Residenzpflicht
Dokumentarfilm 2012, Regie: Denise Garcia Bergt
von Tanja Schultz
Das Babylon in Berlin ist ein bewährter Premierenort für deutsche Erstaufführungen, es war sehr gut besucht und erfüllt von einer besonderen Atmosphäre: Denn es war ein besonderes Publikum anwesend, viele Aktivisten, die in dieser Produktion mitwirkten, sahen sich nach langer Zeit wieder. Man darf nicht vergessen, viele der Aktivisten unterliegen ihrerseits der Residenzpflicht…
Countdown am Xingu II
Deutschland 2012. Regie: Martin Keßler
von Angela Huemer
Martin Keßler ist mit dem Amazonas vertraut: 2009 berichtete er bereits in seiner 90-Minuten-Dokumentation «Kampf um Amazonien» ausführlich über die Auswirkungen von riesigen Staudämmen auf Menschen und Natur. Der Film war von Hoffnung getragen, besonders beeindruckend war der energische Auftritt der Indigenen beim Sozialforum – sie machten auf ihr Anliegen aufmerksam, den Kampf gegen das riesige Kraftwerk von Belo Monte (siehe SoZ 12/2010).
Der Kampf gegen «Belo Monte»
von Martin Keßler
Der Regisseur der Dokumentation Countdown am Xingu II (siehe Filmbesprechung) informiert über die langjährige Geschichte des Staudammprojekts und den anhaltenden Widerstand dagegen.
Für die Indigenen des brasilianischen Amazonasgebiets ist der Xingu ein heiliger Fluss. Doch dieser Tage wird ihr Fluss geschändet.
Die Farbe des Ozeans
Deutschland/Spanien 2011, Regie: Maggie Peren
von Angela Huemer
Der Film beginnt mit einem langen Prolog. Eine junge Frau klopft heftig an Tür und Fenster, José ruft sie, José. José liegt noch im Bett, er hört sie – doch er ignoriert sie. Er stellt sich unter die Dusche und hält sich die Ohren zu.
Diagonale 2012
Festival des österreichischen Films
von Kurt Hofmann
Eine Leistungsbilanz, ein Blick auf das breite Spektrum unterschiedlicher Formen, ein unprätentiöser Versuch von Gegenöffentlichkeit mit filmischen Mitteln: All dies und mehr ist das Festival des Österreichischen Films, die Diagonale. Der Ort ist Graz, die Ausgabe war die fünfzehnte.
Film: Generation Kunduz – Der Krieg der Anderen
Dokumentarfilm, BRD 2011, Regie: Martin Gerner
von Rolf Euler
Das Beeindruckendste an diesem Film sind die Nahaufnahmen von Mirwais, dem zehnjährigen Jungen aus Afghanistan, der uns erzählt, warum der Krieg schlecht ist: Er kann nicht richtig zur Schule gehen, er muss Schuhe putzen, er wärmt sich die Hände am Straßengrill, riecht die gebratenen Stücke und kauft sich nichts zu essen, um das wenige Geld nach Hause zu bringen. Mirwais erklärt uns den Krieg – den man in dem Film nicht sieht, aber immer im Hintergrund spürt – nur zwei-, dreimal fahren deutsche gepanzerte Fahrzeuge durchs Bild – das ist der Krieg der anderen, und der Film zeigt afghanische junge Menschen, die die Folgen täglich zu spüren bekommen.
The Black Power Mixtape 1967–1975
Dokumentarfilm, Schweden/USA/BRD 2011, Regie: Göran Hugo Olsson
von Gaston Kirsche
The Black Power Mixtape 1967–1975 ist ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm. Er ist eine erlesene Mischung aus neu zusammengestelltem, lange vergessenen historischem Filmmaterial des schwedischen Staatsfernsehens über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung Black Panther und Interviews, die 2010 mit einigen der damaligen Protagonisten sowie Künstlern und Historikern geführt wurden, die sich heute auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung beziehen.
Eindrücke von der Berlinale 2012
Ein lohnendes Vergnügen
von Andreas Bodden
Dies ist ein völlig subjektiver Bericht von der Berlinale 2012. Ich bin als ganz normaler Besucher nach Berlin gefahren und habe mich in die lange Schlange am Kartenschalter angestellt. Mal hatte ich Glück und bekam die Karten für die Filme, auf die ich scharf war, mal hatte ich Pech und die Vorstellung war bereits ausverkauft. So gelang es mir nicht, Karten für den Film Aujour d’hui des senegalesischen Regisseurs Alain Gomis zu ergattern.
Michel Hazavanicius, The Artist
Frankreich 2011
von Angela Huemer
Schon bei der Titelsequenz, den «opening titles», merkt man, dass man hier nicht nur einen Film sieht, sondern eine Zeitreise unternimmt. Ein Stummfilm, kein Dialog, nur schwarz-weiß und noch dazu kein Breitband-Format, an das wir uns mittlerweile nicht nur im Kino gewöhnt haben. Kann das gut gehen?
Theo Angelopoulos (1935–2012)
Studien zur europäischen Geschichte
von Paul B. Kleiser
Am 24.Januar 2012 wurde der griechische Filmregisseur Theodoros Angelopoulos bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film Das andere Meer, in dem er sich auch mit den Folgen der Finanzkrise für Griechenland auseinandersetzen wollte, beim Überqueren der Straße in Piräus von einem Motorrad erfasst. Er starb ein paar Stunden später im Krankenhaus. Er wurde 76 Jahre alt. Das Land verliert mit ihm seinen größten Filmemacher und das europäische Kino einen der bedeutendsten zeitgenössischen Regisseure.
Fremd
Fremd, Deutschland 2011, Regie: Miriam Fassbender
von Angela Huemer
Zu Beginn zeichnet Mohamed, einer der beiden Protagonisten des Films mit schwarzer Kreide eine Landkarte, es ist eine ungewöhnliche, eine abstrakte Landkarte Afrikas, sie zeigt die Reiseroute bis Nordafrika, dort, wo so viele hoffen, in eine der spanischen Enklaven in Marokko vorzudringen oder das Meer nach Europa zu überqueren. «Europa ist das Paradies» heißt es irgendwann im Film, «nein», «Europa ist nicht das Paradies, es ist nur das Paradies für Afrika.»
«My Home is my Castle»
«My Home is my Castle», Länge: 75 Minuten, Deutschland, 2011, Buch und Regie: Alexander Kleider, Daniela Michel, Marco Müller, Musik: Eckes Malz
von Angela Huemer
Die Motivation für diesen Film ist hochpolitisch – die Schlagzeilen, die in den letzten Jahren aus Ungarn zu uns dringen, drehen sich vor allem um offenen Rassismus, Rechtsradikalismus und massive Einschränkungen der Pressefreiheit. Grund genug also, einen harten, polemischen Film über Lebenswelten in Budapest zu machen.