Geschichte Deutschlands im 20.Jahrhundert
Ulrich Herbert: München, C.H.Beck, 2014. 1451 S., 39,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Unter den deutschen Historikern, die nach 1950 geboren wurden, nimmt Ulrich Herbert, der an der Universität Freiburg lehrt, einen besonderen Rang ein. Lange Jahre bearbeitete er Themen, die vom historischen «Mainstream» eher links liegengelassen wurden.
Klaus Kufeld: Der kulinarische Eros
Geschichten über die Seele des Kochens & Essens. Wien: Edition Splitter, 2009. 144 S., 22 Euro
von Dieter Braeg
Der Herr Feuerbach hatte schon recht, als er verkündete, der Mensch sei, was er isst! Der Umgang mit Lebensmitteln findet zur Zeit leider nur sehr selten im Bereich Kultur und Philosophie statt. Wir haben es eher mit «Kochkünstlern» zu tun, die Geist und Körper leider nicht einmal leichte Kost bieten, sich «Lafer-Lichter-Lecker» oder so ähnlich nennen und Lebensmittel und Esserin/Esser foltern.
Mit Mikrokrediten gegen die Armut?
Rendite machen und Gutes tun? Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik. Hrsg. Gerhard Klas, Philip Mader. Frankfurt a.M.: Campus, 2014. 217 S., 19,90 Euro
von Paul B. Kleiser
Eines der Ideologeme des Neoliberalismus besteht in der Vorstellung, jeder sei seines Glückes Schmied. Demnach brauchen arme Menschen vor allem im globalen Süden kein gutes Ausbildungs- und Gesundheitssystem, sondern «Mikrokredite» zur Herstellung von einfachen Produkten, die sie dann auf dem Markt mit Gewinn verkaufen und damit die Kredite zurückzahlen. Längerfristig würde dadurch in den Entwicklungsländern die Armut abgebaut, so die offizielle Propaganda.
Europas Strippenzieher
Wer in Brüssel wirklich regiert. Cerstin Gammelin, Raimund Löw: Berlin 2014. 384 S., 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Das Buch der beiden Autoren ist in mehrerlei Hinsicht von Interesse: Löw hat als langjähriger Brüsseler Korrespondent des Österreichischen Rundfunks (ORF) offensichtlich gute Beziehungen zu den Brüsseler «Sherpas», die für die Politiker die Drecksarbeit machen dürfen (aber auch gute Hintergrundinformationen besitzen); auf dieser Grundlage berichtet er häufig detailliert über die Hintergründe von Entscheidungen (und die Abgründe der Treffen); außerdem kommt er aus einem kleinen Land, was seine Kritik am Gerangel beflügelt. Die Journalistin Cerstin Gammelin schreibt für die Süddeutsche Zeitung.
Roger Willemsen: Das Hohe Haus
Ein Jahr im Parlament. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2014. 398 S., 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Roger Willemsen, der viele Jahre mit Dieter Hildebrandt zusammengearbeitet und lesenswerte Bücher über Guantánamo und Afghanistan geschrieben hat, hat den nötigen Masochismus aufgebracht, sich ein Jahr ins Plenum des Bundestags zu setzen und einfach den Abgeordneten zuzuhören. Es werden in diesem Zeitraum (zwischen zwei austauschbaren Neujahrsansprachen der Kanzlerin) unzählige innen- und außenpolitische Themen abgehandelt, wobei es häufig nicht auf Sachkenntnis, sondern auf Beschimpfung des Gegners, allen voran der LINKEN, ankommt.
Erich Mühsam Lesebuch
.«Das seid ihr Hunde wert!». Hrsg. Markus Liske, Manja Präkels. Berlin: Verbrecher-Verlag. 345 S., 16 Euro
von Dieter Braeg
Vor 80 Jahren, im Juli 1934, wurde Erich Mühsam nach über 16monatiger «Schutzhaft» von der SS ermordet
Geboren am 6.April 1878 in Berlin, wuchs er in Lübeck auf. Früh entstanden erste Texte, die in der Schule und im Elternhaus auf Ablehnung stießen. Wegen «sozialistischer Umtriebe» wurde er relegiert. Er lernte Apotheker, ab 1900 Arbeit arbeitete er verschiedenorts als Apothekergehilfe.
