Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Buch 25. April 2013

Ulrich Chaussy, Gerd R. Ueberschär: «Es lebe die Freiheit!»

Die Geschichte der Weißen Rose und ihrer Mitglieder in Dokumenten und Berichten. Frankfurt a.M.: S.Fischer, 2013. 534 S., 10,99 Euro

von Peter Fisch

«Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit – entscheidet Euch, eh es zu spät ist.» Vor 70 Jahren wurden Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst verhaftet und hingerichtet.

Die letzten Gründe, warum Hans und Sophie Scholl am 18.Februar 1943 Flugblätter vor den noch verschlossenen Hörsälen und in den Gängen der Universität München ablegten und weitere in deren Lichthof warfen, werden wir wohl nie erfahren. War es doch eine fast öffentliche, geradezu leichtfertige Aktion, die zur Festnahme der Geschwister durch den Pedell Jakob Schmid und zur Übergabe an die herbeigerufene Gestapo führte. Neue Erkenntnisse, die das im Februar 2013 von Ulrich Chaussy und Gerd R. Ueberschär unter dem Titel «Es lebe die Freiheit!» herausgegebene Kompendium vermittelt, machen annähernde Vermutungen möglich.

Buch 2. April 2013

Roadmap zum Frieden?

Abdullah Öcalan, Die Roadmap für Verhandlungen: Gefängnisschriften.
Bonn 2013: Pahl-Rugenstein. 146 Seiten, Paperback: 9,90 Euro.
von Nick Brauns

Zwischen dem in Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, und dem türkischen Geheimdienst laufen derzeit Verhandlungen über ein Ende des Krieges in Kurdistan. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, hat Öcalan bereits im Jahr 2009 in einer „Roadmap für Verhandlungen“ skizziert. Der vom türkischen Staat eineinhalb Jahre lang geheim gehaltene Text ist auch für die weiteren Verhandlungen von zentraler Bedeutung, betont die Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan –  Frieden in Kurdistan“; sie ist die Herausgeberin der nun vom Pahl-Rugenstein Verlag vorgelegten deutschen Übersetzung.

 

Buch 2. März 2013

Alice im Niemandsland: Alice Schwarzer in der Kritik

Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor.
München: DVA, 2012. 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser

Das Buch der in Konstanz lehrenden Autorin Miriam Gebhardt mit dem Untertitel «Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor» ist nicht nur eine Kritik an den Positionen und der dominanten Rolle, die Alice Schwarzer, als Schülerin von Simone de Beauvoir, seit den 70er Jahren in der deutschen Frauenbewegung einnimmt. Es bringt einen Abriss der Entwicklung der deutschen und internationalen Frauenbewegung und geht der Frage nach, warum die Situation in Deutschland – verglichen mit anderen westlichen Ländern und selbst mit der Vergangenheit im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – so provinziell ist. Eine erklärte Antifeministin wie Kristina Schröder konnte hierzulande Frauenministerin werden.

Buch 2. März 2013

Louis Gill: George Orwell. Vom spanischen Bürgerkrieg zu „1984“

Lich: Edition AV, 2012. 156 S., 16 Euro
von Werner Abel

George Orwells Mein Katalonien gehört zweifelsohne zu den Klassikern der Literatur über den Spanischen Krieg. Orwell fühlte sich verpflichtet, die aus der Zweiten Republik heraus beginnende soziale Revolution und die junge Demokratie gegen die franquistischen Putschisten zu verteidigen. Hätte ihm die Kommunistische Partei Großbritanniens nicht ein Empfehlungsschreiben verweigert, wäre er vermutlich in die Internationalen Brigaden eingetreten. So trat er den POUM-Milizen bei, sicher auch deshalb, weil die POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista) gute Kontakte zur englischen Independent Labour Party hatte, mit der Orwell zu der Zeit sympathisierte und deren Mitglied er 1938 werden sollte.

Arbeitskämpfe 10. Februar 2013

Wilder Streik – das ist Revolution!

Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. (Hrsg. Dieter Braeg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2012. 176 S., 13,50 Euro
von Ulrich Peter

Wenn Linke heute die Stichworte «Ausländerstreik, Wilder Streik, 1973» hören, woran denken sie da? Mit Sicherheit an den Streik im Kölner Fordwerk, der vor allem von Arbeitsmigranten getragen wurde und mit einer Niederlage der Streikenden endete. Dabei spielte eine erhebliche Rolle, dass Betriebsrat und IG Metall den Streik ablehnten und Versuche, ihn auch auf Teile der nichtmigrantischen Belegschaft auszudehnen, fast komplett scheiterten. Die Schlagzeile von Springers Bild: «Deutsche Arbeiter kämpften ihr Werk frei» markierte das Desaster dieses Arbeitskampfs.

