungen heraus und unterdrückten mit stillschweigender Billigung der Russen die im Entstehen begriffene polnische Regierung. Die Lage in diesem Teil Schlesiens begann sich erst nach der Potsdamer Konferenz (Ende Juli, Anfang August 1945) zu normalisieren, auf der die Großen Drei, Truman, Stalin und Churchill die polnische Westgrenze an der Oder und der Lausitzer Neiße bestätigten. Nach der Potsdamer Erklärung begannen die Aktivisten des Komitees Freies Deutschland, sich in die sowjetische Besatzungszone zurückzuziehen, das Komitee selbst wurde Anfang November 1945 aufgelöst. Prof. Wozniczka wagte die Behauptung, Oberschlesien sei für die sowjetische Verwaltung und die deutschen Kommunisten eine Generalprobe für die Gründung der DDR gewesen.

Der Verlauf der oberschlesischen Tragödie wurde durch frühere Ereignisse geprägt. Auf dem Treffen der Großen Drei in Jalta im Februar 1945 wurde vereinbart, deutsche Arbeitskräfte zum Wiederaufbau der Wirtschaft der UdSSR als Reparationsleistung einzusetzen. Die USA und das Vereinigte Königreich erklärten sich damit einverstanden, dass Stalin einen Teil der Reparationen in Form von Sachleistungen erhielt. Prof. Malgorzata Ruchniewicz von der Universität Wroclaw bezeichnete diese Lösung im „Historischen Ratgeber“ der Polityka („Die Geschichte Schlesiens“) als „lebende Kriegsbeute“.

Noch am Tag dieser Entscheidung erschienen in Oberschlesien Aushänge, in denen Männer zwischen 17 und 50 Jahren aufgefordert wurden, sich wegen Kriegsschäden an der Front zu melden. Viele sollten in der polnischen Armee landen, aber das war eine Lüge. Da es an Freiwilligen mangelte, wurden Razzien durchgeführt – in Häusern und auf der Straße. An den Toren wurden ganze Schichten von Bergleuten und Stahlarbeitern festgehalten, wie in der Bobrek-Mine – sie wurden in Nebenlager geschickt und dann, wenn genug zusammengekommen waren, um einen Zug zu füllen, auf Viehwaggons verladen. Gen Osten.

Die oberschlesische Tragödie war auch der Erlass unseres PKWN (Polnisches Komitee der Nationalen Befreiung) vom November 1944 über die Anwendung von Schutzmaßnahmen gegen Verräter an der polnischen Nation, vor allem gegen Volksdeutsche. Ab Mai 1945 trat ein Gesetz über den Ausschluss feindlicher Elemente aus der polnischen Gesellschaft in Kraft, und im Juli erließ der Woiwode von Schlesien-Dabrowa, Aleksander Zawadzki, ein Aufenthaltsverbot für Menschen deutscher Nationalität in der Woiwodschaft. Die öffentliche Aufforderung zur Auslieferung der untergetauchten Deutschen öffnete den Delikten und Missbräuchen im Zusammenhang mit der Nationalität Tür und Tor.

1944 bestand die Hälfte der Beschäftigten in der oberschlesischen Industrie aus Zwangsarbeitern und etwa 40.000 Auschwitz-Häftlingen. Diese Industrie, die unter sowjetische Kontrolle geraten war, musste über Nacht die Produktion aufnehmen, um den Kriegsbedarf der UdSSR zu decken. Ohne sklavische Arbeitskräfte wäre dies nicht möglich gewesen. Das Zentrale Arbeitslager in Jaworzno, eine ehemalige Außenstelle von Auschwitz, versorgte die Bergwerke und Kraftwerke. Das Zentrale Arbeitslager diente in der Nachkriegszeit denselben Zwecken. Von den Zehntausenden Häftlingen, die Jaworzno im Laufe der Jahre durchliefen – Deutsche, Volksdeutsche, Ukrainer, Polen (darunter Mitglieder des Unabhängigen Untergrunds) – starben fast 7000. Nach der Liquidierung des Lagers Zgoda in Swietochlowice übernahm Salomon Morel die Leitung in Jaworzno und der Tod folgte.

