Ausstellungsempfehlungen
Über Arbeit und Arbeitskämpfe
von der Redaktion
Zwei Industriemuseen in Westfalen und im Rheinland zeigen noch bis Ende des Jahres zwei bemerkenswerte Ausstellungen.
Maren Rahmann, Dieter Braeg: Erich-Mühsam-Text-und-Lieder-Revue
Berlin: Die Buchmacherei, 2016
von Angela Klein
Die Buchmacherei hat eine kleine, ansprechend gestaltete Broschüre mit Auszügen aus Schriften und Gedichten von Erich Mühsam herausgegeben. Maren Rahmann hat die Gedichte vertont – eine CD liegt der Broschüre bei. Dazwischen werden Text von Mühsam gelesen, die Auskunft geben über seinen Werdegang und die Gedichte sozusagen miteinander verbinden.
Krimi: Simone Buchholz: Blaue Nacht
Berlin: Suhrkamp, 2016. 235 S., 14,99 Euro
von Udo Bonn
Ganz am Ende sitzen sie, der Faller, der Calabretta, der Schulle, der Brückner, Rocco, Karla, Klatsche und Riley im Stadion, um den FC St.Pauli mit seinem neuen sympathischen Trainer beim Kampf gegen den Abstieg zu unterstützen. Nicht nur die 11 auf dem Platz scheinen auf der Verliererseite zu spielen. Wenn man in Hamburg einem Gangster die Eier wegschießt, ist Schluss mit Karriere als ermittelnde Staatsanwältin.
Patrick Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise.
München: C.H.Beck, 2016. 332 S., 21,95 Euro
von Angela Huemer
Die neue Odyssee nennt Kingsley sein Buch, wissend, dass Migration mitnichten ein neues Phänomen ist. Nicht umsonst stellt der äußerst begabte und belesene junge Journalist und Autor ein Zitat aus Homers Odyssee (V.Gesang) voran, das ich hier wiedergeben will, da es trefflicher nicht sein könnte (Kingsley verweist im Buch übrigens auch auf Vergils Aeneis):
Die Krise der Gewerkschaften und Möglichkeiten ihrer Erneuerung
Thomas Goes: Aus der Krise zur Erneuerung? Gewerkschaften zwischen Sozialpartnerschaft und sozialer Bewegung. Köln: PapyRossa, 2016. 186 Seiten, 13,90 Euro
von Manuel Kellner
Das neue Buch von Thomas Goes ist der Aufmerksamkeit aller Gewerkschaftsaktiven, im weiteren Sinne aber auch der Diskussion in der Linken anzuempfehlen.
Krimitipp: Luther Blisset: Q und Wu Ming: Altai
Luther Blisset: Q. Deutsch von Ulrich Hartmann. Berlin: Assoziation A, 2016. 704 S., 19,80 Euro
Wu Ming: Altai. Deutsch von Klaus-Peter Arnold. Berlin: Assoziation A, 2016. 352 S., 24 Euro
von Udo Bonn
Die Sondertische zu 500 Jahre Reformation sind in den größeren Buchhandlungen schon gedeckt, was in der Regel dabei fehlt, ist der großartige Roman Q vom Kollektiv Luther Blisset. Vom Verlag Assoziation A wieder aufgelegt, erzählt er über einen Zeitraum von knapp 40 Jahren von der radikalen Interpretation Luthers, von der traumatischen Niederlage der Bauern gegen die vereinigten Fürsten in Frankenhausen,
Klassenkämpfe in der UdSSR
Erstausgabe eines Klassikers
von Rolf Euler
Charles Bettelheim: Die Klassenkämpfe in der UdSSR. Bd.3 und 4 (Deutsche Erstausg.) Berlin: Die Buchmacherei, 2016. 666 S., 24 Euro (zzgl.Porto bei Direktbestellung: gester.jochen@berlin.de)
Krimi: Max Annas: Die Mauer
Reinbek: Rowohlt, 2016. 221 S., 12 Euro
von Udo Bonn
Ein schrecklicher Tag. Happiness ist müde, zu wenig Schlaf, ihre Tochter hat die ganze Nacht geweint. Und jetzt sitzt sie vor den Monitoren und beobachtet, ob in den sechs Gated Communities einer größeren Stadt in Südafrika alles in Ordnung ist. Die Anweisungen sind nicht eindeutig. Nicht alles soll sie melden, aber wann ist es angebracht, den Sicherheitsdienst vor Ort, die Zentrale oder sogar die Polizei zu informieren?
Vor 500 Jahren erschien Thomas Morus’ Roman Utopia
Erster sozialistischer Zukunftsentwurf der Neuzeit
von Gerald Munier*
Vor 500 Jahren erschien mit dem Roman Utopia des englischen Staatsmanns und katholischen Klerikers Thomas Morus (englisch Thomas More, 1478–1535) der erste Sozialismusentwurf der Neuzeit und wohl auch überhaupt der erste der Menschheitsgeschichte.
Rainer Roth: «Sklaverei als Menschenrecht»
Über die bürgerlichen Revolutionen in England, den USA und Frankreich. Frankfurt a.M.: DVS, 2015. 612 S., 15 Euro
von Angela Klein
«Warum heute ein Buch über Sklaverei in England, den USA und Frankreich, den drei Zentren der bürgerlichen Revolution? Haben nicht England (1838), Frankreich (1848) und die USA (1865) ihre Sklaverei und ihren Sklavenhandel (1807–1808) schon vor langer Zeit abgeschafft, weil sie den Werten der universalen Menschenrechte gefolgt sind? Gehört das Thema also nicht der Vergangenheit an? Sollten sich wirklich die bedeutendsten Sklavenhalternationen der sogenannten Moderne mit einem Federstrich aus Vertretern der Barbarei in Vertreter der Humanität verwandelt haben? So hätte man es gern.»
Krimi: Ross Thomas: Porkchoppers
Deutsch von Alexander Wewerka. Berlin: Alexander, 2016. 309 S., 14,90 Euro
von Udo Bonn
Rumble in the jungle war nicht nur das Motto des legendären Boxkampfs zwischen George Foreman und Muhammad Ali 1974 in Kinshasa. Es ist auch das heimliche Motto eines jeden (Vor-)Wahlkampfs um das Präsidentenamt in den USA. Ein Höchstmaß an Personifizierung, Ausspionierung und Verunglimpfungen des Gegners, Eintreiben von Geldern – auch aus dunklen Quellen, kurze, inhaltslose Reden und hirntötende Musik.
Faulheit als Sünde und Verbrechen
Arbeitswut, Arbeitszwang, Arbeitszeitverkürzung*
von Manuel Kellner
Das hier besprochene Buch dient der politischen Bildung in emanzipatorischer Absicht in herausragender Weise. Die Diskussion über eine ökosozialistische Alternative zur kapitalistischen Klassengesellschaft kann nur daran gewinnen, diese Darstellung und Kritik der christlich-abendländischen Tradition des geharnischten Kampfs gegen die „Faulheit“ und deren Zuspitzung im Zuge der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise aufzugreifen und den Vorschlag einer radikalen Verkürzung der – direkt oder indirekt – erzwungenen Arbeitszeit in ihre Vorstellungen zu integrieren.