Wilder Streik – das ist Revolution!
Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. (Hrsg. Dieter Braeg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2012. 176 S., 13,50 Euro
von Ulrich Peter
Wenn Linke heute die Stichworte «Ausländerstreik, Wilder Streik, 1973» hören, woran denken sie da? Mit Sicherheit an den Streik im Kölner Fordwerk, der vor allem von Arbeitsmigranten getragen wurde und mit einer Niederlage der Streikenden endete. Dabei spielte eine erhebliche Rolle, dass Betriebsrat und IG Metall den Streik ablehnten und Versuche, ihn auch auf Teile der nichtmigrantischen Belegschaft auszudehnen, fast komplett scheiterten. Die Schlagzeile von Springers Bild: «Deutsche Arbeiter kämpften ihr Werk frei» markierte das Desaster dieses Arbeitskampfs.
Sarah Kaminsky: Adolfo Kaminsky – Ein Fälscherleben.
München: Verlag Antje Kunstmann, 2012. 219 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg
«Als ich beschloss, das Leben meines Vaters aufzuzeichnen, hatte ich mich bewusst dafür entschieden, nur über seine Kämpfe zu berichten und die Erzählung im Jahr 1971 enden zu lassen, als er jede Untergrundtätigkeit aufgab. Ich meinte, dass sein anderes Leben, zu dem ich gehöre, nur für den engeren Kreis seiner Familie und Freunde interessant sei.»
Die Karrieristin aus Anderland
Gertrud Höhler analysiert den Weg der Kanzlerin
von Paul B. Kleiser
Das neue Buch Die Patin der Literaturwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler stellt die bislang schärfste Abrechnung mit dem «System Merkel» aus bürgerlichen Kreisen dar. Auf der Spiegel-Bestenliste hat es bereits Platz 2 erklommen.
Omar Barghouti: Boykott – Desinvestment – Sanktionen
Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas
Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2012. 232 S., 19,80 Euro.
von Martin Forberg
Dieses Buch führt in eine palästinensische zivilgesellschaftliche Kampagne ein, die seit 2005 international von sich reden macht. Seit den Diskussionen um die US-amerikanische Philosophin Judith Butler, der diesjährigen Trägerin des Theodor-W.-Adorno-Preises, ist die BDS-Kampagne auch in Deutschland ein Begriff, denn Judith Butler unterstützt die Kampagne.
Robert Grimm – Marxist, Kämpfer, Politiker
Hrsg. Bernhard Degen u.a., Zürich: Chronos, 2012. 232 S., 26 Euro
von Sabine Hunziker
Robert Grimm nimmt in der Geschichte der Arbeitskämpfe in der Schweiz eine besondere Rolle ein: Anfang des letzten Jahrhunderts führte er den Landesgeneralstreik an und wenig später machte er mit einem breiten Bündnis zur Landesverteidigung gegen den Nationalsozialismus sozialistische Ideen regierungstauglich.
Victor Grossman: Rebel Girls – 32 amerikanische Frauen im Porträt
Köln: PapyRossa, 2012. 251 S., 15,90 Euro
von Anton Holberg
Die Frauen, deren Lebensgeschichte der 1928 in New York geborene und während der McCarthy-Ära in die DDR übergesiedelte Victor Grossman hier erzählt, waren – und sind im Fall der hierzulande wohl bekanntesten, Angela Davis und Jane Fonda – alles andere als «Girls». Beginnend mit Anne Hutchinson (1591–1643) bis zur Gegenwart porträtiert der Autor das Leben von 32 Frauen, die größtenteils zunächst in den britischen Kolonien Nordamerikas, später den USA gelebt und für grundlegende Menschenrechte gekämpft und gelitten haben.
Marion Brasch: «Ab jetzt ist Ruhe». Roman meiner fabelhaften Familie
Frankfurt: S.Fischer, 2012. 399 S., 19,99 Euro
von Dieter Braeg
Marion Brasch erzählt von der Mutter, die aus Wien stammt, dem Vater, Horst Brasch, und ihren drei Brüdern. Ihr Vater bekleidete in der DDR höchste Ämter. Die Eltern, beide jüdischer Abstammung, lernten sich, nachdem sie dem Naziregime entkommen konnten, in London kennen und lieben. Sie gründeten eine Familie, und nach Kriegsende wollte man ein anderes Deutschland aufbauen.
Victor Serge und sein «Fall Tulajew»
Victor Serge: Die große Ernüchterung. Der Fall Tulajew. Frankfurt a.M.: Edition Büchergilde, 2012. 448 S., 19,95 Euro.
von Christoph Jünke
Die US-amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag nannte ihn «einen der faszinierendsten moralischen und literarischen Helden des 20.Jahrhunderts», ihr Landsmann und Kollege Adam Hochschild «einen der unbesungenen Heroen eines korrupten Jahrhunderts: eine Gestalt von großer politischer Courage und Menschlichkeit».
Barbara Unmüßig u.a.: Kritik der grünen Ökonomie
Impulse für eine sozial und ökologisch gerechte Zukunft.
Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2012. 50 S., kostenlos
von Boris Schultz
Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel von Rio und kurz vor dem Rio+20-Gipfel brachten die Autoren im Rahmen der Schriftenreihe zur Ökologie der Heinrich-Böll-Stiftung diese Broschüre heraus. In fünf Kapiteln bilanzieren die Vereinbarungen und die Entwicklungen der letzten 20 Jahre, erklären die verschiedenen Begriffe von Grüner Ökonomie und geben einen Ausblick, wie es laufen könnte.
Krisenproteste
Beiträge aus Sozial.Geschichte Online
Hrsg. Peter Birke, Max Henninger, Berlin: Assoziation A, 2012. 312 S., 18 Euro
von Jochen Gester
Im Jahr 2009 wurde die von der Stiftung für Sozialgeschichte des 20.Jahrhunderts, Bremen, herausgegebene Zeitschrift Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21.Jahrhunderts als Projekt «Sozial.Geschichte Online» neu konstituiert.
Armut im Alter
Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung
Hrsg. Christoph Butterwegge u.a., Frankfurt a.M.: Campus, 2012. 393 S., 19,90 Euro.
von Hans-Dieter Hey
Zum aktuellen Thema Altersarmut ist zur rechten Zeit ein weiteres Buch erschienen. Es enthält eine historische Anklage gegen falsche politische Weichenstellungen und mediale Mythen und rückt einiges wieder ins rechte Licht. Ob die «Zuschussrente» von Ursula von der Leyen, die «Solidarrente» der SPD oder die «Riesterrente» der Schröder-Regierung: Für die Autoren sind sie alles Wege, Altersarmut eher zu kaschieren als zu beheben.
Was war? Was bleibt? Wege in die WASG, Wege in DIE LINKE
Hrsg. Klaus Ernst u.a., Hamburg: VSA, 2012. 208 S., 12,80 Euro.<br />
von Dieter Braeg
Das Buch dokumentiert Gespräche mit verschiedenen zentralen Protagonisten dieser Vorläuferpartei der LINKEN.