Das Flehen der Erde und das Flehen der Armen
Laudato Si – eine systemkritische Enzyklika
von Michael Löwy*
Die Umweltenzyklika von Papst Franziskus ist aus religiöser, sozialer und politischer Sicht ein Ereignis von globaler Bedeutung. Zieht man den enormen weltweiten Einfluss der Katholischen Kirche in Betracht, so ist sie ein entscheidender Beitrag zur Entwicklung eines kritischen ökologischen Bewusstseins. Von ernsthaften Verteidigern der Umwelt wurde sie mit Enthusiasmus aufgenommen, doch unter Religiös-Konservativen, Vertretern des Kapitals und Ideologen der «marktwirtschaftlichen Ökologie» sorgte sie für Ablehnung und Unruhe.
Spitzensport – ein Wintermärchen
Fußball: Lichtgestalten, Big Business und Korruption
von Manuel Kellner
Wir könnten auch über die Dopingskandale bei den Radprofis oder den Leichtathleten reden, oder vielleicht über die Autobiografie von André Agassi, der die verhunzte Kindheit, die jahrzehntelangen Schmerzen und den körperlichen Ruin beschrieben hat, die unweigerlich mit der Selbstbehauptung unter den besten Tennisspielern verbunden sind. Die Projektionsflächen des Publikums, das seine Fluchtwelten braucht, um das eigene Leben als lebenswert zu empfinden, sind Gegenstand bedeutender Investitionen und machtpolitischer Kalküle – das geht auf die Knochen dieser Aktiven wie auch der vielen Millionen Passiven, die sich auf ihren Sofas oder in ihren Sky-Kneipen bei Bier und Kartoffelchips nicht wirklich (sondern höchstens in der Einbildung) spielerisch und gesundheitsfördernd entfalten.
Peter Janich und der kulturalistische Ansatz
Handwerk und Mundwerk – Womit befasst sich Naturwissenschaft?
von Manuel Kellner
Seit vielen Jahren kenne und schätze ich die Kleine Philosophie der Naturwissenschaften1 von Peter Janich. Vor einigen Monaten habe ich sein Spätwerk Handwerk und Mundwerk2 gelesen, das seine Auffassungen zusammenfasst. Wo viele Naturwissenschaft und Natur verwechseln, sieht Janich «lebensweltliche Zusammenhänge», aus denen naturwissenschaftliche Praxis hervorgeht.
Das Handy*
„und es sterben haufenweise Kinder…“
von Ernesto Cardenal
Du sprichst in dein Handy
und redest und redest
und lachst in dein Handy
Ausstellung von Joachim Römer
tausend und eine flaschenpost
von der Redaktion
Vom 18.April bis zum 1.November zeigt der Künstler Joachim Römer (u.a. auch Grafiker und Bildgestalter der SoZ) seine Kunstinstallation «Tausend und eine Flaschenpost» im Museum am Strom in Bingen.
Charlies Karikaturen
Gegen Herrschende oder gegen Beherrschte?
von Manuel Kellner
Charlie Hebdo ist eine linke Zeitschrift, die bei der politischen Rechten und extremen Rechten und auch bei konservativen und neoliberalen Sozialdemokraten alles andere als beliebt war und ist. 1995 sammelte sie 200000 Unterschriften für das Verbot der rechtsextremen Front National.
Stille Nacht, heilige Nacht
Klassenkampftaugliche Übersetzung
Das weltweit wohl bekannteste Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht “ wurde in über 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Eine klassenkampftaugliche Übersetzung erfuhr das besonders beim Bürgertum beliebte rührselige Weihnachtslied durch Boleslaw Strzelewicz. Im Repertoire der zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufkommenden Arbeiterchöre eroberte sich das umgetextete Lied einen festen Platz.
Kleine politische Ökonomie von Weihnachten
Alle Jahre wieder
von Manfred Dietenberger
Die Werbung suggeriert, Weihnachten sei eine «magische Zeit». Dann rückt die Familie romantisch/verkitscht in den Vordergrund. Doch vor allem ist Weihnachten das wichtigste Geschäft des Jahres.
Weihnachtsmarkt
Weihnachten ist vor allem ein gigantischer Weihnachtsmarkt. Weihnachtsmärkte haben hierzulande eine fast 600jährige Tradition. In Deutschland gibt es über 2500 Weihnachtsmärkte.
Mehr Licht!
Eine Ausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung*
von Dieter Braeg
Die Geschichte der Arbeit und der Arbeiterbewegung führt in der heutigen Gesellschaft ein Schattendasein. Wenn Geschichte, dann die, die Guido Knopp «verkauft». Sie hinterlässt den faden Nachgeschmack einer seltsamen «Ausgewogenheit». Wer Arbeit hatte oder hat und dafür die besten Jahre seines Lebens verschwendete, dessen Geschichte erreicht jene öffentlich-rechtlichen Bildschirme, bezahlt per Zwangsbeitrag ohne inhaltliche Einflussnahme, aber nur selten.
Handke begegnen
«Die Arbeit des Zuschauers. Peter Handke und das Theater»
von Dieter Braeg
«Ich habe gerade mit Ach und Krach ein Stück geschrieben. Es heißt ‹Publikumsbeschimpfung› und ist mein erstes und mein letztes. Ich möchte es nun aufführen lassen und auch sonst dazu sehen, dass ich es vielleicht anbringe.» Das schrieb am 21.Oktober 1965 der damals 22 Jahre alte Peter Handke an den Verleger Siegfried Unseld. 1966, inszeniert von Claus Peymann, wurde das Stück in Frankfurt uraufgeführt.
Gerhard Schoenberner: Fazit
Hamburg: Argument, 2011. 191 S., 17,90 Euro
von Werner Abel
Lyrik hat selten oder nie Konjunktur in Deutschland. Wenn aber einer einen Band Gedichte, Prosagedichte nennt der Verfasser sie selbst, vorlegt und die Rezensenten – unter ihnen Martin Walser, Eckart Spoo, Fritz J. Raddatz, Matthias Ehlers, Walter Kaufmann und Friedrich Dieckmann – meinen, dass einiges an Hölderlin erinnert und dass seit Brecht solche Gedichte nicht mehr zu lesen waren, dann muss es sich um etwas Besonderes handeln.
Russische revolutionäre Plakate
David King hat eine herausragende Sammlung sowjetischer Plakatkunst aus den 20er und 30er Jahren zusammengestellt
von Werner Abel
Im Jahre 1925 schrieb der Wirtschaftswissenschaftler Lew N. Kritsman sein Buch über «Die heroische Periode der großen russischen Revolution», eine großteils ökonomische Analyse der Zeit des «Kriegskommunismus». Dabei ahnte er nicht, dass sein Buchtitel auf ein weit emotionaleres und expressiveres Genre als die Welt der Wirtschaft Anwendung finden sollte: Weil es für die darstellende Kunst neu, einmalig, für den Fortschritt parteiergreifend war, bezeichnet man das, was in der visuellen Agitation und Propaganda seit der russischen Oktoberrevolution bis zur Zeit der Neuen Ökonomischen Politik entstand, als die heroische Periode der sowjetischen Plakatkunst.