Jörg Huwer: «Gastarbeiter» im Streik
Die Arbeitsniederlegung bei Ford im August 1973. Köln: Edition DOMiD, 1973. 114 S., 12 Euro
von Dieter Braeg
In seinem Vorwort schreibt Manfred Kolb, Geschäftsführer von DOMID (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V.): «Zweifellos war der Ford-Streik ein deutliches Zeichen für das Ende der ‹Gastarbeiterzeit›. Die bereits zuvor aufgetretenen Fragen nach dem ökonomischen Nutzen und den sozialen Folgen der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte wurden noch kritischer diskutiert. Die Bundesregierung reagierte auf ihre Weise: Knapp drei Monate nach Ende des Streiks verkündete sie im November 1973 den offiziellen Anwerbestopp für ausländische Arbeitskräfte.»
Haben wir ein Umweltproblem, weil es zuviele Menschen gibt?
Stephen Emmott, Zehn Milliarden. Berlin 2013: Suhrkamp Verlag, 206 Seiten, 14,95 Euro. Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger.
von Gerhard Klas
Seit dem spektakulären Scheitern des Weltklimagipfels Dezember 2009 in Kopenhagen ist das Thema Erderwärmung in der veröffentlichten Meinung zunehmend in den Hintergrund gerückt. Mit der Veröffentlichung des neuesten Berichts des Weltklimarates unter dem indischen Direktor Rajendra Pachauri Ende September ist die Aufmerksamkeit wieder etwas gestiegen.
Duisburg. Eine Stadt wird zerstört
Roland Günter: Stadtmassaker und Sozialverbrechen. Studie zur Kommunalpolitik am Fallbei(l)spiel ‚Stadtzerstörung und Stadtentwicklung in Duisburg‘. Essen 2013, Klartext-Verlag. 432 Seiten mit vielen Bildern, 23,95 Euro.
von Leo Löwe
Nein, dieses Buch wirft den Leser nicht in eine tiefe Depression, wie der Autor im Vorwort selbst vermutet und wofür er angesichts der geschilderten Ungeheuerlichkeiten in Duisburg allen Grund hat. Nein, dieses Buch, die dargestellten Vorgänge machen wütend. Sie machen mich so wütend, dass ich mich wundere, dass die Menschen in Duisburg nicht längst zu ganz anderen Mitteln als dem gesprochenen Wort und der politischen Debatte greifen.
Wie Bund und Länder bei der NSU-Aufklärung versagen
Bodo Ramelow (Hg.), „Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen. Wie rechter Terror, Behördenkumpanei und Rassismus aus der Mitte zusammengehen“. Hamburg 2013: VSA, 238 Seiten, 12,80 Euro
von Andreas P. Zaleshoff
„958 Seiten Inkonsequenz“. So lautete kurz und knapp die Beurteilung des Abschlussberichts des Bundestagsuntersuchungsausschusses durch die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Köditz ist Obfrau der LINKEN im sächsischen Untersuchungsausschuss, der sich allerdings – ein wichtiger Unterschied – als Gegenstand der Arbeit „Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen“ vorgenommen hat.
Eine Linie von Lassalle zu Peer Steinbrück?
Ralf Hoffrogge: Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland.
Von den Anfängen bis 1914. 215 Seiten, Stuttgart 2011: Schmetterling Verlag, 10 Euro.
von Jörg Roesler
Vor 150 Jahren, am 23. Mai 1863, gründete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Das Datum gilt als Geburtsstunde der Arbeiterbewegung in Deutschland und wurde im vergangenen Mai groß begangen – meist unter dem Titel „150 Jahre Sozialdemokratie“. Doch führt wirklich eine gerade Linie von Ferdinand Lassalle zu Peer Steinbrück?
Kein Kochbuch
Reinhard P.Gruber, „Einfach Essen!“ Kochbuch für die harten Zeiten. 120 Seiten. Graz-Wien 2010: Literaturverlag Droschl. 18 Euro
von Dieter Braeg
Über den Autor Reinhard P.Gruber, muss man doch mehr als nur einige lobende Worte erwähnen. Er hat viele gute Texte geschrieben, er wäre es wert, im deutschsprachigen Raum mehr gelesen zu werden. Da wäre zum Beispiel sein Buch „Nie wieder Arbeit“ da kann man ein Manifest lesen, hier eine kurze „Kostprobe“:
Die Geschichte der BRD ist noch nicht geschrieben
Josef Foschepoth: Überwachtes Deutschland. Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2013. 378 S., 34,99 Euro.
von Dominik Rigoll
Während die Geschichte der DDR zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf der Grundlage von Quellen ihrer Staatsschutzorgane geschrieben wird, harrt die westdeutsche «streitbare Demokratie» noch immer ihrer Historisierung.
Demokratische Autonomie in Nordkurdistan
Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis – eine Erkundungsreise in den Südosten der Türkei.
Neuss: Mesopotamien Verlag, 2012. Schutzgebühr: 5 Euro+Porto.
von Ulf Petersen
Im September 2011 fuhr eine Delegation aus Deutschland nach Nordkurdistan (Südosttürkei), um mehr über die Ansätze der Selbstverwaltung im Rahmen des Konzepts der «Demokratischen Autonomie» zu erfahren. Die Ergebnisse mit ausführlichen Interviews sind in einer 180-seitigen Broschüre zusammengefasst (alle Zitate im Folgenden aus der Broschüre).
Vom Wunsch, das Rad zurückzudrehen
Wolfgang Streeck: Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus. Berlin: Suhrkamp, 2013. 270 S., 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Das neue Buch des Kölner Soziologen und früheren Direktors des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, Wolfgang Streck, hat wegen seiner Analyse der gegenwärtigen Krise des «demokratischen Kapitalismus» große Verbreitung und Beachtung gefunden.
«Wird Zeit, dass wir leben»
Zum fünften Todestag von Christian Geissler
von Michael Banos
Den «Hieronymus Bosch des Deutschen Herbstes» nannte der Schriftsteller Jürgen Lodemann Christian Geissler in einem Nachruf vor fünf Jahren (siehe SoZ 10/2008).
Thomas Rothschild: Bis jetzt ist alles gut gegangen. Fälliger Dank und mürrische Zwischenrufe.
Wien: Klever, 2012. 223 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg
Als ich im Jahr 2006 das Buch „Alles Lüge“ von Thomas Rothschild besprach, stellte ich fest: «Gar viele behaupten, an einer schönen Welt zu basteln. Noch mehr lügen in die Taschen anderer, weil die eigene Tasche schon lügenvoll ist. Die Verhältnisse sind nützlich, und es ist so erfreulich, dass Thomas Rothschild noch immer für viel zu viele kein unangenehmer Zeitgenosse ist. Mir wäre lieber, es wäre anders, weil Verhältnisse in diesem Land eben nur für den so sind, wie sie sein sollen, der es sich richtet.»
Ab durch den Kamin
«Das allerletzte Gefecht»: Wolfgang Pohrt zieht den Stöpsel aus dem Kommunismus
von Ale Schmitz
Wo bleibt eigentlich die Weltrevolution? Der Essayist und Soziologe Wolfgang Pohrt hat keine Lust mehr, darauf zu warten. Für ihn ist der Kommunismus «wie Rauch durch den Kamin» abgezogen. Während die Banken bislang noch gerettet werden konnten, sei die Linke «jetzt schon bankrott».