West-östlicher Divan: 200.Geburtstag
Warum wird das an deutschen Schulen nicht gelehrt?
von Manuel Kellner
Zu Goethes Zeit galt Mohammed als „Lügenprophet“. Voltaire zeichnete mit seiner Tragödie „Mahomet“ ein Zerrbild des Islam. Goethe selbst war künstlerischer Morgenlandfahrer und schuf den West-östlichen Divan (erschienen im August 1819) im Geiste des Dialogs zwischen christlich-westlicher bzw. „aufgeklärt“-westlicher und islamisch-östlicher Kultur. Die Mehrheit der eingewanderten Menschen in Deutschland kommt aus dem islamischen Kulturkreis. Es ist ein Skandal, dass dieses Werk von Goethe an deutschen Gymnasien nicht behandelt wird.
Aron Amm: Moribund. Ein Amerika-Roman
Berlin: KLAK-Verlag, 2019. 379 S., 16,90 Euro
von Manuel Kellner
Die Aero-Company produziert Flugzeuge und gerät nach dem 11.September 2001 unaufhaltsam in den Strudel der Pleite. Gordon Stahl bleibt nichts zu erben. Zuletzt spekuliert er noch vergebens auf eine politische Karriere. Privat – in seiner Ehe mit Maureen – ist er ohnehin schon gescheitert. Letztlich bringt er sich um. Der amerikanische Traum umgekehrt.
200 Jahre Theodor Fontane
«Ich habe mich heut der Reaction verkauft»
von Paul B. Kleiser
Im Unterschied zu den anderen Autoren des «poetischen Realismus», die im deutschsprachigen Raum die wichtigsten Novellen und Romane des 19.Jahrhunderts verfasst haben – etwa Theodor Storm, Wilhelm Raabe oder die beiden Schweizer Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer –, hatte Theodor Fontane immer ein großes Lesepublikum. Nach dem Ende der DDR hat der Einfluss dieses urpreußischen Autors wohl noch zugenommen. Besonders seine «Frauenromane», die eigentlich Gesellschaftsromane sind, Cécile, Stine, Frau Jenny Treibel und natürlich Effie Briest, erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.
Volk der Linken
Ein Beitrag zur sozialistischen Strategiediskussion
von Manuel Kellner
Thomas E. Goes: Klassen im Kampf. Vorschläge für eine populare Linke. Köln: PapyRossa, 2019. 182 S., 14,90 Euro
In seinem neuen, lesenswerten Buch präzisiert Thomas Goes seine Vorstellungen zur strategischen Orientierung der sozialistischen und revolutionären Linken, die er zusammen mit Violetta Bock 2017 in Ein unanständiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte vorgestellt hatte.
Frankreich: Text über und für die Gelbwesten
«Jede Person, die eine Gelbweste verunglimpft, beleidigt meinen Vater»
von Édouard Louis
Dieser im Dezember 2018 verfasste Text des französischen Schriftstellers Édouard Louis erschien mit dessen freundlicher Genehmigung in l’Anticapitaliste, der Monatszeitschrift der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) (Nr.103, Januar 2019). Ebenfalls im Januar ist das neueste Buch von Édouard Louis unter dem Titel Wer hat meinen Vater umgebracht auf Deutsch erschienen (S.Fischer, 80 S., 16 Euro).
1968 im Sport. Eine historische Bilderreise
Hildesheim: Arete Verlag, 2018. 124 S., 18 Euro
von Kai Böhne
Das Jahr 1968 im Spitzensport
Walter Ulbricht und Erich Honecker lächelnd und händeschüttelnd mit breitkremprigen Sombreros auf dem Kopf – dieses seltsame Foto stammt aus dem Bildband 1968 im Sport. Die Hüte waren ein Mitbringsel des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, gefeiert wurde das erfolgreiche Abschneiden der DDR-Sportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko.
Versailles – der überforderte Frieden
Eine Last, an der wir heute noch tragen
von Paul B. Kleiser
Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C.H.Beck, 2018. 1531 S., 38 Euro
Die Konferenz von Paris und Versailles, die am 28.Juni 1919 mit einem umfangreichen Vertragswerk zu Ende ging, hat im 20.Jahrhundert weitreichende Auswirkungen gehabt.
