Athanasios Karathanassis: Kapitalistische Naturverhältnisse
Ursachen von Naturzerstörungen – Begründungen einer Postwachstumsökonomie. Hamburg: VSA, 2015, 240 S., 22,80 Euro
von Rolf Euler
Wir wissen inzwischen sogar vom Papst, dass «Kapitalismus tötet». Wir wissen immer mehr über den Raubbau an den natürlichen Grundlagen der Erde, den das ungebrochene Wirtschaftswachstum mit sich bringt. Und dazu gibt es nun als Neuauflage das Buch von Athanasios Karathanassis, Kapitalistische Naturverhältnisse. Er ist einer der, ungebeugt durch universitäre Gepflogenheiten, sich auf marxistische Theorietraditionen berufenden Wissenschaftler.
Buchtipp: Gernot Wolfgruber: Herrenjahre
Salzburg: Residenz, 2015. 360 S., 22,90 Euro
von Dieter Braeg
Das Interesse großer Teile der Linken für die 70er und 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist ziemlich gering – ob es nun um damalige Kämpfe geht oder um gesellschaftliche Entwicklungen.
Dabei hat Gernot Wolfgruber genau in dieser Zeit neben Fernseh- und Hörspielen und einigen kürzeren Texten – in den in Österreich auch heute noch in erstaunlich großem Umfang erscheinenden Literaturzeitschriften – auch die Romane Herrenjahre (1976), Niemandsland (1978), Verlauf eines Sommers (1981) und Die Nähe der Sonne (1985) veröffentlicht.
Krimi: Don Winslow: Das Kartell
Übersetzung Chris Hirte. Droemer Verlag, 2015. 831 S., 16,99 Euro
von Udo Bonn
Am 26.September letzten Jahres wurden 43 Lehramtsstudenten in der mexikanischen Stadt Iguala von Sicherheitskräften festgenommen, an eine örtliche Drogenbande übergeben und von dieser ermordet. Trotz der Festnahme des PRD-Bürgermeisters und des Chefs der Bande sind weder die Opfer identifiziert noch das Netzwerk aus Politik, Polizei und Drogengang wirklich aufgedeckt.
Philipp Ther: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent
Eine Geschichte des neoliberalen Europa. Berlin: Suhrkamp, 2014.
431 S., 24,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Ein Vierteljahrhundert nach der historischen «Wende» im Osten, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks und vor allem zur Wiedereinführung des Kapitalismus unter neoliberalem Vorzeichen führte, versucht sich der Wiener Historiker Philip Ther an einer «Geschichte des neoliberalen Europa».
Karl Marx: Texte, Schriften
Ausgewählt, eingeleitet und kommentiert von Bruno Kern. Wiesbaden: marixverlag, 2015
von Manuel Kellner
Bruno Kern ist promovierter Theologe und Philosoph, dazu radikaler Ökosozialist, der sich früher selber als Marxist verstanden hat und noch heute sehr viel von Marx und seinem Werk hält – wenn auch sehr viel weniger von den meisten seiner «Epigonen», also solchen, die sich auf sein Denken berufen und daraus eine «Weltanschauung» bzw. ein «System» machen.
Krimi: Wu Ming: 54
(Übers.: Klaus-Peter Arnold.) Berlin: Assoziation A, 2015. 526 S.,
24,80 Euro
von Udo Bonn
Bevor Cary Grant in Alfred Hitchcock seinen Mentor gefunden hatte und mit ihm zum Star Hollywoods wurde, lebte er in armen Verhältnissen in England und verdiente sich seinen knappen Lebensunterhalt als Artist und Komödiant.
Auf seine Herkunft angesprochen, versuchen britische Geheimdienstleute ihn für eine pikante, patriotische Mission zu gewinnen: Er soll Tito treffen, der seine Schauspielkunst und seine lässige Eleganz bewundert.
Die Hartz-IV-Diktatur. Eine Arbeitsvermittlerin klagt an.
