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Musiktipp: The Maccabees

Der Brit-Pop lebt
von Dieter Braeg

In den sattsam bekannten Internetforen, wo Musik gelobt oder in den Keller gepostet wird, entdeckte ich The Maccabees, das Londoner Quintett (benannt nach den Anführern einer jüdischen Rebellenarmee) und ihre neueste CD Marks to prove it: «The Maccabees are back. This is one of their best.» Oder: «Song superbly done, love you guys!»
Die aktuelle Besetzung: Orlando Weeks (Gesang), Hugo White (Gitarre), Felix White (Gesang, Gitarre), Rupert Jarvis (Bass) und Sam Doyle (Schlagzeug) haben hier, nach einer ziemlich langen und nicht unbedingt immer schöpferischen Pause, ihre vierte CD veröffentlicht. Knatsch gab es, weil man sich nicht einigen konnte, wie es nun richtungsmäßig musikalisch weitergehen sollte. Die Band, 2004 gegründet, war nahe dran, sich aufzulösen. Britischen Gitarrenpop hat man ja völlig aus dem Ohr verloren, das ist doch Geräuschnostalgie. Heute Hiphop, Techno und elektrifizierte Popmusik – gehörte Rockmusik liegt unter dem Pflaster des Strands. Völlig abgesagt, vergessen. Marks to prove it ist aber mehr als nur britische Gitarrentradition. Hier gibt es ein stilistisch indifferentes, aus zahlreichen Musikquellen sprudelndes Werk. Dass die Band in England seit Jahren von der Kritik bis zum Abwinken gelobt wird, ist bei diesem brillant komponierten Werk kein Wunder. Der Song «Spit it out», beginnend mit einem Klaviertrio, legt sanft los und steigert sich furios. Gewaltig, wie Orlando Weeks mit seiner Stimme Hymnen zuwege bringt, die man schon sehr lange so nicht mehr gehört hat. Das ist zwingender, sich steigernder Rhythmus.
In den englischen Charts lag dieses Album im Sommer an der Spitze. Die Songs haben mit dem Londoner Stadtteil Elephant & Castle zu tun. Die Aufnahmen fanden in den bandeigenen Elephant-Studios statt. Orlando Weeks: «Eines der Dinge, bei denen wir uns – bezogen auf das neue Album – sicher waren, ist, dass wir uns nicht in zu vielen Stimmen und Charakteristika verlieren wollten, sodass man die eigentlichen Sounds, die Instrumente erfährt, und das bedeutet zu guter letzt auch, dass wir uns auf uns selbst beziehen konnten, ohne bereits Gewesenes nachzuahmen.» Felix White ergänzt: «Es dreht sich vor allem um die Nacht, das Zurückgenommene, Wesentliche einer Stadt zu dieser Zeit. Und einmal mehr um die Dynamik innerhalb der Band.»
Feinstes, melodramatisch gruselig schönes Ohrfutter, und wer die Chance hat, die Band auf einer Bühne zu hören, der sollte es tun. Da agiert diese Band überragend!


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