Aufmacher Widerstand 27. August 2026

Das 17.Weltsozialforum im westafrikanischen Benin
von Leo Gabriel

Das 17.Weltsozialforum (WSF) hätte ursprünglich vom 4. bis 8.August 2026 in Cotonou, der Hauptstadt des westafrikanischen Benin, stattfinden sollen. Aufgrund der Blockadepolitik der beninischen Behörden konnte es jedoch erst zwei Tage später eröffnet werden. Dass es trotzdem, wenngleich in stark verkürzter Form, vom 6. bis 8.August stattfand war vor allem das Verdienst der afrikanischen Bewegungen sowie der als »Könige« bezeichneten traditionellen Autoritäten der Region.

Am 21.Juli, etwa 15 Tage vor der geplanten Eröffnung des Forums, begannen (teilweise anonyme) Briefe zu zirkulieren, aus denen hervorging, dass die erst frisch im Amt befindliche Regierung die Durchführung des WSF nicht zulassen würde. Trotz dieser Ankündigung wurden die Vorbereitungen fortgesetzt, wenn auch mit erheblichen Beeinträchtigungen. Lokale und regionale Organisatoren hofften weiterhin auf einen Sinneswandel der Behörden in Cotonou, angefangen beim Innenminister.
Doch am Schluss verboten die beninischen Behörden den für den 4.August geplanten Eröffnungsmarsch des WSF und verwehrten den Zugang zum Universitätsgelände, auf dem die Aktivitäten stattfinden sollten. Sie verhinderten das Aufhängen von Transparenten und Plakaten, die für das WSF warben. Zudem blockierten sie an den Grenzen mehrere Buskonvois, die Teilnehmende aus etwa fünfzehn Ländern der Region und ihre Forderungen nach Recht auf Land und Wasser mitbrachten. Einer Delegation russischer Putin-Gegner wurden Visa verweigert.
Am 3.August wurden bei ihrer Ankunft am Flughafen Cotonou zwei skandinavische Delegierte, Mitglieder des Internationalen Rates des WSF, sowie ein deutscher Delegierter abgewiesen. Ihre Pässe wurden beschlagnahmt und sie wurden gezwungen, über Addis Abeba den Rückflug nach Europa anzutreten. Erst nach ihrer Abreise wurden ihnen die Pässe zurückgegeben.
Nach Angaben der haitianischen Delegation wurden mindestens drei haitianische Delegierte am Flughafen von Cotonou derselben Behandlung ausgesetzt. Auch mindestens zwei ugandische Delegierte wurden nach Addis Abeba zurückgeschickt.
Gleichzeitig deuteten die Behörden an, dass sie das WSF letztendlich doch genehmigen könnten, möglicherweise durch eine Verschiebung des Eröffnungstermins um einige Tage. Diese Politik der Ungewissheit trug maßgeblich dazu bei, die Vorbereitungen für das Forum zu stören und lokale Organisationen einzuschüchtern.
Die Bevölkerung von Cotonou oder von Benin im allgemeinen wurde weder informiert noch konnte sie öffentlich zur Teilnahme an den Aktivitäten eingeladen werden. Die lokalen Medien, insbesondere diejenigen, die von den Behörden kontrolliert oder stark beeinflusst werden, erwähnten das WSF weder vor noch während noch nach der Veranstaltung.

Das Ziel des WSF
Als das Forum schließlich nach einer am Abend des 5.August von den Behörden verkündeten Entscheidung genehmigt wurde, nahmen kaum 3000 Personen aus über hundert Ländern an verschiedenen Aktivitäten teil, die teilweise in Räumlichkeiten außerhalb der Universität stattfanden. Die Behörden hatten also ihr Ziel, die von den Organisator:innen geplante »Konvergenz der sozialen Bewegungen« zu untergraben, teilweise erreicht.
Nach langwierigen Verhandlungen und bürokratischen Hürden durften auch die Karawanen, die inzwischen von ein paar tausend Menschen auf 400 geschrumpft waren, nach Cotonou einfahren, wo sie von einer jubelnden Menschenmenge stürmisch begrüßt und als Helden gefeiert wurden. Sie setzten sich für Zugang zu Land und Wasser ein und hoben vor allem die Forderung nach Ernährungssouveränität hervor. Die Hindernisse, auf die sie stießen, spiegeln auch die Einschränkungen wider, die die Behörden in verschiedenen afrikanischen Ländern innerafrikanischen Bewegungen auferlegen.

Die ›Großen Debatten‹
Trotz dieser Schwierigkeiten konnten einige hundert Veranstaltungen zu einer Vielzahl von Themen stattfinden. Da es jedoch an echten Bemühungen fehlte, Veranstaltungen zu verwandten Themen zu koordinieren, war es sehr schwierig, diese miteinander zu verknüpfen. Nur drei sogenannte »Große Debatten« (Grands Débats), an denen eine beträchtliche Anzahl von Personen teilnahmen und die von den Mitgliedsorganisationen des Internationalen Rates des WSF organisiert worden waren, konnten das in der Vorbereitung zu diesem WSF angepeilte Ziel teilweise erreichen, nämlich die Konvergenz zwischen den Friedens-, Umwelt-, Gewerkschafts-, Frauen- und Menschenrechtsbewegungen voranzutreiben.
Letzteres hatte sich bereits in der Vorbereitung zum diesjährigen WSF abgezeichnet, wobei der Vorschlag des Nordens sich vor allem auf »Frieden, Entmilitarisierung und Selbstbestimmungsrecht der Völker« (Grand Débat 2) konzentrierte, während in afrikanischen und südwestasiatischen Ländern wie Indien der Kampf um »Entkolonisierung, Land, Wasser und Ernährungssouveränität« (Grand Débat 1) im Vordergrund stand. Anhand dieser Prozesse zeichnete sich interessanterweise ein Brückenschlag zwischen den Bewegungen im Globalen Norden und denen des Globalen Südens ab, der sich auf kulturell unterschiedliche Art und Weise äußerte. So setzten die Bewegungen im Norden Europas in ihrem Helsinki+50-Prozess auf »Peace on Earth and Peace with Earth«, die Gewerkschaften auf »Welfare, not Warfare«, während in Benin selbst und in Indien demokratiepolitische Maßnahmen zur Förderung autochthoner Kulturen im Vordergrund standen.
All diese Forderungen waren von ständigen Beteuerungen wechselseitiger Solidarität begleitet, wobei vor allem Palästina, Kuba und der Sudan eine große Rolle auf verschiedenen Veranstaltungen spielten.
Kurz: Das diesjährige Weltsozialforum in Benin (Westafrika) wird gerade wegen der großen Spannungen zwischen Regierung und internationaler Zivilgesellschaft zwar nicht als das größte, aber immerhin als ein WSF in die Geschichte eingehen, das es geschafft hat, zu den Wurzeln der Menschheit zurückzukehren und aus ihnen Lehren für künftige Strategien und Aktionen auf globaler Ebene zu setzen.

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