Die irdische Hölle
Hans-Albert Wulf: Plädoyer für den Teufel. Ein Freispruch auf Erden. Norderstedt: Books on Demand, 2022. 188 S., 10 Euro
von Manuel Kellner
Luzifer hatte eine hohe Funktion im Himmel, leitet sogar den 9.Chor der Engel. Er wird aber renitent, weil er Gott grobe Fehler bei der Schaffung der Menschen vorwirft. Gott, gestützt auf seine Getreuen, vor allem auf seinen Büttel, den Erzengel Michael, stürzt Luzifer samt seiner Anhänger zur Erde, wobei der aber nicht in die Hölle gerät. Auf der Erde durchwandert er Länder und Jahrhunderte und sieht mit Grausen, wie die Menschen sich ihre eigenen Höllen bereiten. Er kriegt auch viel von den Verbrechen der Kirche mit.
Bei einem Gespräch mit Jesus stellt sich heraus, dass der mit der Verklärung seines Martertodes nicht einverstanden ist. Die reaktionären Pharisäer und die römische Besatzungsmacht hatten ihn, den Prediger solidarischer Alternativen, zum grausamen Kreuzestod verurteilt. Auf seine Klagen und Bitten um Verschonung hatte Gott nicht reagiert. Als er dazu aufgerufen hatte, die linke Backe hinzuhalten, wenn man auf die rechte geschlagen wird, sei er auch etwas naiv gewesen.
Auf Erden erlebt der Teufel viel. Er rettet einer nach schwerer Folter als Hexe zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilten Frau das Leben. In der frühkapitalistischen Fabrikhölle sieht er unnennbares Leid der Ausgebeuteten und kommt fast selbst zu Tode.
Der Teufel ärgert sich sehr darüber, dass er von Gott und den Kirchen zum personifizierten Bösen erklärt, zum universellen Sündenbock für alle Übel gemacht wird. Irgendwann reut es Gott, der unter der Fuchtel seiner eigenen Engelsbürokratie steht, wie er mit dem Teufel umgesprungen ist, und er lädt diesen ein, wieder in den Himmel aufgenommen zu werden, und zwar sogar als sein Stellvertreter. Wird der Teufel aber dieses Angebot annehmen?
Eine prägnante Kritik des Imperialismus
Eine Neuausgabe von C.L.R. James’ Buch über die haitianische Revolution
von Elfriede Müller
C.L.R. James: Die schwarzen Jakobiner. Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution. Mit einem Vorwort von Raoul Peck. Berlin: Dietz, 2021. 363 S., 20 Euro
weiterlesenEine deutsche Analyse
Die ‹Wiederkehr der Klassen› am Jenaer Institut
von Michael Heldt
Die Wiederkehr der Klassen. Theorien, Analysen, Kontroversen. (Hrsg. Jakob Graf u.a.) Frankfurt a.M., New York: Campus, 2021. 232 S., 30 Euro
Mit Die Wiederkehr der Klassen erschien im Februar 2021 der zweite Band aus dem «Projekt Klassenanalyse Jena».
weiterlesenDas Los der Schmetterlinge
Nayantara Sahgal: Das Los der Schmetterlinge. Heidelberg: Draupadi, 2021. 114 S., 12 Euro
von Gerhard Klas
2015 gab die zeitlebens politisch engagierte Journalistin und Schriftstellerin ihren Sahitya-Akademie-Preis, die höchste literarische Auszeichnung in Indien, aus Protest gegen die hindu-nationalistische Regierung zurück. In ihrem neuen Roman werden Muslime in Lager getrieben, ihre Leichen über die Straße verstreut und Frauen von einem marodierenden Mob vergewaltigt.
weiterlesenVon Marx und seiner Anwendung
Linke Stimmen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung
von Thies Gleiss
Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik (Hrsg. Valeria Bruschi, Moritz Zeiler). Berlin: Dietz, 2022. 311 S., 18 Euro
weiterlesenVor dem Gesetz sind nicht alle gleich
Der Jurist und Journalist Ronen Steinke beschreibt die neue Klassenjustiz
von Michael Heldt
Ronen Steinke: Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich. Die neue Klassenjustiz
Berlin: Berlin Verlag, 2021. 227 S., 20 Euro
Zusammenkunft
Natasha Brown: Zusammenkunft. Berlin: Suhrkamp, 2022. 113 S., 20 Euro
von Ravi T. Kühnel
Natasha Brown ist studierte Mathematikerin, hat zehn Jahre im Londoner Finanzsektor gearbeitet und sich jetzt aufs Schreiben verlegt. In ihrem vielbeachteten Erstlingswerk beschreibt sie die Auswirkungen von drei verschiedenen Diskriminierungsformen: Rassismus, Sexismus, Klassismus.
weiterlesenIm indischen Ghetto
Anees Salim: Fünfeinhalb Männer. Heidelberg: Draupadi, 2021. 234 S., 19,80 Euro
von Gerhard Klas
Gesellschaftliche Benachteiligung in einer Tragikomödie zu thematisieren kann funktionieren, wenn sie sich nicht auf Kosten der Benachteiligten lustig macht. Das ist Anees Salim, einem in Indien mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller, mit seinem Roman Fünfeinhalb Männer gelungen.
weiterlesenFlic – Bulle – Polizist
Ein Blick ins Innenleben des französischen Polizeialltags
von Albrecht Kieser
Valentin Gendrot: Bulle. Undercover in der Polizei von Paris. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2022. 320 S., 20 Euro
weiterlesenNotizen aus der Fischfabrik
Ein außergewöhnlicher Roman über die Arbeitswelt – und Kontrapunkt zur Einschaltquoten- und Bestsellerlistenkultur
von Dieter Braeg
Joseph Ponthus: Am laufenden Band. Aufzeichnungen aus der Fabrik. Berlin: Matthes & Seitz, 2021. 239 S., 22 Euro
weiterlesenLesetipp: Digital Organizing
Potenziale für gewerkschaftliche Organisierung
von vb
Digitale Kommunikation ist inzwischen ein wichtiges Mittel sozialer Bewegungen und erweitert auch das Repertoire gewerkschaftlicher Ansätze. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat im Herbst die neue Broschüre Digital Organizing herausgebracht. Darin untersuchen Florian Butollo und Jobst Gaus, wie digitale Methoden effektiv in Arbeitskämpfen eingesetzt werden können.
weiterlesenImmerhin wird wieder über Planung gesprochen
Das neue Buch von Klaus Dörre versucht, Utopie konkret zu machen
von Paul Michel*
Klaus Dörre: Die Utopie des Sozialismus. Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution. Hamburg: Matthes & Seitz, 2021. 345 S., 24 Euro
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