Munition für den Klassenfeind?
Die Rote Hilfe im Kreuzfeuer der Kritik
von Angela Klein
Am 7.Oktober dieses Jahres jährt sich zum 70.Mal die Gründung der DDR – 40 Jahre später war der 7.Oktober 1989 der Auftakt zu ihrem Zusammenbruch.
Nicht zu diesem Anlass, aber in diesem Kontext hat die Rote Hilfe ein Sonderheft herausgegeben, das sich mit der Unterdrückung der linken Opposition in der DDR beschäftigt. Das hat auf der Seite der unverbesserlichen Verteidiger der DDR einen Sturm der Entrüstung hervorgebracht – von der jungen Welt über die DKP, den Freidenkerverband, das Ostdeutsche Kuratorium der Verbände… Antworten darauf gab es u.a. von Teilen der ehemaligen Vereinigten Linken der DDR und der Zeitschrift telegraph.
Rolf Geffken: Umgang mit dem Arbeitsrecht. Handbuch für Beschäftigte
Neuauflage und Altauflage in einem. 400 S., 26,80 Euro
von Michael Sankari
40 Jahre Erfahrung mit dem Arbeitsrecht – Um es gleich vorweg zu nehmen: wir können nur hoffen, dass das Buch von Rolf Geffken zum Standard in jedem Betriebsratsbüro und in jedem Buchregal betriebspolitisch interessierter und Organizer und Aktivisten wird. Wo wir es ganz sicher nicht finden werden, ist in den Stuben professioneller Konfliktabwickler, in den Büros der Versicherungen und den Schreibtischen des DGB-Rechtsschutz im Gewerkschaftshaus (sofern die nicht schon zum Call-Center umstrukturiert wurde) – nötig wäre es dort umso mehr.
Winfried Wolf: Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt
Wien: Promedia, 2019. 216 S., 17,90 Euro
von Rolf Euler
Über den Titel des Buches stolpert man erstmal: Ist nicht gerade die Vermeidung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen und damit des CO2-Ausstoßes ein dringendes Ziel und müsste das nicht im Verkehr durch den Einsatz von elektrischen Antrieben geschehen? Wieso dann Sackgasse?
Der Autor Winfried Wolf ist seit Jahrzehnten als Kritiker der Autokonzerne und als Verteidiger des öffentlichen Verkehrs bekannt. Seine Untersuchung zu den technischen, gesellschaftlichen und Umweltfolgen des Elektroautos sind überzeugend dargelegt: Tatsächlich handelt es sich um den Versuch der Autokonzerne, aus allen Krisen des motorisierten Individualverkehrs heraus eine neue Stufe der profitorientierten Autoproduktion zu erreichen.
Eine lesenswerte Studie zur deutschen Revolution
Axel Weipert: Die Zweite Revolution. Rätebewegung in Berlin 1919/1920
von mke
Berlin, Brandenburg: be.bra, 2015. 476 S., 32 Euro
Im Gegensatz zu dem, was der Titel ausdrückt, beschränkt sich die Studie nicht auf Berlin. Berlin war zwar der politische Mittelpunkt des deutschen Reichs und das Epizentrum der Arbeiter- und Soldatenrätebewegung, der Autor geht aber immer wieder auf Ereignisse in anderen Teilen Deutschlands ein.
Die Arbeit des Körpers im Kapitalismus
Warum technischer Fortschritt schwere körperliche Arbeit nicht abschafft
von Johann-Friedrich Anders
Wolfgang Hien: Die Arbeit des Körpers. Eine kritische Arbeitsgeschichte von der Hochindustrialisierung in Deutschland und Österreich bis zur neoliberalen Gegenwart. Wien: Mandelbaum, 2018. 344 S., 25 Euro
Was passiert mit den Körpern und der Psyche der Arbeiterinnen und Arbeiter bei der Arbeit in der kapitalistisch verfassten Industrie und im Dienstleistungsgewerbe? Wie erleben sie den Arbeitsprozess?