Bereits im April 1945 setzte sich der Zentralvorstand der Kohleindustrie für die deportierten Bergleute ein. Es mangelte an Arbeitskräften und Fachleuten, und die PPR (Polnischer Partei der Arbeit – Vorläufer der PZPR, Polnische Vereinigte Arbeiterpartei) forderte eine Steigerung der Kohleproduktion. Briefe gingen an die sowjetischen Befehlshaber in Polen und nach Moskau. Auf dem Mai-Plenum des Zentralkomitees der PPR wagte Aleksander Zawadzki, Mitglied der obersten Parteibehörde, seine Stimme zu erheben: Das Zentralkomitee sollte sich gegen die Deportationen aussprechen. Diese Haltung gelangte in das Bewusstsein der Sowjetunion und der Roten Armee. Die Menschen in Schlesien waren einst „begeistert“, nun waren sie entschieden feindselig, sie fluchten. Die Deportationen sollten aufhören.

Salomon Morel intervenierte bei Stalin. Die Deportierten sollten zurückgeschickt werden, wenn die Soldaten der Roten Armee demobilisiert wurden. Die Deportationen wurden mit der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 eingestellt, aber nur die Kränksten und Ausgemergeltsten wurden nach Polen zurückgeschickt. Daran änderte sich erst etwas, als in Warschau ein für Moskau günstiges Kohlelieferabkommen unterzeichnet wurde, das ohne qualifizierte Bergleute nur schwer zu erfüllen gewesen wäre.

Eine im Sommer vom stellvertretenden Woiwoden Jerzy Zietek eingesetzte Kommission unternahm ebenfalls Schritte zur Befreiung der deportierten Bergleute auf der Grundlage einer zu diesem Zweck erstellten Volkszählung. Professor Ryszard Kaczmarek berichtet in seiner „Geschichte Oberschlesiens“, dass bis Dezember 1949 5603 Deportierte über die Repatriierungskommission in Moskau ins Land zurückgekehrt waren, der Zählung nach aber nur 1645.

Zietek versuchte auch, das Schicksal der Autochthonen vor Ort zu mildern. In Auschwitz-Birkenau gab es zwei NKWD-Lager: eins für Kriegsgefangene und eins für Personen, die der Kollaboration mit dem Dritten Reich beschuldigt wurden. Zwanzigtausend Kriegsgefangene und viertausend Zivilisten wurden von dort in die UdSSR deportiert. Aus einem UB (Geheimdienst)-Lager für Volksdeutsche aus Schlesien und der Region der Beskiden wurde ein Brief an Zietek geschmuggelt, in dem er um Hilfe gebeten wurde, da die meisten der Gefangenen sich nicht als Volksverräter fühlten. „Eine Kommission kam, um diejenigen, die sich während des Krieges schlecht verhalten hatten, von denen zu trennen, die es nicht getan hatten“, sagt Dr. Setkiewicz. „Tausende von Schlesiern wurden freigelassen.“

Dies war einer von vielen Versuchen von Staatsanwälten und Richtern, das rechtswidrige Vorgehen von NKWD und UB zu durchbrechen. Bei der anschließenden nationalen Überprüfung, die sich über Jahre hinzog, wurden 800.000 Einwohner Oberschlesiens als Polen anerkannt. Das Kriterium der Volksliste wurde durch eine Bewertung des Verhaltens während des Krieges ersetzt.

Mich quält die Frage: Welche Rolle spielte der Faktor Rache, die Vergeltung der Nachkriegszeit, bei der oberschlesischen Tragödie? Ich habe diese Frage einmal an Professor Adam Dziurok gestellt: „Das Element der blinden Rache muss berücksichtigt werden, aber sein Ausmaß entspricht nicht dem, was in den Nazilagern geschah. Die Volksmacht verfügte nicht über die Kader, um die Herausforderungen der Umsiedlung und der Kriegsführung zu bewältigen. Aus Kommandanten und Wachleuten wurden Leute, die direkt von der Razzia kamen. Oft aus den Sphären des Lumpenproletariats.«

Dr. Piotr Setkiewicz räumt auch ein Element der Vergeltung in den ersten Nachkriegsmonaten ein: „Aber ihr Ausmaß war angesichts des mehrjährigen Alptraums des Krieges und des ungeheuren Leids erstaunlich gering“, stellt er fest.

?Die erste und wichtigste Ursache der oberschlesischen Tragödie war der Krieg selbst: Oberschlesien gehörte zum Dritten Reich. Es hatte das Konzentrationslager Auschwitz vor der Haustür. Es bleibt eine offene Frage, ob es möglich gewesen wäre, die Abrechnung zu mildern, die Rache zu zivilisieren.

