Elisabeth Benz: Ein halbes Leben für die Revolution
Fritz Rück (1895–1959). Essen: Klartext, 2014. 440 S., 29,95 Euro
von Hans Peiffer
Fritz Rück wurde in eine sozialdemokratische Familie hineingeboren. Sein Vater war aktiver Gewerkschafter und Sozialdemokrat, auch die Mutter beteiligte sich an den politischen Aktivitäten. In seinem Geburtshaus befand sich eine Gaststätte, wo Versammlungen des sozialdemokratischen Vereins und der Gewerkschaft stattfanden. Stuttgart war eine linke Hochburg, in der führende Vertreter der SPD-Linken auftraten.
JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung
Nr. III/2015. NDZ GmbH, 230 S., 11 Euro
von Peter Nowak
An einen trüben Januartag 1933 wurde die russische Kommunistin Sinaida Wolkowa in Berlin beerdigt. Sie hatte im Alter von 31 Jahren Selbstmord verübt. Ihr Vater konnte nicht an ihrer Beerdigung teilnehmen, weil er im türkischen Exil lebend von den meisten europäischen Staaten kein Visum bekommen hatte.
Nizaqete Bislimi, Beate Rygiert: Durch die Wand
Von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin. Köln: DuMont, 2015. 255 S., 19,99 Euro
von Larissa-Peiffer-Rüssmann
In Deutschland Flüchtling zu sein bedeutet, in ständiger Angst vor Abschiebungung zu leben, ohne soziale Teilhabe, ohne Perspektive und einem sehr eingeschränkten Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Das musste auch die Familie Bislimi erfahren, die 1993 vor dem beginnenden Jugoslawienkrieg aus dem Kosovo nach Deutschland floh.
Swetlana Alexijewitsch: Secondhand-Zeit
Leben auf den Trümmern des Sozialismus. München: Hanser, 2013/Berlin: Suhrkamp, 2015 (Taschenbuchausgabe)
von Paul B. Kleiser
Zugegebenermaßen habe ich die Bücher von Swetlana Alexijewitsch, vor allem Secondhand-Zeit, erst wenige Monate vor der Verleihung des Nobelpreises eher zufällig kennen gelernt. Es gibt nicht viele Autoren, die einen so klaren Blick auf die Katastrophen der Sowjetunion und Russlands entwickeln, und dies auch noch vor allem aus weiblicher Perspektive.
Dennis Lehane: Am Ende einer Welt
Deutsch von Steffen Jacobs. Zürich: Diogenes, 2015. 394 S., 24 Euro
von Udo Bonn
Dennis Lehane weiß, wie man spannende Bücher schreibt und Krimis mit einem literarischen Touch versieht. Und sein Schweizer Verlag weiß, wann man die Bücher am besten plaziert.
Retter der Welt?
Eine Streitschrift gegen den Betrug mit der «Nachhaltigkeit»
von Gerhard Klas
Kathrin Hartmann: Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren. München: Blessing, 2015. 448 S., 18,99 Euro
Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn
Christentumskritik wieder aufgelegt
von Manuel Kellner
Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine Demaskierung des Christentums von den Evangelisten bis zu den Faschisten. Aschaffenburg: Alibri, 2015. 1019 S., 44 Euro
James Lee Burke: Glut und Asche
Deutsch von Daniel Müller. München: Heyne, 2015
von Udo Bonn
Ein kleines Schildchen in einer großen Buchhandlung: «James Lee Burke, wir knien vor Ihnen nieder.» Es geht natürlich auch bescheidener, nichtsdestotrotz ist James Lee Burkes Werk die Wiederentdeckung in Deutschland. Der deutsche Krimi-Preis 2015 für Regengötter war eindeutig und mehr als verdient, und die jetzt erschienene Fortsetzung Glut und Asche steht dem Vorgänger in nichts nach.
Athanasios Karathanassis: Kapitalistische Naturverhältnisse
Ursachen von Naturzerstörungen – Begründungen einer Postwachstumsökonomie. Hamburg: VSA, 2015, 240 S., 22,80 Euro
von Rolf Euler
Wir wissen inzwischen sogar vom Papst, dass «Kapitalismus tötet». Wir wissen immer mehr über den Raubbau an den natürlichen Grundlagen der Erde, den das ungebrochene Wirtschaftswachstum mit sich bringt. Und dazu gibt es nun als Neuauflage das Buch von Athanasios Karathanassis, Kapitalistische Naturverhältnisse. Er ist einer der, ungebeugt durch universitäre Gepflogenheiten, sich auf marxistische Theorietraditionen berufenden Wissenschaftler.
Buchtipp: Gernot Wolfgruber: Herrenjahre
Salzburg: Residenz, 2015. 360 S., 22,90 Euro
von Dieter Braeg
Das Interesse großer Teile der Linken für die 70er und 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist ziemlich gering – ob es nun um damalige Kämpfe geht oder um gesellschaftliche Entwicklungen.
Dabei hat Gernot Wolfgruber genau in dieser Zeit neben Fernseh- und Hörspielen und einigen kürzeren Texten – in den in Österreich auch heute noch in erstaunlich großem Umfang erscheinenden Literaturzeitschriften – auch die Romane Herrenjahre (1976), Niemandsland (1978), Verlauf eines Sommers (1981) und Die Nähe der Sonne (1985) veröffentlicht.
Krimi: Don Winslow: Das Kartell
Übersetzung Chris Hirte. Droemer Verlag, 2015. 831 S., 16,99 Euro
von Udo Bonn
Am 26.September letzten Jahres wurden 43 Lehramtsstudenten in der mexikanischen Stadt Iguala von Sicherheitskräften festgenommen, an eine örtliche Drogenbande übergeben und von dieser ermordet. Trotz der Festnahme des PRD-Bürgermeisters und des Chefs der Bande sind weder die Opfer identifiziert noch das Netzwerk aus Politik, Polizei und Drogengang wirklich aufgedeckt.
Philipp Ther: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent
Eine Geschichte des neoliberalen Europa. Berlin: Suhrkamp, 2014.
431 S., 24,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Ein Vierteljahrhundert nach der historischen «Wende» im Osten, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks und vor allem zur Wiedereinführung des Kapitalismus unter neoliberalem Vorzeichen führte, versucht sich der Wiener Historiker Philip Ther an einer «Geschichte des neoliberalen Europa».