Krimi: Don Winslow: Das Kartell
Übersetzung Chris Hirte. Droemer Verlag, 2015. 831 S., 16,99 Euro
von Udo Bonn
Am 26.September letzten Jahres wurden 43 Lehramtsstudenten in der mexikanischen Stadt Iguala von Sicherheitskräften festgenommen, an eine örtliche Drogenbande übergeben und von dieser ermordet. Trotz der Festnahme des PRD-Bürgermeisters und des Chefs der Bande sind weder die Opfer identifiziert noch das Netzwerk aus Politik, Polizei und Drogengang wirklich aufgedeckt.
Philipp Ther: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent
Eine Geschichte des neoliberalen Europa. Berlin: Suhrkamp, 2014.
431 S., 24,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Ein Vierteljahrhundert nach der historischen «Wende» im Osten, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks und vor allem zur Wiedereinführung des Kapitalismus unter neoliberalem Vorzeichen führte, versucht sich der Wiener Historiker Philip Ther an einer «Geschichte des neoliberalen Europa».
Selbstorganisation der Arbeiterklasse
Trotzki vor 75 Jahren ermordet – was bleibt?
von Manuel Kellner
Am 20.August 1940 wurde Leo Trotzki von dem Agenten des sowjetischen Geheimdiensts, Ramón Mercader, im Auftrag Stalins in Mexiko erschlagen. Er war eine herausragende Persönlichkeit der Oktoberrevolution von 1917 in Russland und der Kommunistischen Internationale in ihren ersten Jahren, und später der prominenteste kommunistische Oppositionelle und Mitbegründer der 1938 gegründeten IV.Internationale.
Karl Marx: Texte, Schriften
Ausgewählt, eingeleitet und kommentiert von Bruno Kern. Wiesbaden: marixverlag, 2015
von Manuel Kellner
Bruno Kern ist promovierter Theologe und Philosoph, dazu radikaler Ökosozialist, der sich früher selber als Marxist verstanden hat und noch heute sehr viel von Marx und seinem Werk hält – wenn auch sehr viel weniger von den meisten seiner «Epigonen», also solchen, die sich auf sein Denken berufen und daraus eine «Weltanschauung» bzw. ein «System» machen.
Musiktipp: The Maccabees
Der Brit-Pop lebt
von Dieter Braeg
In den sattsam bekannten Internetforen, wo Musik gelobt oder in den Keller gepostet wird, entdeckte ich The Maccabees, das Londoner Quintett (benannt nach den Anführern einer jüdischen Rebellenarmee) und ihre neueste CD Marks to prove it: «The Maccabees are back. This is one of their best.» Oder: «Song superbly done, love you guys!»
Krimi: Wu Ming: 54
(Übers.: Klaus-Peter Arnold.) Berlin: Assoziation A, 2015. 526 S.,
24,80 Euro
von Udo Bonn
Bevor Cary Grant in Alfred Hitchcock seinen Mentor gefunden hatte und mit ihm zum Star Hollywoods wurde, lebte er in armen Verhältnissen in England und verdiente sich seinen knappen Lebensunterhalt als Artist und Komödiant.
Auf seine Herkunft angesprochen, versuchen britische Geheimdienstleute ihn für eine pikante, patriotische Mission zu gewinnen: Er soll Tito treffen, der seine Schauspielkunst und seine lässige Eleganz bewundert.
Filmtipp: How to change the world
USA 2015, Regie: Jerry Rothwell
von Angela Huemer
Die Figuren in diesem Film könnten einem Hollywood-mäßigen Abenteuerfilm entstammen. Und auch die Geschichte, die erzählt wird, ähnelt einem Spielfilm. Sie ist exemplarisch. Der Kern der Geschichte ist Bob Hunter, ein politischer Kolumnist der Vancouver Sun mit einer der damaligen Zeit angemessenen Haarmähne und Rauschebart samt intelligentem und freundlichem Gesicht. Vancouver, so erfahren wir bald, war Anfang der 70er Jahre ein besonderer Ort. Die kanadische Hafenstadt am Pazifik war damals eine Hochburg für Hippies, Esoteriker und vor allem politisch Aktive aller Art. Viele Amerikaner waren dort gestrandet, weil sie sich dem Wehrdienst entziehen wollten.