In die Fremde über den Bug Richtung Oder

Przeglad, 10.2.2025

„Die Rückkehrer von jenseits des Bug sind ein grundlegender Faktor in der Besiedlung der ‚wiedergewonnen Gebiete‘. Denn ihr Rückweg ist abgeschnitten, wodurch sie sich sehr gut einbürgern lassen“, wurde in den vierziger Jahren festgestellt.

Um in den Westen zu gelangen, müssen sie zwei Grenzen überwinden, zunächst ist es die neue Ostgrenze Polens. Wie nach Polen einreisen, sind sie doch nicht aus Polen ausgereist… Dann heißt es, sie wären in Polen, aber da ist nichts anders, und dann noch die polnische Westgrenze, aber die gibt es nicht mehr. Sie werden ins Nirgendwo losgeschickt, sie sollen sich bei der Verwaltung melden, aber wohin sollen sie in dem unbekannten und zerstörten Land? Dann kommen sie nach Pi?a, das noch kurz vorher Schneidemühl hieß, hart umkämpft war und somit stark zerstört ist – nur 10 Prozent der Häuser stehen noch. Da stehen die Leute mit ihrem Passierschein und wissen nicht wohin in der Fremde. Eigentlich sollen sie sich bei einem Regierungsbeamten melden, aber in dieser zerstörten Stadt? Der Zug fährt weiter, wo sie aussteigen, ist meist dem Zufall überlassen.

Alles ist ihnen fremd, diese Leere nach den Deutschen, die Gegend, die Häuser und Straßen sind anders und sogar die Menschen sprechen ihren eignen Dialekt. Wie soll eine einheitliche Nation geschaffen werden, wenn nicht alle die gleiche polnische Sprache sprechen? Ihre Erinnerung an die Heimat ist das eine, da hat sich viel verändert, wie sie später erfahren. Und so ist es auch dort, wo sie jetzt wohnen. Heimat wird es erst viel später für ihre Nachkommen.

Die Besiedlung der wiedergewonnen Gebiete war für die Vertriebenen jenseits des Bug die einzige Offerte. Auch Menschen aus anderen Teilen Polens wurden mit großen Versprechungen, wie eigenes Ackerland mit dazu gehöriger Technik und gesellschaftlichen Aufstieg dahin gelockt. Auf Plakaten waren kleine Holzhäuschen zu sehen von denen aus der Bauer in Richtung eines massiven gemauerten Hauses in der Nähe von Wroclaw zieht. Die verlassenen Gebiete sollten ja besiedelt werden.

Es wurde versucht Menschen in Gruppen von einer Stadt bzw. einem Kreis zusammen an einem wiedergewonnen Ort anzusiedeln, damit sich sich dort besser assimilieren.

In den sich bildenden Siedlungsgemeinschaften bedeutet die Tatsache, dass sich jemand verletzt fühlt nicht, dass er mit anderen mitfühlt, die sich ebenfalls verletzt fühlen, wir – sie – die anderen. Konflikte brechen an der Linie zwischen Alteingesessenen und „Umsiedlern“ auf. Vorurteile sind langlebig und vernebeln auch eigene positive Erfahrungen. Aber auch unter den Umsiedlern gibt es Vorurteile gegenüber denen, die wiederum aus anderen Gegenden Polens als der eigenen kommen.

8. Februar 2025

POLNISCHE  PRESSESCHAU 223 vom 2.2.2025

Die Wahlen werfen ihre rechten Schatten voraus. In Polen gibt es bei der Bürgerplattform einen Rechtsschwenk; ein polnischer Germanist macht sich Gedanken über das Vermächtnis des Holocaust; es gibt Kommentare zu Merz und zur AfD. Des weiteren scheint auch diese polnische Regierung der Oder nicht helfen zu wollen und im Kohlebergbau herrschen Katastrophen und Chaos.

Führt Rechtsruck Trzaskowski zum Wahlsieg?

OKO.press, 24.1.2025

Unter den vonOKO.press befragten politischen Strategen aus dem Umfeld von Donald Tusk und Rafal Trzaskowski herrscht die Meinung vor, dass der Zeitgeist und die Politik heute das Gesicht eines Rechtspopulisten haben. Dies wird sowohl Trzaskowskis Wahlkampf als auch die nächsten sechs Monate der Koalitionsregierung tiefgreifend verändern.

