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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Ein tödlicher Systemfehler

Corona, Kapitalismus und Natur
von Marijke Colle*

Innerhalb weniger Tage stand im Monat März die gesamte Automobilindustrie still. Ende März wurden bereits 1,2 Millionen Pkw weniger produziert. Die gesamte Luftfahrtindustrie ist am Boden.

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Das DGB-Ortskartell

Die Zukunft nicht den Bossen überlassen
von Manfred Dietenberger

In schwindelerregendem Tempo katapultierte die Corona-Pandemie Deutschland und die Welt in eine allumfassende Krise, eine Kombination aus Shutdown-, Wirtschafts- und Finanzkrise. Und alles andere als nur nebenbei droht uns schon übermorgen die Klimakatastrophe. Damit drängen alle Widersprüche des kapitalistischen Systems fast gleichzeitig an die Oberfläche.

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Nur Online Mai 2020 Arbeitswelt,Staat/Parteien,Startseite, | 

Im Kapitalismus sind Arbeitskräfte Waren

Das darf nicht so bleiben
von Manuel Kellner

Die etablierte bürgerliche Politik navigiert in der Corona-Krise auf Sicht. Viele ihrer Maßnahmen sind zu spät gekommen, vieles hat sie nicht gemacht – vor allem die unnötige oder nicht vordringliche Produktion hat sie nicht unterbunden.

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Nur Online Mai 2020 Arbeitswelt,Industrie,Staat/Parteien, | 

Corona

Chance für eine ökosozialistische Konversion der Produktion
von Thomas Sablowski

Das Handeln der kapitalistischen Staaten in der Coronakrise ist durch einen grundsätzlichen Widerspruch gekennzeichnet.

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Der neue Burgfrieden

Das Kapital nutzt die Gunst der Stunde
von Manfred Dietenberger

In Zeiten der Not stehen die Spitzenvertreter von Staat, Kapital und Arbeit bekanntlich in Treue fest zusammen. Das war nicht immer so.

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Nur Online Februar 2020 Arbeitskämpfe,Arbeitswelt, | 

Schöne neue Arbeitswelt. Prekarisierung

Über die Bedingungen von Widerstand unter prekären Verhältnissen
von Thomas Goes

«Man vernutzt uns hier wie Maschinen», sagte ein Leiharbeiter, den ich im Rahmen eines Forschungsprojekts interviewen konnte, über seine Arbeitssituation. Leistung würde sich nicht lohnen, führe nicht zu einer unbefristeten Anstellung – von Anerkennung durch Vorgesetzte im Betrieb kaum eine Spur. Der Lohn war so niedrig, dass er noch einen Nebenjob brauchte.

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Nur Online Januar 2020 Gemeingüter,Handel/Banken,Konjunktur/Krise, | 

Kapitalisten in Deutschland

Reich, verunsichert, zerstritten
von Ingo Schmidt

Ein Blick in die Einkommens- und Vermögensstatistik zeigt deutlich: Den Kapi­talisten in Deutschland geht es sehr gut. Aber sie sind unzufrieden. Und das nicht nur, weil der Trieb nach noch mehr Geld die bereits aufgehäuften Reichtümer stets als unzureichend erscheinen lässt.

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Nur Online Dezember 2019 Geschichte,Gesellschaft, | 

Mit Poulantzas kämpfen

Klassen und Staat im Kapitalismus, Teil 2
von Thomas Goes

Wie im ersten Teil dieses Artikels dargelegt (SoZ 11/2019), hat Nicos Poulantzas Klassenbeziehungen von vornherein im Zusammenhang mit politischer Herrschaft analysiert. Das drückte sich zum einen in der Art seiner Klassenbestimmung, zum anderen in seiner Theorie des kapitalistischen Staates aus.

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Wirtschaft im Abschwung

Der spekulationsgetriebene Kapitalismus
von Ingo Schmidt

Alles wie immer? Erst warnen die Wirtschaftsforscher vor einem Nachlassen der Aufschwungskräfte. Dann diagnostizieren sie eine leichte Rezession, stellen aber bereits die konjunkturelle Erholung in Aussicht. Mit aller gebotenen Vorsicht natürlich.