Born to Sing
Van Morrison
von Paul B. Kleiser
Am 31.August feierte der aus dem nordirischen Belfast stammende Liedermacher, Sänger und Musiker George Ivan Morrison, seinen 70. Geburtstag – er war im vergangnen Juni in den Adelsstand erhoben worden. Die meisten deutschen Gazetten haben das Datum geflissentlich übersehen, und wenn sich die Feuilletonisten zu einem Artikel bequemten, dann war die Qualität meistens bescheiden.
Die Hartz-IV-Diktatur. Eine Arbeitsvermittlerin klagt an.
Inge Hannemann, Reinbek: Rowohlt, 2015. 283 S., 9,99 Euro
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Inge Hannemann hat viele Jahre als Arbeitsvermittlerin in einem Hamburger Jobcenter gearbeitet – auch mit Erfolg. Doch als sie anfing, das System zu durchschauen und sich fragte: «Was mache ich da eigentlich?», wurde sie für die Arbeitsagentur untragbar.
Sie war nicht länger bereit, Dienst nach menschenverachtenden und kontraproduktiven Vorschriften zu machen, und so verlor sie ihren Job. Doch sie wollte nicht schweigen und so liegt uns jetzt ein umfangreicher Erfahrungsbericht aus ihrer Zeit als Arbeitsvermittlerin vor.
Marxistisches Wörterbuch der Philosophie
Alfred Kosing, Berlin: Verlag am Park, 2015. 865 S., 39,99 Euro
von Jürgen Meier
Alfred Kosing lebt heute in der Türkei und war seinerzeit Professor für Philosophie in der DDR. Sein Marxistisches Wörterbuch der Philosophie erschien erstmals 1985. Die jetzige Neuauflage begründet der Autor mit der «Krise des Marxismus», deren Beginn er bereits mit der Machtübernahme der kommunistischen Bewegung durch Stalin datiert und die mit dem Zerfall der Sowjetunion und der DDR auf die Spitze getrieben wurde. Aber auch damit, dass er heute «ohne Rücksicht auf irgendwelche Vorgaben und Grenzen» schreiben könne.
Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links
Wolfgang Gehrcke, Köln: PapyRossa, 2015. 177 S., 12,90 Euro
von Anton Holberg
Wolfgang Gehrcke, MdB DIE LINKE, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Vorstands der Linkspartei, hat ein hervorragendes Buch geschrieben und dennoch ist es eine Qual, es zu lesen. Der Grund ist einfach: Bei der flächendeckenden Antisemitismus-Kampagne handelt es sich um ein unappetitliches Gebräu, in dem sich seitens der Giftmischer in individuell unterschiedlichem Maße Unwissenheit und/oder schiere intellektuelle Minderbemitteltheit mit dem Willen zur Volksverhetzung paart.
Alles gehört auf den Prüfstand…namentlich die eigene Geschichte
History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch
Hrsg. AutorInnenkollektiv Loukanikos, Berlin: edition assemblage, 2015
von Renate Hürtgen*
Es war der Zweifel an bisheriger Theorie und Praxis linker Geschichte, der 2013 den Anstoß zu einer Debatte in der Zeitung analyse & kritik (siehe ihre Sonderbeilage: www.akweb.de/themen/sonderbeilage_unwritten.htm) gab. Sie kreiste um die Frage, wie in einer kritischen Auseinandersetzung mit herrschenden und linken Mythen vermieden werden kann, eine Gegenerzählung zu schaffen, die wieder neue Mythen produziert.