Rand Rolf Euler 27. August 2026

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Am Tag nach dem Run auf die Sonnenfinsternis, die in NRW mit teilweiser Bedeckung den Abend »bereicherte«, sorgen sich die Menschen hier um die kommende neue Hitzewelle mit Temperaturen um 35 und mehr Grad. Da kommt einem die Erinnerung an das Volkslied von Paul Gerhardt seltsam vor, welches fortfährt: »… voll Freud und Wonne, schenkt unseren Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes liebliches Licht.«

Paul Gerhardt schrieb und dichtete in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, sein Todestag jährte sich in diesem Jahr zum dreihundertfünfzigsten Mal. Er war Pfarrer, und seine eingängigen Weisen und Texte sind über die ganze Zeit ständiger Begleiter vieler Menschen geblieben, gerade in evangelischen Kirchen. Dass in der Zeit des mörderischen Krieges zwischen protestantischen und katholischen Truppen, der hunderttausende Tote und verbrannte Erde in Mitteleuropa hinterließ, solche Lieder geschrieben wurden und die Zeit überdauerten, lässt uns staunen. Es sind – nach den aufständischen Zeiten und Liedern des Bauernkriegs hundert Jahre zuvor – Volkslieder der anderen Art geworden.

Und doch ist es unmöglich, solche Loblieder der Sonne und des christlichen »Schöpfers« heute »unbeschwert« zu hören oder zu singen. Die Nachrichten nicht erst dieses Sommers sind einfach zu heftig mit den Hitzetagen, den Hitzetoten, den Wald- und Strauchbränden, dem Niedrigwasser, den verdurstenden Bäumen und Pflanzen – ein Lob der Sonne kommt uns verquer.
Und trotzdem: Es ist ja nicht die Sonne, sondern der menschengemachte Klimawandel, der uns unmenschliche Hitze, Feuer und Trockenheit »beschert«. Was aber einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung bedürfte, die mit entsprechenden klimaschützenden Maßnahmen von Regierung, Unternehmen und Institutionen schon lange hätte angegangen werden müssen, wurde von Energiewirtschaft, Politik und Bild niedergemacht als unzumutbar. Entsinnt sich noch jemand an Greta Thunbergs: »How dare you!« von 2019?

Pflichtziele wie der Kohle- und Atomausstieg werden infrage gestellt, während Atomkraftwerke wegen Wassermangels ihre Stromproduktion drosseln müssen. Der mangelnde Regen soll durch Rheinvertiefung ersetzt werden – als ob dann mehr Wasser aus den Bergen käme, in denen immer weniger Schnee fällt und die Gletscher schrumpfen! Das Sonntagsfahrverbot für Lkw wird aufgehoben. Natürlich gibt es kein Tempolimit in Deutschland, keine zusätzliche Besteuerung von fossilen Brennstoffen. Die Preissteigerungen beim Benzin kommen hauptsächlich den Ölkonzernen zugute. Eine Sonnenfinsternis mit tausenden angeflogenen Mallorca-Touristen macht die Lage nicht besser, verdeutlicht aber auch die Verdrängungsmechanismen, denen Menschen gern unterliegen.
Mit Paul Gerhardt geschrieben: »Geh aus mein Herz und suche Freud’ in dieser lieben Sommerzeit!«, heißt jetzt: Geh wenigstens vor die Tür und gieße (d)einen Straßenbaum!

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