Ab September 2025 gibt es nun doch keine obligatorische Gesundheitserziehung, und es wird auch keine Regulierung von Hassinhalten im Internet geben. Die Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes wird höchstwahrscheinlich durch das Parlament gehen, allerdings in einer sperrigen Form. Gleichzeitig wird die Regierungskoalition am 15.Oktober versuchen, 800+ für Ukrainer zu begrenzen. (800+ bedeutet, dass jede Familie pro Kind bis zum 18. Lebensjahr 800 PLN erhält, unabhängig vom Einkommen.)

Das ist noch nicht alles. Für die Dauer des Präsidentschaftswahlkampfes friert Donald Tusk Gesetze und Gesetzesänderungen ein, die Konkurrenten von der rechten Seite der politischen Szene mobilisieren und zu öffentlichen Protesten führen könnten. Die Regierung beginnt, im Rhythmus der Präsidentschaftskampagne zu arbeiten. Und Rafal Trzaskowski schüttelt sein Image als progressiver Politiker, als trojanisches Pferd der Linken in den Reihen der Bürgerplattform, ab.

Damit beginnt in der Koalitionsregierung für den Wahlkampf von Rafal Trzaskowski eine Art Eiszeit. Im Januar 2025 wird eine Strategie geschmiedet, die dem KO-Kandidaten helfen soll, im Mai 2025 mehr als fünfzig Prozent der Stimmen zu gewinnen. Politische Strategen, die sowohl für Donald Tusk als auch für Rafal Trzaskowski arbeiten und vonOKO.press befragt wurden, sind von ihrer Wirksamkeit überzeugt.

Bei einer Wahlveranstaltung am 17.Januar sagte Rafal Trzaskowski: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, den andere westliche Länder wie Deutschland oder Schweden gemacht haben, dass es sich einfach gelohnt hat, nur wegen der Sozialleistungen dorthin zu kommen.“ Und er erklärte, dass sich die Migration für Polen wirtschaftlich auszahlen solle, weshalb 800 plus nur dann gezahlt werden sollten, wenn die Begünstigten des Programms hier „arbeiten, leben und Steuern zahlen“.

PiS und Konföderation klatschen Beifall!

Der angebliche „Sozialtourismus“ ist ein Mythos.

OKO.press,29.1.2025

Die Stiftung „Ukrainisches Haus“ erklärt, wie die Argumente für eine Begrenzung der 800+-Leistungen für ukrainische Kinder in Polen an den Tatsachen vorbeigehen. Sie zeigt auf, wer die Leidtragenden dieser Idee sein werden: vor allem Menschen, die zu den gefährdeten Gruppen gehören.

Die Stiftung Ukrainisches Haus, eine polnische Nichtregierungsorganisation, die ukrainische Migranten und Flüchtlinge unterstützt, möchte ihre tiefe Besorgnis über den besorgniserregenden Trend zum Ausdruck bringen, die Probleme ukrainischer Flüchtlinge für politische Zwecke zu nutzen. „Angesichts der vorgeschlagenen Gesetzesänderungen, die in den letzten Tagen aufgetaucht sind, sehen wir uns gezwungen, unseren Standpunkt zu möglichen Einschränkungen des Zugangs zu den 800+ Leistungen für ukrainische Kinder, die sich derzeit aufgrund des anhaltenden Krieges in Polen aufhalten, darzulegen.

Diese Bestimmungen lassen keinen Zweifel daran, dass die Unterstützung von Flüchtlingskindern keine Frage des guten Willens ist, sondern eine gesetzliche Verpflichtung, die respektiert und umgesetzt werden muss.“

?

Die Welt riecht nach Asche Przeglad, 27.1.2025

Der amerikanische General Mark Milley vertritt die Auffassung, dass Trump bis auf die Knochen ein Nazi ist. Nun ist dieser einflussreiche General nicht mehr Stabschef. Dafür hat Trump gesorgt. Dieser Militär ist nicht der einzige Kritiker, es ist also zu hoffen, dass das Militär nicht  jedem seiner Befehle gehorcht und sich hoffentlich nicht dazu missbrauchen lassen wird, Menschen zusammenzutreiben, um sie zu internieren und letztlich abzuschieben.

80 Jahre nach dem schrecklichsten Krieg in der Menschheitsgeschichte kommen jetzt Menschen zu Wort, die alle Formen der Verständigung, die nach dem Krieg aufgebaut wurden, vernichten wollen. Dies ist das Ende des globalen Friedens. Wenn es auch lokale Kriege und Konflikte gab – das was wir jetzt erleben hat ein anderes Ausmaß. Allein die Länder, die am Krieg in der Ukraine beteiligt sind, geben dem Krieg schon einen weltweiten Charakter.