Inge Hannemann, Reinbek: Rowohlt, 2015. 283 S., 9,99 Euro
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Inge Hannemann hat viele Jahre als Arbeitsvermittlerin in einem Hamburger Jobcenter gearbeitet – auch mit Erfolg. Doch als sie anfing, das System zu durchschauen und sich fragte: «Was mache ich da eigentlich?», wurde sie für die Arbeitsagentur untragbar.
Sie war nicht länger bereit, Dienst nach menschenverachtenden und kontraproduktiven Vorschriften zu machen, und so verlor sie ihren Job. Doch sie wollte nicht schweigen und so liegt uns jetzt ein umfangreicher Erfahrungsbericht aus ihrer Zeit als Arbeitsvermittlerin vor.
Marxistisches Wörterbuch der Philosophie
Alfred Kosing, Berlin: Verlag am Park, 2015. 865 S., 39,99 Euro
von Jürgen Meier
Alfred Kosing lebt heute in der Türkei und war seinerzeit Professor für Philosophie in der DDR. Sein Marxistisches Wörterbuch der Philosophie erschien erstmals 1985. Die jetzige Neuauflage begründet der Autor mit der «Krise des Marxismus», deren Beginn er bereits mit der Machtübernahme der kommunistischen Bewegung durch Stalin datiert und die mit dem Zerfall der Sowjetunion und der DDR auf die Spitze getrieben wurde. Aber auch damit, dass er heute «ohne Rücksicht auf irgendwelche Vorgaben und Grenzen» schreiben könne.
Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links
Wolfgang Gehrcke, Köln: PapyRossa, 2015. 177 S., 12,90 Euro
von Anton Holberg
Wolfgang Gehrcke, MdB DIE LINKE, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Vorstands der Linkspartei, hat ein hervorragendes Buch geschrieben und dennoch ist es eine Qual, es zu lesen. Der Grund ist einfach: Bei der flächendeckenden Antisemitismus-Kampagne handelt es sich um ein unappetitliches Gebräu, in dem sich seitens der Giftmischer in individuell unterschiedlichem Maße Unwissenheit und/oder schiere intellektuelle Minderbemitteltheit mit dem Willen zur Volksverhetzung paart.
Alles gehört auf den Prüfstand…namentlich die eigene Geschichte
History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch
Hrsg. AutorInnenkollektiv Loukanikos, Berlin: edition assemblage, 2015
von Renate Hürtgen*
Es war der Zweifel an bisheriger Theorie und Praxis linker Geschichte, der 2013 den Anstoß zu einer Debatte in der Zeitung analyse & kritik (siehe ihre Sonderbeilage: www.akweb.de/themen/sonderbeilage_unwritten.htm) gab. Sie kreiste um die Frage, wie in einer kritischen Auseinandersetzung mit herrschenden und linken Mythen vermieden werden kann, eine Gegenerzählung zu schaffen, die wieder neue Mythen produziert.
Musiktipp: Ernst Jandl
Eile mit Feile, Hörverlag, 2015
von Dieter Braeg
Musik braucht Texte, und da wird oft eine feine Melodie zum Ärgernis. So mancher Reim – etwa «Liebe, Hiebe, Triebe»– verdirbt den Hörgenuss und es endet mit einer Intelligenzbeleidigung.
Krimi: Merle Kröger: Havarie
Berlin: Argument, 2015. 228 S., 15 Euro
von Udo Bonn
Zwei Nächte, ein Tag. Lalita Masarangi, Ghurka im Dienst ihres Vaters, Sicherheitskraft auf dem Kreuzfahrtsschiff Spirit of Europe, sucht ihren Liebhaber. Ihr Chef, Sicherheitsoffizier Nikhil Metha wartet auf das Ergebnis seines Prozesses in Indien. Léon Moret liebt die Nacht auf der Kommandobrücke des Schiffes und sehnt sich nach seiner Frau. Sybille Malinowsky und Seamus Clark sind Passagiere und tragen ihre Traumata mit sich herum. Marwan Fakhouri, Flüchtling aus dem syrischen Bürgerkrieg und schwer erkrankt, ist als blinder Passagier aufgeflogen.