Krimi: Joe Ide: IQ
Deutsch von Conny Lösch. Berlin: Suhrkamp, 2016. 388 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn
Was machst du, wenn nachts ein Riesenhund in deine gesicherte Villa eindringt und dich töten will? Wenn du ihm so gerade entkommst, du aber sowieso im Grenzbereich lebst, ausgebrannt als Rapper, vollgepumpt mit legalen und illegalen Drogen, ständig unter Druck des Business, immer liefern zu müssen?
Mit der Bindung an die KP ist auch die Identität verloren gegangen
Didier Eribon über den Erfolg des Front National in der Arbeiterschaft
von Paul B. Kleiser
Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Berlin: Suhrkamp, 2015. 238 S., 18 Euro
Dieses Buch des französischen, an der Universität Amiens lehrenden Soziologen Didier Eribon wurde bereits 2009 veröffentlicht, ist aber erst im vergangenen Jahr auf deutsch erschienen. Es hat hierzulande, vor allem in linken Kreisen, eher mehr Aufmerksamkeit gefunden als in Frankreich.
Olivier Besancenot, Michael Löwy: Revolutionäre Annäherung. Unsere roten und schwarzen Sterne.
Für die Solidarität zwischen Marxist*innen und Anarchist*innen. Berlin: Die Buchmacherei, 2016
von Manuel Kellner
Anarchismus und Marxismus scheinen für unüberbrückbar gegensätzliche Ansätze zu stehen. Bei näherer Betrachtung ist das aber nicht so klar. Die beiden Autoren dieses Büchleins plädieren für eine differenzierte Sicht. Ihre Absicht ist die Zusammenführung beider Richtungen für den gemeinsamen Kampf – für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung, für den Sozialismus des 21.Jahrhunderts.
Krimitipp: Andreas Pflüger: Endgültig
Berlin: Suhrkamp, 2016. 459 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn
Nach fünf Jahren kommt Jenny Aaron zurück nach Berlin in ihre alte «Abteilung». Niko Kvist, ihr alter Liebhaber und enger Exkollege, hat sie abgeholt. Die alten Stimmen und drei neue, bekannte Umarmungen, angenehme Orientierungen. Gelöste Stimmung, der gute Pavlik wird fünfzig, aber fit. Sie ist wieder da in ihrer alten Einheit, aber nur auf einen Sprung. Sie gehörte dazu und war eine der Besten in dieser supergeheimen, international operierenden Polizeitruppe, von der niemand wissen darf.
Bücherkiste – Wer den Wind sät, und andere.
Leseempfehlungen
von Rolf Euler
Es gibt Bücher, die muss man lesen: zur Information, oder um neues Wissen zu erwerben. Und Bücher, die muss man auch lesen: um sich von den anderen zu erholen…
Meine diesjährigen Buchempfehlungen beginnen mit einem «Muss»-Buch der ersten Art:
Gisela Notz: Kritik des Familismus.
Stuttgart: Schmetterling, 2015. 228 S., 10 Euro
von Jan Schiffer
Unter Familismus versteht man in der Sozialwissenschaft die Position, die die klassische heterosexuelle, monogame Kleinfamilie zum Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft hochstilisiert und die Politik auf ihre Förderung ausrichtet.
Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel
Deutsch von Peter Torberg. München: Liebeskind, 2016. 432 S., 22 Euro
von Udo Bonn
Der US-amerikanische Schriftsteller Donald Ray Pollock am Tag der Wahl in Spiegel online: «Wir sind grundsätzlich eine gewalttätige Nation. Das gehört bei uns zur Geschichte. Aber in Chicago sind in diesem Jahr bereits so um die sechshundert Morde begangen worden. Das muss man sich mal vorstellen. Bei einem Terroranschlag, der dreißig Tote fordert, würde ein Riesenaufstand gemacht.
Bernd Langer: Kunst und Kampf. Werke und Aktionen aus 30 Jahren
Münster: Unrast-Verlag, 2016. 256 S., 19,80 Euro
von Peter Nowak
In Zeiten von AfD-Aufstieg und Pegida fragen sich nicht wenige, warum man heute so wenig von der Autonomen Antifa hört, die noch vor zwei Jahrzehnten Schlagzeilen machte.
Ausstellungsempfehlungen
Über Arbeit und Arbeitskämpfe
von der Redaktion
Zwei Industriemuseen in Westfalen und im Rheinland zeigen noch bis Ende des Jahres zwei bemerkenswerte Ausstellungen.
Maren Rahmann, Dieter Braeg: Erich-Mühsam-Text-und-Lieder-Revue
Berlin: Die Buchmacherei, 2016
von Angela Klein
Die Buchmacherei hat eine kleine, ansprechend gestaltete Broschüre mit Auszügen aus Schriften und Gedichten von Erich Mühsam herausgegeben. Maren Rahmann hat die Gedichte vertont – eine CD liegt der Broschüre bei. Dazwischen werden Text von Mühsam gelesen, die Auskunft geben über seinen Werdegang und die Gedichte sozusagen miteinander verbinden.
Krimi: Simone Buchholz: Blaue Nacht
Berlin: Suhrkamp, 2016. 235 S., 14,99 Euro
von Udo Bonn
Ganz am Ende sitzen sie, der Faller, der Calabretta, der Schulle, der Brückner, Rocco, Karla, Klatsche und Riley im Stadion, um den FC St.Pauli mit seinem neuen sympathischen Trainer beim Kampf gegen den Abstieg zu unterstützen. Nicht nur die 11 auf dem Platz scheinen auf der Verliererseite zu spielen. Wenn man in Hamburg einem Gangster die Eier wegschießt, ist Schluss mit Karriere als ermittelnde Staatsanwältin.
Patrick Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise.
München: C.H.Beck, 2016. 332 S., 21,95 Euro
von Angela Huemer
Die neue Odyssee nennt Kingsley sein Buch, wissend, dass Migration mitnichten ein neues Phänomen ist. Nicht umsonst stellt der äußerst begabte und belesene junge Journalist und Autor ein Zitat aus Homers Odyssee (V.Gesang) voran, das ich hier wiedergeben will, da es trefflicher nicht sein könnte (Kingsley verweist im Buch übrigens auch auf Vergils Aeneis):