Woodstock in Timbuktu
Deutschland 2012, Regie: Désirée von Trotha
von Angela Huemer
Ein fast klischeehaftes, emblematisches Bild, das auch das Filmplakat ziert, rahmt den Film ein: Vor der untergehenden Sonne stehen Kamele im Gegenlicht, schwarze Silhouetten sind zu sehen. Nur kurz schwelgen wir in der Wüstenromantik, dann sehen wir einen Musiker auf der Bühne des Musikfestivals «Festival au désert». Kurz darauf stellt sich die Filmemacherin selbst vor, Désirée von Trotha, geb. 1961, Regisseurin, Autorin und Fotografin. Sie studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, hat zahlreiche Dokumentationen gedreht. Seit 1991 verbringt sie rund sechs Monate im Jahr in der südlichen Sahara, den Tuareggebieten Algeriens, Nigers und Malis sowie im Norden des Tschad.
No Place on Earth
USA 2012, Regie: Janet Tobias
von Peter Nowak
Der Film erzählt die bisher unbekannte Geschichte des Überlebenskampfs ukrainischer Juden im Nationalsozialismus.
Die deutschen Verbrechen in der Nazizeit werden schon lange historisiert. Die Menschen, die sie noch selber erleiden mussten, sind fast alle tot. Daher verdienen Filme, in denen die heute Hochbetagten noch selber zu Wort kommen, besondere Aufmerksamkeit.
Mad Men – Fernsehserie, USA, seit 2007
Erfinder der Serie und Chef-Autor: Matthew Weiner
von Angela Huemer
Mad Men, verrückte Männer möchte man meinen, doch nein, gleich nach dem Vorspann – eine Art Animation, in der ein Mann in New York viele Stockwerke langsam hinunterfällt – wird erklärt, was der Begriff bedeutet. ‘A term coined in the late 50s to describe the advertising executives of Madison Avenue.’ Kurze Pause und dann, im nächsten Absatz: ‘They coined it.’ (Ein Begriff, der in den späten 50er Jahren geprägt wurde, um die Werbeleute der New Yorker Madison Avenue zu beschreiben. Sie prägten ihn.)
Work hard play hard
Deutschland 2011. Regie: Carmen Losmann. DVD 15,99 Euro
von Angela Huemer
Vor ein, zwei Jahren saß ich mal in der S-Bahn, wohin, weiß ich nicht mehr, nur noch, dass mit mir im Viererabteil drei sich angeregt miteinander unterhaltende, korrekt und adrett gekleidete Manager saßen. Sie sprachen rasch und nicht leise. Es brauchte etwas zu merken, dass sie tatsächlich deutsch sprachen, englische Begriffe in strammer deutscher Aussprache flogen durch den Raum. Obwohl ich mich – neugierig wie ich nun mal bin – darum bemühte zu verstehen worüber sie reden, verstand ich nichts. Eine fremde Welt.
Sobre la misma tierra – Von der Kunst des Überlebens
Film, Kolumbien, Spanien 2011. Regie: Laura Sipán
von Angela Huemer
Der Film der jungen Regisseurin Laura Sipán führt uns an zwei sehr entgegengesetzte Orte Kolumbiens: einmal in eine entlegene Bergregion, Sur de Bolivar, in der die Bewohner auf altmodische Weise Gold abbauen, ein anderes Mal nach Cali, eine der größten Städte Kolumbiens.
Abraham Lincoln, der Revolutionär
Steven Spielbergs Film Lincoln rückt die Abschaffung der Sklaverei wieder in den Mittelpunkt des Verständnisses vom Amerikanischen Bürgerkrieg
von Alan Maass
Steven Spielbergs Lincoln handelt nur von einer – allerdings entscheidenden – Episode eines jahrelangen Kampfes: von der Abstimmung im Repräsentantenhaus während der letzten Monate des Amerikanischen Bürgerkriegs über den 13.Zusatzartikel zur Verfassung, der die Sklaverei für illegal erklärte. Und er handelt hauptsächlich von einem Protagonisten in diesem Kampf: Abraham Lincoln, eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Kampf gegen die Sklaverei. Seine Geschichte ist die eines politisch Moderaten, der durch die Ereignisse eine Wandlung durchmachte, dem es gelang, sich auf die Höhe der historischen Aufgaben zu erheben, als andere in seiner Umgebung dies nicht taten, und der auf diese Weise zur Sache der Freiheit einen wichtigen Beitrag leistete.
