Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Buch 12. Juni 2013

Wolf Wetzel: Der NSU-VS-Komplex

Münster: Unrast, 2013. 130 S., 12 Euro
von Angela Klein

Wenn die zuständigen Behörden – Polizei, Landes- und Bundeskriminalamtes, Landes- und Bundesverfassungsschutz bis hinauf zu den Innenministern – alles wussten, wie zuletzt Report Mainz an Hand einer vergessenen Kladde aus dem sächsischen Innenministerium enthüllte. Wenn der NSU im Untergrund dank 25 eingesetzten V-Leuten von den Behörden «wie Goldfische im Aquarium» gehalten wurden und der Kontakt nie abgebrochen ist. Wenn es zwischen den Behörden vielleicht Kompetenzstreitigkeiten gab, sie aber auf den beiden Feldern «Gewährenlassen» und «Vertuschen» alle an einem Strang zogen. Dann stellen sich viele Fragen, denen Wolf Wetzel bohrend nachgeht.

Buch 12. Juni 2013

Silvia Federici: Aufstand aus der Küche.

Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster: Edition Assemblage, 2012. 128 S., 9,80 Euro
von Rahel Wusterack

Der breite Zugang von Frauen zur Lohnarbeit hat bisher nicht zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern geführt. In der Regel wird dieser Umstand damit erklärt, dass derartige Umbrüche Zeit benötigen. Dann folgt meist ein leicht rechtfertigend anmutender Verweis auf die immensen Fortschritte der letzten Jahrzehnte.

Buch 12. Juni 2013

Gisela Notz: «Freiwilligendienste» für alle.

Von der ehrenamtlichen Tätigkeit zur Prekarisierung der «freiwilligen «Arbeit». Neu-Ulm: AG SPAK, 2012. 120 S., 10 Euro
von Rolf Euler

Stopfen der Löcher im Sozialstaat – ehrenamtliche und freiwillige Arbeit ist erneut das Thema dieses Buchs von Gisela Notz. Seit langem forscht und publiziert sie über die nicht (oder gering) bezahlte Arbeit, vor allem von Frauen. Sie beschreibt die Geschichte der sozial Tätigen – «ehrenamtlich» oder «freiwillig» beschäftigt, mehr oder weniger gezwungen durch Kriegs- oder Krisenfolgen.

Buch 12. Juni 2013

Clemens G. Arvay: Friss oder stirb

Wie wir den Machthunger der Lebensmittelkonzerne brechen und uns besser ernähren können. Salzburg: Ecowin, 2013. 232 S., 21,90 Euro

Pferdefleisch und Bioeier brachten zuletzt die Missstände unserer Art der Ernährung wieder in «aller Munde». Auch das österreichische Fernsehen beteiligte sich an der Diskussion mit einer Debatte, an der auch ein junger Agrarbiologe, Clemens Arvay, beteiligt war.

Buch 12. Juni 2013

Die neuen Rechten in Europa

Zwischen Neoliberalismus und Rassismus. (Hrsg. Peter Bathke, Anke Hoffstadt.) Köln: PapyRossa, 2012. 365 S., 18 Euro

Als Nachtrag zu einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW vom November 2011 haben Peter Bathke und Anke Hoffstadt einen Sammelband herausgegeben, der Politik und Ideologie der diversen Rechtsparteien in Europa «zwischen Neoliberalismus und Rassismus» beleuchtet.

Buch 12. Juni 2013

*David King: Ganz normale Bürger. Die Opfer Stalins

Essen: Mehring, 2012. 192 S., 196 Abbildungen, 29,90 Euro (englische Erstveröffentlichung 2003)
von Werner Abel

«Die Weltpartei des Leninismus», diesen Titel gab der wortgewaltige Vorsitzende des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, Grigori Sinowjew, der Buchausgabe seiner Eröffnungsrede auf dem V.Weltkongress der KI im Juni 1924. Sinowjew begründete mit dem «Leninismus» nicht nur eine neue Theorie, die den Marxismus in der Epoche des Imperialismus ergänzen sollte (ein «-ismus», verbunden mit seinem Namen, wäre von Lenin mit Sicherheit entschieden abgelehnt worden), er zeigte auch den Weg auf, wie die kommunistischen Parteien in aller Welt auf diese Theorie eingeschworen werden sollten.

Buch 12. Juni 2013

Anja Röhl: Die Frau meines Vaters

Erinnerungen an Ulrike. Hamburg: Edition Nautilus, 2013. 157 S., 18 Euro
von Dieter Braeg

Kindheitserinnerungen, die Ende der 50er Jahre beginnen. Es ist schwer, zu einer Zeit zurückzufinden, sie zu beschreiben, wieder zu durchleben. Anja Röhl kam im Jahre 1955 in Hamburg zur Welt. Sie ist die Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl (Gründer der Zeitschrift Konkret).