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Nur Online November 2019 Geschichte,Gesellschaft,Zur Person, | 

Mit Poulantzas kämpfen

Klassen und Staat im Kapitalismus, Teil 1
von Thomas Goes

Am 3.Oktober 1979 nahm sich der marxistische Politikwissenschaftler Nicos Poulantzas das Leben, gerade 43 Jahre alt.

Poulantzas gehörte zu einer Generation marxistischer Intellektueller, die unter historisch außergewöhnlichen Bedingungen wirkte: innerhalb und im Umfeld der großen «eurokommunistischen» Parteien Italiens und Frankreichs, die nach einem demokratischen Weg zum Sozialismus suchten; im Schatten der Jugendradikalisierung Ende der 1960er Jahre und einer lebendigen, wenngleich sich dogmatisierenden radikalen Linken; im Rahmen eines Marxismusrevivals an den Universitäten, die zu Hochburgen der gesellschaftlichen Linken wurden.

Marxismus als strategische und eingreifende Wissenschaft
Poulantzas verfolgte vor diesem Hintergrund eine Art «strategische und eingreifende Wissenschaft», die sich direkt auf die Kämpfe der Arbeiterbewegung und der Linken bezog. Deren Probleme wurden aufgegriffen, um durch Analyse und Theoriebildung zu ihrer Lösung beizutragen.
Was können wir 40 Jahre später aus Poulantzas’ Arbeiten lernen, um eine wirkungsvolle antikapitalistische Alternative zu schaffen?
Strategisch besonders wichtig sind heute noch Poulantzas’ Beiträge zur Klassenanalyse der 70er Jahre und zur Staatstheorie. Von vornherein bestimmte Poulantzas Klassen im Zusammenhang mit der politischen Macht, nicht zuletzt also mit dem kapitalistischen Staat, der laut Poulantzas «immer schon» in den Klassenverhältnissen wirkt (und nicht erst nachträglich interveniert). In der Staatstheorie versuchte Poulantzas schließlich nicht nur wissenschaftlich zu bestimmen, in welchem Verhältnis Klassen- und Staatsmacht zueinander stehen, sondern wie der Staat die Handlungsbedingungen der Volksbewegungen und der Linken beeinflusst.

Klassen und Arbeitsteilung
Klassen, so Poulantzas, existieren aufgrund der Gesamtheit der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Dazu gehört, wer wirklich über die Produktionsmittel verfügt, aber auch die damit zusammenhängende ideologische und politische Arbeitsteilung, die für Klassengesellschaften typisch ist.
Ausführlicher habe ich Poulantzas’ Klassentheorie in meinem Buch Klassen im Kampf dargestellt. Hier stilisiere ich deshalb: Gesellschaften (bei Poulanztas heißt es «Gesellschaftsformationen») bestehen immer aus einer Kombination von Produktionsweisen, wobei eine davon immer die dominierende ist. Jede Produktionsweise hat zwei Hauptklassen, in der kapitalistischen sind es die Bourgeoisie und die Arbeiterklasse.
Neben den beiden Hauptklassen entstand in der kapitalistischen Produktionsweise eine lohnabhängige Zwischenklasse, die zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse existiert. Poulantzas sah darin, neben dem traditionellen Kleinbürgertum (einfache Warenproduzenten und Kleinhändler), eine Fraktion des Kleinbürgertums. Er zählte im Prinzip alle Lohnabhängigen zu dieser Klasse, die aufgrund ihrer sozialen Stellung ideologisch und politisch daran mitwirken, Klassen- und Klassenherrschaft zu reproduzieren (z.?B. LehrerInnen, WissenschaftlerInnen, ManagerInnen) und Beschäftigte innerhalb der Staatsbürokratie (also Beschäftigte in den Staatsapparaten, die nicht durch das Kapital ausgebeutet werden).

