Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden
Arbeitswelt 1. Januar 2018

Jan C. Zoellick: Postwachstum. Unser Leben nach dem Wachstumswahn.

isw-Report 110, September 2017. 28 S., € 2,50
von Angela Klein

Mit dem prophezeiten Ende des Verbrennungsmotors ist in der Öffentlichkeit auch ein Diskurs angekommen, der es wagt, das bisherige Mobilitätskonzept, das auf dem privaten Pkw basiert, in Frage zu stellen. Er greift Vorstellungen von einer Lebensweise auf, in deren Mittelpunkt nicht der maximale Produktionsausstoß steht, sondern die beste und ressourcenschonendste Dienstleistung.

Geschichte 1. Januar 2018

Frau, Familie, Sexualmoral, Kultur

Frühe Errungenschaften der Oktoberrevolution
von Manuel Kellner

Die junge Räterepublik brachte die rechtliche und politische Gleichstellung der Frauen mit den Männern – ein völliger Bruch mit den Verhältnissen unter dem Zarismus.

Am 19. und 20.Oktober 1917 wurde die zaristische Familiengesetzgebung durch das «Dekret über die Ehescheidung» und das «Dekret über die Zivilehe, die Kinder und die Führung der Personenstandsregister» ersetzt. Für Eheschließung und Scheidung (auch auf Antrag von nur einer der beiden Seiten) genügte nun die einfache standesamtliche Registrierung.

Buch 1. Januar 2018

Krimi Tipp: Ahmet Ümit: Die Gärten von Istanbul

Übers. Sabine Adatepe. München: btb, 2017. 734 S., € 12
von Udo Bonn

Sie liegen da, ein Schnitt durch die Kehle, blutleer. Die Beine gespreizt, in den gefesselten Händen eine Münze. Sieben Tote an sieben Tagen. Fundorte sind die großen historischen Gebäude von Byzanz, Konstantinopel, Istanbul. Die Stadt mit den vielen Namen und der großen Geschichte. Die Münzen sind historisch mit den Prägungen von Byzas, Konstantin, Theodosius, Justinian, Sultan Mehmed II., Sultan Süleyman I. Was verbindet die  Toten und wer hat ein Interesse an ihrem Tod?

Buch 1. Januar 2018

Mein Buch des Jahres: Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben (Originaltitel: A Little Life)

Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Berlin: Hanser Berlin, 2017. 957 S., 28 Euro
von Petra Hartlieb*

Entwicklungsroman, Männergeschichte, aber…

Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe schon alles gelesen. Immerhin lese ich seit fünfundvierzig Jahren und seit ungefähr zwanzig Jahren professionell, zuerst als Literaturkritikerin, jetzt als Buchhändlerin. Das ist das Schöne an meinem Beruf – die Fülle an Themen, die unfassbare Auswahl, die ich zur Verfügung habe.

Geschichte 16. Dezember 2017

Fabrikkomitees und Arbeiterkontrolle in der russischen Revolution

Zur Sozialisierung getrieben*
von Manuel Kellner

Die Forderung nach «Arbeiterkontrolle» und eine entsprechende Praxis sind in der aktuellen sozialistischen Debatte – zumindest in Deutschland – weitgehend unbekannt.

Gemeint ist damit das erkämpfte Recht von Belegschaften, in Entscheidungen von Unternehmenseigentümern oder Geschäftsleitungen einzugreifen bzw. sie von der Zustimmung ihrer gewählten Kontrollausschüsse abhängig zu machen.

Geschichte 16. Dezember 2017

«Deine Depression ist mir nicht fremd…»

Zum 50.Todestag von Roman Rosdolsky
von Yurii Colombo

Als Roman Rosdolsky am 20.Oktober 1967 in Detroit starb, hatte er gerade die Fahnen seines Buches Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen «Kapital» fertig korrigiert. An diesem Werk, das im folgenden Jahr postum erschien, hatte er fast zwanzig Jahre gearbeitet. Es war die erste und bedeutendste Monografie zu Marx’ Grundrissen. In zahlreiche Sprachen übersetzt, förderte sie deren Verbreitung und hatte bedeutenden Einfluss auf deren spätere Interpretation.