Auf vielen Stühlen – Ein Leben in Deutschland
(Sobre varias sillas – Una vida en Alemania), Deutschland 2011 (Spanisch mit deutschen Untertiteln), Regie: Ainhoa Montoya Arteabaro
von Gaston Kirsche
Vicente Martínez, Andrea Miragaya, Rosa Fava, Encarnación Gutiérrez und José Valdueza sind fünf sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind mit einem oder zwei Elternteilen aus Spanien in Deutschland aufgewachsen und leben in Hamburg. Im Dokumentarfilm erzählen sie, wie es war, als «Gastarbeiterkind» aufzuwachsen.
Das Lachen der Hannah Arendt
Hannah Arendt, Deutschland 2012. Regie: Margarethe von Trotta
von Tanja Schultz
Dieser Film war lang erwartet worden, da er in einer Reihe mit Trottas anderen großen Frauenfilmen, Bleierne Zeit, Rosa Luxemburg und Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (stets mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle) – steht, und weil Hannah Arendt zurzeit als kompromisslose Denkerin der Globalisierung und Menschenrechte wieder neu entdeckt wird.
Film: «in Arbeit». Die Kooperativen Placido Rizzotto und Pio La Torre
Regie: Arne Hector, Minze Tummescheit
von Angela Huemer
Arne Hectors und Minze Tummescheits Film über Kooperativen in Sizilien, die auf ehemaligen Mafia-Besitztümern entstanden, ist kein traditioneller Dokumentarfilm. Er ist der dritte Teil einer Reihe, die sich «in arbeit» nennt, «eine dokumentarische Serie, eine filmische Untersuchung zu Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen kollektiven Handelns», so die beiden Filmemacher im Klappentext der DVD. Wir sehen zwar einige Arbeitsvorgänge der Kooperative, wie die Weinlese, doch der eigentliche Kern des Films ist sozusagen abstrakt-theoretisch.
Das Ding am Deich. Vom Widerstand gegen ein Atomkraftwerk
Regie: Antje Hubert. Deutschland 2012
von Gaston Kirsche
Die Wilstermarsch ist flach. Fruchtbares Land an der Unterelbe, auf halber Strecke zwischen Hamburg und der Nordsee. Durchzogen von Wettern, breiten Entwässerungsgräben. Was Wettern sind, wussten in Hamburg auf einmal viele, als 1976 bekannt wurde, dass mitten in die Marsch, direkt ans Elbufer, ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte.
CINEMA! ITALIA!
von Gaston Kirsche
Neue und anspruchsvolle Produktionen laufen beim jährlichen Festival des Italienischen Films im Original mit deutschen Untertiteln, das bis zum 19.Dezember durch 29 Städte und 32 Kinos tourt. Dieses Jahr wird CINEMA! ITALIA! 15 Jahre alt. Zeit, sich nach der Pubertät in der Arbeitswelt zu orientieren: Drei von sechs Filmen stellen dieses Jahr die sozialen Verwerfungen durch die Krise in den Mittelpunkt.
Film: Chris Marker 1921–2012
von Angela Huemer
«Er erzählte mir von Sei-Shônagon, einer Ehrendame der Prinzessin Sadako, Anfang des 11.Jahrhunderts der Heian-Periode. Shônagon hatte eine Manie für Listen: die Liste der ‹eleganten Dinge›, der ‹trostlosen Dinge› oder aber der ‹Dinge, die es nicht wert sind, getan zu werden›. Eines Tages hatte sie die Idee, die Liste aufzustellen der ‹Dinge, die das Herz schneller schlagen lassen›.»