Gegenstimmen
Lieder von unerträglichen Zuständen
von Dieter Braeg
Wo man singt, da lass dich nieder», so beginnt eines der Sprichwörter, das jenen, die singen, nichts Böses zutraut. So viele Chöre singen der heilen Welt ihr Lied oder loben Gott in der Höhe oder sonst wo auch immer. Miteinander im Chor singen hat Tradition und findet meistens in Kirchen statt, oder es werden jene Tugenden per Chor besungen, die keine sind. Bei den «Gegenstimmen», einem Chor von 50 Männern und Frauen, der sich in Wien im Jahre 1989 gründete, ist das anders.
Fred Hersch: Alive at the Vanguard
von Dieter Braeg
Wer beginnt schon im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel? Nein, hier geht es nicht um jenen Wolferl, von dem Salzburg bis heute «lebt», ohne Tantiemen zu zahlen. An wen auch. Hier geht es um Fred Hersch. Hersch war geschätzter Begleitmusiker bei Stan Getz, Jane Ira Bloom, Joe Henderson, Art Farmer, Garry Burton und Charlie Haden.
Ton Stein Scherben
Nach 25 Jahren wieder auf Tour
von Dieter Braeg
Am 1.April, da rechnet man ja mit den üblichen Scherzen, ich radle in Salzburg den Salzachfahrradweg in die Stadt und sehe da plötzlich ein Plakat mit der Ankündigung, dass am 12.April die Band Ton, Steine Scherben in Salzburg aufspielen wird. In Salzburg? In der Mozartkugelfestspielgesinnungsstadt?
L.Mozarts Violine (Paladino Musik)
Maria Bader-Kubizek u.a., CD für etwa 18 Euro
von Dieter Braeg
Der Vater von Amadeus Mozart, Leopold Mozart (1719–1787), war zunächst in Salzburg Kammerdiener, und weil damals Bildung auch wichtig war, trat er 1743 als vierter Violinist in die erzbischöfliche Hofkapelle ein. Später diente er sich hoch und war Hofkompositeur und stellvertretender Kapellmeister.
Sparifankal: Bayern-Rock
von Dieter Braeg
Ton Steine Scherben? Na gut, geht so. Aber der Carl Ludwig Reichert (Gesang, Gitarre, Posthorn) dazu Florian Laber (Bass, Gesang), Günther Sonderwald (Schlagzeug, Triangel), Tillmann Obermaier (Gesang, Dulcimer, Gitarre, Sulna) und Jan Dosch (Bass, Gitarre, Okarina, Gesang) haben im Feburar 1976 als Sparifankal bei Konzerten im Theater K. und im Jugendhaus «Picnic» in Erding eine Riesenplatte aufgenommen!
Pete Seeger (1919–2014)
Der Mann mit dem kleinen «c»
von Alexander Billet
Pete Seeger, der große Sänger der amerikanischen Folkmusik, starb am 27.Januar in New York im Alter von 94 Jahren.
Pete Seegers Leben und Werk haben eine eigenartige Symmetrie. Obwohl er fast ein Jahrhundert lang lebte, blieb für ihn bis zuletzt die Zeit stehen. Er war aber kein Relikt, sondern erinnerte daran, dass in der amerikanischen Kultur trotz aller Mainstreamelemente stets ein organischer sozialistischer Strang lebendig geblieben ist.
Bruce Springsteen: High hopes
Columbia Records, 2014
von Dieter Braeg
In Zeit-online wird die neueste CD von Bruce Springsteen, High hopes, von Jan Kühnemund nicht gerade in den siebten Musikhimmel gelobt: «Wann nimmt dieses Genöle denn ein Ende?» Es ist Springsteens 18.Studioalbum. Ja, es gab Alben, die Springsteen als kritischen Rock-/Popmusiker Geist und Ohr näher bringen: Born to run, Darkness on the edge of town oder Nebraska, und ich erinnere mich gerne an die kämpferische Brüllvorlage Born in the USA.
High hopes allerdings, das ist kein Aufwecker wie das 2012 erschienene Album Wrecking ball, das ich High hopes vorziehe.
War Richard Wagner ein Antisemit?
oder: Wenn der Sack geschlagen und der Esel gemeint wird
von Paul B. Kleiser
Richard Wagner, dessen 200.Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, war bekanntlich der Lieblingskomponist von Hitler. Bis 1939 pilgerte dieser jedes Jahr auf den Grünen Hügel nach Bayreuth, um dort von den Wagnerianern, allen voran Winifred Wagner, empfangen zu werden. Noch in ihren späten Jahren, so in einem Film von H.-J.Syberberg, bekannte sich Winifred ziemlich offen zu ihrer Nazi-«Vergangenheit». Doch macht die Verbindung von Drittem Reich und Wagner sein Werk für alle Zeit ungenießbar, wie immer wieder behauptet wird.
Bernd Köhler: Keine Wahl
Lieder, Gesänge und Balladen aus Arbeiterkämpfen (1971–2013)
JumpUp, 15 Euro
von Dieter Braeg
Das Lied gegen das Herrschende, das gibt es schon lange. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti stellt in seinem feinen Text «Vermutungen um Walther (von der Voegelweide), den Liedermacher» unter anderem fest: «Er agierte auch als Liedermacher für/gegen Kreuzzüge.» Also, der «Vater» der Liedermacherei, er hat wohl nicht nur saftigste Minnelieder geträllert, er hat auch zur Politik die Stimmbänder strapaziert.
Zum 50.Todestag von Hanns Eisler
„…der Karl Marx des Kommunismus auf musikalischem Gebiet…“
von Peter Fisch
„Viele versuchten umsonst, das Freudigste freudig zu sagen,/
Hier spricht endlich es mir, hier in der Trauer sich aus.“
Am 26.März 1948 endete das fast achtjährige Exil Hanns Eislers in den USA, keineswegs freiwillig, sondern erzwungen. Er wurde politisch verfolgt und des Landes verwiesen: ein Opfer der antikommunistischen Hysterie in den USA im beginnenden Kalten Krieg.
Hanns Eisler im Gespräch mit John Lennon
«Da, wo das Neue so seltsam riecht…»
Im Januar 1962 sind die Beatles in London für Probeaufnahmen bei der Decca. John Lennon erfährt aus dem Radio, dass die «Deutsche Sinfonie» eines gewissen Hanns Eisler, «Komponist der Arbeiterklasse», in den Studios der BBC einstudiert und übertragen wird. Hätte es da nicht sein können, dass sich die zwei getroffen haben und miteinander ins Gespräch gekommen sind? THOMAS FREITAG versucht – täuschend echt –, ein solches Gespräch in zwei Teilen zu konstruieren.*
Kai Degenhardt
Näher als sie scheinen. Plattenbau, 13 Euro
von Peter Nowak
«Auch meine fünfte Platte ist selbstverständlich wieder ein politisches Liedermacher-Album – was sonst? Allerdings nicht in dem Sinne, dass ich zur Klampfe singend tagespolitische Themen erörtere», schreibt der Hamburger Liedermacher Kai Degenhardt auf den Waschzettel zu seiner kürzlich veröffentlichten CD Näher als sie scheinen.