Es ist also etwas, wovor wir uns fürchten müssen. Dazu kommt, dass das politische Format der beteiligten führenden Politiker dieser Länder mittelmäßig ist. Selbst in Friedenszeiten zeigen sie schlechte Leistungen. Wenn wir sie nach ihren Taten beurteilen, ist es schwierig, optimistisch zu sein und an kommende glückliche Jahre des Friedens zu glauben. Sooft die Länder einen auf Stärke machten, führte dies zum Krieg.

Denn die, die mit dem Säbel rasseln und sich massiv bewaffnen, werden immer stärker. Sie erzwingen ihren Standpunkt mit Hilfe der globalen Medien die sich vollständig Trump unterstellen. Und ohne sich zu schämen, beißen sie sich in den eigenen Schwanz. Das Kapital hat gewonnen, d.h. der Profit.

Der Kuchen zum Verteilen ist groß und Musk will ihn nur für sich haben, es wird schwer sein, ihn aufzuhalten, er kommt wie ein Sturm daher, denn er kann es. Gibt es Menschen mit Kampfgenen, die ihn aufhalten können? Oder wollen sie gar mit seiner Karawane mit, auch wenn ihnen bekannt ist, dass sie nur in die Katastrophe führen kann?

Wie das Unfassbare verstehen?

Polityka, 22.1.2025

In Polen wurde die Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze durch die Bonner Regierung als eine beleidigende Missachtung der deutschen Verantwortung für den völkermörderischen Krieg empfunden.

Es gab dann den Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe im Jahr 1965 mit den liturgischen Worten der Kirche: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ Der Brief löste zu Hause ziemlich viel Empörung aus – nicht nur in der Parteipropaganda. Auch weil im Brief der Bischöfe das Wort „vergessen“ stand – lasst uns Feindschaft und Hass vergessen.

Der Autor Adam Krzeminski hat den Brief in der katholischen Studentengemeinde in Leipzig zusammen mit deutschen Kommilitonen gelesen. Für ihn war es ein Hauch frischer Wind.

In dieser Zeit gab es Gerichtsverfahren, es lebten noch viele Opfer, die die „Fabriken des Todes“ erlebt hatten. Da gab es auch eine Hannah Arendt, die während des Prozesses von Eichmann von der „Banalität des Bösen“ sprach. Für die Opfer war es nicht banal. Jean Amery, ein Wiener Katholik, der aufgrund des Judenparagraphen nach O?wi?cim kam, schrieb 1965 in einem Aufsatz über die Folter: „Es gibt nicht so etwas wie die ‚Banalität des Bösen’“.

Für die jüngere Generation – die Teenager, die jetzt durch das weiße Labyrinth vom Eingang des Museums bis zum Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ gehen und dabei die Namen der Ermordeten aus den Lautsprechern hören – für sie kann dieser „familiäre“ Blick hilfreich sein, um zu verstehen, was hier vor mehr als 80 Jahren geschah. Aber wie kann man das Unfassbare verstehen?

Auf der Rampe in Birkenau, vor den Ruinen der Gaskammern und Krematorien? Im Todesblock von Auschwitz? Vor den Vitrinen mit den Schuhen, Koffern und abgeschnittenen Haaren der Vergasten und Verbrannten? 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau am 27.Januar 1945 durch die sowjetische Armee, ist es für die heutigen Teenager schwer zu begreifen, was ein Vernichtungslager war. ?Auch der Gang durch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ist immer noch eine Warnung davor, was Menschen Menschen antun können.

Armageddon im Bundestag – Merz wie von Papen?

OKO.press, 31.1.2025

Es gibt Stimmen, die sagen, dass er von Donald Trump inspiriert wurde. Trump bedient sich seit Jahren erfolgreich der Taktik des Elefanten im Porzellan und Zerstörers der „alten“ Ordnung. Merz wollte die Politik ähnlich „aufmischen“ und vielleicht auch rechtspopulistische Wähler zur CDU/CSU ziehen. Er hat aber nicht bedacht, dass er nicht die politischen Talente von Trump hat – er ist kein Showman wie Trump, er kann keine Massen begeistern, er hat nicht viel Charisma, er ist nicht die besondere Ausnahme von den Regeln in der Politik, die sich Trump mit seiner Unberechenbarkeit in Kombination mit und unabhängig von der Unterstützung seiner Partei geschaffen hat.