Buch 30. Mai 2013

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Eine Geschichte von Faszination und Verachtung
von Michael Banos

Sich selbst ein Bild machen, mit eigenen Augen nachsehen; etwas überprüfen; sich vor Augen führen; sich eine eigene Meinung bilden; sich informieren – das ist eine eigentlich positiv besetzte Kulturtechnik. Dass es auch anders geht, wie Bilder von Verzerrung, Hass, Verachtung und vermeintlicher Bedrohung gemacht und weitergegeben werden, zeigt Klaus-Michael Bogdal in einem fundiert recherchierten Buch, wofür ihm kürzlich auf der Buchmesse in Leipzig den Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen wurde. Er berichtet über ein kollektives Gedächtnis der Ablehnung alles Fremden über Jahrhunderte hinweg, nennt es treffend das «böse Gedächtnis» der Kultur.

Buch 25. April 2013

Ulrich Chaussy, Gerd R. Ueberschär: «Es lebe die Freiheit!»

Die Geschichte der Weißen Rose und ihrer Mitglieder in Dokumenten und Berichten. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2013. 534 S., 10,99 Euro

von Peter Fisch

«Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit – entscheidet Euch, eh es zu spät ist.» Vor 70 Jahren wurden Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst verhaftet und hingerichtet.

Die letzten Gründe, warum Hans und Sophie Scholl am 18.Februar 1943 Flugblätter vor den noch verschlossenen Hörsälen und in den Gängen der Universität München ablegten und weitere in deren Lichthof warfen, werden wir wohl nie erfahren. War es doch eine fast öffentliche, geradezu leichtfertige Aktion, die zur Festnahme der Geschwister durch den Pedell Jakob Schmid und zur Übergabe an die herbeigerufene Gestapo führte. Neue Erkenntnisse, die das im Februar 2013 von Ulrich Chaussy und Gerd R. Ueberschär unter dem Titel «Es lebe die Freiheit!» herausgegebene Kompendium vermittelt, machen annähernde Vermutungen möglich.

Buch 2. April 2013

Roadmap zum Frieden?

Abdullah Öcalan, Die Roadmap für Verhandlungen: Gefängnisschriften.
Bonn 2013: Pahl-Rugenstein. 146 Seiten, Paperback: 9,90 Euro.
von Nick Brauns

Zwischen dem in Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, und dem türkischen Geheimdienst laufen derzeit Verhandlungen über ein Ende des Krieges in Kurdistan. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, hat Öcalan bereits im Jahr 2009 in einer „Roadmap für Verhandlungen“ skizziert. Der vom türkischen Staat eineinhalb Jahre lang geheim gehaltene Text ist auch für die weiteren Verhandlungen von zentraler Bedeutung, betont die Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan –  Frieden in Kurdistan“; sie ist die Herausgeberin der nun vom Pahl-Rugenstein Verlag vorgelegten deutschen Übersetzung.

 

Buch 2. März 2013

Alice im Niemandsland: Alice Schwarzer in der Kritik

Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor.
München: DVA, 2012. 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Das Buch der in Konstanz lehrenden Autorin Miriam Gebhardt mit dem Untertitel «Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor» ist nicht nur eine Kritik an den Positionen und der dominanten Rolle, die Alice Schwarzer, als Schülerin von Simone de Beauvoir, seit den 70er Jahren in der deutschen Frauenbewegung einnimmt. Es bringt einen Abriss der Entwicklung der deutschen und internationalen Frauenbewegung und geht der Frage nach, warum die Situation in Deutschland – verglichen mit anderen westlichen Ländern und selbst mit der Vergangenheit im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – so provinziell ist. Eine erklärte Antifeministin wie Kristina Schröder konnte hierzulande Frauenministerin werden.

Buch 2. März 2013

Louis Gill: George Orwell. Vom spanischen Bürgerkrieg zu „1984“

Lich: Edition AV, 2012. 156 S., 16 Euro
von Werner Abel

George Orwells Mein Katalonien gehört zweifelsohne zu den Klassikern der Literatur über den Spanischen Krieg. Orwell fühlte sich verpflichtet, die aus der Zweiten Republik heraus beginnende soziale Revolution und die junge Demokratie gegen die franquistischen Putschisten zu verteidigen. Hätte ihm die Kommunistische Partei Großbritanniens nicht ein Empfehlungsschreiben verweigert, wäre er vermutlich in die Internationalen Brigaden eingetreten. So trat er den POUM-Milizen bei, sicher auch deshalb, weil die POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista) gute Kontakte zur englischen Independent Labour Party hatte, mit der Orwell zu der Zeit sympathisierte und deren Mitglied er 1938 werden sollte.