Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Verkehr 22. Mai 2026

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Gute Nachrichten vom Berliner Flughafen BER: Die Zahl der Passagiere lag 2025 bei 25 Millionen (Berliner Zeitung, andere Quellen sprechen von 26,1 Millionen). Die beiden Vorgänger Tegel und Schönefeld hatten in ihrem letzten Betriebsjahr 2019 zusammen 36 Millionen Fluggäste. Es wird also weniger von und nach Berlin geflogen, und das, obwohl sich die Deutsche Bahn mit ihren Baustellen und Verspätungen alle Mühe gibt, Fahrgäste loszuwerden.

Ryanair hat sich bitterlich beschwert und seine bisher in Berlin stationierten Flugzeuge in andere Länder abgezogen, wo das Unternehmen weniger Steuern zahlen muss. Zum Beispiel nach Albanien. (Ernsthaft.)
Über den internationalen Luftverkehr lässt sich ähnlich Positives nicht sagen. In der EU haben im vergangenen Jahr überall die Passagierzahlen zugelegt. Nach einem Bericht des britischen Guardian haben die von den Flugzeugen verursachten Emissionen in Europa 2025 erstmals das Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie, überschritten, bei Ryanair sogar um 50 Prozent. Der Trend zeigt wieder steil nach oben. Der Branchenverband International Air Transport Association prognostiziert für die nächsten 25 Jahre eine Verdoppelung auf 21,9 Billionen Personenkilometer. Letzteres ist die Summe aller von Passagieren zurückgelegten Kilometer.
Für das Klima sind das keine guten Nachrichten. Fliegen ist sehr energieintensiv. Entsprechend hatte der Luftverkehr 2023 nach Angaben der Internationalen Energieagentur einen Anteil von 2,5 Prozent an den globalen Emissionen des Treibhausgases CO2. Sein Beitrag zum Klimawandel geht aber darüber hinaus: Im Abgas der Flugzeuge ist auch viel Wasserdampf enthalten, der für die sogenannten Kondensstreifen verantwortlich ist. Diese können, wenn die Luft in der Flughöhe von rund zehn Kilometern über dem Boden feucht genug ist, mehrere Stunden am Himmel bleiben, in denen sie sich ausbreiten und kaum noch von den Cirruswolken, den hohen Schleierwolken, zu unterscheiden sind. Mit diesen teilen die Kondensstreifen die gleiche Klimawirkung: Sie lassen das energiereiche Sonnenlicht durch, blocken aber die infrarote Wärmeabstrahlung der Erdoberfläche und der unteren Luftschichten ab.
Dieser Beitrag macht rund 1,6 Prozent des beobachteten Klimawandels aus, womit der Flugverkehr derzeit immerhin etwa 4,1 Prozent zum Klimawandel beiträgt. Übrigens: Der Effekt der Kondensstreifen bleibt auch erhalten, wenn als Treibstoff Wasserstoff oder sogenanntes Bio-Kerosin aus nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt wird. Entgegen anders lautenden Versicherungen lässt sich das Fliegen mit konventionellen Flugzeugen nicht klimaneutral gestalten. Das ginge nur mit Elektromotoren oder mit Luftschiffen.
Dahin ist es allerdings noch ein langer Weg. Zum einen können Flugzeuge mit Elektromotoren bisher maximal eine Handvoll Personen tragen und das auch nur für vergleichbar kurze Strecken. Zum anderen arbeiten weltweit zwar mehr als ein Dutzend Unternehmen an der Entwicklung neuer Luftschiffe, aber keines konnte bisher zur Marktreife gebracht werden. Mag sein, dass sich das in den nächsten Jahren ändert, aber die bisherigen Versuche nutzen fast alle noch Dieselmotoren.

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