Der Klassencharakter «neuer» Gruppen von Lohnabhängigen
Das politische Anliegen hinter dieser Analyse bestand darin, die materiellen und politischen Interessen dieser verschiedenen lohnabhängigen Gruppen, ihr klassenpolitisches Eigengewicht, angemessener zu bestimmen. Immerhin haben sie im Zuge der Herausbildung des Spätkapitalismus fortwährend an Bedeutung gewonnen.
Deshalb tauchte auch in den Kommunistischen Parteien die Frage auf, ob und wie ein Bündnis zwischen diesen Gruppen und der Arbeiterklasse zu schmieden wäre. In der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus war daher von «Zwischenschichten» die Rede, derart schwankend, dass sie bei korrekter Politik der Linken und entsprechender Stärke der Arbeiterklasse «relativ einfach» für ein Bündnis gewonnen werden könnten.
Poulantzas’ Analyse mahnt hier zur Vorsicht. Zwar, so lässt er etwa in seiner Arbeit «Klassen im Kapitalismus – heute» wissen, sei ein derartiges Bündnis notwendig (und auch möglich), aber das Eigeninteresse der Mittelklasse müsse genau bestimmt werden, um Widersprüche und Grenzen der Zusammenarbeit zu klären. Unter anderem müssten die klasseninternen sozialen und politischen Differenzierungsprozesse genau betrachtet werden, die bewirken, dass sich Teile der Mittelklasse in Richtung Arbeiterklasse neigen.
Überzeugt diese Analyse auch weitgehend, geht Poulantzas aber doch einen Schritt zu weit. Zur Arbeiterklasse zählt er lediglich ArbeiterInnen, die direkt an der Mehrwerterzeugung beteiligt sind. Beschäftigte im Großhandel oder in der kapitalistisch organisierten Gesundheitswirtschaft würden aus dieser Perspektive zum Kleinbürgertum gehören. Das ist eine sehr verkürzte Klassenbestimmung. Angemessen wäre es, zwischen einer Arbeiterklasse zu unterscheiden, zu der alle gehören, die an der Erzeugung von Mehrwert beteiligt sind, ob nun im Bankensektor (Zirkulation I), im Industriesektor (Produktion) oder im Handel (Zirkulation II), und einer lohnabhängigen Mittelklasse sowie dem Kleinbürgertum. Zur Mittelklasse gehören Staatsbeschäftigte und Lohnabhängige, die – aufgrund ihrer sozialen Stellung – ideologisch und politisch an der Ausübung von Klassenherrschaft mitwirken. Sie bilden aber keine Fraktion des Kleinbürgertums.

Das notwendige Volksbündnis
Laut Poulantzas – hier in Übereinstimmung mit den eurokommunistischen Debatten der damaligen Zeit – müsste die Linke aus diesen Klassen (bei ihm: aus der Arbeiterklasse und den von ihm bestimmten beiden Fraktionen des Kleinbürgertums) ein Bündnis schmieden. In Anlehnung an Lenin nannte er dieses Klassenbündnis «das Volk». Innerhalb dieses Volksbündnisses müsste die Arbeiterklasse die führende Kraft werden. Diese Überlegungen sind auch 40 Jahre später noch wichtig, weil die Gruppen von Lohnabhängigen, die nicht zur Arbeiterklasse gehören, an Gewicht gewonnen haben.

Zwei falsche klassenpolitische Linien
Innerhalb der Linken kursieren heute zwei m.?E. problematische Vorstellungen. Die erste zählt zur Arbeiterklasse alle Menschen, die lohnabhängig sind, also ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Im Nachhinein werden dann Gruppen herausgerechnet, die der eigenen sozialistischen Perspektive nicht ganz passen: z.?B. ManagerInnen, höhere Staatsfunktionäre oder Polizisten. Das ist aber keine Analyse mehr, sondern grenzt an Beliebigkeit. Wichtiger: Mit dieser «breiten» Bestimmung einer «Lohnabhängigenklasse» wird gerade das verwischt, was erfolgsversprechende sozialistische Politik braucht: die klare Bestimmung von Widersprüchen und Konfliktpotenzialen innerhalb des Volkes.
Die zweite falsche Vorstellung besteht in einer Art «Arbeitertümelei», die bisher theoretisch kaum ausformuliert wurde, die sich aber insbesondere bei AnhängerInnen der gescheiterten Initiative «Aufstehen» fand. Abgewertet wurden darin sowohl neue Fraktionen der Arbeiterklasse, die nicht dem Blaumannbild des Produktionsarbeiters entsprachen, als auch qualifizierte Angehörige der lohnabhängigen Mittelkasse.
Beide Vorstellungen sind problematisch, beide verhindern eine angemessene klassenpolitische Bündnispolitik, in der die ArbeiterInnen führend sein sollten.

Fortsetzung folgt