Geschichte 16. Dezember 2017

Das Bauhaus – ein politisch unliebsames Projekt

Eine szenische Lesung erinnert an den Kulturkampf der Nazis
von Gregor Kritidis

«Wir fordern deshalb größte Sparsamkeit und … sofortige Streichung sämtlicher Ausgaben für das Bauhaus.» Mit dieser Forderung trat die NSDAP zur Gemeinderatswahl am 25.Oktober 1931 an. Zudem sollte «der Abbruch des Bauhaus sofort in die Wege geleitet» werden. Kaum ein Jahr später – vor 85 Jahren – wurde die erste Forderung umgesetzt. Aus diesem Anlass hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt am 19.11. im Bauhaus eine szenische Lesung zur Vertreibung der Kunst-, Design und Architekturschule aus Dessau veranstaltet.

Buch 16. Dezember 2017

Harald Rein: Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen…! Bemerkungen über den Zusammenhang von Alltag und Protest.

Wasserburg: AG SPAK, 2017. 184 S., 14,80 Euro
von Peter Nowak

Wenn von armen Leuten die Rede ist, schwingt schnell ein Klang von Bedauern und Mitleid mit. Doch wenn der Sozialwissenschaftler und Erwerbslosenaktivist Harald Rein seinem neuesten Buch den Titel Wenn arme Leute sich nicht mehr fügen gibt, knüpft er an eine Debatte über die Poor Peoples Movements an. Es sind soziale Bewegungen von Menschen, die weitgehend außerhalb der Lohnarbeitsprozesse stehen.

Buch 16. Dezember 2017

Gerth M. Neugebauer: Erde in Not

Wien: Promedia, 2017. 216 S., 19,90 Euro
von Rolf Euler

Alles achtet auf die Klimaentwicklung und die oft fruchtlosen Verhandlungen zur Begrenzung der Treibhausgase. Inzwischen findet jedoch «heimlich» eine weitere Katastrophe für den Planeten statt: die Vernichtung fruchtbaren Bodens durch die globalisierte und technisierte Produktionsweise.

Buch 16. Dezember 2017

Krimitipp: Lisa Sandlin: Ein Job für Delpha

Deutsch von Andrea Stumpf. Berlin: Suhrkamp, 2017. 351 S., 9,95 Euro
von Udo Bonn

Wie schön kann die Ruhe eines eigenen Zimmers sein, der Blick aus einem unvergitterten Fenster statt auf einen Gefängnishof. Und um wie viel schöner ist dann noch ein Angelausflug auf einem See und erst Recht die Autofahrt zum Meer mit einem attraktiven jungen Mann. Delpha Ward war 14 Jahre eingesperrt, weil sie in Notwehr einen Vergewaltiger umgebracht hat. So ist mit Frauen Ende der 50er Jahre in Texas umgegangen worden, und 1973 hat sich daran nicht viel geändert.

Amerika 16. Dezember 2017

Daniel Viglietti (1939–2017)

Stimme der lateinamerikanischen Revolution
von hgm

Am 30.Oktober starb der uruguayische Sänger und Songschreiber Daniel Viglietti im Alter von 78 Jahren in Montevideo. Er war einer der bekanntesten Vertreter des uruguayischen und lateinamerikanischen populären und politischen Liedes. Sein Freund Eduardo Galeano nannte ihn die «wohlklingende Stimme, die die Wände erzittern lässt». Drei Tage vor seinem plötzlichen Tod war Viglietti noch bei einem Konzert zu Ehren Che Guevaras aufgetreten.

Geschichte 1. Dezember 2017

Die russische Revolution und die Ökologie

Eine allzu kurze Begegnung
von Daniel Tanuro

Im Januar 1919 tobte der Bürgerkrieg, die weißen Armeen waren auf dem Vormarsch, das Russland der Oktoberrevolution war in Lebensgefahr, das Territorium der jungen Sowjetrepublik beschränkte sich auf das Umland von Petrograd und Moskau. Doch am 16.Januar 1919 hieß das Thema in Lenins Arbeitszimmer im Kreml Naturschutz.