Buch 10. Februar 2013

Sarah Kaminsky: Adolfo Kaminsky – Ein Fälscherleben.

München: Verlag Antje Kunstmann, 2012. 219 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg

«Als ich beschloss, das Leben meines Vaters aufzuzeichnen, hatte ich mich bewusst dafür entschieden, nur über seine Kämpfe zu berichten und die Erzählung im Jahr 1971 enden zu lassen, als er jede Untergrundtätigkeit aufgab. Ich meinte, dass sein anderes Leben, zu dem ich gehöre, nur für den engeren Kreis seiner Familie und Freunde interessant sei.»

Buch 9. Januar 2013

Die Karrieristin aus Anderland

Gertrud Höhler analysiert den Weg der Kanzlerin
von Paul B. Kleiser

Das neue Buch Die Patin der Literaturwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler stellt die bislang schärfste Abrechnung mit dem «System Merkel» aus bürgerlichen Kreisen dar. Auf der Spiegel-Bestenliste hat es bereits Platz 2 erklommen.

Buch 8. Januar 2013

Omar Barghouti: Boykott – Desinvestment – Sanktionen

Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas
Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2012. 232 S., 19,80 Euro.
von Martin Forberg

Dieses Buch führt in eine palästinensische zivilgesellschaftliche Kampagne ein, die seit 2005 international von sich reden macht. Seit den Diskussionen um die US-amerikanische Philosophin Judith Butler, der diesjährigen Trägerin des Theodor-W.-Adorno-Preises, ist die BDS-Kampagne auch in Deutschland ein Begriff, denn Judith Butler unterstützt die Kampagne.

Buch 8. Januar 2013

Robert Grimm – Marxist, Kämpfer, Politiker

Hrsg. Bernhard Degen u.a., Zürich: Chronos, 2012. 232 S., 26 Euro
von Sabine Hunziker

Robert Grimm nimmt in der Geschichte der Arbeitskämpfe in der Schweiz eine besondere Rolle ein: Anfang des letzten Jahrhunderts führte er den Landesgeneralstreik an und wenig später machte er mit einem breiten Bündnis zur Landesverteidigung gegen den Nationalsozialismus sozialistische Ideen regierungstauglich.

Buch 8. Januar 2013

Victor Grossman: Rebel Girls – 32 amerikanische Frauen im Porträt

Köln: PapyRossa, 2012. 251 S., 15,90 Euro
von Anton Holberg

Die Frauen, deren Lebensgeschichte der 1928 in New York geborene und während der McCarthy-Ära in die DDR übergesiedelte Victor Grossman hier erzählt, waren – und sind im Fall der hierzulande wohl bekanntesten, Angela Davis und Jane Fonda – alles andere als «Girls». Beginnend mit Anne Hutchinson (1591–1643) bis zur Gegenwart porträtiert der Autor das Leben von 32 Frauen, die größtenteils zunächst in den britischen Kolonien Nordamerikas, später den USA gelebt und für grundlegende Menschenrechte gekämpft und gelitten haben.

Buch 8. Januar 2013

Marion Brasch: «Ab jetzt ist Ruhe». Roman meiner fabelhaften Familie

Frankfurt: S.Fischer, 2012. 399 S., 19,99 Euro
von Dieter Braeg

Marion Brasch erzählt von der Mutter, die aus Wien stammt, dem Vater, Horst Brasch, und ihren drei Brüdern. Ihr Vater bekleidete in der DDR höchste Ämter. Die Eltern, beide jüdischer Abstammung, lernten sich, nachdem sie dem Naziregime entkommen konnten, in London kennen und lieben. Sie gründeten eine Familie, und nach Kriegsende wollte man ein anderes Deutschland aufbauen.

Buch 8. Januar 2013

Victor Serge und sein «Fall Tulajew»

Victor Serge: Die große Ernüchterung. Der Fall Tulajew. Frankfurt a.M.: Edition Büchergilde, 2012. 448 S., 19,95 Euro.

von Christoph Jünke

Die US-amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag nannte ihn «einen der faszinierendsten moralischen und literarischen Helden des 20.Jahrhunderts», ihr Landsmann und Kollege Adam Hochschild «einen der unbesungenen Heroen eines korrupten Jahrhunderts: eine Gestalt von großer politischer Courage und Menschlichkeit».