Die CDU/CSU kann nicht damit rechnen, Wähler von der AfD anzuziehen – Untersuchungen zeigen deutlich, dass dort, wo konservative Parteien rechtspopulistische Einstellungen übernehmen, rechtspopulistische Wähler sich immer für das „Original“ entscheiden (dies konnte beispielsweise in Frankreich, den Niederlanden oder Österreich beobachtet werden) und konservative Parteien viel an Unterstützung verlieren.

Die langfristigen Folgen könnten noch schlimmer sein. Die CDU hat der deutschen Demokratie – trotz Warnungen – wissentlich enormen Schaden zugefügt. Unabhängig vom Wahlergebnis ist die Milch schon verschüttet. Gebrochene Tabus lassen sich nicht „rückgängig“ machen. Deutschland steht durch den Fehler von Merz am Scheideweg: Entweder er wird jetzt hart daran arbeiten, diesen Schaden zu stoppen, oder er wird abstürzen und in den Rechtspopulismus abrutschen und sich tatsächlich dem Club anschließen, in dem Orbán ihn bereits willkommen geheißen hat.

Sollte es in Zukunft tatsächlich zu einem weiteren Erstarken der Rechtsextremen in Deutschland oder gar zu einer Machtübernahme durch sie kommen, könnte die Geschichte sehr hart über die Christdemokraten und Merz urteilen.

Merz könnte für die AfD das werden, was Franz von Papen für die NSDAP war – der deutsche Bundeskanzler, Monarchist und Konservative, der 1932 kommissarisch die preußische Landesregierung übernahm um zu verhindern, dass die SPD-Sozialisten trotz ihres Wahlsiegs die Macht im Staat Preußen erlangten. Damit verlor er zwar das Amt des Kanzlers, schwächte aber dauerhaft das föderale System des Landes, was den Nationalsozialisten die Übernahme der zentralistischen Macht erleichterte. Da er unbedingt an die Macht zurückkehren wollte und davon überzeugt war, dass Adolf Hitler kontrolliert werden konnte, setzte er 1933 den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg unter Druck, Kurt von Schleicher zu entlassen und Hitler zum Kanzler und von Papen zu seinem Vizekanzler zu ernennen. Damit ebnete er den Weg für die Machtergreifung der Nazis.

Es liegt im Interesse Deutschlands, Europas

und der ganzen Welt, dass dies nicht geschieht.

Bislang scheint der Widerstand der demokratischen Kräfte stark zu sein. Der am Freitagabend verabschiedete Gesetzesentwurf, der einige der Forderungen aus dem Merz-Plan umsetzt, verfehlte die Abstimmung nur knapp, 350 : 338.

Es ist rätselhaft, dass trotz der großen Bedeutung dieser Abstimmung nur 692 Stimmen von 733 abgegeben wurden.

(OKO.press wird betrieben von der Stiftung Zentrum für zivilgesellschaftliche Kontrolle)

Deutschland hat ein Tabu gebrochen und ist in eine Falle getappt –

onet.pl, 30.1.2025

– titelt die zum Springer Konzern gehörende Internetplattform. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat die jüngsten Anschläge genutzt, um für ihr rechtsextremes Programm zu werben. Und das mit Erfolg: Am Mittwoch hat der Bundestag einen von der CDU/CSU initiierten Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik angenommen. In Wirklichkeit beweist dies jedoch, dass sich der Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz – der Mann, der die Chance hat, der nächste Kanzler zu werden – kurz vor den Wahlen selbst ins Knie geschossen hat.

In der Woche, in der sich die Befreiung von Auschwitz zum 80.Mal jährte, waren die Politiker in Berlin in Panik und Wut, ausgelöst durch einen Giftcocktail aus Terroranschlägen, Einwanderungspolitik und Populismus.?Das Problem ist möglicherweise nicht auf Merz‘ eigenes Handeln zurückzuführen. Der Politiker wurde von US-Präsident Donald Trump dazu gedrängt, das zu tun, was Vertreter des Mainstream geschworen haben, niemals zu tun – Tabus in Deutschland zu brechen und sich der extremen Rechten anzuschließen.

Die Frage ist: Ist Merz in eine Falle getappt? Oder zwingt er die anderen etablierten Parteien dazu, sich mit dem auseinanderzusetzen, was viele als die neue Realität ansehen – ein härteres, weniger freundliches Deutschland?

Die bevorstehende Bundestagswahl wird durch eine globale politische Landschaft geprägt, die sich zunehmend dem autoritären Radikalismus der Trump-Administration unterwirft – insbesondere gegenüber Migranten.