Die Psychologie soldatischer Männerbünde
Zur Aktualität von Klaus Theweleits Männerphantasien
von Rolf Euler und Manuel Kellner
Klaus Theweleits Männerphantasien erschienen 1977/78 in zwei Bänden und umfassen über tausend Seiten. Sie gehören zu den Schriften, die von Zeit zu Zeit wieder hervorgeholt werden sollten, gerade heute. Denn seine Erkenntnisse gelten nicht nur für die Vergangenheit: Erster Weltkrieg, Kolonialkriege, Faschismus und Nationalsozialismus, sie helfen auch die neueren Kriege, Massaker, gewaltsame Konfrontationen und brutalen Misshandlungen zu verstehen, wie vor wenigen Jahren in Jugoslawien und heute im Irak, in Syrien und in vielen weiteren Teilen der Welt
Cash oder Crash
Denknetz-Jahrbuch 2013 (Hrsg. Denknetz)
von Peter Nowak
Im Zentrum der Aktionskonferenz Care-Revolution, die Mitte März in Berlin stattgefunden hat, stand das Recht, «selbstbestimmt für sich und andere zu sorgen und selbstbestimmt zu entscheiden, von wem wir versorgt werden wollen», schrieb Gabriele Winker, einer der Kongressorganisatorinnen. Die Diskussion ist überfällig.
Franz Innerhofer: Schöne Tage
Ergänzte Neuauflage. Salzburg, Wien: Residenz, 2011
von Dieter Braeg
Kein schöner Land? So beginnt ein Volkslied, da findet man sich ein unter Linden zur Abendzeit und versinkt in picksüßer Idylle. Schöne Tage der erste Roman von Franz Innerhofer erschien im Jahre 1974. «Der Pflege einer kinderlosen Frau entrissen, sah Holl sich plötzlich in eine fremde Welt gestellt. Es waren da große Räume und viele Menschen, die keine Zeit hatten für Kinder, denn sie mussten sich heftig bewegen. Die Felder waren verwahrlost und die Menschen hungrig.»
Hommage an Sampat Pal
Amana Fontanella-Khan: Pink Sari Revolution – Die Geschichte von Sampat Pal, der Gulabi Gang und ihrem Kampf für die Frauen Indiens. Berlin: Hanser, 2014. 272 S., 19,80 Euro
von Gerhard Klas
Seit eineinhalb Jahren berichten Medien immer wieder von Vergewaltigungen in Indien. Mit Pink Sari Revolution ist nun ein Buch erschienen, das den Widerstand von einfachen, armen Frauen gegen die alltägliche Gewalt und Unterdrückung am Beispiel der Gulabi Gang beleuchtet, die in Zentralindien aktiv ist.
Die Rote Hilfe in der BRD
Das Prinzip Solidarität. Zur Geschichte der Roten Hilfe in der BRD (Hrsg. Bambule). Hamburg: Laika, 2013. 2 Bd., je Band 21 Eur
von Peter Nowak
In den letzten Wochen haben Häftlinge in Bremen und Thüringen mit Hungerstreiks gegen die aus ihrer Sicht unzumutbaren Haftbedingungen protestiert. Auch die linke Öffentlichkeit nahm wenig Notiz davon. Schließlich handelte es sich nicht um politische Gefangene, die in der Regel Unterstützergruppen haben. Dabei gibt es auch bei sognannten sozialen Gefangenen eine Tradition von Kämpfen um ihre Rechte.
Wo ist die Zeitlupe?
Hartmut Rosa beschwert sich darüber, dass alles immer schneller geht
von Ale Schmitz
Die Linken haben keine Zeit, Revolution zu machen. So gesehen sind sie tatsächlich der bewussteste Teil der Bewegung – denn die meisten Menschen klagen darüber, dass sie zu wenig Zeit haben. Aber die Revolution soll man ja auch nicht in der Freizeit machen, sondern in den Betrieben, oder?