Gesetzentwurf zur Änderung des Oder-Sondergesetzes

OKO.press, 1.2.2025

„Das von der PSL geführte Infrastrukturministerium hat versprochen, das von der Partei Recht und Gerechtigkeit verabschiedete Oder-Gesetz zu ändern. Wir haben ein Jahr auf den Entwurf gewartet. „Es fehlen die elementaren Dinge, die Umweltschützer seit der Oder-Katastrophe fordern“, sagt Jacek Engel von der Greenmind Foundation.

Weiter sagt er: „Weder Wissenschaftler, noch NGOs, noch Naturschützer, also all diejenigen, die im Gegensatz zum Infrastrukturministerium wissen, was die Oder braucht, durften an dieser Vorlage arbeiten. Wir können jetzt im Rahmen der öffentlichen Konsultation Kommentare abgeben. Aber ist das sinnvoll? Wir reden seit 2022, also seit 2,5 Jahren, darüber und es hat sich nichts getan.“

Das Infrastrukturministerium hat einen Entwurf für ein Spezialgesetz veröffentlicht, mit dem die von der PiS-Regierung nach der Oder-Katastrophe erlassenen Vorschriften korrigiert werden sollten. Die seit einem Jahr, d.h. seit Beginn der Amtszeit der jetzigen Regierung angekündigten Änderungen erwiesen sich jedoch als kosmetisch. Das Oder-Sondergesetz wird die Probleme des Flusses immer noch nicht lösen.?„Gibt es etwas Positives? Vielleicht die Tatsache, dass nach einem Jahr endlich ein Entwurf veröffentlicht wurde“, ironisiert Jacek Engel.

Die Oder-Änderungsinitiative war von der Regierung für Recht und Gerechtigkeit seit der Umweltkatastrophe vom August 2022 angekündigt worden, als die so genannte Goldalge im Fluss blühte und ihre Giftstoffe Millionen von Fischen und andere in der Oder lebenden Organismen töteten. Wir haben lange darauf gewartet, denn der Entwurf wurde erst im Mai 2023 vorgelegt. „Dieser Gesetzentwurf wird dem Fluss wieder Leben einhauchen“ – sagte die Abgeordnete von Recht und Gerechtigkeit, Anna Paluch, im Sejm, als das Sondergesetz verabschiedet wurde.

Die damalige Opposition, aber auch Wissenschaftler und gesellschaftliche Organisationen waren da ganz anderer Meinung: „Dieses Projekt sollte nicht in dieser Form in den Sejm gehen. Es beweist, dass die Regierung von Recht und Gerechtigkeit nicht aus der ökologischen Katastrophe an der Oder gelernt hat“, kommentierte die Grünen-Abgeordnete Ma?gorzata Tracz auf Twitter.

Nun das. „Wir hatten gehofft, den Entwurf zu sehen und unsere Kommentare abzugeben, bevor er überhaupt aus dem Ministerium herauskommt. In der Zwischenzeit war ein Vertreter des Infrastrukturministeriums bei der Dezembersitzung dieser Gruppe nicht in der Lage, sich per Fernzugriff mit den übrigen Teilnehmern der Sitzung zu verbinden. Im Januar, als der Änderungsantrag als letzter Punkt auf der Tagesordnung stehen sollte, erklärte der Vertreter des Ministeriums, dass der Gesetzentwurf um 15 Uhr auf der entsprechenden Website aufgehängt werden würde“,- berichtet Jacek Engel, Mitglied des Teams zur Wiederherstellung der Oder.

„Die elementaren Dinge, die Naturkreise und Wissenschaftler seit der Oder-Katastrophe anprangern, fehlten in dieser Darstellung. Wir haben sie auch in das Weißbuch der polnischen Flüsse aufgenommen, in dem wir alle Probleme mit den Flussregulierungen aufgezählt haben:

Erstens die Frage der Gebühren für die Wasserentnahme für die Grubenentwässerung. Die Bergwerke sind die einzigen, die für die Wasserentnahme nicht bezahlen. Daher hat das Bergwerk kein Interesse daran, die entnommene Wassermenge zu minimieren.

Der zweite Punkt sind die Gebühren für die Einleitung von Salzwasser. Sie betragen seit 2015 0,05 PLN pro Kilogramm eingeleitetes Salz und werden nach dem von der Partei Recht und Gerechtigkeit verabschiedeten Sondergesetz bis 2030 so bleiben. Daran ändert auch das neue Sondergesetz nichts. Ein solcher Betrag ist kein Anreiz für den Bau von Entsalzungsanlagen“, rechnet Jacek Engel vor.

Die geänderte Oder-Verordnung ist nun in die öffentliche Anhörung gegangen. „Ich weiß nicht, warum wir ein Jahr lang auf diesen Entwurf gewartet haben, wenn es keine revolutionären Änderungen gibt“, kommentiert Maria Wloskowicz.

In einer Stellungnahme nach der Veröffentlichung des Entwurfs schrieb die Greenmind Foundation: „Eine viel bessere Lösung wäre ein kurzes Gesetz gewesen, das das Odergesetz in seiner Gesamtheit aufhebt. Leider können die neuen Behörden der Versuchung nicht widerstehen, die von ihren Vorgängern geerbten Gesetzeslücken und Durchbrüche im Gesetz zu nutzen.“

Warum ist der Kohlebergbau eine Katastrophe?

Przeglad, 3.2.2025

Nur fünf Tage lagen die zwei dramatischen Ereignisse auseinander. Am 22.Januar um 8 Uhr morgens kam es im Bergwerk Szczyglowice, die zur Jastrzebie GmbH gehört, zur Methangasentzündung. Von den 45 Bergarbeitern wurden 17 verletzt. An den Folgen starben drei Bergleute im Krankenhaus.

Am 27.Januar kam es zu einer weiteren Tragödie im Bergwerk Marcel, das zur Polnischen Bergbau Gruppe AG gehört. Auch hier kam es in 800 m Tiefe zu einem starken Beben. Es befanden sich dort 29 Bergleute, ein 34jähriger Schlosser war auf der Stelle tot. 11 Bergleute mussten ins Krankenhaus, wobei vier von ihnen im kritischen Zustand sind.

In der Natur des Bergbaus liegt es, dass manche Gefahren nicht vorhergesehen werden können. Jedoch vor der Gefahr durch eine Entzündung von Methan kann man sich schützen. Dafür gibt es Sensoren, die installiert und gewartet werden müssen, damit sie rechtzeitig einen Alarm auslösen können. Damit können solche Katastrophen, wie im Bergwerk Szczyglowice vermieden werden.

Die Lage der polnischen Bergbaugruppe AG ist seit langem alarmierend. Sorge bereitet auch die sich verschlechternde Lage der  Jastrzebie GmbH.

Immer wieder wird bekannt, dass Vorschriften missachtet werden, Dokumente gefälscht werden. So hat die Gewerkschaft August 80 herausgefunden, dass die Parameter des Methans gefälscht wurden.

Den Bergarbeitern werden bis zu 16 Monatslöhne im Jahr gezahlt. Prämien werden gezahlt, obwohl die Produktivität und die Erträge sinken. So lag der durchschnittliche Monatsverdienst 2023 bei 17.500 PLN und auf Landesebene bei ca. 7444 PLN. Die Löhne steigen weiter und die Erträge sinken. Da stellt sich die Frage, ob überhaupt noch Geld da ist, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Es gibt nach den letzten Katastrophen keine Anzeichen von Unregelmäßigkeiten. Allerdings ist die Situation im Kohlebergbau recht verwunderlich. Seit November gibt es in der Polnischen Bergbau AG keinen Chef. Einige Monate war es ein Major Leszek Pietraszek, der vorher bei Geheimdiensten tätig war, er hat das Amt nach der Wahl der Bürgerkoalition übernommen. Jetzt ist er in der Woiwodschaft ?l?sk für das Gesundheitswesen zuständig, deren Vorgänger wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wurde…

Nach Meinung des Autors gibt es 20.000 Beschäftigte im Bergbau zuviel. Inzwischen gibt es unter Tage viele Leute aus dem Osten, die kein polnisch können. Bei Anweisungen antworten sie „nieponimaju“. Wie soll da die Sicherheit im Bergwerk gewährleistet sein, zumal sie sicherlich nicht die notwendigen Schulungen durchlaufen haben.

Und wie ist der Umgang mit Dynamit? Gibt es womöglich eine Gefahr? Es könnten ja Saboteure eingeschleust werden und das bei der angespannten Energielage?

Es ist nicht klar, wer in der Regierung für den polnischen Bergbau zuständig ist. Die Zuständigkeit ist auf drei Ministerien verteilt, so dass niemand wirklich die Kontrolle über diese Branche hat.?